Büscheme · Geschichte einer Stadt an der Tauber

Sonderseite

Flurnamen der Gemarkung

Auf dem Papier ist die Gemarkung ein Umriss, im Kopf der Bauern war sie eine Landkarte aus Namen. Jedes Stück Feld, jeder Hang und jede Wiese hatte seinen, und die meisten sind älter als alles, was in den Archiven liegt. Die Tauberbischofsheimer Flurnamen stehen in Urkunden seit dem 12. Jahrhundert; Wilhelm Ogiermann hat alle gesammelt, die ihm in Urkunden von etwa 1200 bis 1600 begegneten, und sie in der alten Schreibweise veröffentlicht. Die Liste auf dieser Seite folgt Franz Gehrig und Hermann Müller (1997), die die Namen nach dem Übersichtsplan der Gemarkung von 1932 ordnen und ältere Schreibungen nennen, wo sie zu einer Erklärung hinführen.

Für die Deutung zählen die alten Schreibungen, denn sie spiegeln die alte Aussprache. Viele Namen sind ohne Hilfe verständlich: Sie bezeichnen die Geländeform (Teich, Wanne, Trichter, Buckel), die Nutzung (Bäumlein, Leintal, Linsenleite, Krautgärten), das Aussehen (Schwarzes Feld) oder die Lage an einem Punkt (Dittwarer Brücklein) oder bei einer Nachbargemarkung (Hochhäuser Grund). Oft steckt ein Besitzername im Namen, denn im Mittelalter gab es zunächst nur große Ackerblöcke, und die trugen den Namen ihres Eigentümers; erst seit der frühen Neuzeit zerfielen sie durch Erbteilung und Verkauf in kleine Äcker. Manche Namen bleiben ein Rätsel, und dann muss man das Fragezeichen stehen lassen.

Julius Berberich hatte 1895 die gebräuchlichsten Namen zusammengestellt und gedeutet. Seine Erklärungen wurden jahrzehntelang ungeprüft übernommen, sind aber teilweise überholt, vor allem seine Doppeldeutungen („Das Hottenloch hat seinen Namen aus zwei Gründen …“). Nur eine Deutung kann in der Regel zutreffen. Gehrig/Müller korrigieren ihn an mehreren Stellen; die Fälle mit dem größten Streit stehen unten.

Auch die Steinkreuze haben Namen hinterlassen. Nach Losch heißen die Flurstücke an Steinkreuzen im Land am häufigsten „Kreuzstein“ oder „Steinernes Kreuz“; seltener ging eine Benennung aus der Sage in den Flurnamen ein (Losch 1981, S. XVIII). In den Stadtteilen nennt er bei Dienstadt den „Kreuzacker“ (Nr. X) und bei Hochhausen die Flur „Kreuz“ (Nr. XIV), in Nachbarorten etwa die „Kreuzwiesen“ bei Gamburg. Die Liste von Gehrig/Müller verzeichnet diese Namen nicht; sie sind hier nur als Hinweis aufgeführt (Losch 1981, S. 109–111).

Die Flurnamen auf der Karte

151 Namen sind kartiert, davon haben 94 eine Deutung bei Gehrig/Müller; die übrigen, im Plan von 1932, in den amtlichen Karten und in der örtlichen Überlieferung vorkommenden Namen sind in der Karte gesondert markiert. Zum Vergrößern das Mausrad, die Knöpfe oder zwei Finger benutzen, zum Verschieben ziehen. Ein Klick auf einen Punkt zeigt Name, Deutung und Quelle. Ausgefüllte Punkte sind auf etwa 20 Meter genau, hohle liegen nur ungefähr: Sie stammen aus Rasterkarten und sind visuell eingeordnet.

Auf einen Punkt klicken oder in der Liste „auf der Karte“ wählen.

