Über das Projekt
Diese Website ist das Ergebnis meines privaten Forschungsvorhabens. Ich bin in Tauberbischofsheim geboren und lebe hier, bin Mitglied der Tauberfränkischen Heimatfreunde e.V. und seit 2021 ehrenamtlicher Grenzsteinbeauftragter der Stadt Tauberbischofsheim.
Wie es anfing
Angefangen hat es um 2005 mit langen Spaziergängen mit meinem Hund, der viel Auslauf brauchte. Um die Wege abwechslungsreicher zu machen, suchte ich mir Ziele auf den topographischen Karten 1:25 000: Denkmale, Bildstöcke und Flurkreuze im Umkreis von rund 30 Kilometern um Tauberbischofsheim. Ich steuerte sie an, fotografierte und dokumentierte sie.
Dabei stieß ich immer wieder auf alte Grenzsteine, die in keiner Karte verzeichnet sind. Viele von ihnen sind aufwändig gearbeitet, und für mich sind sie Kleindenkmale, die unbedingt erhalten werden müssen. Grenzsteine stehen auf Grenzen – auf heutigen, aber auch auf solchen, die es längst nicht mehr gibt. So begann ich, mich für Grenzverläufe zu interessieren, um weitere Steine aufzuspüren. Das tue ich bis heute weit über Tauberbischofsheim hinaus; meiner eigenen Heimatgemarkung aber gilt meine besondere Aufmerksamkeit.
Am 27. Dezember 2017 bin ich die Tauberbischofsheimer Grenze zum ersten Mal vollständig abgegangen, zusammen mit meiner Hündin Lumi. Sie war von 2010 bis 2024 bei fast allen meinen Grenzsteinsuchen dabei und hatte mit der Zeit gelernt, worum es ging: Sie lief zu einem Grenzstein, blieb davor stehen und wartete, bis ich sie lobte. Einen Stein, den ich nicht schon kannte, hat sie wohl nicht entdeckt – aber sie hat mich zuverlässig auf die Steine am Weg hingewiesen.
Die systematische Erfassung aller Steine begann ein knappes Jahr später, zusammen mit meinen beiden Söhnen und einem Freund, damals 7, 10 und 11 Jahre alt. Von Spätherbst 2018 bis Mai 2019 haben die drei die Grenze in Etappen abgesucht und jeden Stein auf einem Erfassungsbogen beschrieben. Dafür und für die Freilegung eines alten Weges erhielten sie 2019 den Sonderpreis Kleindenkmale des Kulturlandschaftspreises des Schwäbischen Heimatbunds. Diese Ersterfassung blieb lückenhaft. Die übrigen Begehungen habe ich allein unternommen: Ich bin die Grenze im April 2019 und im Mai 2021 noch zweimal vollständig abgegangen, habe gezielt nach den fehlenden Steinen gesucht und jeden Standort genau eingemessen. Alle Fotos auf dieser Website stammen von diesen Begehungen.
Die Frage hinter dieser Website
Lassen sich die Standorte verschwundener Grenzsteine aus den alten Protokollen zurückgewinnen? Die Landschieder haben nicht nur beschrieben, wo ein Stein stand, sondern meist auch, wie viele Ruten er vom vorigen entfernt war. Wo einzelne Steine heute noch stehen, lassen sich von ihnen aus die übrigen Standorte berechnen – auch die von Steinen, die zerstört, entfernt oder nur umgestürzt und unter Erde und Laub verborgen sind. Diese Website ist mein Werkzeug, um das auszuloten, und zugleich eine Karte, mit der man im Gelände nach ihnen suchen kann.
Was ich dafür getan habe
- Neun Grenzbeschreibungen aus den Jahren 1569 bis 1893 habe ich im Archiv fotografiert, von Hand transkribiert, Stein für Stein in eine Tabelle übertragen und einander zugeordnet. Dazu kommen zwölf weitere Akten zur Grenze aus dem Stadtarchiv Tauberbischofsheim und dem Generallandesarchiv Karlsruhe.
- Von 2017 bis 2021 bin ich die Gemarkungsgrenze dreimal vollständig an einem Stück und zahlreiche Male in Teilabschnitten abgegangen, begleitet nur von Lumi. 142 Steine habe ich wiedergefunden, behutsam gereinigt, fotografiert, beschrieben und mit GPS eingemessen.
- Aus den historischen Abstandsangaben habe ich die wahrscheinlichen Standorte von 249 verschwundenen Steinen berechnen lassen.
