Büscheme · Geschichte einer Stadt an der Tauber

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Glossar

204 Begriffe, die in den Kapiteln vorkommen. Jeder Eintrag erklärt zuerst die allgemeine Bedeutung und dann den Bezug zu Bischofsheim. In den Kapiteln lässt sich jeder unterstrichene Begriff anklicken.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

A

Ablass

Der von der Kirche gewährte Nachlass zeitlicher Sündenstrafen, oft gegen Spenden oder fromme Werke. Ablassbriefe finanzierten Bauten, so 1490 die Erhaltung des verfallenden Spitals in Bischofsheim.

Ablassbrief

Die Urkunde, die einen Ablass bestätigte; der älteste Beleg der Peterskapelle ist ein Ablassbrief von 1341.

Abt, Äbtissin

Der Leiter eines Klosters, die Äbtissin die einer Frauengemeinschaft. Lioba war nach der Überlieferung Äbtissin, Johannes Hiltprant aus Bischofsheim Abt von Bronnbach.

Accise

Eine Verbrauchssteuer auf Waren des täglichen Bedarfs, im Kern die Nachfolgerin des Ungelds.

Altar

Der Tisch, an dem die Messe gefeiert wird. Die Stadtkirche besaß um 1549 neun Altäre, jeder von einer Stiftung getragen.

Altarist

Ein Geistlicher, der an einem Altar auf Grund einer Stiftung regelmäßig Messen las.

Amtmann

Der Vertreter des Landesherrn in einem Amtsbezirk: Er führte Besatzung und Burg, sprach Recht, trieb Abgaben ein und sorgte für Ordnung. In Bischofsheim saß der kurmainzische Amtmann im Schloss; ab dem frühen 17. Jahrhundert heißt er Oberamtmann. Meist waren es Adlige aus der Region, oft aus Familien wie Riedern, Rüdt oder Hardheim.

Amtskeller (Keller)

Der Finanzbeamte des Amtes: Er zog Zehnten, Zinsen, Zölle und Steuern ein, verwaltete die Vorräte (Wein, Getreide) und rechnete mit dem Domkapitel in Aschaffenburg ab. Der Name kommt vom Keller, in dem die Naturalabgaben lagerten.

Amt (Verwaltungsbezirk)

Der Bezirk, den ein Amtmann verwaltete; mit Burg, Keller und Gericht. Das Amt Bischofsheim reichte weit über die Stadt hinaus.

Archäologischer Stadtkataster

Ein Nachschlagewerk, das die Ergebnisse von Archäologie, Urkunden und Bauforschung einer Stadt zusammenführt; Band 29 über Tauberbischofsheim schrieb Alois Schneider.

Augsburger Religionsfriede

Der Reichsfriede von 1555, nach dem der Landesherr die Konfession seiner Untertanen bestimmte („wessen Land, dessen Glaube“).

B

Barock

Der Kunststil des 17. und 18. Jahrhunderts: Gold, Bewegung, bemalte Decken. In der Stadtkirche trat er 1731 mit einem neuen Hochaltar an die Stelle der Gotik.

Bauernkrieg

Die große Erhebung von Bauern und Bürgern im Reich 1524–1526. Sie forderte Freiheit von Leibeigenschaft und Abgaben im Namen des Evangeliums und wurde vom Schwäbischen Bund niedergeschlagen.

Bede (Beet)

Die ordentliche Steuer der Stadt an ihren Landesherrn, oft zweimal jährlich erhoben (Mai- und Herbstbede). Neben ihr gab es das Ungeld, eine Verbrauchssteuer auf Wein und Bier.

Bergfried

Der hohe Hauptturm einer Burg, Wachtturm und letzte Zuflucht. Der Türmersturm in Bischofsheim gilt als Bergfried der Mainzer Burg.

Bezirksamt

Die untere badische Verwaltungsbehörde seit dem Organisationsedikt von 1809. Das Bezirksamt Tauberbischofsheim bestand bis zur Kreisreform.

Bezirksamt

Die badische Verwaltungsbehörde auf Amtsbezirksebene seit 1809, geleitet von einem Bezirksamtmann (später Oberamtmann); der Vorläufer des Landratsamts.

Blutbann

Das Recht, über Leben und Tod zu richten, also Todesurteile zu verhängen und zu vollstrecken. Es lag im Mittelalter beim König und wurde an Zentgrafen und andere Richter verliehen, 1231 bestätigte das Statutum in favorem principum die Belehnung der Zentgrafen auf Lebenszeit.

Brandschatzung

Die Erpressung einer Geldsumme von einer Stadt oder einem Dorf unter Androhung, sie niederzubrennen. Bischofsheim musste sie 1552 im Markgräflerkrieg und im Dreißigjährigen Krieg zahlen.

Brückengeld, Wegegeld

Gebühr für die Benutzung von Brücken und Wegen; sie sollte den Unterhalt bezahlen. In Bischofsheim waren Bürger befreit. 1820 verbot das badische Straßengesetz diese Gelder in den meisten Städten.

Bruderschaft

Ein frommer Verein von Laien, der gemeinsam Gottesdienste, Jahrtage und Almosen pflegte. In Bischofsheim gab es nach der Visitation von 1549 Bruderschaften Unserer Lieben Frau, des heiligen Sebastian, Urban (der Häcker), Anna und Jakobus.

Bundschuh

Das Symbol aufständischer Bauern, ein Schnürschuh auf der Fahne, im Gegensatz zum Ritterstiefel.

Bürgerwehr

Eine bewaffnete Truppe von Bürgern zum Schutz der Ordnung, 1848 auch in Bischofsheim.

Burggraf

Ein Burgherr, der im Auftrag des Königs oder Fürsten eine Burg verwaltete. 1165 bezeugte der Burggraf Konrad von Nürnberg die Kitzinger Urkunde.

Burglehen

Ein Lehen, das mit der Pflicht verbunden war, eine Burg zu verteidigen. Das Bischofsheimer Burglehen (vier ‚Frauenhöfe‘) lag zeitweise bei den Herren von Hohenlohe, später bei denen von Hardheim.