Lage der Namen nach ALKIS-Beschriftung (Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg), Deutscher Grundkarte, dem Übersichtsplan der Gemarkung von 1932 und Korrekturen von H. Beierstettel (2026); Gemarkungsumriss nach der Grenzstein-Karte. Die Karte ist schematisch, ohne Straßen und Gelände.

Der Plan von 1932

Auf den „Übersichts-Plan der Gemarkung Tauberbischofsheim“ von 1932 gehen die meisten Namen zurück, die Gehrig/Müller deuten. Ein Klick vergrößert den Plan.

Übersichts-Plan der Gemarkung Tauberbischofsheim von 1932 mit Flurnamen
Übersichts-Plan der Gemarkung Tauberbischofsheim, 1932. Quelle: LEO-BW (Landeskunde entdecken online) und Geoportal Baden-Württemberg (geoportal-bw.de); Nutzung mit Erlaubnis.

Wo die Deutung streitig ist

Wellenberg

Die Deutung rund, welle, scheitert an der alten Schreibung Wellerbergk mit r. Am meisten spricht für den Weilerberg: Bei der evangelischen Kirche wurde ein fränkischer Reihengräberfriedhof gefunden, das Gebiet war also früh bewohnt. Ein alter Ort neben der Stadt kann ruhig Weiler heißen, und der „Wellerpfad“ von 1578 könnte zu ihm geführt haben.

Hadermannshelle

Berberichs hael, vergänglich, geht nicht, weil alle alten Schreibungen -helde oder -halde enthalten, Trümmerreste, wie in Burghalde. Im Namen steckt ein Hadermann, der jenseits der Tauber eine Burg besessen haben könnte. Dafür sprechen die Burggärten von 1578 und der Burgweg, der noch heute so heißt. Einen Beleg für die Burg selbst gibt es nicht.

Schlacht

Mit einem Gefecht hat der Name nichts zu tun, das hat schon Berberich gesehen. Gemeint ist eine Uferbefestigung aus eingeschlagenem Holz. An dieser Stelle schützte man die alte Fernstraße nach Mergentheim gegen die Tauberschlingen.

Sprait

Berberich meinte spreiten, ausbreiten, also eine Hochebene. Gehrig/Müller halten Spreite für wahrscheinlicher, ein altes Wort für Buche oder Strauch. Auf dem Sprait stand der Richtplatz; die letzte Enthauptung fand dort 1820 statt. Das Richtplatzkreuz am Weg nach Dienstadt, nach Loschs Inventar ein Kreuz des 16./17. Jahrhunderts, trägt seinen Namen nach diesem Gewann (Losch 1981, S. 107 f.).

Hottenloch

Der Hinweis auf „hott“, rechts, ist abwegig, denn rechts ist überall. Loch meint selten ein Salzloch, meist Loh, Wald; im ersten Teil steckt wohl Hatto, ein im Mittelalter häufiger Vorname, den auch Mainzer Erzbischöfe trugen.

Die Flurnamen von A bis Z

106 Namen nach dem Übersichtsplan von 1932 mit den Deutungen von Gehrig/Müller. Die Jahreszahl vor einer älteren Schreibung nennt das Jahr, in dem sie in einer Urkunde steht. Die Farbe der Schaltflächen sagt, welcher Art die Deutung ist; jeder Name steht in genau einer Gruppe.

