#Der Amtsbezirk.[S269-1]
Die meisten Orte der ganzen Taubergegend sind in alter Zeit aus kleinen Anfängen, aus Höfen entstanden, die nach dem angesehensten Besitzer genannt wurden.
#1. Angelthürn.
#1. Name und Ursprung.
Das Dorf (mit 128 Katholiken, 61 Protestanten und 13 Israeliten) hieß in den alten Urkunden von 1544 Angeltaler Mark, 1589 Angelthor, 1650 Angeldarn. Nach Baumann und Krieger bedeutet der Name: Angar, Angel = ein gegen Viehtrieb geschütztes Grundstück und Tal.
#2. Herrschaften.
Der Ort gehörte nach Boxberg, dessen Schicksale auch die seinen waren.[S271-1]
1578 kam er an Albrecht v. Dienheim und Eberhard v. Leyen, 1589 an die Pfalz, 1608 durch Kauf an W. v. Brunn, Amtmann von Boxberg, nach dessen Tod an den Herrn v. Degenfeld-Schomburg, 1708 an Herrn v. Hölzel, 1738 an Graf v. Hohenlohe-Ingelfingen, 1768 um 16,000 fl. an Frhr. Jos. v. Fick, der das Schloss mit dem Garten und auch die kathol. Kapelle 1770 errichten ließ. 1880 starb der letzte Frhr. v. Fick. Die Landeshoheit gehörte bis 1803 Kurpfalz, dann Leiningen, seit 1806 Baden.
#3. Dorfordnungen
wurden erlassen 1564 und 1589 wie in Wenkheim und Schweigern.[S271-2]
#4. Die Kirche
hieß, so lang sie katholisch war: „Kapelle zu unser lieben Frauen“ und bestand schon um 1400. Noch vor Einführung der Reformation durch Albrecht von Rosenberg 1558 wurde die jetzige neue Kirche gebaut, die dann den Protestanten zugewiesen wurde. 1765 wurde die Sakristei (auf der Seite gegen Uiffingen) abgebrochen und mit den Steinen der Turm erhöht.
#5. Die Israeliten,
die seit langer Zeit hier ansässig sind, haben auch schon längst eine eigene Synagoge. 1860 bauten sie eine neue; sie gehören zum Rabbinat von Merchingen; ihre Begräbnisstätte haben sie in Bödigheim.
#2. Assamstadt.
#1. Name und Ursprung.
Das Dorf (1359 Katholiken, 1 Protestant) hieß 1245 Azmistat, 1249 Asmurstat, 1525 Assamstadt, die Stätte des Asmund[S272-1] und existierte wohl schon im 12. Jahrhundert.
#2. Die Herrschaften.
Die hier ansässigen edlen Geschlechter gehörten zum Teil unter die Dienstleute der Herrschaft von Boxberg, so Wolprandus de Azmesstatt mit seinen Söhnen (in der Vermächtnisurkunde des Crafto von Boxberg um 1250 homines infeudati genannt), zum Teil, wie die Söhne des Hermann von Afftmundestatt (1228 pueri dimidii genannt) unter die edlen Eigenholden.[S272-2] 1290 regierte als Schlossherr Ludwig von Liebenstett (Leibenstadt, wahrscheinlich aus der Familie von Urhusen, Rosseriet und Berlichingen), der Schloss und Gut an Gerlach von Breuberg (im Odenwald) als Lehen übertrug. Im 14. Jahrhundert war Assamstadt ein Lehen von Kurmainz in den Händen der Herren von Teüfel; nach deren Aussterben kam die eine Hälfte an die von Rosenberg, die andere an die Abtei Amorbach, die ihrerseits wieder einen Teil an das Kloster Schöntal vergabte; später waren die von Herda, um 1799 die Herren v. Ellrichshausen im Besitz des Dorfes. Die Landeshoheit samt den Lehengütern war seit dem 14. Jahrhundert immer bei Kurmainz geblieben und kam 1806 an Baden.
#3. Die Pfarrei
wurde um 1450 von Eva v. Teufel, der letzten ihres Stammes, gegründet. Die Abtei Amorbach, die den Zehnten und die Präsentation hatte, übertrug gegen Ende des 16. Jahrhunderts ihre Rechte an das Kloster Schöntal, das bis zu dessen Aufhebung im Besitz blieb. — Eine andere Nachricht besagt aber, dass schon 1344 Aßmanstadt Pfarrei gewesen sei und Kloster Schöntal Zehnten und Präsentation daselbst besessen habe. — Vielleicht erklärt sich dies daher, dass in den Kriegen u. s. w. die Pfarrei zu Assamstadt wie an vielen Orten[S272-3] ins Abwesen kam und 1450 neu errichtet und dotiert wurde.
#4. Die jetzige neue Pfarrkirche
wurde an Stelle einer
alten Kapelle aufgeführt, von der aber der Turm stehen blieb. — 1808 stieß man beim Fundamentgraben auf ein gewölbtes Grabmal, das wahrscheinlich unter dem alten Kirchlein lag und einen vermoderten Sarg mit Knochen, ein 2-3 Ellen langes Schwert und andere kleinere Waffen enthielt. Leider ließ der Ausgräber diese Stücke als altes Eisen verschmieden. Es war dies wohl ein Familiengrab der ehemaligen Besitzer von Assamstadt.
#5. Eine naturhistorische Merkwürdigkeit
ist der Erlenbach, der hier entspringt; ein Teil wendet sich gleich nach dem Ursprung gegen Westen, der andere nach Süden; letzterer verschwindet aber bald im Boden, fließt eine ziemliche Strecke unter einer Anhöhe weiter und kommt beim Weiler Horrenberg wieder zum Vorschein und zwar so stark, dass er Mühlen treibt. Zum Beweis, dass dieser Mühlbach ein Teil des Erlenbaches sei, hat man in letzteren Spreu geworfen, die richtig bei Horrenberg zu Tage kam. — Wir haben also auch hier einen der sogenannten Erdbäche, wie solche an mehreren Orten vorkommen.
#3. Ballenberg.
#1. Name und Ursprung.
Die Stadt Ballenberg (mit 532 Katholiken, 1 Protestant) wird früh in den Urkunden erwähnt und hat eine ziemlich wechselvolle Geschichte; sie hieß 1228 Ballenburg und Balinberc, d. h. Burg des Ballo[S273-1]; in alten Zeiten stand auch hier eine Burg dieses Namens.
#2. Die Herrschaften.
Der Ort hatte ehemals einen eigenen Adel.
Im Jahre 1212 wird Konrad, Edler von Ballenburg in einer Urkunde genannt; als Conrad von Crutheim[S273-2] im Juli 1220 einen Teil seiner Burg zu Bieringen an das Kloster Schöntal verkaufte, erscheinen Tuland und Gerung von Ballenburg unter den Zeugen. Der Kauf wurde zu Ballenburg geschlossen, das wohl damals zur Herrschaft Crutheim gehört haben wird. Um 1245 war B. teilweise Eigentum der Grafen v. Hohenlohe, die bei Rothenburg a. d. Tauber begütert waren; um 1300 gehörte es den Grafen v. Eberstein; 1329 hatten die Erzbischöfe von Mainz mancherlei Rechte in Ballenberg; welche, ist nicht genau bekannt, vermutlich, Zehnten zu erheben. 1359 verSeite 274 · kauften die Grafen Poppo und Johann v. Eberstein den Ort um 1060 fl. an Gerlach, Erzbischof von Mainz. 1434-1448 war Ballenberg an das Bistum Würzburg verpfändet; 1803 kam die Stadt an Salm-Krautheim, 1806 an Baden.
#3. Zentgericht und Stadtrecht.
Um 1300 behauptete Ballenberg schon den Sitz eines Zentgerichtes (dessen ausführliche Beschreibung wir bereits oben S. 112 gegeben haben) für die zur Herrschaft Crutheim gehörigen Orte. 1306 gewährte Kaiser Albrecht I. dem Grafen Poppo v. Eberstein für den Flecken das Stadtrecht.[S274-1] Bis in die die neuere Zeit war Ballenberg der Sitz des vereinigten Amtes Ballenberg-Krautheim mit den Ortschaften: Assamstadt, Ballenberg, Erlenbach, Gommersdorf, Heßlingshof, Horrenbach, Klepsau, Krautheim, Oberndorf, Oberwittstadt mit dem Schollhof, Unterwittstadt, Winzenhofen.
#4. Befestigung, Wehrordnung, der Neun-Städte-Bund.
So klein das Städtchen war, es wohnte darin doch eine überaus rührige Bevölkerung, die bei allen Ereignissen des Mittelalters sich mit den größeren Städten des Frankenlandes in den Vordergrund stellte; seine Stadtbefestigung und seine Wehrordnung gestaltete es ähnlich wie Tauberbischofsheim und Grünsfeld. Die Bedeutung des Städtchens fand auch Anerkennung von Seiten der übrigen Städte durch Aufnahme in den Neun-Städte-Bund.[S274-2]
#5. Ballenberg im Bauernkrieg.