Burgmann

Ein Ritter, der gegen ein Burglehen zum Schutz einer Burg verpflichtet war und bei der Burg wohnte. In Bischofsheim sollte er mit dem Amtmann die Burg verteidigen.

C

Chaussee

Eine befestigte Kunststraße nach französischem Vorbild: gewölbt, auf einem Damm und mit seitlichen Gräben, statt der alten Hohlwege, die zugleich als Abfluss dienten. Die Spessart-Chaussee um 1740 lenkte den Fernverkehr auf Würzburger Gebiet; Kurmainz baute seine Geleitstraße über Bischofsheim erst im späten 18. Jahrhundert zur Chaussee aus.

Cholera

Eine Seuche, die nach 1866 durch preußische Truppen in die Gegend gelangte und mehr Opfer forderte als das Gefecht.

Chor und Langhaus

Der Chor ist der Raum des Altars, das Langhaus der Raum der Gemeinde. Das Langhaus der Martinskirche entstand um 1350, der Chor 1435 bis 1445.

D

Dekan

Der Vorsteher eines Stifts oder eines Landkapitels. Martin Goel war Dekan des Stifts in Aschaffenburg, Wilhelm Sighart Dekan des Landkapitels Taubergau.

Dendrochronologie

Die Datierung von Holz anhand der Jahrringe. Das Dachwerk der Peterskapelle wurde so auf 1179 datiert.

Deportation

Die zwangsweise Verschleppung von Menschen. Die Behörden nannten die Deportation der Bischofsheimer Juden zynisch „Wegverbringung“.

Deutscher Orden

Ein geistlicher Ritterorden, der in Mergentheim seinen Sitz hatte und dort einen eigenen Staat bildete. Mergentheim war die große Rivalin Bischofsheims im Taubertal.

Diaspora (kirchlich)

Eine religiöse Minderheit, die verstreut unter Andersgläubigen lebt; in Bischofsheim waren das im 19. Jahrhundert die Evangelischen in der katholischen Stadt.

Domkapitel

Die Körperschaft der Domherren am Mainzer Dom. Sie wählte den Erzbischof, kontrollierte seine Finanzen und besaß in Bischofsheim den größten Zehnt. Ohne sein Einverständnis konnte der Erzbischof kaum Amtleute einsetzen oder Städte verpfänden.

E

Einquartierung

Die Unterbringung von Soldaten in Bürgerhäusern auf Kosten der Einwohner, eine Last in jedem Krieg.

Epitaph

Ein Gedenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand, mit Inschrift und oft Wappen. An der Peterskapelle und in der Stadtkirche stehen Epitaphe von Ratsmitgliedern und Adligen.

Erzbischof von Mainz

Der Leiter des Erzbistums Mainz, zugleich Kurfürst, Reichserzkanzler und Landesherr des Erzstifts. Seine Macht im Oberstift reichte von Aschaffenburg bis an die Tauber.

F

Faktorei

Eine Dienststelle, die Naturalabgaben für einen auswärtigen Herrn einzog und lagerte. In Bischofsheim unterhielten das Domkapitel, der Dompropst und das Aschaffenburger Stift St. Peter und Alexander Faktoreien; Reliefs an Häusern der Hauptstraße erinnern noch daran.

Fegefeuer

In der spätmittelalterlichen Lehre der Ort, an dem Seelen von Sünden gereinigt werden; Messen und Ablässe sollten die Zeit dort verkürzen. Darauf beruhten die Stiftungen.

Firmung

Das Sakrament der Stärkung im Glauben, vom Bischof gespendet. 1598 firmte der Mainzer Weihbischof 756 Personen in Bischofsheim.

Flagellanten

Geißler: Büßer, die sich öffentlich geißelten und im Pestjahr 1348/49 Judenverfolgungen anheizten.

Flur und Gewann

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche um eine Siedlung; ein Gewann ist ein Teilstück mit einem eigenen Namen, etwa Sprait, Höhberg oder Galgenleite.

Folter

Die Befragung unter Schmerzen, um Geständnisse zu erzwingen. Aussagen unter Folter sind historisch unzuverlässig.

Frankfurter Nationalversammlung

Das erste gesamtdeutsche Parlament 1848/49 in der Frankfurter Paulskirche; Karl Damm aus Bischofsheim war Abgeordneter.

Franziskaner

Ein Bettelorden nach dem heiligen Franz von Assisi: Mönche, die von Almosen leben, in der Volkssprache predigen und Beichte hören.

Fresko

Ein Wandgemälde auf frischem Putz. Die Fresken des Chors (1734) und des Langhauses (1737/38) übermalte der Neubau von 1910.

Fuder

Ein Hohlmaß für Wein, ursprünglich eine Wagenladung. Je nach Landschaft fasste es rund 800 bis 1200 Liter; 1725 sind in Bischofsheim 165 Fuder verkauft worden.

Fürstbischof

Ein Bischof, der zugleich weltlicher Fürst seines Hochstifts war, etwa der Fürstbischof von Würzburg.

Furt

Eine flache Stelle im Fluss, an der man ihn durchqueren kann. Im frühen Mittelalter lag Bischofsheim an einer Furt der Tauber.

G

Galgen und Richtplatz

Die Stätten, an denen Todesurteile vollstreckt wurden. Bischofsheim hatte Richtplätze am Sprait, an der Galgenleite und an der Viertelspitze.

Gegenkönig

Ein König, der gegen einen anderen gewählten König antritt. Im staufisch-welfischen Thronstreit standen sich Philipp von Schwaben und Otto IV. gegenüber.

Gegenreformation

Die Erneuerung der katholischen Kirche seit dem Konzil von Trient (1545–1563): bessere Ausbildung der Geistlichen, strengere Aufsicht, Bruderschaften, Prozessionen, Heiligenkulte. In Bischofsheim brauchte sie fast ein Jahrhundert, bis die Pfarrer „ehrbar“ lebten und Neugläubige zurückgewonnen waren.

