Zur Arbeitsweise
Quellen und Methode
Eine Stadtgeschichte steht und fällt mit der Frage, woher man etwas weiß. Für Bischofsheim ist die Lage ungewöhnlich: Die mittelalterlichen Urkunden der Stadt selbst sind weitgehend verloren, durch Kriege, Brände und die Tauberflut von 1784. Vieles ist deshalb nur über die Archive der Landesherren, der Stifte und der Nachbarn überliefert. Diese Seite erklärt, worauf die fünfzehn Kapitel beruhen, wie die Grundlagen gewichtet sind und wie mit Unsicherheiten umgegangen wird. Die einzelnen Werke stehen im Quellenverzeichnis.
Die Grundlagen, nach Gewicht
Nicht alle Darstellungen sind gleich zuverlässig. Wo sie sich widersprechen, folgt dieser Text im Zweifel der höher gewichteten Grundlage und sagt das ausdrücklich.
- Gehrig/Müller 1997, Tauberbischofsheim. Beiträge zur Stadtchronik: die moderne, archivgestützte Hauptdarstellung. Sie korrigiert ältere Annahmen, etwa zum Zeitpunkt der Stadtrechtsverleihung, zur Frühdatierung Liobas oder zum Spital.
- Schneider 2005, Archäologischer Stadtkataster: Stadtgestalt, archäologische Befunde, Baudatierungen (auch durch Jahrringanalyse) und eine kritische Neulesung der Urkunden.
- Berberich 1895: die einzige durchgehende ältere Erzählung. Seine Tatsachen und Quellenzitate sind wertvoll, seine Deutungen zeitgebunden. Der Verfasser war Geistlicher Lehrer am Gymnasium und Leiter des erzbischöflichen Konvikts; das färbt seine Urteile über Kirche und Konfessionen.
- Ogiermann 1955 (Festschrift zur 1200-Jahr-Feier): eine starke Urkundenauswertung bis 1600, aber ein Jubiläumsbuch, das zu frühen Datierungen für Lioba und Burg neigt. Die Teile zur Neuzeit sind Heimatbuch.
- Spezialstudien zu Verkehr und Geleit, Brücke, Bevölkerung, Juden, NS-Zeit, 1866 und Bauernkrieg (u. a. Sprotte, Wagner, Hau, Müller, Braun, Birk, Wernher-Lippert). Sie sind in ihrem Feld oft genauer als die Gesamtdarstellungen.
- Heimatforschung im Netz und in Büchern, vor allem Jürgen Wohlfarth (Bauernkriegslandschaft Tauber-Franken, Büscheme) und der Verein Traum-a-land: regionale Spurensuche mit vielen Quellenabdrucken, etwa dem vollständigen Bericht der Bischofsheimer über ihr Verhalten 1525. Die Deutungen sind engagiert und werden im Text als solche ausgewiesen; die Quellenabdrucke sind davon unabhängig wertvoll.
- Stadtführer und Heimatbücher (Kolb/Kiefer, Siegel 1990, Gräter) dienen nur als Zeitzeugnis, für Anekdoten und für Hinweise. Für Tatsachen tragen sie keine Last.
Welche Arten von Quellen es gibt
- Urkunden (Schenkungen, Privilegien, Verträge): selten, meist nur in Abschriften oder in den Archiven der Gegenseite erhalten.
- Akten und Bücher der Verwaltung (Amtsrechnungen, Zentgerichtsbuch, Visitationsprotokolle, Schatzungsregister): die Hauptquelle für Alltag, Preise, Recht und Steuern, meist in Handschrift.
- Chroniken und Berichte (etwa Lorenz Fries zum Bauernkrieg): lebendig, aber Parteischriften der jeweiligen Seite.
- Karten und Pläne, vor allem die Zürner-Pläne von 1748 und 1790/92: für Stadtgestalt und Straßennetz von großem Wert; sie zeigen aber einen Zustand, keinen Verlauf.