NameLage und ältere SchreibungenDeutung nach Gehrig/Müller
Altenauan der Impfinger Grenze links der Tauber1578 in der alten au; 1748 in der alten AubVon mittelhochdeutsch ouw, wasserreiches Gelände, Land am Wasser.
AppentalWestabhang des Stammbergs zur Königheimer StraßeErst sehr spät erwähnt, deshalb nicht von althochdeutsch apa (Wasser), wie Berberich meinte; das Wort war im Mittelalter nicht mehr üblich. Wohl ein Personenname Appo, wie im Ortsnamen Appenweier.
Bachfluram Brehmbach unterhalb des HöhbergsOhne Erklärung verständlich.
Bäumleinim WolfstalflurOhne Erklärung verständlich.
Im Bergan der Grenze zu DienstadtOhne Erklärung verständlich.
Biegegegenüber dem Bachflur auf der anderen Seite des BrehmbachsBiegung, Krümmung nach dem Lauf des Baches.
Am Bild1578 beim bildtBei einem Bildstock oder Kreuz.
Bobst1695 und danach öfter PapstWahrscheinlich der Besitzername Papst.
Bödelein1578 Bodemle; 1751 BödemleinVon bodem, einer alten Nebenform von Boden: die kleinen Bodenstücke, die vielen Kraut- und Baumgärten dieses Gewanns nahe der Stadt.
Böser HofHauptteil auf der Gemarkung Großrinderfeld1578 „böser Baumgarten“Die Volksphantasie machte daraus eine Geschichte über böse Bewohner; Hinweise auf irgendwelche Personen gibt es nicht. Gemeint ist schlechtes Ackerland, dessen Bewirtschaftung schließlich aufgegeben wurde.
Brachenleiteöstlich vom Büchelberg an der Grenze zu Dittigheim1578 PrauchenleidenLeite heißt Abhang: der Berghang, der meist brach lag und nur selten umgebrochen wurde.
Brehmenleite (vordere und hintere)Abhang vom Stammberg zur Königheimer Straße, in Höhe der Abzweigung nach Dittwar1313 Bremenliten; 1578 Premen LeidenWie beim Brehmbach von mittelhochdeutsch brame, breme: Brombeer- oder Dornstrauch.
Brenner1495 Brenntal, BrennentalWohl das Tal, in dem man mit Brand gerodet hat; der Name wurde dann auf den Berghang ausgeweitet. Sicher nicht die Flur, auf die die Sonne „brennt“.
Brücklein (oberes und unteres)bei der kleinen Brücke gegen ImpfingenZuerst nur ein Gewann, dann geteilt.
Büchelberg1323 Büchelberg; 1578 BuchelbergDer Berg mit vielen Buchen und Bucheckern.
Buckel, Buckel im Teichnahe der Grenze zu ImpfingenOhne Erklärung verständlich.
Dienstadter Flürlein, Dienstadter Höhezwischen Stammberg und TannenwaldOhne Erklärung verständlich.
Dittwarer BrückleinOhne Erklärung verständlich.
Dittwarer Wegam Höhberg entlang, zugleich Grenze zu DittigheimOhne Erklärung verständlich.
Im Ebenen Gewannbeim Kirschengarten unterhalb des HammbergsOhne Erklärung verständlich.
Edelberg (äußerer und innerer)1323 EdelbergerdalSicherlich nach dem edlen Wein benannt, der dort wächst.
Edelbergshohleein Hohlweg; ein zweiter beim Forst nahe der Gemarkung GroßrinderfeldOhne Erklärung verständlich.
Fahrentalum 1160 farental; 1578 FarentalBenannt nach dem abgegangenen Ort Farental. Der Fahrentalsgrund liegt auf Impfinger Gemarkung.
Fichtengrundbei der EdelbergshohleErst sehr spät belegt; wohl eine späte Aufforstung mit Fichten.
Forst, Großer ForstUrsprünglich herrschaftlicher Wald, später im Besitz der Stadt.
ForstbuckelOhne Erklärung verständlich.
Frauenhölzleinin der Nähe des Dittwarer BahnhofsWohl zu den vier „Frauenhöfen“ gehörend.
