Themenpfad
Die Straße und das Geleit
Bischofsheim liegt dort, wo die Straße von Würzburg ins Maintal die Tauber quert. Seit dem hohen Mittelalter reisten hier Kaufleute zwischen Nürnberg und Frankfurt, und wer sie begleitete und schützte, das Geleit, nahm Gebühren – ein Geschäft, um das Mainz und Würzburg Jahrhunderte stritten. Die Stadt war Übergabestation und Etappenort, aber, wie die Forschung schreibt, weniger ein Handelsplatz als eine Durchgangsstation.
Dieser Pfad folgt der Straße: von den Geleitverträgen über die Brücke, deren Bauart bis heute umstritten ist, bis zur Spessart-Chaussee, die den Verkehr um 1740 auf Würzburger Gebiet lenkte, und zur Eisenbahn.
Wo es im Buch steht
Die Daten
62 Einträge. Kennzeichnung: Einträge ohne Vermerk gelten als gesichert.
- 1133Massive Mainbrücke in Würzburg (fängt Verkehr aus Richtung Bischofsheim); 1157 erreichen Würzburger Bürger auf dem Reichstag in Worms die Aufhebung der Mainzölle Bamberg–Mainz. Kapitel 4
- seit 1150Erste Frankfurter Ostermesse belegt (1240 Herbstmesse): Beginn der „650 Jahre“ Geleitstraße Nürnberg–Frankfurt (in Wahrheit viele Varianten); Untersuchungszeitraum Hendriks Vortrag 1150–1806. Kapitel 4
- 1232Constitutio in favorem principum Friedrichs II.: Geleit ursprünglich Regal, wird den Landesherren zugestanden; Rudolf I. dehnt das Recht aus. Kapitel 4
- 19.–28. April 1237Friedrich II. verzichtet in Regensburg auf „Advocaciam in Bischovesheim et bona circum adiacencia, villam ipsam“ zugunsten der Mainzer Kirche (Dank für die Stimme Erzbischof Siegfrieds III. bei der Wahl Konrads IV.). Kapitel 2
- 1290Privileg Mergentheims: zollfreie Durchfahrt gegen eine Jahrespauschale an den Amtmann zu Bischofsheim (verteidigt 1804). Kapitel 4
- 25. März 1300Ulrich von Hanau sichert Regensburgern Geleit „die Tauber auf und ab“ bis zum hohenlohischen Geleit. Kapitel 4
- 1318Erzbischof Peter von Aspelt nimmt Bürger und Kaufleute von Regensburg in Schirm und Geleit; das Geleit beginnt am Markt in Bischofsheim bis Oppenheim. Kapitel 4
- 5. Juni 1318Vertrag von Wernsberg: Burggraf Friedrich von Nürnberg, Hohenlohe, Rieneck und Wertheim gewähren Regensburger Bürgern Geleit (je Pferd mit Gewand 4 Schilling Heller, je Eimer Wein 2 Heller). Kapitel 4
- 23. Juli 1318Erzbischof Peter von Aspelt nimmt Bürger und Kaufleute von Regensburg in Schirm und Geleit „der sich anhebt in dem markehe Bischofsheim bis gen Oppenheim“. Kapitel 4
- 14. März 1320Graf Ludwig von Rieneck verspricht Regensburger Kaufleuten Geleit die Tauber auf- und abwärts bis Bischofsheim. Kapitel 4
- August 1335König Ludwig der Bayer versetzt Gottfried von Hohenlohe Geleite und Zölle zu Erlach und Simmringen an der Reichsstraße Aub–Bischofsheim; 5.8.1336 Geleit zu Zimmern bei Grünsfeld für 2000 Pfund an Graf Gerhard von Rieneck. Kapitel 4
- 25. März – 15. Juni 1346Reise des englischen Gesandten Walther de Mora (Predigermönch König Eduards III.) nach Ungarn: über Köln, Mainz, Miltenberg, Königheim (Nacht), Bischofsheim (Mittag), Aub (Nacht) nach Regensburg; auf dem Rückweg Bischofsheim zur Nacht (nach Fronleichnam 15.6.); Ausgaben und Tagesetappen als Zeugnis der Straße. Kapitel 4
- 1360Vertrag Erzbischof Gerlachs: Mainz alleiniger Geleitsherr auf der Straße Mainz–Babenhausen–Obernburg–Miltenberg–Neunkirchen–Bischofsheim; erster fester Tauberübergang wohl im Zuge des Stadtausbaus, die Brücke wird 1360 als Geleitsübergabeort genannt. Kapitel 4