Geleit

Der Schutz von Kaufleuten und Reisenden auf einer Straße gegen Gebühr – ursprünglich mit bewaffneten Reitern, später oft nur noch als Abgabe. Wer das Geleit besaß, hatte hohe Einnahmen. Bischofsheim war Übergabestation des Mainzer Geleits auf der Straße von Nürnberg nach Frankfurt.

Gemarkung

Die Fläche einer Gemeinde mit ihren Grenzen. In Bischofsheim markieren Grenzsteine mit dem Mainzer Rad und dem dreifachen B die Gemarkung.

Gemeindeordnung

Das Gesetz, das die Selbstverwaltung der Gemeinden regelte; die badische Gemeindeordnung von 1831 gab auch Bischofsheim eine neue Ordnung.

Gleichschaltung

Die Unterwerfung von Ländern, Gemeinden und Vereinen unter den NS-Staat 1933. In Bischofsheim setzte die Regierung 1933 gegen die Wahl einen kommissarischen Bürgermeister ein.

Gotik

Der Baustil des Mittelalters mit Spitzbogen, Kreuzrippengewölbe und großen Fenstern; die Martinskirche war ein gotischer Bau.

Grafschaft

Das Herrschaftsgebiet eines Grafen. Um Bischofsheim grenzten die Grafschaften Wertheim, Rieneck und Hohenlohe an das Mainzer Gebiet.

Grenzstein

Ein Stein, der eine Grenze markiert. Die ältesten Bischofsheimer Steine tragen das Mainzer Rad und BBB; der angeblich älteste stand in den Grünsfelder Tannen und trägt die Jahreszahl 1308 oder, wahrscheinlicher, 1508.

Grundherr

Der Eigentümer von Grund und Boden, der von den Bauern Abgaben und Dienste verlangte, im Gegenzug aber Schutz bot. Klöster, Stifte und Adlige waren die größten Grundherren der Gegend.

Guardian

Der Vorsteher eines Franziskanerkonvents.

Gulden

Eine Goldmünze, später Rechnungseinheit. Ein Eimer Wein kostete in der Teuerung von 1624 in Königshofen 20 Gulden, ein Malter Korn 1628 drei Gulden; die Schatzung von 1578 erfasste Vermögen von zusammen 205 324 Gulden.

Gült

Eine feste, jährlich zu zahlende Abgabe von einem Grundstück oder Hof, in Geld oder Naturalien – anders als der Zehnt, der von der Ernte genommen wurde. Auf vielen Bischofsheimer Grundstücken lag eine Gült an die Herren von Hohenlohe; die Ablösung der Gülten ermöglichte ein badisches Gesetz von 1820.

Gurs

Ein Internierungslager in Südfrankreich, in das am 22. Oktober 1940 über 5500 Juden aus Baden und der Pfalz deportiert wurden, darunter 22 aus Bischofsheim. Viele wurden später nach Auschwitz verschleppt.

H

Häcker

Weinbauern, die ihre Weinberge selbst bewirtschafteten. Die Häckerzunft war die größte der Stadt; sie stellte einen großen Teil der Bürgerschaft.

Handwerk

Die zünftig organisierte gewerbliche Arbeit. Das Schatzungsregister von 1578 nennt 26 Handwerkssparten, vom Bader bis zum Zimmermann.

Haufen

Die Bezeichnung für die aufständischen Heerverbände von 1525. Im Taubertal und Odenwald standen der ‚Fränkische‘ (oder ‚Schwarze‘) Haufen unter Florian Geyer und der ‚Helle Haufen‘ aus dem Neckartal und dem Odenwald unter Götz von Berlichingen und Georg Metzler.

Hauptmann (im Haufen)

Gewählter Anführer eines Bauern- oder Bürgerhaufens. In Bischofsheim wählte die Gemeinde im April 1525 sieben Hauptleute; ‚oberster Feldhauptmann‘ wurde ein gewisser Alexius.

Heberolle

Ein Verzeichnis der Einkünfte und Rechte eines Herrn, geordnet nach Orten. Die Mainzer Heberolle nennt Bischofsheim als „civitas“; ob damit schon eine Stadt oder nur ein befestigter Ort gemeint ist, ist unter Forschenden umstritten.

Heimatvertriebene

Die nach 1945 aus den Ostgebieten Vertriebenen, die in Tauberbischofsheim über das Durchgangslager Gerlachsheim ankamen; 1950 stellten sie gut ein Fünftel der Einwohner.

Hexenprozess

Das Gerichtsverfahren gegen Menschen, denen Schadenszauber und Bund mit dem Teufel vorgeworfen wurden. Folter erpresste Geständnisse und Namen weiterer Beschuldigter; die Hexenverfolgung erreichte zwischen 1560 und 1630 ihren Höhepunkt.

Hochaltar

Der Hauptaltar im Chor einer Kirche. Der gotische Hochaltar wich 1731 einem Barockaltar; der heutige wurde 1917 geweiht.

Hochgericht

Das Gericht für schwere Straftaten mit Todesstrafe und Verstümmelung. In Bischofsheim war es die Zent; nach 1527 zog der Amtmann die schweren Fälle an sich. Der Galgen stand auf der Galgenleite, gerichtet wurde am Sprait.

Hochstift

Das weltliche Herrschaftsgebiet eines Bischofs, in dem er zugleich Landesherr war. Die Hochstifte Mainz und Würzburg stritten um das Tauberland; Bischofsheim gehörte zu Mainz.

Hohlweg

Ein tief eingeschnittener Weg, entstanden durch Abrieb und Wasser. Die Hammbergshohle ist eine deutliche Spur des alten Geleitwegs.

Hostie

Das geweihte Brot der Eucharistie. Erfundene Vorwürfe des „Hostienfrevels“ lösten mittelalterliche Pogrome aus.

Huldigung

Der Treueid der Untertanen gegenüber einem neuen Herrn, oft mit Festzug und Gelöbnis. 1482 befahl Erzbischof Diether den Bürgern und den Dörfern der Zent, ihm zu huldigen; 1673 huldigten die Ämter Bischofsheim und Külsheim an der Linde an der Tauber.