Viel genannt wurde der Ort im Bauernkrieg 1525, da einer der Hauptanführer, Metzler, von hier stammte und Ballenberg wiederholt Lager der Aufständischen war; so zuletzt am 1. Juni 1525 noch kurz vor der Niederlage bei Königshofen. Georg Metzler war Wirt in Ballenberg und in seinen Geschäften allmählich herabgekommen; die „Bauernfreiheit“ und die 12 Artikel[S274-3] desselben waren ihm ein sehr erwünschtes Evangelium; er warb sich einen ansehnlichen Haufen Anhänger, ordnete sie militärisch und verstand, sie nicht ohne Geschick zu führen; nach der großen Versammlung zu Unterschüpf[S274-4] verstärkte er seine Mannschaften durch Zuzüge von Bischofsheim, Lauda, Mergentheim und fast aus allen Tauberorten und hatte einen hervorragenden Anteil
an dem Erfolg und an der Blutthat zu Weinsberg.[S275-1] Nachdem er zu Heilbronn das Ordenshaus der Deutschritter hatte plündern lassen, wo er sich aus der Beute allein einen Sack mit mehr als 1000 Gulden (nach dem damaligen Geldwert eine sehr große Summe) aneignete, führte er seine Bauern, wegen ihrer hellen Leinwandkitteln der helle Haufen genannt, am Neckar aufwärts nach Gundelsheim. Dort leerten sie die Keller und Fruchtspeicher des Schlosses; zogen dann gegen die Burg Hornberg.
Von diesem Schloss aus schickte Metzler einen Boten nach Jaxthausen, wo der als tüchtiger Haudegen viel gerühmte Ritter Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand wohnte; den gewann er trotz dessen Widerstrebens als „baurischen Bundeshauptmann“; denn Metzler sah wohl ein, dass bei dem großen Umfang, den nun der Bauernkrieg nahm, fachkundigere Leute als er die Führung übernehmen müssten.[S275-2]
In Gemeinschaft mit Götz unternahm nun Metzler den Raubzug nach Amorbach[S275-3]; dann marschierten sie nach Würzburg und belagerten die dortige Feste Liebfrauenberg.[S275-4] Als das Bauernheer, von dem Götz sich anfangs Juni entfernt hatte, bei Königshofen bis zur Vernichtung geschlagen wurde,[S275-5] gehörte Metzler zu den Führern, welche die Stränge der Artilleriepferde abschnitten und nach dem Ochsenfurter Gau entflohen.
Von den Bürgern, die aus Ballenberg sich mit Metzler an dem Aufstand beteiligt hatten, wurden 9 mit dem Brechrad, das bis in die 40er Jahre noch im Rathaus aufbewahrt wurde, gevierteilt und hingerichtet; übrigens wurde die Stadt milde behandelt; da sie aber zum Neunstädtebund gehört hatte, verlor auch sie 1528 die seitherige selbständige Verfassung wie die übrigen Städte und erhielt dieselbe Ordnung wie Bischofsheim,[S275-6] Krautheim u. s. w. auferlegt. Heute noch steht das alte historisch denkwürdige Wirtshaus zum Ochsen, in welchem der gefürchtete Bauernführer ehemals hauste; über dem Eingang steht auf einem Schild die Jahrzahl 1531; von
einem neueren Anstrich abgesehen, wird es wenig Veränderung seit jenem Besitzer erlitten haben. Bis in dieses Jahrhundert stand in der alten Wirtsstube noch die hölzerne Säule, in welcher die unruhigen Gesellen des Metzler, die dort sich zu versammeln pflegten, ihre Namen sollen eingeschnitten haben; sie soll jetzt in einer Wand eingefügt sein.
#6. Die Hexenprozesse[S276-1]
in Ballenberg haben, wie allerwärts, auch hier ihre Opfer verlangt; acht Personen wurden verbrannt; von dreien derselben sind uns die Namen überliefert; sie hießen: Marget Knebelin, Ursel Seitzin, Bärbin Dorsin.
#7. Im Schwedenkrieg (1631-35)
litt Ballenberg unter der allgemeinen Not, in der das ganze Frankenland seufzte.[S276-2]
#4. Beckstein.
#1. Name und Ursprung.
Das Dorf (mit 318 Katholiken) hat vielleicht seinen Namen von der adeligen Familie von Bachenstein, die um 1300 in den Urkunden genannt wird. 1528 heißt es Begenstein. Krieger meint, dass die Erklärung des Namens schwer sei (und vielleicht Stein des Bege bedeute).
#2. Herrschaften
waren nach den Herren von Bachenstein die Freiherren Horneck von Hornstein, später bis 1803 Würzburg, 1803-1806 Leiningen, dann Baden.
#3. Die Kirche
ist Filial zu Königshofen.
#5. Berolzheim.
#1. Name und Ursprung.
Das Dorf (mit 687 Katholiken und 3 Protestanten) erscheint schon um 1050 unter dem Namen Berolsheim, im Würzburger Synodalbuch von 1453 heißt es Berletzheim. Der Name wird erklärt als Heim des Berold oder Berolf.
#2. Herrschaften.
Der Ort gehörte ehemals politisch zu Mainz, kirchlich zu Würzburg. 1803 fiel er an Leiningen, 1806 an Baden.
#3. Im 30 jährigen Krieg
wurde das Dorf hart mitgenommen
durch die unaufhörlichen Soldatendurchmärsche, Kriegscontributionen, Plünderungen, durch Hungersnot, Pest und Brand.[S277-1]
#6. Bobstadt.
#1. Name und Ursprung.
Das Dorf (mit 90 Katholiken und 532 Protest.) hieß in den alten Urkunden von 1252 Bacstatt, 1381 Bogestat, 1509 Bostat. Woher der Name kommt, ist ganz unsicher.[S277-2] Die Erklärung (vom jetzigen Namen) als Heimat des Poppo ist willkürlich, da der Ort in alter Zeit anders geheißen hat.
#2. Die Herrschaften.
Das Dorf gehörte in den ältesten Zeiten zu Boxberg und kam 1561 an die Pfalz, von der es Albrecht v. Rosenberg zur Hälfte als Lehen empfing; nach dem Aussterben der Rosenberger 1632 fiel es ganz an die Pfalz zurück. 1803 kam es an Leiningen, 1806 an Baden.
#3. Die Leiden des Dorfes.
Am 3. April 1592 wurde es durch einen schrecklichen Brand verheert; im 30jährigen Krieg mit vielen Drangsalen heimgesucht. 1635 hausten hier die fremden Kriegsvölker; die Franzosen zündeten die Kirche der Protestanten an, obgleich sie als deren Bundesgenossen erschienen; zum Hunger gesellten sich Krankheiten; „in den Sterbensläufften dieses Jahres starben 292 Personen“, so dass fast der ganze Ort ausstarb.[S277-3] Der Sommer 1711 brachte sehr große Dürre, die Erntezeit aber so viel Regen, dass man die Früchte nicht nach Hause bringen konnte.
#4. Die katholische Kirche.
Nach dem Würzburger Synodalbuch von 1453 war hier eine Pfarrkirche, die zum Landkapitel Mergentheim gehörte. Mit der „Reformation“ durch Albrecht von Rosenberg 1558 hörte der katholische Gottesdienst auf und wurde erst wieder nach 1691 hergestellt, als der Bischof von Würzburg das Amt Boxberg als Pfand besaß. 1770 wurde das jetzige Oratorium errichtet.
#5. Die protestantische Kirche
(ehemals katholisch) wurde wiederholt umgebaut und 1757 um 1990 fl. neu hergestellt. Die
Kirche hat 2 Glocken; die ältere trägt die Inschrift:
Anno Domini MCCCLXVII fusa est hec campana per magistrum Cunradum de herbipoli in ebdomida proxima ante festum pentecostes. Lucas, Marcus, Johannes, Mattheus
(1367 ist diese Glocke durch Meister Conrad von Würzburg in der Woche vor Pfingsten gegossen worden); die andere Glocke trägt die Jahrzahl 1842.
#7. Boxberg.
#1. Name und Ursprung.
Die Stadt (mit 291 Katholiken, 390 Protestanten, 5 Israeliten) heißt in den ältesten Urkunden von 1108 Bockesberg.
Wie das Epheu um das alte Gemäuer, so schlingen sich die zahlreichen Erklärungsversuche um diesen Namen. Die wichtigsten sind folgende:
a) Die wohl meist begründete Annahme ist die, dass Burg und Stadt ihren Namen führen von der alten Grafenfamilie von Bockesberg,[S278-1] die ehemals auf der Höhe des Berges ihren Wohnsitz hatte. Dieser Name kann nicht auffallen, da der Bock im Mittelalter als Sinnbild der Kraft galt, weshalb z. B. auch die Herren von Zürich auf dem Krähenberge sich die Böcke von Zürich nannten.
b) Der Chronist Peter Harrer (um 1525) erzählt, Kaiser Konrad I. habe seinem Kämmerer Eyboch um das Jahr 916 etliche Gegenden des Odenwaldes geschenkt; durch diesen sei, nachdem er anfangs in Adelsheim gewohnt, die Burg Boxberg erbaut worden, weshalb sie anfangs Eybochsburg geheißen habe; das würde der Hauptsache nach mit der oben genannten Ansicht übereinstimmen.
c) Eine 3. Meinung leitet den Namen vom Zeitwort bochen, pochen ab, das früher die Bedeutung hatte von höhnen, misshandeln; darnach bedeutete es eine Burg, von der aus die Vorüberziehenden misshandelt und beraubt wurden; aber ein Raubschloss ist Boxberg erst später geworden, nachdem es schon längst den Namen führte.
d) Eine 4. Ansicht meint, das Wort komme von „Bog“, und sei ein slavisches oder wendisches Wort, da Slaven und Wenden zahlreich in diesen Gegenden wohnten;[S278-2] ihr Gott hieße Bog; damit hängen zusammen die Ortsnamen Bochstahl und Boxbrunn bei Wertheim.
