Grenzsteine Tauberbischofsheim

Die Grenzgänge

Ein Grenzgang war eine amtliche Begehung der Gemarkungsgrenze. Die Grenze wurde abgeschritten, jeder Stein aufgesucht und im Protokoll festgehalten, wie er aussah und wo er stand. Aus Tauberbischofsheim sind solche Protokolle aus mehr als drei Jahrhunderten erhalten.

Diese Seite stellt die Quellen einzeln vor und zeigt in einer Übersicht, wie viele Steine jede von ihnen nennt. Wie die Angaben ausgewertet wurden, steht unter Quellen und Methode.

Übersicht

„Neu“ und „nicht mehr genannt“ vergleichen jeweils mit dem vorangehenden Tauberbischofsheimer Grenzgang. Die Zeichen-Spalten zählen Steine, bei denen das Protokoll des jeweiligen Jahres das Zeichen erwähnt.
QuelleSteine genanntneu nicht mehr genanntmit Abstandsangabe Mainzer RadKreuz„b“ Wappen
1569 (wiederholt 1580)104–––7337168
1608118195929263616
16831117141079436783
1700114748890296714
17491165310799758219
1784 (Großrinderfeld)7––7––––
1872201861200187471740
1887–1893 (Grenzberichtigungen)35119040313245142510
2017–2021 (Geländebegehungen)142 gefundendavon 124 am ursprünglichen Platz, 20 versetzt oder Platz unklar; 249 Positionen ohne Fund

Vorsicht beim Lesen der Zahlen. Die Tabelle zählt, was in den Protokollen steht, nicht, was im Gelände stand. Nennt ein Protokoll einen Stein nicht, kann er verschwunden sein; ebenso gut kann der Schreiber einen Abschnitt übergangen oder mehrere Steine zusammengefasst haben. Dasselbe gilt für die Zeichen: Ein fehlender Eintrag heißt nur, dass das Zeichen nicht erwähnt wird. Welche Erklärung im Einzelfall zutrifft, lässt sich oft erst im Vergleich mit den Nachbarsteinen und dem Befund von 2021 entscheiden. Die Angaben zu jedem einzelnen Stein finden Sie in seinem Steckbrief.

Einige Beobachtungen lassen sich dennoch ablesen: 70 Steine werden in jedem der sieben Tauberbischofsheimer Protokolle von 1569 bis 1893 genannt; 33 von ihnen standen 2021 noch am ursprünglichen Platz. Die Protokolle von 1872 und 1887–1893 nennen fast doppelt bzw. dreimal so viele Steine wie die älteren. 187 Steine tragen laut mindestens einer Quelle eine eingehauene Jahreszahl.

Die Quellen im Einzelnen

1569, wiederholt 1580

Das älteste Protokoll. Es zählt die Steine, nennt Größe, Farbe und Zeichen (Wappenschild, Mainzer Rad, „b“, Kreuz auf der Oberseite) sowie das Zeichen auf der Rückseite und beschreibt die Lage mit wenigen Worten. Abstände zwischen den Steinen enthält es noch nicht.

1608

Der erste Grenzgang mit Abstandsangaben: Die Entfernung zum vorigen Stein ist in Ruten angegeben (fränkische Werkrute, 3,65 m). Diese Angaben sind die wichtigste Grundlage, um die Standorte verschwundener Steine zu berechnen.

1683, 1700 und 1749

Drei Grenzgänge nach dem gleichen Muster wie 1608, jeweils mit Zeichen, Rückseite, Abstand und Lagebeschreibung. Im Vergleich untereinander wird sichtbar, welche Steine hinzukommen und welche nicht mehr genannt werden.

1784: die Großrinderfelder Grenzbegehung

Ein Protokoll der Nachbargemeinde Großrinderfeld, das sieben Steine an der gemeinsamen Grenze beschreibt. Es läuft in umgekehrter Richtung; die Abstände gelten deshalb bis zum nächsten, nicht bis zum vorigen Stein.

1872

Der Grenzgang der badischen Zeit. Er nennt 201 Steine und gibt die Abstände in der neuen badischen Rute (3,00 m) an.

1887–1893: die Grenzberichtigungen

Die Protokolle der Grenzberichtigungen, bei denen der Grenzverlauf in einzelnen Abschnitten geändert wurde. Sie nennen mit 351 Steinen die meisten Grenzpunkte aller Quellen, ebenfalls mit Abständen in badischen Ruten.

2017–2021: die Geländebegehungen

Von 2017 bis 2021 wurde die gesamte Grenze abgesucht; die gefundenen Steine wurden fotografiert und ihre Position mit GPS eingemessen. Von den 394 Positionen aus den Quellen wurden 142 wiedergefunden; 124 davon stehen noch an ihrem ursprünglichen Platz.

Genaue Archivangaben zu jeder Quelle stehen unter Quellen und Methode.