- um 1360Augsburger Geleitvertrag: Erzbischof Gerlach, Bischof Albrecht von Würzburg, Grafen von Öttingen, Hohenlohe, Rieneck; Straße vom Rhein bei Mainz über Langen, Babenhausen, Obernburg, Miltenberg, Külsheim nach Bischofsheim; Mainz Geleit bis Bischofsheim, Rieneck Bischofsheim–Grünsfeld–Simmringen, Hohenlohe Simmringen–Öttingen. Kapitel 4
- 1360Brücke als Ort der Übergabe von Geleit und Gefangenen („wie von Altherr herkommen“, 6.9.1543 Amtmann Hans Albrecht von Adolzheim). Kapitel 4
- nach 1397Zwei Jahrmärkte (Tag nach St. Veit 15.6., Sonntag nach St. Burkhard 14.10.); 26.5.1405 Johann II. verleiht Külsheim zwei Jahrmärkte „wie wir unsern Bürgermeistern … Bischofsheim gegeben“. Kapitel 6
- 1405Zwei Jahrmärkte erstmals genannt (Külsheim erhält dasselbe Privileg). Kapitel 6
- 5. November 1410Nürnberg bestreitet die Geleitgeld-Nachforderung des Amtmanns Eberhard Adel von Tottenheim; 24.2.1437 sagt Amtmann Zürch von Stetten Nürnbergern Geleit zur Frankfurter Fastenmesse zu; 7.9.1548 Streit Martin Grüner ↔ Nürnberger Kaufmann Mainig Dillher. Kapitel 4
- um 1415Erste Nennung einer Tauberbrücke (Dittigheimer Gültbuch: „weingarth vor Bischoffsheim bruck“). Kapitel 3
- 1426Augsburger Händler kehren über Worms und den Odenwald (Bensheim, Michelstadt, Külsheim) ins Bischofsheimer Geleit zurück. Kapitel 4
- 1430–1480Frachtaufkommen +50 % (Tuchhandel, schwere Güter). Kapitel 6
- 1446Rückkehr von der Frankfurter Messe: Wagen mit 51 Reitern und 198 Pferden. Kapitel 4
- 9. Dezember 1462Gerichtstag Münnerstadt: Graf Johann von Wertheim hat zwei Nürnberger Warenzüge geraubt („zwischen Bischofsheim und Külsheim in das tiefe Tal“, „Taubenloch“). Kapitel 4
- 1465Acht Bischofsheimer Weinhändler sind namentlich genannt (Hans Mewrer, Hans Stetkrafft u. a.). Kapitel 6
- 19. Februar 1468Vertrag Adolf von Mainz – Rudolf von Scherenberg (Würzburg) – Johann von Wertheim: Warenzüge zur Frankfurter Messe von Würzburg über Wertheim und Main nach Miltenberg; Bischofsheim (damals an Württemberg verpfändet) wird umgangen. Kapitel 4
- um 1500Hauptroute Nürnberg–Frankfurt in sieben Geleitsetappen: Nürnberg – Windsheim – Aub – Bischofsheim – Külsheim – Miltenberg – Aschaffenburg – Frankfurt; Bischofsheim ist bis zum 30jährigen Krieg „weniger aktiver Handelsplatz als Durchgangsstation“. Kapitel 6
- 1512/1513Überfall Götz’ von Berlichingen auf Nürnberger Kaufleute; 1513 sichert der Nürnberger Rat seine Bürger mit 460 Fußknechten und 120 Reisigen. Kapitel 6
- 6. September 1543Amtmann Hans Albrecht von Adolzheim ordnet an, Mörder aus Grünsfeld/Impfingen „gen Bischoffsheim an die Brucken“ zu überantworten – ältester Hinweis auf die Brücke als Übergabeort. Kapitel 8
- 1544Fastenmesse 1544: Geleitreiter ab Bischofsheim 9 + 42 Pferde, Külsheim 5 + 8, Miltenberg 8 + 15, Klingenberg 2 + 2, Stockstadt 5 + 11, Seligenstadt 1 + 1, Steinheim 9 + 18; Herbstmesse: Übergabe beim Bildstock am Kister Mark. Kapitel 8
- 1556Wirt der „Krone“ Bastian Dürr fordert höhere Vergütung für die Verpflegung der Geleitsreiter. Kapitel 8
- 4. August 1561Würzburger Wildbann-Karte (StAW MRA 52 K 275): „Ungeferlicher bezirck Maintzischer Wiltpan zwischen Wirtzperg und Bischofsheim“ – zeigt zugleich die gewölbte Tauberbrücke als Glied der Mainzer Geleitstraße; ältestes Stadtbild. Kapitel 8