#2. Die Herrschaften.[S278-3]
Die Herrschaftsgeschichte von Boxberg ist durch die vielen Erbschaften, Verschenkungen, Käufe, VerSeite 279 · tauschungen, Verpfändungen, Grundholds- und Lehensverhältnisse u. s. w. sehr verwickelt. Wir zählen hier die wichtigsten Herrschaften auf, wie sie der Zeit nach auf einander folgten.
a) Die Herren von Boxberg. Der Name kommt zum ersten Mal vor in einer Schenkungsurkunde der Frau Guota (um 1108) und ihres Gemahls Cunrad von Bockesberg. — Beide sind die Stammeltern eines Geschlechtes, das 1313 erlosch.
b) Die Grafen von Wertheim erlangten durch Erbschaft einen Teil der Herrschaft.
c) Einen andern Teil besaß 1191 schon der Johanniterorden zu Wölchingen, welcher nun auch in Boxberg eine eigene Commende u. für beide Gemeinden eine prächtige Kirche in Wölchingen[S279-1] errichtete.
d) Durch Verpfändung kam Boxberg an das Domstift in Mainz, das aber 1332 durch den Erzbischof Heinrich III. die Burg samt Flecken den Johannitern ganz übergab.
e) 1381 ist Boxberg in den Händen der 4 Brüder, Grafen v. Rosenberg: Arnold, Eberhard der jüngere, Konrad und Eberhard der ältere. Wie sie in Besitz der Burg kamen, lässt sich nicht nachweisen; während letztere durch den Johanniterorden als ein Haus des Friedens und der Barmherzigkeit, als Hospital und Pilgerhaus nach allen Seiten zum Segen gereichte, herrschten von nun an 200 Jahre lang die Rosenberger wie Raubvögel auf dem Felsennest. Um des gegenseitigen Friedens und der Einigkeit willen trug jeder seinen Anteil an der Burg dem Kurfürsten Ruprecht von der Pfalz als Lehen auf, und nun machten sie als Raubritter der ärgsten Art die ganze Gegend unsicher.[S279-2] Sie befestigten die Burg und den am Fuße des Berges gelegenen Flecken Wanshofen, indem sie letzteren mit einer auf zwei Seiten von der Burg herablaufenden Mauer wie mit zwei Armen umschlossen und durch mehrere Türme sicherten; an der unteren Seite des Städtchens ließen sie einen See ausgraben und schützten so den Flecken von unten durch das Wasser wie von oben durch die Burg. Im Schlosshof ließen sie einen 48 Klafter tiefen Brunnen in den Kalkfelsen hauen und legten mehrere, je 3 Stunden lange, unterirdische Gänge an; der eine ging durch den Reißberg, der andere
nach Bobstadt, so dass sie zu jeder Zeit unbemerkt aus dem Schloss heraus und in dasselbe hinein gelangen konnten. — Weder einzelne Wanderer noch ganze Reisegesellschaften, besonders Kaufleute, die Geld und Waaren mit sich führten, ließen sie unberaubt oder ungepfändet vorüberziehen.
Würdig solcher Vorfahren waren um das Jahr 1450 drei Brüder aus demselben Raubnest, Georg, Arnold und Michael, die das Räuberwesen nicht nur im großen Maßstab als Gewerbe trieben, sondern auch ihre Gefangenen in der schändlichsten und grausamsten Weise misshandelten, verstümmelten und töteten.[S280-1]
Endlich, als alle Ermahnungen und Drohungen der benachbarten Fürsten nichts nützten, die Raubritter nicht einmal die Botenbriefe lasen, vereinigten sich: der Erzbischof Adolf von Mainz, Bischof Rudolf von Würzburg und Pfalzgraf Friedrich (letzterer als Lehensherr der Rosenberger) „am Montag vor St. Antonientag 1470 für das Schloß und Städtlein Bocksberg zu ziehen und es zu gewinnen. Zum ersten soll unser jeder Fürst 200 Reisigen und 300 zu Fuß (stellen), damit von unsertwegen die (befestigten) Kirchhöf, nämlich in Schweigern und Schüpf genommen werden sollen; Item, ob sie etwas in den Kirchhöfen finden würden von Proviant, das soll in unser 3 Herren Kasten gewendet werden, einem so viel als dem andern ungefährlich. Item, ob es sich begäbe, daß die Sachen hinzwischen und in Wettertagen ungefährlich nicht gerichtet werden, so sollen wir 3 Herren mit Macht ziehen für Bocksberg und Schüpf, desgleichen auch gedenken, was an den Orten gut ist, und nicht ablassen, (es sei denn) die Schlösser sind erobert und die Dinge sind geendet, und was in diesen Dingen erobert wurde, das sollen wir gleich teilen. Item wir sollen und wollen auch in diesen Sachen gegen Georgen, Michaelen und Arnolden von Rosenberg und wer sich ihrer annehmen will, oder wird, einander getreulich Hilfe und Beistand thun, und keiner ohne des andern Willen heimlich oder öffentlich, keine Sühne oder Richtung, Frieden oder Vorwand annehmen.“ u. s. w.
„Am folgenden Sonntag zogen die 3 Fürsten vor Bocksberg mit Heeresmacht. Herr Luz Schott war des Pfalzgrafen Hauptmann, der war ein geübter und bewährter Ritter, und nötigten es mit Geschoß und Graben 3 Wochen lang so strenglich, das Georg v. Rosenberg mit 70 Reisigen bei Nacht daraus (durch die unterirdischen Gänge) weichen mußte und ward also aufgegeben und jedem Herrn zum 3. Teil der Nutz.“
Anfangs wollten die Fürsten das Raubnest vollends niederbrechen, ließen es aber doch stehen, errichteten auf den Dienstag, St. Jakobusabend 1470, einen Burgfrieden über Bockesberg auf und gelobten denselben einander. Als
aber Erzbischof Adolph und Pfalzgraf Friedrich gestorben waren, baten die von Rosenberg um Rückgabe ihrer Güter, die ihnen auf die Bemühung des Bischofs Philipp von Bamberg und des Markgrafen Albrecht von Brandenburg 1477 auch in dem Vertrag zu Windsheim bewilligt wurde, unter der Bedingung, dass, wenn sie ihr Schloss Boxberg wieder aufbauen würden, sie es von den drei Fürsten zu Lehen empfangen wollten, weshalb sie es bis zum Jahr 1525 in ihren Briefen, Verträgen u. s. w. nicht Schloss, sondern Bastei nannten; denn sie befürchteten, wenn sie es Schloss nennten, müssten sie es kraft des Vertrags zu Windsheim von den drei Fürsten oder ihrer Erben als Lehen empfangen. Mit der Burg Boxberg war auch die von Schüpf zerstört worden.
Georg von Rosenberg baute nun die Burg Boxberg wieder auf und zwar mit so außerordentlichem Eifer, dass er selbst mit seiner Gemahlin als Arbeiter Hand anlegte; dies ist verewigt durch zwei Denksteine, auf welchen die 2 Eheleute abgebildet sind, und die ehemals über dem Eingang zur Burgkapelle eingemauert waren; als sie 1848 aus Mutwillen herabgestürzt wurden, kamen sie nach Karlsruhe. Der Ritter ist abgebildet als Holzmacher mit der Axt, die Burgfrau in einfachem Gewand mit einem Korb und dem Tragnetz mit Lebensmitteln, die sie täglich ihrem Gemahl in den Wald nachtrug. Die Umschrift auf beiden Steinen lautet: „Im jar des Herrn 1480 sieben wuchen vor michäli habe ich Jörg von Rosenberg einen der ersten Steine zu Bocksberg geleit und . . . . von Eicholzheim geboren mein elich Hausfraw hat mir mein ehrlich bawe getrewlich helfen vollbracht wie sie hier stet, und ist der Luginsland ausgemacht uf Montag nach sant Michelstag im 14. Jahr. bitt Got für uns beide.“
Kaum aber hatte Georg von Rosenberg seine Burg hergestellt, fing er mit seinen Brüdern wieder das alte Raubrittertum an wie vorher, vielleicht noch ärger.
Als im Jahr 1482 Herzog Albrecht von Bayern seinen Rat Dr. Joh. v. Dietzelau an Kaiser Friedrich nach Frankfurt schickte, wurde genannter Rat von Georg v. Rosenberg zwischen Kitzingen und Würzburg überfallen, trotzdem der Bischof von Würzburg dem Rat das Geleite hatte geben lassen, nach Einbogen im Böhmerwald geschleppt und um 1000 fl. geschätzt. Der Herzog rächte sich am Bischof wegen schlecht gegebenen Geleites, indem er dafür 3 Chorherren fing, die er nicht eher herausgab, als bis der Bischof 1500 fl. Lösegeld erlegte. — Ähnliche „Heldenthaten“ übten die Rosenberger noch viele. — Georg von Rosenberg starb ohne männliche Nachkommen.