Fronbrunnen, Fronbrunnenäcker, Fronbrunnenwiesenoft nur „Fronwiesen“Das ist sicherlich die älteste Bezeichnung. Vier Fronhöfe gehörten zum Burglehen der Adligen, die der Mainzer Erzbischof mit der Bewachung der Burg, des Schlosses in der Stadt, beauftragt hatte.
Galgenleitenördlich von Schlacht und Zehnt, rechts der Straße nach Großrinderfeldum 1450 am Galgen; 1578 im GalgenleidenAuf diesem Berghang stand der alte Galgen. Die letzten Hinrichtungen fanden jedoch nicht hier statt, sondern auf dem Sprait. Die Überlieferung zu den drei Steinkreuzen an der Laurentiuskapelle bringt ein Seil oder eine Schlange auf einem von ihnen mit der Galgenleite in Verbindung (Losch 1981, S. 107).
Gänsflürlein1578 GensfurthBevorzugtes Weideland, auf das die Gänsehirtin die Gänse trieb.
Gänsstirnenördlich vom unteren BrennerDer Name kommt auch in Dittigheim und Gissigheim vor und bezeichnet oft eine vorspringende Bergnase.
Am GeißrainWestabhang des Stammbergs zur Königheimer StraßeGeißrein, GeißbergDen Schafen blieben manche Weideplätze verboten, weil sie an Sträuchern und jungen Bäumen die Knospen abnagen; Ziegen konnten auf Brachland nicht schaden und mussten dort von den Schafen getrennt werden. Offenbar durfte man am Geißrain die Geißen weiden lassen, vom Hirten an langen Stricken gebunden.
Grünsfelder TannenOhne Erklärung verständlich.
Guten Morgenrechts der Straße nach Impfingen, nach den KrautgartenäckernGutes Ackerfeld, im Gegensatz zum Bösen Hof.
Hadermannshelle1323 Hadermannsheldin; 1444 bis 1495 Hadermannshelden; 1551 Hadermeshalden; 1563 und 1578 HadermeßheldenBerberichs Herleitung von mittelhochdeutsch hael (vergänglich) ist nicht möglich, denn alle alten Schreibungen enthalten -helde oder -halde. Gemeint ist wohl ein Hadermann oder Hadumar (auch Hadamar, Hadmar, Hartmann), der oben eine Burg besessen haben könnte, die irgendwann zerstört wurde; -halde bezeichnet dann Trümmerreste, wie bei Burghalde. Auch in Dittwar und Gissigheim gab es früher eine Burghelle. Für eine Burg jenseits der Tauber sprechen die 1578 belegten Burggärten und der Burgweg, der bis heute so heißt. Dass der letzte Burgbesitzer ein Raubritter war und wegen seines streitbaren Wesens Hadermann (Streitmann) hieß, ist eine plausible, aber unbelegte Spekulation.
Hainweit links der Tauber, an der Grenze zu HochhausenDort muss es einmal einen kleinen Wald gegeben haben.
Hängleinnahe der Gemarkung ImpfingenKleiner Hang.
Hammberg und Heimberg (vorderer und hinterer)1495 Heynlberg, Heimelberg, Heimberg, HeinlebergAm ehesten Hainbuchenberg; das einfache Hain (kleiner Wald, Lustwäldchen) käme in Frage, ist aber bei so großer Fläche eher unwahrscheinlich. Hammberg und Heimberg müssen als ursprünglich identische Namen gelten, die alten Schreibungen weisen eher auf Heimberg. Wann die Trennung und die Unterscheidung in vorderen und hinteren erfolgte, ist unbekannt; 1694 ist schon ein „vorderer Heimberg“ belegt.
Heimbergsflur1578 Heinbergflur; 1854 an der HeimbergsplatteOhne Erklärung verständlich.
HeimbergweinbergsfeldOhne Erklärung verständlich.
Am Herrentischauf der Topographischen Karte Herrentischgraben; im Tannenwald Richtung Leintal und HunzenbergBeim Gemarkungsumgang und beim Holzverkauf werden die Stadträte und Bürgermeister verhandelt und sich an Speis und Trank gelabt haben; hölzerne oder steinerne Tische im Wald hat es schon immer gegeben.