I

Interregnum

Die „königslose“ Zeit im Reich zwischen dem Ende der Staufer (1254) und der Wahl Rudolfs von Habsburg (1273), in der die Landesherren ihre Macht ausbauten.

J

Jahrtag

Eine jährliche Messe für das Seelenheil eines Verstorbenen, bezahlt aus einer Stiftung.

Judenemanzipation

Die schrittweise rechtliche Gleichstellung der Juden. In Baden erklärte das Edikt von 1809 sie zu Staatsbürgern, das volle Gemeindebürgerrecht kam erst 1862.

Judenregal

Das Recht des Königs, die Juden zu schützen und dafür Abgaben zu verlangen. Es konnte an Fürsten verpfändet oder verkauft werden; die Goldene Bulle von 1356 bestätigte es den Kurfürsten. Wer den Schutz bezahlte, durfte wohnen, handeln und seinen Glauben leben.

K

Kampfgericht

Ein Gericht, in dem Rechtsstreit durch Zweikampf entschieden wurde; für Bischofsheim ist es vor 1469 belegt.

Kanoniker

Ein Geistlicher, der in einem Stift lebte und Gottesdienst hielt, ohne Mönch zu sein.

Kanzler

Der Leiter einer Kanzlei, die Urkunden ausfertigte. 1165 war der Mainzer Erzbischof Christian von Buch als Kanzler des Kaisers in Bischofsheim.

Kellerei

Das Verwaltungsgebäude und der Verwaltungsbezirk des Amtskellers, wo Abgaben und Naturalien gesammelt wurden.

Kleine Eiszeit

Die kühle Klimaphase vom späten Mittelalter bis etwa 1850 mit Missernten und Teuerung. Sie verstärkte im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert die Suche nach Sündenböcken.

Kloster

Eine Gemeinschaft von Mönchen oder Nonnen mit Gebet, Arbeit und eigenem Besitz. Das angebliche Liobakloster ist archäologisch nicht nachweisbar; 1629 bis 1823 bestand das Franziskanerkloster.

Königshof (Fiskus)

Ein Gutshof, der dem König gehörte und seine Reisenden mit Nahrung versorgte; der Königsdienst reiste von Hof zu Hof. Bischofsheim gehörte im frühen Mittelalter zu solchen Höfen, bevor es an das Erzstift Mainz kam.

Konstitution und Verfassung

Die schriftliche Grundordnung eines Staates. Baden erhielt 1818 eine Verfassung mit Zweikammerparlament.

Konvikt

Ein kirchliches Wohnheim für Schüler, die sich auf das Priesteramt vorbereiten. Das Bischofsheimer Erzbischöfliche Knabenkonvikt entstand 1871, wurde 1874 aufgehoben und 1883 als Pension des Geistlichen Lehrers Julius Berberich neu eröffnet; seit 1889 ist es wieder Konvikt.

Konzil von Trient

Das Reformkonzil der katholischen Kirche (1545–1563), das Lehre und Ordnung nach der Reformation festlegte.

Kreis- und Gemeindereform

Die Neugliederung von Landkreisen und Gemeinden in den 1970er Jahren: 1973 entstand der Main-Tauber-Kreis, bis 1975 wurden mehrere Dörfer eingemeindet.

Kriegsgefangenenlager

Im Ersten Weltkrieg entstand auf dem Laurentiusberg ein Lager für zeitweise knapp 7000 Gefangene, vor allem Russen und Franzosen.

Kulturkampf

Der Streit zwischen Staat und katholischer Kirche im Deutschen Reich und in Baden seit den 1850er Jahren, besonders um Schule, Ausbildung der Geistlichen und kirchliche Rechte. In Bischofsheim wurden 1854 Oberamtmann und Bürgermeister exkommuniziert, 1874 das Knabenkonvikt aufgehoben.

Kurfürst

Einer der Fürsten, die den König wählten. Der Mainzer Erzbischof war Kurfürst und Reichserzkanzler, sein Staat hieß Kurmainz.

Kurmainz

Das Erzstift Mainz: Der Erzbischof von Mainz war zugleich Kurfürst, Reichserzkanzler und Landesherr. Bischofsheim gehörte von 1237 bis 1803 zu diesem Staat.

L

Landesherr

Der Fürst, der in einem Gebiet die oberste Gewalt hatte, Recht sprach, Steuern erhob und Krieg führen durfte. In Bischofsheim war das 1237 bis 1803 der Mainzer Erzbischof.

Landesherrschaft

Die Summe der Rechte eines Landesherrn über ein Gebiet: Gericht, Steuern, Geleit, Zoll, Jagd. Sie wuchs im späten Mittelalter gegen ältere Rechte der Grafen und Grundherren.

Landschaft (Stände)

Die Vertretung der Städte und Dörfer eines Landes gegenüber dem Landesherrn. Im Mainzer Oberstift übernahm der Neunstädtebund diese Rolle; die Stadtordnung von 1527 zerschlug sie.

Landschieder

Ein vereidigter Feldgeschworener, der Grenzen und Grundstücke vermaß, Grenzsteine setzte und Streit schlichtete. 1494 legten sechs Bischofsheimer Landschieder die Zehntanteile fest; beim Grenzumgang von 1580 gingen vier mit.

Landsknecht

Ein im Auftrag von Fürsten oder Städten angeworbener Söldner des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Stadtordnung von 1527 verbot zerschnittene „Landsknechtskleider“.

Landsteuer

Eine vom Landesherrn mit Zustimmung der Stände erhobene außerordentliche Steuer. 1505 trug Bischofsheim mit 1450 Gulden den zweithöchsten Anteil unter den neun Städten.

Lazarett

Ein Militärkrankenhaus. 1866 und im Weltkrieg wurden Schloss, Spital, Kloster und Konvikt zu Lazaretten.

Lehen

Ein Besitz oder Recht, das ein Herr einem Vasallen auf Zeit oder erblich zur Nutzung gab, gegen Treue und Dienste. Burgen, Zölle, Ämter und Gerichtsstäbe wurden verlehnt.