Um das Jahr 1521 hausten zu Bocksberg zum dritten Mal als Raubritter 3 Brüder von Rosenberg: Hans Thomas, Hans Melchior, Hans Ulrich; zu diesen gehörte noch Albrecht von Rosenberg, Vetter und Erbe des Melchior.
„Im Jahr 1521 wurde Graf Joachim von Oettingen, der in des Kaisers und gemeinen schwäbischen Bundesdienst von einem Bundestag heimkehren wollte, bei Schwäbischwörd von dem Ritter Thoman v. Abtsberg „anSeite 282 · gerannt, hart verwundet, gefangen, geplündert und dermaßen behandelt, daß er solcher halber kürzlich darnach Todes vergangen. Auch hatte Thoman v. Abtsberg die Unterthanen und Zugewandten des schwäbischen Bundes in vielerlei Weg geschädigt und wieder des heiligen Reiches Landfrieden vergewaltigt. Um all dieser Frevel willen wurde er mit allen seinen Helfern, auch mit allen so ihn von nun an hausen und azen, tränken, höfen, fürschieben und enthalten würden von dem Kaiser in des Reiches Acht und Aberacht erklärt.“ Trotzdem fand Thoman von Abtsberg noch viele, die auf seine Seite traten, und ihm auf ihren Burgen „Hausung und Atzung“ gewährten. Zu diesen gehörten die genannten 3 Rosenberger H. Thoman, Melchior und Ulrich. Darum wurde ihnen und ihren Anhängern von Rudolph v. Ehingen, dem Hauptmann des schwäbischen Bundes, am 1. Juni 1523 Fehde angesagt im Namen von 21 Mitgliedern und zugleich vom Oberhauptmann des schwäbischen Bundes, Georg Truchseß v. Waldburg, an 23 Burgen ein Absagebrief geschickt und Feindschaft zugeschrieben! Das Bundesheer brach zuerst die Burg Velberg bei Hall; dann kam am 14. Juni Bocksberg an die Reihe. Wie 1470 machten sich auch diesmal die Rosenberger mit ihrem Büchsenmeister und 20 Reitern durch einen der unterirdischen Gänge aus dem Staub, worauf dieses Raubnest ausgebrannt[S282-1] und dem Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz die Herrschaft über die Burg um 5000 Gulden übertragen wurde.
Bei diesem Sturm auf das Boxberger Raubschloss war ein Zeugmeister, Martin Herden, der folgendes, höchst interessante Inventar dessen, was sich in dem Raubschloss vorfand, aufnahm: „Erstlich 1. Quartan (Kartaune) 36 cl. schwer, scheußt Eysen 36 Pfd.; 1 Schlang steht daneben, ungefährlich auf 36 cl., scheußt Eysen 6 Pfd.; 1 Stammbüchsen ufm Stock, 20 cl. schwer; 2 Valkonet; 1 Quartan ufen Schirmer, ungefährlich auf 30 cl. angeschlagen; 1 Schlange ungefährlich 8 cl. schwer; im hinteren Turm 1 Schlängli mit 4 Rädern; noch 4 Schlänglin; item 8 Eisenhacken; item 4 Scharpfetin; in der großen Neubau 20 neue Hakle und war eingefaßt, 3 alt gefaßt Hakle. Vornen im Hof ein Bock, im hinteren Turm zu oberst ein Doppelhak, mehr 3 Hake, noch 2 Hakl und dabei ein altes Bett. Item in der Wör zum großen Gut 1 Hakl, mehr 4 halb cl. Hakl, item mehr 2 eyserne Feuerbüchsen, 1 Büchsenhaus; 1 cl. Hakl, item 10 Eysenhakl; mehr dabei ein Unterbettlin mit 1 Pflug und 1 Deckin. Item auf der Tasch 2 Scharpfetin wiegt 1 cl. 2 halb Zentner Hakl; item bei dem Keller 3 halb cl. Haken; item mehr in dem hinteren Gefängniß und sonst in einem Gewölb bei 20 cl. Pulvers ungefährlich; item 3 cl. Bley. Item in einer Kammern, da der Käs gelegen ist, in einem Sack 1 cl. Salpiters; item mehr in einem Gewölb, da 2 Stock in stehen; in 4 Kufen bei 40 Malter Melbs, 23 Scheiben Salz, 13 Feuergabel mit Feuerwerk, 161 Kugel zu Quartan eysern, 865 Schlangenkugeleysen zweierlei; 132 Falkonetkugel bleyern; 319 Falkonetkugeln bleyern, 121 bleyerne Scharpfetin Kugel; mehr noch 3 alt Hakbüchsen; 2 eyserne Schraufen, mit
denen man Büchsen schrauft. Item mehr 1 Meßgewand von Goldstücken; 1 Kelch mit 1 Patene; mehr 2 alte Meßgewand; item 3 Albe samt Stola und Manipel und 1 Meßbuch; etlich Leuchter auf dem Altar; 2 Messin, 2 Zin Leuchter; 1 kleiner Kessel, 1 große Breipfanne, 1 cl. Pech. Item oben im Schloss in 2 Kammern 6 Malter Melbs; item in Thomas v. R. Gemach, in sein Stuben 1 Tisch mit Schubladen, darin allerlei Brief; in sein Kammern 1 Spanbett mit ein Himmel, darin ein Federbett, mehr 1 Spanbett, darin 1 Federbett, 1 Polster, 1 Deckbett, in 1 ander Kammer 1 Spannbett, 1 Polster, 1 Deckbett, mehr 1 Spanbett, 1 Federbett, 1 Deckbett, 1 Spanbett, 1 Federbett, 1 Deckbett, 1 Spanbett, 1 Federbett, 1 Polster, 2 Küsse, 2 große Truhen, 3 kleine Truhen. In der alten Kammer daneben 1 großer Kessel, 1 Spanbett, 1 Federbett, 1 Polster. In Hans v. R. Stuben 2 alte Federbett; in der Kammer darneben 1 Spanbett, 1 Deckbett; in der vorderen großen Kammer 4 Spanbett, 4 Federbett, 2 Deckbett, 1 Deck, 3 Truhen, 1 Kulter. In der Kammer vor der Speiskammer 3 Spanbett, 2 Federbett, 2 Truhen. Item auf dem Boden ob der großen Stuben 30 Malter Habern, ungefährlich 10 Malter Kornes, 1 Federbett, ein Wildgarn. Item mehr in der Kapellen in einem großen Kasten bei 100 Malter gemahlenen Melbs; item auf dem Kornboden 1 Federbett, 1 Polster, 1 Deck, 1 Truhen; item mehr bei 100 Malter Dinkel, 10 Malter Melbs, 10 Malter Kornes, 30 Malter Haber. — In Melchior v. R.'s Keller erstlich in 6 Fassen 11 Fuder Weins ungefährlich; item mehr in andere Keller 3 volle Fass mit Wein auf 12 Fuder angeschlagen; item mehr 3 alte irdene Hafen.“
Die Lebensmittel, die sich im Schloss vorfanden, verteilte man unter die Bewohner der Umgegend; sonst wurde „der Mehrerteil, außer dem Geschütz, verprennt“.
Nicht ohne Geschick und interessant (wenn auch grob) gezeichnet ist der Holzschnitt[S283-1] aus dem Jahr 1523, der die brennende Burg „Pocksperg bey Lauda“ abgebildet. Darnach bestand die Burg aus einem innern und äußeren Schloss, beide mit Brücken und Türmen versehen, mit Mauern, PalliSeite 284 · saden und Gräben umzogen. „Pocksperg“ ist dargestellt, wie die Flammen allentalben aus den Gebäuden schlagen, während zwei große Kartaunen durch Fuhrleute fortgeführt werden, Ritter und Reisige mit „uferburten“ (hocherhobenen) Lanzen vor dem Schloss halten und der Trompeter hoch zu Pferd mit vollen Backen zur Übergabe bläst.
Außer Boxberg wurden den Rittern v. Rosenberg noch die Burgen Waldmannshofen und Gentsheim verbrannt, so dass jene, über die Maßen erbittert, noch lange den Mitgliedern des schwäbischen Bundes Rache nachtrugen. So ließ Thomas v. R. des Georg Truchseß Sohn, der in Paris studierte, ergreifen und auf einer seiner fränkischen Burgen in harter Haft halten, ohne dass der trostlose Vater trotz aller Anstrengung den Aufentalt erfahren konnte; erst als der alte Truchseß gestorben war, ließ der Räuber den Sohn um 8000 Goldgulden frei.
Nicht minder rachsüchtig gegen seine Feinde war Albrecht v. R., der die Nürnberger haßte, weil sie an der Zerstörung seiner Burg mitbeteiligt waren. Er warf den in ganz Deutschland hochberühmten Ratsherrn von Nürnberg, Hieronymus Baumgartner, am Pfingstabend 1544 im Wald von Treschklingen (auf dem Weg von Sinsheim nach Wimpfen), als dieser vom Reichstage zu Speier heimkehren wollte, mit 15 verkappten und wohl bewaffneten Reisigen nieder, trotz des kaiserlichen Geleitsbriefs, den jener mit sich führte. Er gedachte seinen Gefangenen so lang zu behalten, bis ihm der Stadtrat von Nürnberg vollen Schadenersatz für das zerstörte Schloss Boxberg und alle anderweit erlittenen Nachteile geleistet hätte; darum führte er den Rat in Begleitung von 5 Knechten zuerst mehrere Tage in Wäldern umher, dann nach einem Schloss, wahrscheinlich Angeloch, sodann nach Bramberg im Kinzigtal, und sofort nach je 3-4 Wochen von Schloss zu Schloss, meist bei Nacht oder mit verbundenen Augen, bis er zum Tode erschöpft nach Liebenstein oder Schramberg bei Rottweil geschleppt wurde, während der Rosenberger das Gerücht verbreitete, als ob sich sein Gefangener auf der Veste Hohentwiel befinde. Damals soll Albrecht v. R. dem gefangenen Rat eine Hundskette bei 20 Pfd. schwer gezeigt und ihm gedroht haben, sobald er (der Rat) oder der Magistrat von Nürnberg den Versuch einer heimlichen oder gewaltsamen Befreiung machen würde, würde er an diese Hundskette geschlossen werden.