Hochhäuser GrundDas langgestreckte Wiesental gegen Hochhausen, so genannt, obwohl sich die Impfinger Gemarkung dazwischenschiebt.
Höhberg1314, 1495, 1578 Hoeberg; 1563, 1600 HoebergkDie Vokale wurden wohl getrennt gesprochen: Ho-e-berg. Der Berg gehörte zur Gemarkung Dittigheim, aber viele Bischofsheimer hatten dort Besitz.
Beim Hohen Bild1578 beim hohen bildtBeim Bildstock oder Kreuz.
Bei der Hohen Eiche1578 und 1694 belegtOhne Erklärung verständlich.
Im Hohen StadenEin Acker, der auf der einen Seite an den Wolfsberg, auf der anderen an die Tauber grenzte; das Tauberufer war dort also höher als anderswo. Auch Hochhausen liegt offenbar an einer in alter Zeit besonders hohen Stelle, was immer noch die wahrscheinlichste Erklärung des Ortsnamens ist.
Holzfluram Rand des Tannenwalds nahe der Gemarkung DienstadtHolz heißt Wald.
HottenlochLoch bedeutet bei Flurnamen selten eine durch Salzauswaschung eingesunkene Stelle, meist ist es die alte Bezeichnung Loh für Wald. Im ersten Teil steckt wohl der Personenname Hatto, der im Mittelalter sehr häufig war, auch bei Mainzer Erzbischöfen: also vermutlich Wald des Hatto. Berberichs Erklärung mit dem Bauernwort „hott“ für rechts ist abwegig, denn „rechts“ wäre überall möglich.
HottenlochsweinbergeOhne Erklärung verständlich.
HottenlochsflürleinEin Flürlein hatte meist eine andere Bebauung als die angrenzende Flur der drei Zelgen, der Drittel des Ackerlandes bei der Dreifelderwirtschaft.
Iberg1495 IppergBerg mit Eiben.
Impfinger Pfadführt im Tannenwald von Dienstadt nach ImpfingenOhne Erklärung verständlich.
Inselöstlich vom Impfinger GrundWohl eine inselartige Erhebung oder eine sonstige Abgrenzung in der Feldflur; alte Belege fehlen.
Kaiser1495 Keyser; 1578 KaiserDer Name kommt an vielen Orten mit kaiserlichen Rechten vor; man könnte an Besitz der Stauferkaiser denken, vielleicht war es auch der Name eines Bauern.
Kapellenäckerbei der alten RektorskapelleDie Kapelle wurde von ihrem früheren Standort unterhalb des Brenners an den Rand des Hammbergwaldes versetzt.
KirchelbergHauptteil auf Impfinger Gemarkung (dort Kirchenberg)1314 Kyrchilberg; 1388 Kirchel; 1422 Kirchelberg; 1495 KychelbergBerg beim Kirchlein. Der Weingarten, der bei allen urkundlichen Erwähnungen mit ihm genannt wird, kann nicht bei der Impfinger Dorfkirche gelegen haben, sondern wohl bei dem Kirchlein der abgegangenen Siedlung Farental.
Kirschengartenoberhalb des KreiskrankenhausesOhne Erklärung verständlich.
Krautgärten, Krautgartenäckerrechts von der Wertheimer StraßeOhne Erklärung verständlich.
Kützbergzwischen dem Edelberg und dem vorderen Hammberg1323, 1495 Goetzberg; 1559 Gutzberg; 1578 am GützbergDer Name kommt in vielen Orten vor; der erste Bestandteil wird als Guss gedeutet, großer Wasserfluss bei Unwetter. Nach der älteren Schreibung könnte auch der Personenname Götz darin stecken; 1365 ist der adlige Götz von Bischofesheim erwähnt.
Lange Gewannzwischen Moosig und BrachenleiteOhne Erklärung verständlich.
Lehmgrubeoberhalb des FriedhofsDie Stadt pflegte einen Acker zu pachten, der sich als Lehmgrube eignete, bis der zum Bau von Häusern und Öfen in großen Mengen benötigte Lehm an dieser Stelle ausging.