- 1568Mainzer Jurisdiktionalbuch: Wegegeld für Erhaltung von Weg und Steg (je fremdem Wagen 1 Kreuzer, Karren 2 Pfennig; Bürger frei); über die Tauberbrücke 1 Kreuzer je Pferd. Kapitel 8
- 1584Zwei hohe Grenzsteine im Wald bei Gerchsheim: „Wirtzburgisch Gelaid, Zennth, Wildban …“ und „Maintzisch Glaidt, Cent, Zoll, Wildtban“; an der Würzburger Straße bei Großrinderfeld Steine mit „BD“ (= Bischofsheimensis Ductus, Bischofsheimer Geleit). Kapitel 6
- 1584Zwei hohe Hoheitssäulen („Wirtzburgisch Gelaid, Zennth, Wildban“ / „Maintzisch Glaidt, Cent, Zoll, Wildtban“) bei Irtenberg an der Grenze der Geleitsbezirke; offizielle Übergabestelle bis 1584 „Kaltes Loch bei Kist“. Kapitel 8
- 1613Inschrift über dem Brückentor (Leonhardstor): „Casparus Lerch in Dürrnstein Satrapas Episcopiensis; Quaestoribus Joanne Spehr et Davide Speher fieri ordinavit Anno Christi 1613“ – beweist laut Sprotte noch keine Steinbrücke. Kapitel 10
- Fastenmesse 1628Von 67 Geleiteten stammen 18 aus Augsburg, 10 aus Ulm, 4 aus München, 2 aus Memmingen; der Zentgraf garantiert Nürnbergern Hin- und Rückweg. Kapitel 11
- 17. Jh.Linie Frankfurt–Bamberg (Teil Köln–Prag): Wechselstationen Aschaffenburg – Miltenberg – Bischofsheim – Würzburg; 18. Jh. Postwagen zweimal wöchentlich Mergentheim–Bischofsheim; 1706 Poststation im Gasthof „Zur Sonne“, 1733 im „Badischen Hof“. Kapitel 12
- 1662Pläne zur Tauberschiffbarmachung erwähnen „der Brücken zu Bischoffsheim … zu beeden seithen … schregs gegen dem Brückenbogen“ – Bogenbrücke bezeugt. Kapitel 12
- 9. April 1688Geleitzettel des Würzburger Geleits für die Frankfurter Ostermesse: „Zwen Batzen zahlt dem Fürstlich Würzburgischen Gelaid … Herr Wolf Manger von Nürnberg zu Pferdt … soll uff der von Alters gewöhnlichen Gelaids-Straßen nach Bischoffsheim und Miltenberg und uff kein ander Orth passiret werden.“ Kapitel 12
- 20. März 1691Grabmal des Oberzollers Veit Weber († 20.3.1691) – die Zollstätte Bischofsheim hatte einen „Oberzoller“. Kapitel 12
- 1692Kurmainz hebt für verzollende Kaufleute die Geleitsteuer auf (Juden ausgenommen); Zollstreit mit Mergentheim (Messewaren 1742 in Bischofsheim beschlagnahmt). Kapitel 12
- 1. Hälfte 18. Jh.Itinerar Nürnberg–Frankfurt: Würzburg → „bis Bischofsheim 4 Meilen, kein Ort wo man bleiben kann“ (31 km), Nacht in Bischofsheim „in der Obern Vorstadt“, Mittag Külsheim, Nacht Miltenberg „beym Riesen“; Würzburg–Bischofsheim 300 Höhenmeter. Kapitel 12
- 1706Zoll-, Geleit- und Accisgelder 3337 fl. 22 kr. nach Mainz; Weinverkauf 119 Fuder; Schutzgeld: 6 jüdische Familien in Bischofsheim je 25 fl. Kapitel 12
- 1706Poststation im Gasthof „Zur Sonne“; 1733 neuer „Badischer Hof“ (Anton Philipp von Fleischmann; Hauptstraße 70–72). Kapitel 12
- 1719Tod des Sonnenwirts und Posthalters Franz Servontaine; Grabstein mit dem Reichsadler der Post und Chronogramm an der Peterskapelle. Kapitel 12
- 16. April 1732Frankfurter Fuhrleute beschweren sich über die Landstraße am Bischofsheimer Berg (Sprait) „fast gänzlich unbrauchbar“; Fuhrmann Johannes Humser steckt fest; Nebenweg im Hottenloch steil, nur eine Handbreit zum Wasser. Kapitel 12
- 29. September 1732Hochflut am Michaelstag nach schwerem Gewitter (Augenzeuge Johann Christian Heuß 1733): „der niedrige Theil der Stadt 2 bis 3 Mann hoch unter Wasser“, in der Franziskanerkirche Wasser 4–5 Schuh hoch, Altar- und Grabsteine herausgerissen; zwei alte Eheleute ertrinken, bis zu 180 Stück Vieh; von sechs Brückenpfeilern werden die drei östlichen abgetragen und neu errichtet, die östlichen Felder erhalten Holzüberbauten. Kapitel 12