Nachdem der Rat von Nürnberg endlich erfahren hatte, in wessen GeSeite 285 · walt Baumgartner sich befinde, „ließ er so heftig auf den Rosenberger streifen, daß schier keiner von Adel oder von Reisigen ungerechtfertigt über einen Weg reiten konnte.“ Als man nun auskundschaftete, dass Baumgartner auf das Schloss Haltenbergstetten bei Rottenburg gebracht worden sei, sandte der Rat am 14. September den Paulus Grundherr mit 600 Mann zu Ross und Fuß und 4 Feldstücken dahin ab; aber da Albrecht davon Wind bekommen, hatte er seinen Gefangenen schon weiter geführt und die Nürnberger bekamen Niemand als den Thorwart, und selbst dieser entwich ihnen auf dem Rückzug nach Nürnberg.
Trotz alles fleißigen Nachforschens ließ sich nicht erkunden, wohin der Gefangene gebracht worden sei, nur so viel merkte man, dass er in strengem Gewahrsam lag, denn alle seine Briefe schienen unter Aufsicht des Kerkermeisters geschrieben.
Nachdem alle Versuche des Rats zu Nürnberg den Gefangenen zu befreien fehlgeschlagen waren, wandte man sich gegen Ende 1544 an den Kaiser, der nun auf die Vermittlung des Herzogs Albrecht von Brandenburg und des Landgrafen Phil. v. Hessen ein Mandat erließ und bei Acht und Aberacht dem Rosenberger gebot, binnen 30 Tagen den Gefangenen auszuliefern und in eigener Person auf dem Reichstag zu Worms zu erscheinen. Der Rosenberger erbot sich, den Gefangenen freizugeben, sofern ihm genügende Bürgschaft auf die Auszahlung von 10000 Gulden in Gold[S285-1] geleistet würde. Die Nürnberger hätten sich auch wirklich so viel kosten lassen, aber die Städte Augsburg und Ulm, deren Gutachten sie eingeholt hatten, sprachen dagegen, und so brachte man die Angelegenheit an den Reichstag, auf dem Albrecht v. R. mit kaiserlichem Geleit erschien.
Da die Nürnberger einen Vetter des Albrecht v. R., den Wolf v. Stetten zu Kocherstetten auf einem Streifzuge gefangen hatten, erlangten sie auf dem Reichstag am 20. Juli 1545 von Albrecht, dass nicht nur Baumgartner, sondern auch noch ein anderer Gefangener, Christoph Greter von Hall, gegen 10 000 Gulden in Gold ausgeliefert wurden.
Nach einer weiteren Unterhandlung mit dem Rosenberger und auf geleistete Urfehde (Eid, sich wegen erlittenen Schadens nicht zu rächen) wurden beide Gefangenen zur Nachtzeit aus ihrer Haft entlassen und nach mehreren Tagereisen unter Begleitung des Rosenbergers und vieler Reiter am 3. August nach Windsheim gebracht.
Hieronymus Baumgartner, der nun nach 60 wöchentlicher Gefangenschaft wieder nach Nürnberg zurückkehrte, und von seinen Mitbürgern mit Jubel und Freude empfangen wurde, hatte durch das Hin- und Herschleppen so viel Leids erfahren, dass die Gesundheit des ehemals so kräftigen Mannes gebrochen war.
Da aber nun der Pfälzer Churfürst Friedrich II. die Burg Boxberg nicht herausgeben wollte, schickte der Kaiser Karl V., der jenem wegen seiner Teilnahme am schmalkaldischen Krieg Feind war, seinen Feldhauptmann, Ludwig v. Büren, ließ die Burg, die Ritter Stephan v. Adelsheim bisher von der Pfalz als Sequester besessen hatte, wegnehmen und sie Albrecht v. Rosenberg 1547 wieder zustellen.
Albrecht erhielt nun auch die Erlaubnis, seine Burg wieder aufzubauen; da nun 7 Gemeinden dazu frohnden mussten, denen diese Last ihnen zu groß erschien, beschlossen die Schulzen derselben, bei dem Kurfürsten, als dem Lehensherren, Klage zu erheben. In Adelsheim, wo sie einkehrten und durch den Wein redselig gemacht wurden, verrieten sie ihr Vorhaben. Ritter Albrecht, der sogleich durch eine Magd davon Kenntnis bekam, ließ den
Schulzen nachsetzen, sie gefangen nehmen und sogleich an der Stelle enthaupten, wo jetzt das steinerne Kreuz an der Straße gegen Angelthürn steht. Der Schulz von Bobstadt, der Quenzer geheißen haben soll, entlief jedoch seinen Häschern und verbarg sich in seiner Kelter, wurde aber von seinem Knecht verraten und gleichfalls dem Tode überliefert. Das Schloss wurde noch im nämlichen Jahr 1547 fertig gebaut und in Gebrauch genommen. An der Stelle, wo Georg von Rosenberg einen Denkstein aufgerichtet hatte, ließ auch Albrecht einen solchen anbringen; derselbe lautete: Diß Schloss hat Albrecht v. Rosenberg wieder angefangen zu bawen nach der Geburt Christi 1547 jor — Albrecht von Rosenberg zu Bocksberg.“
Außerhalb der Ringmauer sah man noch 1821 über einem zugemauerten Thor (und wohl auch später) zwei in rotem Sandstein halb erhaben ausgehauene Figuren in Lebensgröße. — Die Figur rechts stellt eine Frau dar, die in der rechten Hand eine Flasche, in der linken in einem Traggeschirr 2 Töpfe über einander und außer diesem noch einen Henkelkorb hält. Die Figur links stellt einen Mann vor (im Nachtgewand und einer Nachtmütze auf dem Kopf), der mit beiden Händen schlagfertig ein Beil mit langem Helm hält. — Die Bilder beziehen sich auf folgende Geschichte. Albrecht war bei Erbauung der Burg gegen seine fröhnenden Unterthanen sehr hart und grausam. Seine edle Hausfrau dagegen suchte das harte Schicksal der armen Leute auf alle Weise zu erleichtern, vorzüglich dadurch, dass sie ihnen täglich zu essen und trinken brachte und sie durch freundliches Zureden zu trösten suchte. Dieses machte den finsteren Albrecht eifersüchtig, dass er ihr nachschlich, um sie über der Tat mit einem Beil zu erschlagen. Zum Glück erkannte er noch rechtzeitig seinen Irrtum und verewigte durch diesen Stein die eheliche Treue seiner Gattin.[S286-1]
Wie sehr die öffentliche Ordnung damals im Argen lag, ergibt sich daraus, dass der Kaiser, als er 1552 durch den Einfall des Moriz von Sachsen in Tirol eiligst in die Niederlande zu fliehen sich genötigt sah, sich unter den Schutz des Raubritters stellte, der aus Dankbarkeit diesmal auf seiten des Kaisers stand. Da die Feinde alle Wege besetzt hielten, legte der Kaiser durch einen grünen Rock und einen grünen Hut die Farben des Rosenbergers an, zog als Knappe hinter dem Ritter einher und entkam so glücklich nach Brabant.
Das mag wohl mit ein Hauptgrund gewesen sein, dass Kaiser Ferdinand am 14. Juni 1553 durch einen Vertrag zu Augsburg dem Raubritter „für den Schaden, den er an Gebäuden und an fahrender Habe erlitten“ die nach damaligem Geldwert riesige Entschädigung von 41,053 fl. 28 kr. bewilligte, die durch 28 Städte aufzubringen war, so dass nachträglich, wenn auch nicht formell, aber doch thatsächlich das Treiben des „Wegelagerers, Heckenreiters und Schnapphahns“, wie die Chronisten ihn und die übrigen Raubritter seiner Zeit mit Recht bezeichneten, als berechtigt anerkannt wurde!!
Doch besaß nun Albrecht von Rosenberg seine neu auferbaute und wohnlich eingerichtete Burg nicht mehr lange.
Churfürst Friedrich III. v. d. Pfalz kaufte ihm 1561[S287-1] mit 2700 Gulden seine Ansprüche auf die Burg ab und belehnte ihn zugleich mit der Zent von Schillingstadt, Epplingen und Dainbach.