Leibeigenschaft

Die persönliche Abhängigkeit von einem Grundherrn: Abgaben im Todesfall (Besthaupt), Heiratsbeschränkungen, Frondienste. Städte wie Bischofsheim waren frei von Leibeigenschaft (‚Stadtluft macht frei‘), viele Dörfer der Umgebung nicht.

M

Mainzer Stiftsfehde

Der Streit um den Mainzer Erzstuhl zwischen Diether von Isenburg und Adolf von Nassau (1459–1463), der auch das Oberstift und Bischofsheim in Mitleidenschaft zog.

Malter

Ein Hohlmaß für Getreide, je nach Gegend etwa 100 bis 250 Liter. Abgaben und Löhne wurden oft in Malter Korn berechnet.

Mandat

Ein Befehl des Landesherrn oder einer Behörde, der für alle Untertanen galt. 1523 verbot ein Mandat im Erzstift die lutherische Predigt.

Marktrecht

Das Recht, einen Markt abzuhalten, Zölle und Standgelder zu erheben. Wer es verlieh, bestimmte auch, wer den Markt schützte.

Memorbuch

Ein Gedenkbuch jüdischer Gemeinden mit den Namen von Märtyrern und Verstorbenen. Das Nürnberger Memorbuch führt die Namen von 3441 Ermordeten der Rintfleisch-Verfolgung von 1298 aus 44 Orten auf.

Merowingerzeit

Die Epoche der fränkischen Könige aus der Familie der Merowinger (5. bis 8. Jahrhundert), in die die Besiedlung des Taubertals fällt.

Messe (Gottesdienst)

Die Feier der Eucharistie. Eine ewige Messe war eine Stiftung, die dauernd gelesen werden musste; so stiftete 1479 Philipp von Riedern eine Salve-Regina-Messe.

Mitra

Die Bischofsmütze. Nach 1500 ersetzte sie im Stadtsiegel den Topfhelm; 1961 kehrte der Helm zurück.

N

Nationalsozialismus

Die menschenverachtende Diktatur 1933 bis 1945 unter Hitler. In Bischofsheim bedeutete sie Gleichschaltung der Stadtverwaltung, Verfolgung der Juden und Krieg.

Naturalabgabe

Eine Abgabe in Waren statt in Geld, etwa Korn, Wein, Eier oder Schmalz. Zehnte und Gülten wurden vor allem in Naturalien geleistet.

Neunstädtebund

Ein Zusammenschluss der Städte des Mainzer Oberstifts: Aschaffenburg, Miltenberg, Dieburg, Seligenstadt, Amorbach, Buchen, Walldürn, Külsheim und Bischofsheim. Ein Privileg des Erzbischofs (vom 28. November 1346) sicherte ihnen Freizügigkeit, Schutz vor Sondersteuern und Mitsprache bei Abgaben. Bischofsheim war eine der wirtschaftlich stärksten Städte des Bundes. Nach 1525 wurde er aufgehoben.

Novemberpogrom 1938

Die Gewalt gegen jüdische Bürger, Geschäfte und Synagogen am 9. und 10. November 1938. In Bischofsheim wurde die Einrichtung der Synagoge auf dem Marktplatz verbrannt.

O

Oberamtmann

Der Titel des kurmainzischen Amtmanns seit dem frühen 17. Jahrhundert; im 18. Jahrhundert trugen ihn die Grafen von Stadion.

Oberstift (Mainzer Oberstift)

Der räumlich getrennte, südöstliche Teil des Erzstifts Mainz: Aschaffenburg, Miltenberg, Amorbach und das Land an der Tauber. Das ‚Niederstift‘ am Rhein war davon durch fremde Gebiete getrennt. Die Landesherrschaft des Erzbischofs und Kurfürsten von Mainz reichte also bis weit nach Franken.

P

Pacht

Die Überlassung von Land gegen Zins, meist in Geld oder Naturalien. Städte und Klöster verpachteten Zehnte, Mühlen und Äcker.

Pädagogium

Im Baden des 19. Jahrhunderts eine höhere Schule mit weniger Klassen als ein Gymnasium. Die Bischofsheimer Schule war von 1828 bis 1846 ein staatliches Pädagogium.

Pest (Schwarzer Tod)

Die Seuche, die 1347 bis 1352 in Europa wütete und 1348/49 zu Pogromen führte. Weitere Pestzeiten gab es in Bischofsheim 1474, 1541, 1597 und 1625.

Pfand

Eine Sache, die ein Schuldner als Sicherheit hinterlegt; Landesherren verpfändeten Städte, Burgen und Zölle. Bischofsheim war mehrfach verpfändet, zuletzt bis 1482.

Pfandschaft

Die Verpfändung einer Stadt, eines Amtes oder eines Zolls an einen Gläubiger, der dafür die Einkünfte bezog, bis die Schuld getilgt war. Die Mainzer Erzbischöfe verpfändeten Bischofsheim im 14. und 15. Jahrhundert mehrfach.

Pfarrbann

Das Verbot für Geistliche, Taufe, Trauung oder Beerdigung für Menschen außerhalb ihres Sprengels zu übernehmen. Für die Evangelischen in katholischen Städten wie Bischofsheim galt es in Baden bis 1849.

Pfarrei (Pastorei)

Die kirchliche Grundeinheit mit eigenem Pfarrer, Kirche und Zehnt. Die Pfarrei Bischofsheim wurde 1351 dem Mainzer Domkapitel einverleibt.

Pfarrkirche

Die Hauptkirche einer Pfarrei, in der getauft und gepredigt wurde. In Bischofsheim ist das St. Martin.

Pfründe

Ein Kirchenamt mit festem Einkommen aus Stiftungsvermögen; wer es hielt, musste dafür Messen lesen. Um 1514 bestanden in Bischofsheim acht Benefizien.

Pfund Heller

Eine Rechnungsmünze des Mittelalters: ein Pfund bestand aus 20 Schillingen zu je 12 Hellern. Das Umgeld der Neun Städte wurde in Pfund Heller pauschaliert; Bischofsheim zahlte 66.