Leintal1309 Lyndal; 1322 Leyndal; 1336 Lintal; 1351 Linental; 1578 LeintalsgrabenLin heißt Lein, Flachs, aus dem man Leinöl und Leinwand herstellte; er wurde dort bevorzugt angebaut.
Linsenleiteoberhalb vom Brenner1578 im LinsenleidenEin Berghang, auf dem man häufig Linsen säte.
Löhlein1578 am Löle, im LölaLoh heißt Wald: ein kleiner Wald, ein Wäldchen.
Mäntelein1313, 1551, 1563 Mentelin; 1578 MentalaSchwer erklärbar: entweder ein Grundstück in der Form eines kleinen Mantels, oder von einem Personennamen, oder von mantel für Föhre. Berberich nimmt eine ursprüngliche Form Menthal an und leitet sie von mittelhochdeutsch mene ab, Fuhrwerk oder Fronfuhre: ein Tal, in dem häufig Fronfuhren geleistet werden mussten.
Mittbergoberhalb der Königheimer Straße1495 MittelbergMitte des Berges, ähnlich wie Mittfasten die Mitte der Fastenzeit.
Moosig1664 im Mosig, bei dem Mosigsholtz; 1745 Moisusholz; 1795 im MoosiKann nur Wald mit viel Moos bedeuten.
MoosigbrunnenOhne Erklärung verständlich.
Moosigkauffeld1745 kauften Bischofsheimer Bürger von der Stadt 188 Morgen „im Moisusholz und Fluhr“.
Muckbachkleine Flur neben dem Dittwarer BrückleinNach dem Bach benannt. Wie bei Mückenloch, Muckental und Muggensturm steckt mucca (Mücke, Fliege) darin; Muckbach ist wohl eine Abkürzung aus Muckenbach, und dort gab es offenbar viele Mücken.
Mühlwiesenzwischen der Schneidmühle und der RollenmühleOhne Erklärung verständlich.
NachtschattenAn manchen Orten als Flurname belegt; meist Gelände mit wenig Sonnenschein.
Neuberggegenüber dem Edelbergum 1450 NuppergEin spät gerodeter Berg, vorher wohl Weideland.
Beim Ölbergam Fuß des Stammbergs, beginnend am ehemaligen KonviktDort befand sich früher in einem Rundbau die Ölberggruppe, die heute an der Martinskirche steht.
Am Paimarer Wegan der Grenze zu GroßrinderfeldOhne Erklärung verständlich.
Richtplatzauf dem Sprait beim SteinbruchDort fand 1820 die letzte Hinrichtung durch Enthaupten statt.
Rinderbachgegen DienstadtEin beliebter Platz des Kuh- und Rinderhirten.
Rohrwiesengegen DittwarDort wuchs viel Schilf, Röhricht.
Sandam Fuß des Höhbergs1578 uff dem SandSandiges Gelände.
Schlacht1551, 1563, 1578 SchlachtSchon Berberich lehnt das Gelände einer Kriegsschlacht ab. Seine Deutung als Schlucht findet in der Geländeform und der alten Schreibung keine Stütze. Auch Schlag, Holzschlag, kommt der wahrscheinlich richtigen Deutung nur nahe: Schlacht ist eine Uferbefestigung aus eingeschlagenem Holz, mit der man die alte Fernstraße nach Mergentheim gegen die Willkür der Tauberschlingen schützte.
An der Schlacht, Schlachtgrundbeide Fluren verlaufen unmittelbar an der TauberOhne Erklärung verständlich.
Schleicherhinter dem Bahnhof DittwarEs gibt keine alten Belege; der Flurname bleibt ungeklärt.
Schlössersberg, Schlössersbergäckeran den Edelberg angrenzend1578, 1750 SchlossersbergNie als Schlossberg belegt, ältere Schreibungen fehlen. Wohl nach einem Besitzer des Waldes benannt, der Schlosser oder Schlösser hieß oder Schlosser von Beruf war.
SchneekastenDort schmolz der Schnee erst spät weg.
Schüttbei der Mündung des Brehmbachs1795 in der Schütt bei der BachEine Aufschüttung zum Schutz der Stadt.
Schwalbengrabengegen das Leintal zuOhne Erklärung verständlich.
Schwarzes Feldbeiderseits der Straße Richtung GroßrinderfeldOhne Erklärung verständlich.