Solange Albrecht auf der Burg Bocksberg saß, erwarb er sich wesentliche Verdienste um die Stadt, deren Aufblühen ebensosehr in seinem Interesse lag, wie in dem der Bürger. Er erneuerte ihre Gerechtsame, ordnete ihre Gemarkungsrechte, setzte die darauf ruhenden Lasten und Abgaben fest, gab den Gemeindebräuchen eine bestimmte Regel, bestätigte und erweiterte die von seinen Vorfahren erlassenen Verordnungen.[S287-2]
Albrecht von Rosenberg zog nun nach Unterschüpf, wo er sich ein Schloss baute und 1572 starb; er wurde in der dortigen (protest.) Kirche bestattet, wo heute noch sein Grabmal zu sehen ist.[S287-3]
1632 starb das Rittergeschlecht von Rosenberg aus und Kurpfalz verpfändete den Ort um 300,000 Gulden an den Bischof von Würzburg. 1732 wurde Boxberg ausgelöst, aber gleich nachher wieder um 150,000 Gulden an das Hochstift Mergentheim verpfändet. 1803 kam es an den Fürsten v. Leiningen, 1806 an Baden; war dann wieder bis 1856 und wieder 1864-1872 Amtssitz mit den Ortschaften: Bobstadt, Boxberg, Dainbach, Epplingen, Sachsenflur, Schillingsstadt, Schwabhausen, Schweigern, Windischbuch, Wölchingen, Gräffingerhof und Seehof.
Früher, solang Boxberg Oberamt war, gehörten ferner noch dazu: Berolzheim, Neidelsbach, Hirschlanden, Hohenstadt, Kupprichhausen, Meisterhof, Eubigheim, Unter- und Oberschüpf, Angelthürn.
Bis zum Jahre 1835 bildete Boxberg mit Wölchingen eine einzige bürgerliche und kirchliche Gemeinde; seither ist der bürgerliche Gemeindeverband aufgehoben, und beide Gemeinden sind getrennt; der kirchliche Verband aber dauert fort. Der katholische Pfarrer für beide Gemeinden hat seinen Sitz in Boxberg; der protestantische für beide Gemeinden in Wölchingen.
#3. Die Stadt Boxberg
bildete sich wahrscheinlich aus dem alten Flecken Wanshofen, am Fuße des Schlossberges; der Ort wird 1245 zum ersten Mal in den Urkunden erwähnt; aber schon 1332 Stadt genannt.[S287-4] 1558 wurde für die Stadt und das Amt Boxberg die Zentordnung errichtet.[S287-5]
#4. Im Bauernkrieg 1525
war Boxberg häufige Ruhestation der hohen und niederen Reisenden, die zwischen Würzburg und Heidelberg verkehrten. Am 5. Mai 1525 „haben die von Mergenthal, Lauden und Bischofsheim erobert Bocksberg und Swaigern auch (das Schloß) ausgebrannt, wollen auch die Mauern der übrigen edlen Häuser in Grund abbrechen“;[S288-1] ob und wieweit letzteres geschehen ist, lässt sich aus den Quellen nicht mehr ersehen.
#5. Im 30jährigen Krieg 1624,
wurden Stadt und Burg von Tilly eingenommen und bis 1648 fast beständig im Besitze der Kaiserlichen gehalten. Dabei hatte die Stadt viel von den Durchmärschen der Kriegsvölker, Franzosen, Schweden, Österreicher u. s. w. zu leiden.
#6. Weitere Schicksale der Burg.
Nach dem 30jährigen Krieg blieb eine Garnison auf der Burg. Trotz des Soldatenregimentes jener Zeit war aber das Militärwesen noch nicht im modernen Sinn ausgebildet; denn 1649 klagte die Garnison, dass sie trotz grimmiger Kälte kein Holz habe, während die Bürgerschaft sich rechtfertigte, es sei die Holzlieferung unmöglich, wenn man nicht wie früher in den Herrschaftswaldungen Holz schlagen dürfe. 1690 betrug die Garnison 24 Mann; 1726 wurde das Schloss, das wahrscheinlich durch den bayerischen Erbfolgekrieg Schaden gelitten hatte, ausgebessert. Unter dem Fürsten v. Leiningen diente es als Fruchtspeicher und wurde 1849 geplündert.
Über die Gestalt und Festigkeit des Bergschlosses berichtet Gottschalck[S288-2] im Jahr 1821, als noch ganz ansehnliche Überreste standen: Die Burg bildete ein ungleichmäßiges Viereck, welches an 3 Seiten durch starke, runde Türme gedeckt war. An der vierten südöstlichen Ecke hat sie eine halbmondförmige, mit großen hervorragenden Quadern erbaute Bastei, welche den 3. Teil des ganzen Quadrats einnimmt. Um diese Bastei zieht sich ein hoher Wall und tiefer Graben, der weiterhin und um die Burg herum in 2 Gräben ausläuft, welche beide in den Felsen gehauen sind. Auf der linken Seite, wo der eine Graben in zwei ausläuft, sieht man in der Mitte des ersteren die Überreste von 2 Türmen, einen viereckigen und einen runden, deren erster Stock ganz aus einer Masse und aus demselben Felsen besteht, auf welchem sie ruhen; denn den Rostlöchern und Schießscharten nach zu urteilen, die man in der Tiefe desselben bemerkt, muss er in seinem Innern ganz hohl sein. Der innere Graben führt um eine Felsenwand, auf welcher eine wenigstens
50 Fuß hohe fortlaufende Mauer ruht; darin sind mehrere Reihen Schießscharten über einander angebracht.
Um in das Innere der Burg zu gelangen, muss man durch 2 Tore, wovon das äußere durch den Wall mit einem abgebrochenen Turm und das innere durch obengenannte hohe Mauer führt und noch verschließbar ist. Innerhalb des letztern sieht man rechts einen hohen, langen Bau, dessen erster Stock aus mächtigen, hervorragenden Quadersteinen besteht und bestimmt aus alten Zeiten herrührt; das Weitere desselben von Holz ist das Werk neuerer Zeiten und wird gegenwärtig als herrschaftliches Fruchtmagazin gebraucht. Eben dieses Gebäude steht ganz innerhalb der Bastei und hat auf seiner Front der ganzen Länge nach einen Graben, über welchen eine schmale, massive Brücke zum Eingang führt. Links am Thor steht ein kleines Häuschen, in welchem ein Mann mit seiner Familie wohnt und über das Anwesen die Aufsicht führt. So war's noch 1821.
Mit seinen riesigen Mauern und dem stattlichen Einbau hätte das Schloss noch Jahrhunderte lang dem Zahn der Zeit trotzen können; allein 1857 wurde der Einbau an einen Bürger von Königshofen verkauft, der ihn sofort bis auf den Grund niederriß; dann wurden Ringmauer, Turmreste und Gewölbe samt dem ganzen Platz um den Spottpreis von 300 fl. an einen Maurer von Boxberg verkauft, der die letzten Reste des merkwürdigen, alten Bauwerkes niederlegte. Was die wiederholten Erstürmungen, der Bauernaufstand und der 30jährige Krieg nicht zu Stande brachte, hat Unkenntnis (um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen) im 19. Jahrhundert vollendet — die vollständige Zerstörung der Burg. Es ist sehr zu bedauern, dass man dadurch die ganze Gegend ihres interessantesten und geschichtlich denkwürdigsten Schmuckes beraubt hat.
#7. Faustsagen.
Als der berüchtigte Schwarzkünstler Dr. Faust sich in Heilbronn aufhielt, kam er öfters in das Schloss zu Boxberg. An einem kalten Wintertag ging er mit den Frauen des Schlosses im Garten spazieren; da diese sich über die Kälte beklagten, zauberte Doktor Faust sogleich einen warmen Sonnenschein, so dass der Schnee schmolz, der Rasen grünte und duftende Veilchen hervorsproßten; dann ließ er zusehends Bäume blühen, Aepfel, Birnen, Pfirsiche und Pflaumen reifen, die Weinstöcke wachsen und Trauben tragen. Endlich forderte er die verwunderten Damen auf, sich Trauben abzuschneiden, aber nicht eher, als bis er das Zeichen gebe; und als er die Hände klatschte, sah jede, wie sie an ihre eigene Nase das Messer gelegt hatte.
Ein andermal war er um 3/12 Uhr im Boxberger Schloss und wollte mit dem Glockenschlag 12 Uhr in Heilbronn sein. Da setzte er sich in seinen Wagen, die 4 angespannten Rappen jagten davon, dass die Funken stoben, und Doktor Faust fuhr richtig um 12 Uhr in Heilbronn ein. Ein Arbeiter auf dem Feld aber erzählte, er habe gesehen, wie gehörnte Geister den Weg
vor ihm pflasterten und hinter ihm wieder aufrissen; nur einige Steine ließen sie stecken, so dass man noch die Spuren erkennen konnte.
Der Burgvogt von Boxberg war der Vetter zu einem Freunde des Doktor Faust, der mit einer großen Gesellschaft einst dort einkehrte und ein üppiges Zechgelage anstellte. Als man fort wollte, hatte es stark geregnet, und ein Regenbogen stand am Himmel; Faust streckte die Hand zum Fenster hinaus, zog den Regenbogen herbei, so dass ihn alle in der Nähe betrachten und bewundern konnten; aber auf denselben aufsitzen und darauf nach Frankfurt fahren, wie Faust vorschlug, wollte keiner; da ließ er ihn wieder zurückschnellen.