Pogrom

Eine gewaltsame Verfolgung einer Minderheit, im Mittelalter vor allem der Juden. Anlässe waren erfundene Vorwürfe (Hostienfrevel, Ritualmord, Brunnenvergiftung), Hintergrund oft Schulden und Neid. In Bischofsheim sind Pogrome für 1235, 1298, 1337 und 1348/49 überliefert und 1938 der Novemberpogrom.

Privileg

Eine urkundlich verliehene Sonderberechtigung, zum Beispiel für Städte, Zünfte oder Schutzjuden. Das Privileg des Neunstädtebundes von 1346 sicherte den Städten Freizügigkeit und Mitsprache bei Steuern.

Protestanten

Die Anhänger der Reformation; der Name geht auf den Protest evangelischer Reichsstände von 1529 zurück.

Prozession

Ein feierlicher Umzug mit Kreuz, Fahnen und Gebeten, etwa an Fronleichnam um die ganze Stadt.

Q

Quellenkritik

Die Prüfung, wer eine Quelle verfasst hat, für wen, wann und mit welcher Absicht. Der Bericht der Bischofsheimer von 1525 ist ein Rechtfertigungsschreiben und muss so gelesen werden.

R

Reformation

Die Erneuerungsbewegung der Kirche seit Luther (1517), aus der evangelische Kirchen hervorgingen. In Bischofsheim blieb es bei einem Versuch; „Stat Reformation“ hieß dagegen zynisch die Stadtordnung von 1527.

Reichsacht

Die Ächtung durch Kaiser oder Reich: Wer in der Acht war, hatte keinen Rechtsschutz. 1521 verhängte der Kaiser auf dem Wormser Reichstag die Reichsacht über Luther.

Reichsdeputationshauptschluss

Der Beschluss der Reichsdeputation vom 25. Februar 1803, mit dem das Reich die Fürsten für ihre Verluste links des Rheins entschädigte, vor allem durch die Gebiete geistlicher Staaten. Die kurmainzischen Oberämter Tauberbischofsheim und Amorbach fielen an das Fürstentum Leiningen.

Reichserzkanzler

Der höchste Beamte des Reiches nördlich der Alpen, ein Titel, den der Mainzer Erzbischof trug; er leitete die Reichskanzlei und berief die Kurfürsten zur Königswahl.

Reichsstand

Ein Fürst, eine Stadt oder ein Bischof, der im Reichstag Sitz und Stimme hatte. Die Reichsstände bewilligten Steuern wie die Türkensteuer.

Reihengräberfeld

Ein Friedhof der Merowingerzeit, in dem die Toten in Reihen bestattet wurden. Das Gräberfeld von Dittigheim gehört zu den bekanntesten der Umgebung.

Reisige

Berittene Krieger im Dienst eines Herrn, im Unterschied zum Fußvolk.

Reliquie

Überreste von Heiligen, verehrt in Kirchen. Das Franziskanerkloster erhielt Liobareliquien aus Fulda (1655) und Mainz (1661).

Renaissance

Der Stil der Wiedergeburt der Antike im 16. und 17. Jahrhundert. Der Renaissance-Torbogen am Oberen Tor von 1612 wurde 1812 an die Rollenmühle versetzt.

Rentamt

Die Finanzverwaltung eines Fürsten auf der örtlichen Ebene. Nach 1806 behielt das Haus Leiningen in Bischofsheim ein Rentamt für Domänen, Zehnte und Zinsen; 1849 kaufte die Stadt dessen Gebäude und das Schloss.

Rentmeister

Ein städtischer Finanzbeamter, der vom Erzbischof ernannt oder bestätigt wurde. Nach der Stadtordnung von 1527 traten zwei Rentmeister an die Stelle der von der Bürgerschaft gewählten Bürgermeister.

Requisition

Die Beschlagnahme von Lebensmitteln und Waren für ein Heer. 1866 forderten die Preußen unter anderem 12 000 Laib Brot und 80 Ochsen.

Revolution von 1848/49

Die Erhebung für Verfassung, Pressefreiheit und nationale Einheit, die preußische Truppen niederschlugen. Im Taubertal gab es Agrarunruhen und Bürgerwehren.

Rheinbund

Der 1806 unter Napoleons Schutz gegründete Zusammenschluss deutscher Fürsten, die aus dem Heiligen Römischen Reich austraten. Mit der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 kam das Amt Bischofsheim zum Großherzogtum Baden.

Romanik

Der Baustil vor der Gotik mit Rundbogen und dicken Mauern; die Peterskapelle hat romanische Teile.

S

Sakrament

Eine heilige Handlung der Kirche wie Taufe, Beichte, Eucharistie oder Firmung.

Sakramentshäuschen

Ein turmartiges steinernes Gehäuse in gotischen Kirchen zur Aufbewahrung der geweihten Hostien. Das Sakramentshäuschen der Bischofsheimer Stadtkirche trägt die Jahreszahl 1448.

Sakristei

Der Nebenraum, in dem die Geräte und Gewänder für den Gottesdienst aufbewahrt werden. Die Jahreszahl 1510 steht an einem Pfeiler bei der Sakristei der Stadtkirche.

Säkularisation

Die Überführung kirchlichen Besitzes in weltliche Hand. 1803 wurden im Reich die Gebiete der geistlichen Fürsten (Bistümer, Erzstifte, Klöster) an weltliche Herren verteilt. Für Bischofsheim bedeutete das das Ende der Zugehörigkeit zu Kurmainz nach über 560 Jahren.

Salva Guardia

Eine Schutzwache, die ein Feldherr einem Ort gewährte, damit er nicht geplündert wurde.

Schafott

Das Gerüst für die Hinrichtung, in Bischofsheim „Blutbühne“ genannt, zuletzt 1820 am Sprait aufgebaut.

Schatzung

Eine außerordentliche Vermögenssteuer. Im Namen der ‚Türkenhilfe‘ erhoben die Reichsstände sie im 16. Jahrhundert; das Bischofsheimer Schatzungsregister von 1578 verzeichnet 433 Steuerpflichtige.