Spitalwaldkleiner Wald am WellenbergOhne Erklärung verständlich.
Sprait (oberer und unterer)1495 Spreytt; 1578 am SpraithBerberich leitet den Namen von spreiten (ausbreiten) ab und deutet ihn als ebene Fläche, Hochebene. Wahrscheinlich richtig ist eine andere Lösung: das Substantiv Spreite für Buche oder Strauch, also Gelände mit vielen Sträuchern oder Buchen.
Stammbergbis um 1900 immer Steinberg; 1305 Steinberg; 1309 SteinebergOhne Erklärung verständlich.
Steig (mittlere und obere)steiler Weg auf den Büchelberg und ins Lange Gewann; Fortsetzung im Moosigweg und im Grünsfeldhäuser WegOhne Erklärung verständlich.
SteinbergWeinberge in Richtung DienstadtOhne Erklärung verständlich.
Stockgewannzwischen Bödelein und WolfstalBei der Rodung ließ man die Baumstümpfe, die Stöcke, im Boden.
Tannenwaldvom Sprait bis zur Gemarkungsgrenze HochhausenÄltere Belege fehlen; der Wald wurde erst in der Neuzeit angelegt. „Tannen“ sind im tauberfränkischen Raum meist Föhren oder Kiefern.
Taubenhaus (oberes und unteres)1578 Dauphaus; 1807 TaubhausNach Berberich von einem Taubenhaus, das eine ehemalige Herrschaftsfamilie dort gehabt hat.
Taubental (vorderes und hinteres)auf der rechten Tauberseite, südlich von Zehnt und Büchelberg1309, 1323 Daubendal; 1404 Taubentall; 1578 DeibenthalAuch hier muss es viele Tauben gegeben haben, vielleicht das bevorzugte Flug- und Aufenthaltsgebiet der Tauben aus dem Taubenhaus.
Taubergärtengegenüber dem Wörtgrund auf der anderen TauberseiteOhne Erklärung verständlich.
Im Ersten Teich, im Zweiten Teichdazwischen „im Ebenen Gewann“Teich bedeutet bei Flurnamen oft eine Geländevertiefung ohne Wasser; mit Wasser wäre es ein See.
Trichterbeim Kirchelberg, an der Grenze zu ImpfingenOhne Erklärung verständlich.
Wannewestlich vom Tannenwald, an der Grenze zu DienstadtEine Bodenvertiefung; der Name kommt häufig vor.
Wellenberg1495, 1578 WellerbergkEiner der umstrittensten Flurnamen. Berberich leitet ihn von mittelhochdeutsch welle ab, rund; die alte Schreibung mit r lässt das nicht zu, ebenso wenig welliger Berg oder die Wellen, Reisigbündel, die als Gabholz abgegeben wurden. Zur Schreibung mit r würde Wälderberg passen, doch war der Wellenberg nie typisches Waldgebiet, meist werden Weingärten und Gärten erwähnt. Auch ein Personenname wäre denkbar. Vieles spricht für Wilre, Weiler: der Weilerberg, wo zuerst ein kleiner Weiler stand. Das fränkische Reihengräberfeld bei der evangelischen Kirche beweist, dass dieses Gebiet früh bewohnt war; der 1578 erwähnte „Wellerpfad“ (Nr. 415) könnte zu diesem Weiler geführt haben.
Wiesenbach (vorderes und hinteres)großenteils WaldDer Berg und der Wald dahinter auf Dittwarer Gemarkung heißt Wieselberg, der Berg mit Wieseln. Von Gissigheim aus ging man früher über diesen „Wischelberg“ nach Tauberbischofsheim.
Wolfstal (oberes und unteres)Da muss es Wölfe gegeben haben.
Wörnersgründleinzwischen Edelberg und ForstbuckelTief liegendes Feld eines Besitzers namens Wörner.
Wärt, WörtgrundWie beim Ort Wertheim von werd, wert: Halbinsel, Landzunge, wasserfreies Land zwischen Gewässern.
Zehntder Platz östlich der Stadt, wo das Centgericht tagte1578 uff der Zenth, under dem ZentstulDas h hat sich fälschlich eingeschlichen. Auf dem Gelände stand für den Centgrafen ein steinerner Stuhl.

