Büscheme · Geschichte einer Stadt an der Tauber

Themenpfad

Wein und Häcker

Bischofsheim war über Jahrhunderte eine Weinstadt. Der Wein trug die Steuerkraft der Stadt, machte Händler reich und hielt eine große Schicht von Häckern, den Weinbauern ohne eigenen Besitz, in oft bitterer Armut. Um den Zehnt, den Wein an Kirchen, Stifte und Herren zu liefern hatte, ging es auch im Bauernkrieg.

Der Pfad zeigt den Aufstieg des Weinhandels, die Zunft und Bruderschaft der Häcker, die großen Kunden aus Augsburg bis Salzburg – und das Ende: Nach 1887 wurden etwa 85 Prozent der Rebfläche aufgegeben.

Wo es im Buch steht

Die Daten

60 Einträge. Kennzeichnung: Einträge ohne Vermerk gelten als gesichert.

  1. 741/42Karlmann schenkt dem neuen Bistum Würzburg 25 Kirchen und ein Kloster samt Zehnt aus 26 Königsgütern – aus dem Unteren Taubergau ist keine darunter; das Gebiet gehörte vermutlich zu Mainz. Kapitel 1
  2. 4. Februar 1212Urkunde für das Stift St. Viktor (Mainz-Weisenau): Der Propst erhält den Zehnt „in bischovesheym orientalis Franconie“ – Bischofsheim liegt demnach „in Ostfranken“ und gehört politisch noch nicht zu Mainz (staufisches Lehen; Verzicht Friedrichs II. erst 5.10.1212). Kapitel 2
  3. 7. Juli 1261Exkommunikation im Streit Erzbischof Werners mit Philipp von Hohenfels um Steuerforderungen auf Kirchengut; Vergleich 7.1.1263 (alle Mainzer Fronhöfe, Zehnten und freieigenen Güter in Hohenfels’ Gerichtsbarkeit abgabenfrei). Kapitel 3
  4. 5. Juni 1318Vertrag von Wernsberg: Burggraf Friedrich von Nürnberg, Hohenlohe, Rieneck und Wertheim gewähren Regensburger Bürgern Geleit (je Pferd mit Gewand 4 Schilling Heller, je Eimer Wein 2 Heller). Kapitel 4
  5. 1328/1333Juden als Gläubiger in Bischofsheim: 1328 Jakob wird Judenbürger in Nürnberg; 19.11.1333 zahlen Süßkind von Aschaffenburg und Yeckelin „gesessen zu Byschoffesheim“ 1000 Pfund Heller Schutzgeld an die Herren von Weinsberg. Kapitel 5
  6. 1333/1343Kornhaus; Gülten nach Wertheim oder Bischofsheim; 1338/39 zahlt der Mainzer Keller zwei Turmwächter. Kapitel 6
  7. 5. Juni 1337 – 5. Juni 1338Kellereirechnung des Pfarrers und Kellers Petrus (Liebhard): Rückstand u. a. 23 Fuder Wein, 210 Malter Korn; 1338/39 zwei Turmwächter in Bischofsheim (8 Pfund), Wächter an der Schutzwehr des Schlosses; Haus der Jüdin „Schönlerin“ verkauft (12,5 Pfund); Totschlagbußen Dittigheim 32, Dienstadt 30 Pfund. Kapitel 4
  8. 7. Juni 1342Erzbischof Heinrich III. von Virneburg übernachtet im Schloss Bischofsheim auf dem Weg zu Kaiser Ludwig (10 Fuder Wein, 31 Malter Weizen verbraucht); Mitte Dezember 1342 erneut drei Tage. Kapitel 4
  9. 1351Der Mainzer Dompropst inkorporiert die Pfarrei dem Domkapitel (Zehntherr). Kapitel 6
  10. 31. Oktober 1383Erzbischof Adolf verkauft Burg und Stadt Bischofsheim für 3000 fl an Graf Johann I. von Wertheim (Gerichte, Zehnte, Bußen; Juden „dem Erzbischof zugehörig“) – nur kurz wirksam (Testament 1398). Kapitel 4
  11. 1388–1408Wieder Mainzer Münzstätte: Adolf I. von Nassau (1388–90), Konrad II. von Weinsberg (1390–96), Johann II. (Prägeauftrag 20.9.1404 Miltenberg; Hohlringpfennige mit B; bis 1408). Um 1450 wird die Mainzer Prägung zentralisiert. Kapitel 4