Schelch

Ein flaches Lastschiff auf Tauber und Main, mit dem sperrige Güter nach Wertheim und Miltenberg verschifft wurden.

Schöffen

Urteilsfinder am Stadtgericht, aus der Bürgerschaft gewählt. In Bischofsheim waren es neun, später zwölf.

Schultheiß

Der vom Landesherrn eingesetzte Richter und Vorsteher einer Stadt oder Gemeinde. In Bischofsheim ist er seit dem 13. Jahrhundert belegt; er war meist zugleich Zentgraf.

Schutzgeld

Die jährliche Abgabe, die jüdische Familien für den Schutz des Landesherrn zahlten. 1706 zahlten sechs jüdische Familien in Bischofsheim je 25 Gulden.

Schutzjude

Ein Jude, der gegen jährliches Schutzgeld unter dem Schutz des Landesherrn lebte. Die Schutzgelder schaffte Baden am 20. Dezember 1816 ab, alle Sonderabgaben 1828; das volle Gemeindebürgerrecht folgte erst 1862.

Schwäbischer Bund

Ein 1488 gegründetes Bündnis süddeutscher Fürsten, Städte und Ritter mit eigenem Heer. Er schlug 1525 die meisten Bauernhaufen Süd- und Mitteldeutschlands unter Georg Truchseß von Waldburg nieder.

Sedisvakanz

Die Zeit, in der ein Bischofsstuhl unbesetzt ist. Im Dezember 1285 versprachen Miltenberg, Bischofsheim und Amorbach dem Mainzer Domkapitel in der Sedisvakanz Gehorsam.

Seelgerät

Eine fromme Stiftung für das Seelenheil des Stifters; sie sicherte Messen, Almosen und Gedenken.

Siegel

Ein Abdruck in Wachs, der eine Urkunde beglaubigte. Das Bischofsheimer Stadtsiegel zeigt in seinen ältesten Stücken einen Topfhelm; seit 1961 führt die Stadt ihn wieder.

Spital (Hospital)

Eine Einrichtung der Fürsorge für Arme, Alte, Kranke und Pilger, finanziert aus Stiftungen. Das Bischofsheimer Spital geht auf die Stiftung der Witwe Elsbeth Liebhartin von 1354 zurück; es gab später ein reiches und ein armes Spital.

Stadtordnung

Das Grundgesetz einer Stadt: Wer regiert, wie Gericht gehalten wird, wie Handwerk, Handel und Alltag geordnet sind. Die Bischofsheimer ‚Stat Reformation‘ von 1527 ersetzte die alte Selbstverwaltung durch eine landesherrliche Aufsicht.

Stadtrecht

Das Recht einer Stadt, sich selbst zu verwalten, einen Markt zu halten und sich zu befestigen. Für Bischofsheim ist keine Stadtrechtsurkunde erhalten.

Statthalter

Der Stellvertreter des Landesherrn. Erzbischof Albrecht von Brandenburg hielt sich 1525 beim Kaiser auf; das Erzstift führte in seinem Namen Bischof Wilhelm von Straßburg als Statthalter.

Steinriegel

Eine Mauer oder Aufschüttung aus Lesesteinen am Rand von Weinbergen, entstanden beim Räumen der Hänge. Man findet sie noch an Höhberg und Edelberg.

Stift

Eine Gemeinschaft von Geistlichen (Kanonikern) an einer Kirche, die von einer Stiftung lebt und Gottesdienst hält. Bischofsheim hatte Rechte des Mainzer Stifts St. Viktor und des Aschaffenburger Stifts St. Peter und Alexander, die Zehnte bezogen.

Stolperstein

Ein kleiner Gedenkstein im Pflaster vor dem letzten selbstgewählten Wohnort eines NS-Opfers; am 17. Mai 2026 wurden in Tauberbischofsheim zwölf Stolpersteine verlegt.

T

Taubergau

Eine frühmittelalterliche Landschafts- und Verwaltungseinheit, in der ein Graf für den König Recht sprach. Der Taubergau (‚Tubrigowe‘, seit dem 8. Jahrhundert belegt) war in einen oberen (um Mergentheim) und einen unteren Teil (um Bischofsheim, Miltenberg und Wertheim) gegliedert, die Grenze lief beim Marbacher Graben. Die Grafschaft zerfiel früh, die Kirche von Mainz und Würzburg zog den Gau nach und nach an sich.

Türkensteuer

Eine Reichssteuer des 16. Jahrhunderts zur Finanzierung der Abwehr der Osmanen. Das Bischofsheimer Schatzungsregister von 1578 entstand für sie.

Tympanon

Das Bogenfeld über dem Eingang einer Kirche, oft mit Reliefschmuck. Das Tympanon der Sebastianuskapelle (erbaut 1476) zeigt Bischöfe auf dem Weg in den Höllenschlund.

U

Umgeld

Eine Verbrauchssteuer auf Wein und Bier, in Bischofsheim pauschaliert und zur Hälfte für die Stadtbefestigung bestimmt (siehe Ungeld).

Ungeld (Umgeld)

Eine Verbrauchssteuer, vor allem auf Wein und Bier. Im Privileg des Neunstädtebundes war sie pauschaliert: Bischofsheim zahlte 66 Pfund Heller im Jahr, davon die Hälfte für die Stadtbefestigung.

Urfehde

Der Eid, nach Haft oder Verbannung keine Rache zu nehmen und ein Gebiet nicht mehr zu betreten. Wer die Urfehde brach, wurde streng bestraft: 1597 wurde die „Engelhardin von Impfingen“ als Urfehdebrecherin verbrannt.

Urkunde

Ein schriftlich festgehaltenes, besiegeltes Rechtsgeschäft. Für Bischofsheim sind viele mittelalterliche Urkunden verloren; vieles ist nur über fremde Archive überliefert.

V

Viertelmeister

Vorsteher eines der vier Stadtviertel; sie vertraten die Bürger bei Musterung, Wachdienst und Versammlungen. Die Stadtordnung von 1485 schaffte sie ab.