#8. Die katholische Pfarrei
befand sich ehemals in Wölchingen, und Boxberg hatte nur eine Frühmeßnerei. Von 1547 bis 1686 war der katholische Gottesdienst unterbrochen, da Albrecht von Rosenberg die „Reformation“ eingeführt hatte. Der Hatzfeldische Schlosspfarrer Benedikt Leupold zu Unterschüpf richtete 1686 den katholischen Gottesdienst wieder ein, der seit 1688 im Schlossoratorium gehalten wurde. Da Boxberg 1691 durch die Verpfändung an den Bischof von Würzburg kam, dieser alle Renten und Abgaben bezog, aber auch die damit verbundenen Lasten tragen musste, ließ er 1709 an der Stelle des früheren Schafhauses, über den Gewölben eines herrschaftlichen Kellers die katholische Kirche zu Ehren des hl. Aquilinus bauen, die am 31. August 1712 durch Weihbischof Bernhard von Würzburg eingeweiht wurde und erhob sie zu einer eigenen Pfarrei; heute noch zeugt das bischöflich würzburgische Wappen an der Kirche von ihrem Stifter, der überdies den Katholiken auch ein Schulhaus unter der Stadtmauer einräumte.
#9. Die protestantische Gemeinde
wurde mit Einführung der „Reformation“ 1547 durch Albrecht von Rosenberg begründet, der den Protestanten die alte, seither katholische, Frühmeßkapelle „zu unser Frawen“ übergab. Da diese wegen ihrer Kleinheit nicht ausreichte (sie maß nur 29½ Fuß in die Länge, 24½ Fuß in die Breite und 16 Fuß in die Höhe), auch allmählich sich sehr schadhaft erwies, wurde am 16. Juni 1807 befohlen, den Gottesdienst hier einzustellen und allsonntäglich in Wölchingen zu halten, denn die Mittel zu einem Neubau seien nicht vorhanden. Doch gedachte man, einen solchen in Angriff zu nehmen, weshalb man von der Kapelle nur das Dachwerk und die Ziegel um 129 fl. versteigerte, das Mauerwerk aber zur späteren Wiederbenutzung 10 Fuß hoch
stehen ließ; indes kam bei den darauf folgenden Kriegszeiten der Plan nicht zur Ausführung. Darum wurde 1817 endlich auch der Inbau samt der Orgel um 300 fl. versteigert, und auf dem Platz ein kleines Glockenhaus errichtet. Eine der Glocken trägt die Inschrift
Sancta Maria ora pro nobis. Anno 1630.
#8. Brehmen.
#1. Name und Ursprung.
Das Dorf (mit 205 Katholiken und 216 Protestanten) erscheint zum ersten Mal in den Urkunden von 1229. Der Name kommt in der Gegend mehrfach vor; der Fluss, der hier entspringt, heißt Brehmbach, und ein Bergabhang bei Tauberbischofsheim heißt Brehmenleite.[S291-1] Der Ausdruck kommt von dem Mittelhochdeutschen brehem, brehen, Glanz, Helle, und von der sonnigen Lage haben das Dorf, der Bach und der Bergabhang ihre Bezeichnung. Andere[S291-2] sind der Meinung, Brehmen komme von ahd. prama, mhd. brame, breme = Brombeergesträuch.
#2. Die Herrschaften.
Um das Jahr 1239 gehörte das Dorf den Herren von Crutheim; etwa 100 Jahre später wohnte hier die Adelsfamilie des Conradus de Bremen; darauf gehörte das Dorf dem Grafen von Hohenlohe, den Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, seit 1806 Baden.
#3. Die Kirche
wurde von den Protestanten wie von den Katholiken beansprucht. Da die Protestanten in dem Prozess siegten, bauten die Katholiken, die als Filialisten in die Pfarrei Pülfringen gehören, eine eigene Kirche.
#9. Brunntal.
Das Dorf (mit 184 Katholiken) wird zum ersten Mal 1352 unter dem Namen Brunntal erwähnt. Bis 1803 gehörte es Mainz, 1803-6 Leiningen; seither Baden; es ist Filial zu Wenkheim. Seine Geschichte ist die des Amtes Tauberbischofsheim.
#10. Buch am Ahorn.
#1. Name.
Das Dorf zählt 345 protestantische Einwohner und wird 1398 zum ersten Mal in den Urkunden unter dem Namen Scanczenbuch erwähnt; seinen Beinamen hat es von dem großen Ahornwald an der Südseite des Dorfes.
#2. Die Herrschaft
gehörte anfänglich den Grafen von Wertheim, von denen die Ritter von Rosenberg das Vogteirecht besaßen. Nach deren Aussterben, 1632, fiel der Ort an das Haus Löwenstein-Wertheim, 1806 an Baden. Der „Schloßplatz“ erinnert jetzt noch an die Zeiten der alten Herrschaften, die ein Schloss daselbst stehen hatten, nämlich das Raubschloss Werburg, das 1444 durch Bischof Gottfried II., Graf von Limpurg erobert und dem Erdboden gleich gemacht wurde.[S292-1]
#3. Die Kirche.
In einer Urkunde von 1465 wird „die Kapelle der hl. Jungfrau zu Scanczenbuch“ erwähnt; damals war natürlich noch die ganze Gemeinde katholisch. 1558 wurde durch Albrecht von Rosenberg die „Reformation“ eingeführt. Vor der Kirche steht ein mächtiger Lindenbaum, der schon über 400 Jahre alt sein soll.
#4. Durch eine große Feuersbrunst
wurde 1738 fast der ganze Ort verzehrt.
#5. Hof Buch am Ahorn
liegt etwa ½ Stunde vom Dorf entfernt und heißt auch der Meisterhof; er besteht nur aus zwei Hauptgebäuden mit schönen Gärten und Feldern; „seine Bewohner“, sagt Kolb in seinem histor. topogr. Lexikon[S292-2] „sind Nachrichter und Wasenmeister im Schüpfergrund“. Der Hof gehörte ehemals den Grafen von Hatzfeld, später Mainz, dann Wertheim; seit 1803 Baden.
#11. Dainbach.
#1. Name und Wohnort.
Das Dorf (mit 161 Katholiken und 349 Protestanten) wird zum ersten Mal in einer Urkunde des Klosters Hirschau genannt und heißt dort Dagenbach; 1369 heißt es Tanbach. Der Name bedeutet: Bach des Dago.[S292-3]
#2. Herrschaften.
In ältester Zeit gehörte der Ort den Grafen von Wertheim, von denen seit dem 13. bis 16. Jahrhundert die Herren Fuchs von Kannenberg ihn als Lehen hatten; 1561 bis 1632 stand das Dorf im Besitz der Ritter von Rosenberg als kurpfälzisches Lehen; später kam es an den Deutschorden in Mergentheim, 1803 an Baden.
#3. Die Burg.
Die genannten Herrschaften besaßen auf dem benachbarten Berg eine Burg, von der aber nur noch Trümmer zu sehen sind, und von deren Geschichte uns nichts bekannt ist.
#4. Kirche.
Albrecht von Rosenberg führte 1561[S293-1] die „Reformation“ ein, von dieser Zeit an gehört die Kirche den Protestanten, die seit 1861 eine eigene Pfarrei haben. Die Katholiken sind nach Unterschüpf eingepfarrt.
#12. Dienstadt.
#1. Name.
Das Dorf (mit 340 Katholiken) hieß 1314 Distad, früher wahrscheinlich Dihinstat, Stätte des Diho (nach Baumann und Krieger.)
#2. Herrschaften.
Der Ort gehörte ursprünglich den Herren v. Riedern, v. Ussenkeim (Uissigheim), von Stetenberg und von Grumbach zu Gamburg; ging aber schon im 14. und 15. Jahrhundert durch Kauf vollständig in den Besitz des Hospitals von Bischofsheim über.[S293-2] Bis 1803 war es bei Mainz, dann bis 1806 bei Leiningen, endlich kam das Dorf an Baden.
#3. Die Kirche
war ehemals Filiale zu Bischofsheim; unter Erzbischof Adam von Bicken (1601-1604) sollte Dienstadt zur Pfarrei erhoben werden, wozu man die Einkünfte aus der bischofsheimer Kirche nehmen wollte; da aber deren Vermögen nicht ausreichte, unterblieb die weitere Verhandlung, und das Dorf wurde Filiale von Königheim.
#13. Distelhausen.
#1. Name und Alter.
Das Dorf mit (668 Katholiken und 21 Protestanten) kommt 1333 zum ersten Mal in den Urkunden
vor unter dem Namen Tesselhusen, 1420 heißt es Destelnhusen. Der Name wird wohl ursprünglich Haus des Thassilo bedeutet haben; andere leiten ihn aber von der Distel-Pflanze ab.
#2. Herrschaften.
1333 hatte Graf Rieneck hier Besitzungen, später gehörte Distelhausen nacheinander denen von Leuchtenberg, Mainz, dann bis 1803 Würzburg, bis 1806 Leiningen, seither Baden.
#3. Die Pfarrkirche
wurde 1633 an Stelle der alten Kirche erbaut und 1648 eingeweiht; Bauherren waren der Deutschorden in Mergentheim und das Juliusspital in Würzburg.