  12. 1390/1391Landsteuer „Zwanzigster Pfennig“ Konrads II. von Weinsberg (ca. 12.000 fl): Bischofsheim 1344 fl (vierter Platz hinter Miltenberg 3562, Aschaffenburg 2681, Dieburg 1781); 1505 erste Rate: Bischofsheim 1450 fl (zweiter Platz hinter Miltenberg 1600). Kapitel 4
  13. 1455Würzburger Bischof Gottfried IV. „frolich gelebt, geessen, getruncken und getantzet“ in Bischofsheim; Torwart Hans Engelhan am unteren Tor; obere Badstube erstmals. Kapitel 6
  14. 1465Acht Bischofsheimer Weinhändler sind namentlich genannt (Hans Mewrer, Hans Stetkrafft u. a.). Kapitel 6
  15. 1466Grabplatte des Hensen Kremer an der Martinskirche mit Hauszeichen und Waage; 1465 ist ein Jorg Kremer als Weinkäufer erwähnt. Kapitel 6
  16. 18. November 1494 / 23. Januar 1495Zehntregister: sechs Landschieder (Hans Ditzel, Johann Cleyn, Dietz Fuger / Wilhelm Hauer, Jorg Doner, Contz Stolzenberg), Notar Heinrich Stoltzenberg; Zehntverteilung nach Gewannen (Mittelberg, Götzberg, Heimelberg, Kychelberg, Spreyt, Ipperg, Nonnenberg/Seligental, Bremenleite). Kapitel 6
  17. 1499Berthold gestattet Bischofsheim zusätzlich vier Maß je Eimer Wein als Ungelt. Kapitel 6
  18. 24. April 1533Vertrag: Propst Johannes Albrecht von Brandenburg verpachtet den Viktor-Zehnt für 80 fl/Jahr an Dompropst Marquard vom Stein und Dompräsenz. Kapitel 8
  19. 1578Türkensteuer („Vermögensbeschreibung“): 433 steuerpflichtige Personen mit allen Gebäuden und Grundstücken; Reichste: Philipp Zehender (Nr. 366, Markt) und Wilhelm Speckhart (Nr. 354); fast alle, auch die Armen, besitzen Weinberge. Summe für Bischofsheim 568 fl.; für das Amt in sechs Jahren 3000 fl. (Bischofsheim), Königshofen 1800, Königheim 1494. Kapitel 8
  20. 1578Handwerkssparten 1578 (Schatzungsregister): Bader, Bäcker, Büchsenschmied, Büttner, Fischer, Fuhrmann, Gerber, Hafner, Häcker, Kannengießer, Kaufmann, Kürschner, Messerschmied, Metzger, Müller, Sattler, Schlosser, Schmied, Schneider, Schreiner, Schuster, Wagner, Weber, Wirt, Ziegler, Zimmermann u. a.; 1598 früheste Leineweberordnung (Amtmann Gablenz); 1730: unter 133 Handwerkern nur drei, die ohne Landwirtschaft gut leben konnten. Kapitel 8
  21. 1578Im Schatzungsregister: der Ziegler Christoffel Behem besitzt eine eigene Ziegelhütte (250 Gulden), Philipp Zehender einen Garten „bei der eußern Ziegelhutte“; es gab damals mindestens zwei Ziegeleien (erste Erwähnung 1495). Kapitel 8
  22. 1589Urban-Bruderschaft der Häcker; Häckerzunfthaus am Kirchplatz (1613 neu); Bruderschaftsfeier bis 1895; Abbruch 1950er. Kapitel 10
  23. 1612„Ephemeris ecclesiastica“ (Rektor Jakob Adel, Pfarrer Appelius, Amtskeller Paul Erstenberger, Zentgraf Johann Schraut, Amtmann Lerch): Gottesdienstordnung mit Palmeselprozession bis zum Haus der Riedern, Osterspielen, Himmelfahrt-/Pfingstbräuchen, Fronleichnamsprozession um die ganze Stadt, Urbanusfest 25. Mai der Häckerzunft; Lioba kommt nicht vor. Kapitel 10
  24. 1617Lerch lässt die Gewerbe- und Zunftordnungen neu aufrichten (Protocollum generale S. 45): Metzgerordnung 1617, Kannengießerordnung 10.3.1612, Brottaxe 1595, Bäckerordnung 1614; Ratsdiener-Pflichtenkatalog 1614. Kapitel 10
  25. 22. Februar 1623Oberamtmann Sickingen und Amtskeller Simrock legen einen Wochenspeiseplan für die „reichen Pfründner“ des Spitals fest, bis zu drei Viertel Maß Wein täglich. Kapitel 11