- Bauten, Inschriften und Bodenfunde: unabhängig von der schriftlichen Überlieferung und deshalb ein wichtiges Gegengewicht.
- Bilder und Erinnerungszeugnisse (Memoiren, Zeitzeugenberichte, Vorträge): anschaulich, aber nicht alle Aussagen sind überprüfbar.
Wie mit Widersprüchen und Datierungsfragen umgegangen wird
Wo sich Darstellungen widersprechen – etwa beim Jahr der Stadtrechtsverleihung, bei den Toten von 1866 oder beim genauen Tag der Novemberpogrome 1938 –, steht das im Text. Dort steht, was belegt ist, was sich vermuten lässt und was offen bleibt. Dafür gibt es in den Kapiteln eigene Quellenkritik-Kästen. Als Faustregel gilt:
- Eine Angabe gilt als gesichert, wenn sie in einer verlässlichen Quelle datiert ist und keine ebenso verlässliche widerspricht.
- Stehen nur spätere Zeugnisse oder Heimatbücher zur Verfügung, heißt es „nach der Überlieferung“, „wahrscheinlich“ oder „nach Berberich“.
- Runde Jubiläumsdaten und Frühdatierungen (etwa „um 735“ für Lioba) werden nicht stillschweigend übernommen, sondern als Datierungsfrage kenntlich gemacht.
- Die Namensform wechselt mit der Zeit; der Text verwendet die jeweils zeitgenössische (Bischofsheim, später Tauberbischofsheim) und erklärt den Wandel an geeigneter Stelle.
Befund und Deutung
Ein Befund ist, was eine Quelle sagt oder ein Fund zeigt. Eine Deutung ist, was wir daraus schließen. Der Text trennt beides: Zuerst wird berichtet, was belegt ist, danach folgt – kenntlich gemacht – die Einordnung. Das gilt besonders für die Hexenverfolgung (die Aktenlage ist lückenhaft), den Bauernkrieg (die überlieferten Berichte stammen überwiegend von der Sieger- oder von der Rechtfertigungsseite) und die Zeit des Nationalsozialismus.
Handschriften im Stadtarchiv
Das Stadtarchiv Tauberbischofsheim verwahrt zahlreiche handschriftliche Archivalien, darunter das Zentgerichtsbuch 1596–1635, das Kontraktenbuch, die Weinverkaufsprotokolle 1707–1830, Güterinventare und Landschieder-Ordnungen. Diese Handschriften wurden für diese Darstellung nicht neu ausgewertet. Wo sie genannt werden, geschieht das über die Auswertungen Dritter, oder es wird nur darauf hingewiesen, dass ein Archivale im Stadtarchiv vorhanden ist. Wer selbst forschen möchte, findet dort Ansatzpunkte für weitere Arbeit.
Bilder und Rechte
Die Fotografien stammen von Hendrik Beierstettel, soweit nicht anders vermerkt. Karten und Archivalien liegen in den jeweils genannten Archiven und Museen; die Zürner-Pläne werden im Tauberfränkischen Landschaftsmuseum verwahrt. Sollte eine Bildangabe fehlen oder unzutreffend sein, bitte melden.
Verwandte Seiten
Mehrere Quellenarbeiten des Autors liegen auf beierstettel.de und ergänzen diese Darstellung: die Karte der Gemarkungsgrenze mit 394 Grenzsteinen (dort auch Flurnamen und Kleindenkmale), das Büschemer Personen-Verzeichnis mit weit über 4.500 Personen aus dreizehn Quellen, der Volltext von Berberich 1895, die Arbeit zum Verkehrsweg Würzburg–Miltenberg und das Fotoarchiv.
Korrekturen und Hinweise
Eine Stadtgeschichte ist nie fertig. Wer einen Fehler findet, eine Quelle kennt oder Material beisteuern möchte (Fotos, Dokumente, Familienüberlieferungen), erreicht den Betreiber über das Impressum von beierstettel.de. Korrekturen werden geprüft und eingearbeitet.