- nach 1740Nach dem Bau der Spessart-Chaussee lenkt Würzburg den Verkehr auf eigenes Gebiet; Kurmainz hält am Geleit über Bischofsheim fest; Hohlwege (Hammbergsteige, Teufelsloch, Rinderfelder Weg, Hottenlochshohle) verdecken ältere Spuren. Kapitel 12
- 1755Chausseeplanung Großrinderfeld–Forst; die Großrinderfelder „Rebellen“ sabotieren den Bau; die „Alte Straße“ durch den Forst existiert noch. Mit der Spessart-Chaussee (um 1740) wird der Verkehr Nürnberg–Frankfurt über Würzburg gelenkt. Kapitel 12
- 1790–1793Streit um Brückengeld: 1790 hölzernes Joch erneuert (acht Eichenstämme 14,40 m, 37 Stämme 5 m); Brückengeld ab 25.11.1790 (Bischofsheimer ausgenommen, 1 Kreuzer je Pferd); Amtskeller: „Bischofsheimer Route ist abnehmend seit der Spessart-Chaussee“; 1792 Einnahme 190 fl (Kaiserkrönung); Ende 1801 Versteigerung. Kapitel 13
- 20. Juni 1792Auflage an die Ämter Külsheim und Bischofsheim, die Geleitsstraße und den Hottenlochweg über Külsheim nach Hundheim herzurichten – wegen der Durchreise der Reichsinsignien Nürnberg → Frankfurt zur Kaiserkrönung. Kapitel 13
- 1809/1810Der Ziegler Valtin Stockmeister liefert für Arbeiten an der Tauberbrücke 379 Malter Kalk. Kapitel 13
- 29. September 1826Das badische Innenministerium bewilligt einen dreitägigen „Schützenmarkt“; erstmals am 27. August 1827, abgeschafft am 26. Juli 1851. Kapitel 13
- 4. August 1847Abbruch der alten siebenbogigen Brücke (97,20 m lang, sechs Pfeiler, ca. 8,00 m Bogenweite) nach Fertigstellung der Notbrücke (Ende Juli 1847): „äußerst schlecht erbaut, nur zu wundern, dass sie so lange gehalten hat“ (Pfeiler nur 70 cm Mauerschale, innen Geröll). Neubau 1846–50 als Holzbrücke auf vier steinernen Pfeilern (Kosten ca. 50.000 fl), übergeben 27.3.1850. Kapitel 14
- 1863–1866Tauberkorrektion (Kanalisierung); Sprotte bedauert „den häßlichen Anblick einer verödeten Flußaue“. Kapitel 14
- 1856–1864Bürgermeister Franz Baumann: Baulandbahn/Taubertalbahn begonnen, Tauberkorrektion, Wiesenbewässerung, Rathaus, Spital Schmiederstraße, Gymnasium, Freiwillige Feuerwehr, neuer Friedhof; Klosterbrand 16./17.5.1862; † 5.8.1864. Nachfolger Leonhard Reidel (Wahl 26.8.1864, 40 von 51 Stimmen). Kapitel 14
- 1865Bahnhof; Taubertalbahn Lauda–Wertheim (zwei Jahre später ganz eröffnet); Tauberkorrektion bis Sommer 1865 weitgehend abgeschlossen (Wasserspiegel 1,20 m tiefer). Kapitel 14
- 1880Reparaturkosten seit 1850: 11.428 Mark; bis 1940 „quälte man sich mit Holz“; Hochwasser 14.12.1880, 31.1.1882, 23.11.1882 (176,90 m ü. NN). Kapitel 15
- 1940–1941Neubau der Tauberbrücke als durchlaufende Eisenbetonplatte (5 × 14,39 m; Fahrbahn 8,50 m; Bauunternehmung Gustav Stumpf, Bruchsal; Abbruch 29.1.1941, zweispurig übergeben 19.9.1941; ca. 185.000 RM); die Unterbauten ruhen auf den Fundamenten der alten Gewölbebrücke. Kapitel 15
- 1942Neubau/Betonüberbau der Tauberbrücke 1941/42. Kapitel 15
- 31. März 1945Die Sprengung der Brücke zur Deckung des Rückzugs misslingt; bei der Reparatur wird ein überwölbter Raum der „ehedem westlichsten Brückenöffnung“ im Mühlkanal-Tunnel entdeckt (Aufmaß 23.9.1970). Kapitel 15
- 1958–1962Umgehungsstraße B 27: neue Tauberbrücke (erste Spannbetonbrücke über die badische Tauber; Züblin; Bau 3.10.1960–23.1.1962; Einweihung 15.12.1962; 1.213.000 DM); Fußgängersteg seit 18.10.1975. Kapitel 15