  26. 1627Die Pfarrei tritt ihren Zehnt in Distelhausen an Würzburger Kammer, Juliusspital und Deutschen Orden ab (gegen 12 Malter Korn und 3 Malter Haber im Jahr). Kapitel 11
  27. 1628–1630Wetterchronik: Schnee 9.3.1628, Frost 9.9. und 16.10. (Trauben erfroren), Malter Korn 3 fl.; 1630 voller Herbst, Fässermangel; 1624 Teuerung (Eimer Wein in Königshofen 20 fl.). Kapitel 11
  28. 28. August 1646Zentgraf Johann Michael Otto bittet den Schwedengeneral Königsmarck bei Impfingen um Schonung; Zusage gegen 30 Fuder Wein und einige tausend Brote. Kapitel 11
  29. 22. Februar 1696Zunftbrief der Schuhmacher (Erzbischof Lothar Franz von Schönborn, 28 Artikel): Zunftmesse am Tag nach Philippi und Jakobi, Meisterstück, Einschreibgeld 5 fl. bzw. 2½ fl., Lehrzeit zwei Jahre, Zunfttag einmal jährlich im Beisein eines Beamten, keine Sonntagsarbeit. Kapitel 12
  30. 1699Rotgerber-Zunftordnung (1699). Kapitel 12
  31. 1702Die Pfarrei Dittwar wird gestiftet; ihr Weinbergzehnt von 6 Morgen fällt vom Bischofsheimer Pfarrer an den Dittwarer. Kapitel 12
  32. 1706Zoll-, Geleit- und Accisgelder 3337 fl. 22 kr. nach Mainz; Weinverkauf 119 Fuder; Schutzgeld: 6 jüdische Familien in Bischofsheim je 25 fl. Kapitel 12
  33. 1706Güldenzoll für Landwein (2 Gulden je Fuder): Bischofsheim 119 Fuder, Königheim 104, Werbach 25, Dittwar 12, Werbachhausen 11, Dienstadt 6, Brunntal 1. Kapitel 12
  34. 1707–1830Weinverkaufsprotokolle: Käufer aus Sachsen 1707, Köln 1709, Augsburg 1710, Fulda 1711, München 1760, Salzburg 1783. Kapitel 12
  35. 1726Steintafel CB 1726 in der Manggasse: Carolus Berta, Kaufmann aus Italien, 1716 Stadtrat und Weinhändler. Kapitel 12
  36. 1730Bericht des Stadtschreibers: 1368 Einwohner + 41 Juden = 1409; 112 Häcker (5 „giebig“, 28 mittel, 68 arm, 11 bettelarm), 20 Büttner, 11 Weinhändler/Krämer, 8 Bäcker, 9 Metzger, 17 Pferde- und 40 Ochsengespanne. Kapitel 12
  37. 1730Etwas über 1400 Einwohner, Handwerk überbesetzt, 123 Häcker (75 arm, 14 bettelarm); Wein kaum verkäuflich, Getreide fast täglich aus dem Gäu. Kapitel 12
  38. 1731/1734Barocker Hochaltar (1731, Eickmann, Würzburg, 220 Taler); Fresken: Chor 1734 Johann Hugo Schlegel, Langhaus 1737/38 Antonio Wolhaupter; Holzdecke 1737; Stifter u. a. Weinhändler Johann Michael Schäffner. Kapitel 12
  39. 1732Hochwasser am Michaelstag (29.9.1732), 5 Tote; Wasser bis zum Tabernakel der Klosterkirche; Leonhardskapelle beschädigt; Hospital verliert 30 Fuder Wein (Schaden 2312 fl.). Kapitel 12
  40. 11. November 1739Tod des Kaufmanns und Weinhändlers Wilhelm Bögner (70 Jahre, Witwer); Grabstein mit Chronogramm und Monogramm WB am Sakristeiaufgang. Kapitel 12
  41. 1744Johann Georg Bögner baut am Marktplatz das Barockpalais (heute Mackert’sches Haus; Initialen JGB/EMB 1744); 1842 an den jüdischen Weinhändler Samuel Strauß verkauft. Kapitel 12
  42. 1767Die Landschieder versteinen für 20 Gulden den Weinzehntbezirk der Pfarrei in Distelhausen (44¾ Morgen). Kapitel 12
  43. um 1780Einkommen des Pfarrers: Zinsen aus 810 Gulden, Grundzinsen aus fünf Orten, Zehntanteile in Bischofsheim, Distelhausen, Dittigheim und Dienstadt, Holz, Pfarrgüter (über 40 Morgen Acker), Stolgebühren. Kapitel 12