- Alles habe ich mit historischen Flurkarten, Flurnamen und den amtlichen Grenzpunkten zusammengeführt.
Die Arbeit an den Protokollen
Die alten Grenzgangprotokolle sind in Kurrentschrift geschrieben, oft hastig, denn die Feldschieder machten ihre Notizen draußen im Gelände. Diese Schrift musste ich mir erst selbst beibringen. An manchen Protokollen saß ich mehr als zwei Wochen lang jeden Abend drei bis vier Stunden; in der Anfangszeit brauchte ich für die Beschreibung eines einzigen Steins nicht selten eine Stunde. Alle Protokolle habe ich selbst von Hand transkribiert. Die Handschriftenerkennung Transkribus habe ich nur in einzelnen Zweifelsfällen zu Rate gezogen – geholfen hat sie selten, denn für die sehr unterschiedlichen Hände der Tauberbischofsheimer Feldschieder gibt es kein ausreichend trainiertes Modell. Ohne diese Transkriptionen hätte das Projekt nicht beginnen können. Einige Seiten im Original neben meiner Abschrift zeigt die Seite Die Protokolle.
Welche Hilfsmittel ich eingesetzt habe
Archivarbeit und Transkription, die Zuordnung der Steine über die Jahrhunderte, die Geländearbeit, die Messungen und die Fotos sind meine eigene Arbeit; die Zuordnung habe ich ohne KI vorgenommen. Die Linie der Gemarkungsgrenze habe ich in QGIS aus der Deutschen Grundkarte nachgezeichnet. Beim Programmieren der Karten, der Suche und der Standortberechnung habe ich KI-Werkzeuge eingesetzt (OpenAI Codex und Anthropic Claude Code), nach meinen genauen Vorgaben. Alle Inhalte habe ich geprüft und verantworte sie.
Technisch besteht die Website aus einfachen HTML-Seiten. Die Karten nutzen die freie Bibliothek Leaflet und Kartendaten von OpenStreetMap. Alle Daten stecken in einer einzigen Datei, die Sie unter Daten herunterladen können.
Wie es weitergeht
Die Karte der berechneten Standorte ist für mich eine Schatzkarte im Wortsinn: Mit ihr kann ich im Gelände gezielt dort suchen, wo ein verschwundener Stein gestanden haben muss. Dass das funktioniert, hat sich bereits gezeigt: Mit ihrer Hilfe habe ich zwei verschollene Steine wiedergefunden, deren Lage die Karte auf etwa zweieinhalb Meter genau vorhergesagt hatte – den einen am steilen Hang des Fahrentalgrabens, den anderen im Wald bei den ehemaligen Dienstadter Weinbergen. Beide lagen umgestürzt knapp unter der Erdoberfläche; ich habe sie wieder aufgerichtet. Bei dieser Suche begleitet mich heute mein Hund Kobe, auf manchen Strecken auch meine beiden Ziegenböcke Freddy und Siggi. Im Frühjahr und Sommer ruht die Suche wegen des Bewuchses, im Winter geht sie weiter. Jeder wiedergefundene Stein wird zum neuen Anker und macht die Berechnung seiner Nachbarn genauer. Das Verfahren selbst ist nicht an Tauberbischofsheim gebunden: Es lässt sich auf jede Grenze übertragen, für die alte Grenzbeschreibungen mit Abstandsangaben und einige heute noch stehende Steine vorliegen.
Veröffentlichungen
Über einzelne Steine habe ich 2024 eine siebenteilige Artikelserie in den Fränkischen Nachrichten veröffentlicht, darunter über den rätselhaften „1308er“-Stein an der Grenze zu Grünsfeld, den Eckstein von 1474 im Brehmbachtal und die Grenzsteine des Henkerslehens von 1490. Alle Texte stehen unter Artikel zum Weiterlesen.
Mitmachen
Sie kennen einen Grenzstein an der Tauberbischofsheimer Gemarkungsgrenze, der hier fehlt, oder haben einen Fehler entdeckt? Schreiben Sie mir bitte eine E-Mail an mail [at] beierstettel.de. Hinweise auf verschwundene Steine sind besonders willkommen.
Hendrik Beierstettel
Tauberbischofsheim
Zitiervorschlag
Hendrik Beierstettel: Die Grenzsteine der Gemarkung Tauberbischofsheim. https://beierstettel.de/Grenze/ (abgerufen am …).