Vikar

Ein Geistlicher, der einen Pfarrer oder Pfründeninhaber vertritt. Der „vicarius perpetuus“ Heinrich ist 1288 die erste Nachricht über kirchliche Verhältnisse in Bischofsheim.

Visitation

Die Inspektion einer Pfarrei durch Beauftragte des Bischofs, die Gottesdienst, Pfarrer und Gemeinde prüften. Die Visitation von 1548/49 in Bischofsheim hielt Beschwerden über Wirtshausbesuch während des Gottesdienstes und Schriften Luthers in Familien fest.

Vogt

Der weltliche Schutzherr und Rechtsvertreter eines Hofes, eines Klosters oder einer Kirche. Weil Geistliche keine Waffen führen und kein Blutgericht halten durften, brauchten sie einen Vogt; wer die Vogtei innehatte, hatte reale Macht. In Bischofsheim ist um 1230 ein Vogt Baldemar Trutwin bezeugt; seit 1314 erscheint an seiner Stelle der Amtmann.

Vogtei

Das Amt und der Bezirk eines Vogtes, also die Schutz- und Gerichtsherrschaft über Kirchen und Klöster. Um die Vogtei von Bischofsheim stritten Grafen und Erzbischöfe.

Volkssturm

Das letzte Aufgebot des NS-Staates 1944/45 aus nicht kriegsverwendungsfähigen Männern. Der Tauberbischofsheimer Volkssturm, 750 Mann, trat am 31. März 1945 nicht an.

W

Wagenburg

Eine Befestigung aus im Kreis aufgestellten Wagen, mit der sich Heere im Gelände schützten.

Wallfahrt

Eine fromme Reise zu einem heiligen Ort. 1476 zogen auch Bischofsheimer mit Kerzen nach Niklashausen; später wallfahrtete man nach Walldürn.

Weihbischof

Ein Bischof ohne eigenes Bistum, der den Diözesanbischof bei Weihen und Firmungen vertritt.

Weinbau

Der Anbau von Reben. Bischofsheim war über Jahrhunderte Weinstadt; nach 1887 wurden etwa 85 Prozent der Rebfläche aufgegeben.

Weinhändler

Ein Kaufmann, der Wein aufkaufte und weiterverkaufte. Im 18. Jahrhundert waren die Weinhändler Bögner, Chandelle, Schäffner, Steinam und Waltz die reichsten Bürger Bischofsheims.

Wingert, Weingarten

Ein bepflanzter Rebhang. In den Steillagen um Bischofsheim, an Höhberg, Edelberg und Galgenleite, sind noch Steinriegel erhalten.

Z

Zehnt

Die Abgabe von etwa einem Zehntel der Ernte an die Kirche bzw. deren Zehntherren. In Bischofsheim teilten sich das Mainzer Domkapitel und das Stift St. Viktor den Zehnt; die Pfarrei erhielt nur einen kleinen Anteil.

Zehntablösung

Die Befreiung der Bauern von Zehntpflichten gegen eine einmalige Zahlung. Bischofsheim zahlte nach dem Vertrag von 1838 51 200 Gulden.

Zehntstein

Ein Grenzstein, der anzeigte, an wen der Zehnt von einem Grundstück zu entrichten war; Kreuze oder Kelche bezeichneten kirchlichen Besitz, „ZF“ ein zehntfreies Stück. Viele Zehntsteine wurden nach der Ablösung der Zehnten entfernt.

Zent (Cent)

Ein altfränkischer Gerichtsbezirk, ursprünglich eine ‚Hundertschaft‘. Das Zentgericht war für die schweren Straftaten zuständig (Mord, Raub, Brandstiftung) und hatte das Recht über Leben und Tod (Blutbann). Zur Bischofsheimer Zent gehörten über Jahrhunderte zahlreiche Dörfer der Umgebung.

Zentgraf (Centgraf)

Der Vorsitzende des Zentgerichts und zugleich Vollstrecker der Zentgewalt. In Bischofsheim war der Zentgraf meist auch der Stadtschultheiß. Nach 1527 galt er als Unterbeamter des Amtmanns.

Zinsverbot

Das kirchliche Verbot, Geld gegen Zins zu verleihen. Juden waren davon ausgenommen und deshalb im Geldverleih tätig – ein Grund für Abhängigkeit und Hass.

Zölibat

Die Ehelosigkeit der Priester. Im 16. Jahrhundert lebten viele Geistliche des Landkapitels „ohne alle Furcht“ in vermeintlicher Ehe.

Zoll

Eine Abgabe auf Waren, die ein Gebiet, eine Brücke oder ein Tor passierten. Weil die Tauberbrücke sich nicht umfahren ließ, ließ sich der Zoll in Bischofsheim direkt am Tor erheben.

Zündnadelgewehr

Ein preußisches Hinterladergewehr, das schneller feuerte als die Vorderlader der Süddeutschen; 1866 entschied es das Gefecht mit.

Zunft

Die Genossenschaft der Handwerker eines Gewerbes, die für sich Regeln, Preise und Ausbildung festlegte und dafür Vorrechte erhielt – Berufsverband, Versicherung und Kontrollbehörde in einem. In Bischofsheim waren die Häcker die größte Zunft; die Stadtordnung von 1527 stellte die Zünfte unter die Aufsicht der erzbischöflichen Beamten.

Zwinger

Der schmale Raum zwischen der inneren und der äußeren Mauer einer Stadtbefestigung. Angreifer, die die äußere Mauer überwunden hatten, saßen hier fest. In Bischofsheim umgab der Zwinger auch das Schloss.

Zwölf Artikel

Das im März 1525 in Memmingen verfasste Programm der Bauern: freie Pfarrerwahl, Abschaffung der Leibeigenschaft und des Kleinen Zehnten, freie Jagd, Fischerei und Waldnutzung, Begrenzung der Dienste und Abgaben – alles begründet mit dem ‚göttlichen Recht‘ des Evangeliums. In den einzelnen Haufen wurden die Artikel abgewandelt.