  44. um 1780Bildstock der Vierzehn Nothelfer von ungewöhnlicher Form, ursprünglich in eine Weinbergmauer eingesetzt (Marke Dawerdle-Nothelfer). wahrscheinlich Kapitel 12
  45. 24. Mai 1786Das Domkapitel genehmigt den Vergleich über den Kleinzehnten: jährlich 12 Malter Korn, 12 Dinkel, 11 Haber und 200 Gebund Haberstroh für die Pfarrei. Kapitel 12
  46. 1803Das Fürstentum Leiningen übernimmt Zehnt und Baupflicht vom Mainzer Domkapitel; die Stadt gehört nach über 560 Jahren Kurmainz zu Leiningen. Kapitel 13
  47. 1803Leiningische Erhebung: 340 bürgerliche Häuser, 366 begüterte Familien (ohne 15 jüdische Haushalte), 1600 Seelen; 10 Schild- und Bierwirte; Ernährung hauptsächlich vom Weinbau; Stadt 53.776 fl Schulden. Kapitel 13
  48. 1806Das Amt kommt zum Großherzogtum Baden (Mediatisierung Leiningens; Rentamt behält Domänen, Zehnten, Zinsen). Kapitel 13
  49. 1806Bericht: Der Wein ist „zwar nicht von der besten, doch wohl von der mittleren Güte, bergweis auch von der ersten Güte“; Weinhändler mit Niederlassungen in Frankfurt; Miltenberg Umschlagplatz für mehrere tausend Fuder fränkischen Weins. Kapitel 13
  50. 1817Malter Korn 30 Gulden, Eimer Wein 50 bis 60 Gulden; 1821 kostet das Malter nur noch 4 Gulden (Urkunde im erneuerten Missionskreuz). Kapitel 13
  51. 1833Badisches Zehntablösungsgesetz: Ablösung zum Zwanzigfachen des durchschnittlichen Jahresertrags; Großzehnt, Kleinzehnt, Wiesenzehnt, Weinzehnt. Kapitel 14
  52. 30. Mai 1838Vertrag zur Zehntablösung (Leiningen); Ablösesumme 64.000 fl.; Staat zahlt 1/5, Stadt 51.200 fl.; Bürgerbefragung 26.7.1850 (337 von 369 dafür); Urkunde 12.2.1851. Kapitel 14
  53. 30. Mai 1838Vorläufiger Vertrag zwischen der Stadt und dem Fürsten von Leiningen: Statt Naturalzehnt zahlt die Stadt jährlich 2550 Gulden Zins; das Stadtsiegel (Rad über Mitra) trägt noch nicht die drei B. Kapitel 14
  54. November 1838Von 477 Zehntpflichtigen stimmen nicht alle für die Berechnung nach dem Steuerkapital; damit gilt nach dem Gesetz der Ertrag der Jahre 1818–1832 (Leiningen: 5472 Gulden, Zwanzigfaches 109 440; die Stadt erreicht 3200 Gulden). Kapitel 14
  55. 30. April 1845Zehntablösungsvertrag im Rathaus: 64 000 Gulden (Stadt 51 200, Staat 12 800); genehmigt 16. Dezember 1846; Spitalzehnt im Brehmenleiten 231 Gulden (27. Juni 1845). Kapitel 14
  56. 1848In den Revolutionsjahren 1848/49 versiegen die Zehntzinsen fast ganz; teilweise werden alte Zinsbücher verbrannt; 1849 Rückstand 1100 Gulden, Leiningen verzichtet auf Zinseszinsen. Das Jagdrecht geht durch das Gesetz vom 26. Juni 1848 an die Grundeigentümer. Kapitel 14
  57. 12. Februar 1851Vergleich über die Zehntbaulasten: 11 500 Gulden statt 13 275 (Kirche 657 und 636, Pfarrhof 9122 und 1083); Zehntbaulastenfonds mit Rechner Gottfried Rincker, 1855 gewachsen auf 14 273 Gulden. Kapitel 14
  58. 18. November 1854Zehntablösungsvertrag zwischen Pfarrer Karl Rombach und der Gemeinde Dittigheim: 1195 Gulden 20 Kreuzer statt der überhöhten 15 Gulden Jahresrente. Kapitel 14
  59. 1863Das Defizit von 446 Gulden der Gültablösungskasse wird aus dem Überschuss der Zehntablösungskasse gedeckt; Zustimmung der Zehntpflichtigen am 14. Februar im Amtshaus im Riedernhof. Kapitel 14
  60. 1887–1889Ca. 85 % der Rebfläche werden aufgegeben (Reblaus u. a.). Kapitel 15