Weitere Namen der Karte

Diese Namen stehen auf amtlichen Karten, im Plan von 1932 oder gehen auf Korrekturen vor Ort zurück, werden aber bei Gehrig/Müller nicht gedeutet.

NameLage und Quelle
ArschkerbeLage geprüft; Quelle: Amtliche Forstkarte, Korrekturkarte 2026
BösehofLage geprüft; Quelle: Deutsche Grundkarte, Korrekturkarte 2026
BurgwegLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026
Dreieckiger SteinLage geprüft; Quelle: Koordinatenkorrektur 2026
ForstgrundLage geprüft; Quelle: ALKIS
FriedrichshöheLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026
FuhrmannslochLage geprüft; Quelle: ALKIS, Deutsche Grundkarte
Im GewannLage geprüft; Quelle: ALKIS
GrundfeldLage geprüft; Quelle: ALKIS
HammbergsspitzeLage geprüft; Quelle: Koordinatenkorrektur 2026
Hammbergsteigungefähre Lage; Quelle: ALKIS
HeimbergsholzLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026; außerhalb der Gemarkung
Impfinger Grundungefähre Lage; Quelle: Deutsche Grundkarte
Impfinger HölzleinLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026; außerhalb der Gemarkung
KaiserspitzeLage geprüft; Quelle: Koordinatenkorrektur 2026
KühruhLage geprüft; Quelle: Koordinatenkorrektur 2026
LenzenleiteLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026; außerhalb der Gemarkung
PoppenseeLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026; außerhalb der Gemarkung
Im Roten MarksteinLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026; außerhalb der Gemarkung
TeufelslochLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026; außerhalb der Gemarkung
ThüringLage geprüft; Quelle: Korrekturkarte 2026; außerhalb der Gemarkung
ViertelisspitzeLage geprüft; Quelle: Koordinatenkorrektur 2026

Namen, die nur in Urkunden stehen

In der Vermögensbeschreibung von 1578 und anderen Quellen kommen Flurbezeichnungen vor, die auf dem Plan von 1932 fehlen: beim Hencklehen, beim Rigel, am langen Flöß, im Wurmbergsholtz, uff der Seegrube, uff der Lucken, am Rein, am Kisel, am Driterst, am Essigbergk, im Deuffelsgrundle, im Rodlein, am Diderstuden, an der Beundt, am Langenberg, im Koelberg. Ob es überall Flurnamen sind oder nur markante Punkte, nach denen man Grundstücke bezeichnete, lässt sich nicht mehr klären; wo sie lagen, ist unbekannt.

Quelle der Deutungen: Franz Gehrig und Hermann Müller, Tauberbischofsheim. Beiträge zur Stadtchronik, 1997, S. 173–179, dort mit Verweisen auf Julius Berberich (1895) und Wilhelm Ogiermann (1955). Die Kurzfassungen stammen von dieser Seite.