#4. Die St. Wolfgangskapelle
auf dem Friedhof jenseits der Tauber wurde 1452 durch Hans Klinger von Hall, dessen Grabstein neben dem Seiteneingang eingemauert ist, erbaut; der Chor ist ein prächtiges gotisches Werk mit 4 Bischofs-Statuen von Riemenschneider am (zopfingen) Hochaltar; ein Teil des Langhauses ist späteren Datums. Sehr zu bedauern ist, dass die tiefe Lage das Kirchlein samt dem Friedhof fast alljährlich den Tauberüberschwemmungen aussetzt.[S294-1] Die Kapelle soll zur Pestzeit, als das Dorf zur Hälfte ausstarb, erbaut worden sein, mit dem Gelöbnis, den St. Wolfgangstag (31. Okt.) alljährlich als „Hagelfeiertag“ zu begehen.[S294-2] Noch bis 1810 wurde das Fest des Heiligen mit einer Prozession zu Pferd gefeiert, „um die Fürbitte des hl. Wolfgang gegen alle Krankheiten von Mensch und Vieh anzurufen“; dann wurde diese Übung verboten. Noch im vorigen Jahrhundert kam am Markustag (25. April) die Prozession von Bischofsheim hierher und hielt hier Amt und Predigt.[S294-3] 1820 sollte St. Wolfgang als „entbehrlich aufgelöst“ werden, wurde aber durch die Bemühung des Pfarrers Lotter erhalten.
1884 wurde der Knopf auf dem Wolfgangsturm geöffnet, wobei man mehrere alte Schriften, einen Katechismus und einen Rosenkranz fand. Die älteste Schrift ist von 1655. Darin ist angegeben, wer den Knopf nebst dem Bild auf dem Turm angebracht hat. Dann sind genannt der Pfarrer, der Centgraf von Lauda, die Gerichtsherren u. s. w. Am Schluss heißt es. „Allhie zu Distelhausen Stifts Würzburg und ins Amt Lauda gehörig, ist die katholische Religion, wie dieser Katechismus und Rosenkranz bezeugen, von uns obgemelten wie auch vom ganzen Fleckhen als katholische Christen gelehrt und
verehrt worden. Darum bitten wir dich, o hl. St. Wolfgang, weil du unser Patron und Fürbitter bist, wollest dir den Fleckhen als dein eigenthumb angelegen und befohlen lassen sein, uns erreten vor Feuersnoth, Ungewittern, Pestilenz und gehen Tod; dass wollest uns erlangen bei dem barmherzigen Gott. Anno Domini 1655.“
#14. Dittigheim.
#1. Name und Alter.
Dieses Pfarrdorf zählt 725 Katholiken und 3 Protestanten. In einer Urkunde vom Jahr 807 wird ein Ort Dietingen erwähnt; es ist aber sehr zweifelhaft, ob dies Dittigheim ist. Im Jahr 1271 hieß der Ort Dietencheim, 1317 Dythinkeim; der Name bedeutet ursprünglich Hof des Dythinc (Tiukinc).[S295-1]
#2. Herrschaften.
Im 14. und 15. Jahrhundert wohnten hier die adeligen Herren von Dythinkeim; wahrscheinlich gehörte diesen die Burg auf dem Höhberg, deren Wartturm, wie die grünsfelder Chronik erzählt, von dem Turmwächter auf dem Schalksberg bei Grünsfeld beobachtet werden konnte. Später kam das Dorf an Würzburg, 1803 an Leiningen, 1804 an Salm, 1806 an Baden.
#3. Die Kirche,
an der Stelle eines alten Gotteshauses, stammt aus dem vorigen Jahrhundert. Die Kaplanei wurde 1752 vom Ortspfarrer durch Dotation mit der Gemeinde gestiftet.
#4. Großes Feuer
verheerte den Ort 1836 und 1883.
#15. Dittwar.
#1. Name.
Das Pfarrdorf (mit 737 Katholiken) hieß nach einer Urkunde von 1169 Dietebure, 1361 Dyetbar, 1385 Dithware. Der Name ist zusammengesetzt[S295-2] aus den zwei althochdeutschen Wörtern bur, das Haus, die Wohnung und Diota Volk, bedeutet also den Ort, an dem das Volk wohnt.
#2. Herrschaften.
Das Dorf hatte 1169 ein Schloss, das dem Herrn Heinrich v. Luden (Lauda) gehörte, und das dieser dem Bistum Würzburg schenkte. Bis gegen das 15. Jahrhundert wohnten hier die adeligen Herren von Dietebure. 1591 gehörte
das Dorf dem Haus Leuchtenberg, dann bis 1803 Mainz, bis 1806 Leiningen, seither Baden.
#3. Die Pfarrei
ist schon 1222 selbständig; an Stelle der alten Kirche wurde die jetzige 1762 erbaut.
#4. Die Kreuzkapelle,
das Kreuzhölzlein, eine halbe Stunde vom Dorf auf einer waldigen Anhöhe, ist ein von der ganzen Gegend vielbesuchter Wallfahrtsort.
Über die Entstehung berichtet das Wallfahrtsbüchlein von 1836 (ohne Angabe des Druckortes und einem älteren Büchlein von 1747 nachgedruckt): „Im 1660sten Jahre sind von der gehörlosen Tochter (des) Veit Kränken, namens Anna, zwo Bildlein, eines der Mutter Gottes, das andere des hl. Apostels Johannes, als selbe Laubholz gemacht, unter einer Eiche in einem Ritz oder Loch gefunden, mit Ehrerbietung geküsset und wieder in den Ort gelegt (worden); darauf (hat) sie ihrem Bruder Jakob selbe gezeigt, welcher diese Bildlein, nachdem er zuvor seinen Namen in den Baum eingeschnitten, nacher nach Haus getragen, ein Altärlein aufgebauet und ein Kruzifix zwischen selbe gestellt (hat); ein Vierteljahr hernach aber (sind die Bilder) von Hans Weber, dem sogen. Bauernhans, wieder in den Wald getragen, in obbemeldete Eiche samt dem Kruzifix verwahrt worden, und so ist ein Anfang der Verehrung geschehen.
Als aber dies dem damaligen Herrn Dechant und Stadtpfarrer Helfferich in Bischofsheim zu Ohren gekommen, hat derselbe unter Strafe befohlen, nicht mehr zur Verehrung dieser Bilder in den Wald zu gehen, sogar die Heiligenpfleger (angewiesen), solche aus dem Wald (zu) nehmen und in die Kirche herunter bringen zu lassen; ja, da sie zum zweiten mal ohne menschliche Hilfe aus der Kirche wieder in den Wald an ihren Ort gekommen, hat der Dechant selbe selbst abgeholt und hinter dem hohen Altar (der Pfarrkirche) in einem mit einem eisernen Gitter versehenen Loch verschlossen. Sogar als sich diese (Bilder) auch heraus und sofort wieder in den Eichbaum des Waldes begeben, (hat er), um dem Vermuten nach eine mehrere Probe von der Sache zu haben, den Baum umhauen lassen wollen. Als aber derselbe gesehen, dass nach beigebrachten etlichen Hieben zwei Beile darüber entzwei gesprungen, hat er nicht allein davon abzusetzen befohlen, sondern auch erlaubet, dass jeder nach Belieben seine Zuflucht dahin nehmen könne, zumal unterschiedliche und bewährte Mirakel an Lahmen und Krummen, tollsinnig und an Ketten gelegenen daselbst geschahen, auch (an solchen, die behaftet waren) mit andern unheilbaren LeibsSeite 297 · schäden an Augen, Füßen, Händen u. s. w., wie die vorhandenen vielen Krücken und aufgemachte Gelübdetafeln offenbare Zeugen seynd.
Worauf Herr Abt und Prälat Gottfried, des hl. Prämonstratenserordens zu Zell, als in dem Ort Dittwar gebürtig, eine geringe Kapell aufgerichtet (hat), welche durch den im Jahre 1713 dahin zu wohnen gekommenen frommen Eremiten, Bruder Christoph Neuberth, teils aus seinen eigenen Mitteln, teils mit Beihülfe anderer Guttäter vergrößert und ganz neu gebaut (wurde). Obgemelte zwei Bildlein nebst einem Kruzifix (wurden) in einem gläsernen Kästlein verwahrt und auf den hohen Altar gestellt. Auch von Ihrer hochfürstlichen Gnaden zu Fuld (ist) ein wahrhafter Partikel des hl. Kreuzes, an welchen Christus Jesus sein bitteres Leiden vollbracht, unter dero gnädigsten Hand- und Insiegel diesem Kirchlein vermacht und allen dahin wallfahrenden Christgläubigen zum Troste verehrt worden.
Auch bei erfolgter größerer Andacht (hat) Ihre päpstliche Heiligkeit Clemens XI.[S297-1] allen, die diese Kapelle besuchen, beichten communicieren und für das allgemeine Heil der Christenheit beten, auf das Fest Kreuzerfindung einen vollkommenen, auf Kreuzerhöhung 7 Jahre und 7 Quadragenen, dann auf jeden Freitag in der Woche 100 Tage Ablaß gnädigst verliehen.
Nebstdem haben auch Se. Hochwürden und Gnaden, Herr Baron v. Cloth, Propst von St. Michael zu gedachtem Fuld, dieses Kirchlein geziert und beehrt oder zur andächtigen Ausstellung i. J. 1718 dahin abgegeben viele hl. authentischen Reliquien als: St. Laurentii M., St. Sebastiani M., St. Firmi M., St. Kiliani B. M., St. Christophori M., St. Viti M., St. Bonifacii B. M., St. Eustachii M., St. Valentini B. M., St. Vitalis M., der Söhne der hl. Felicitas, St. Sturmii, ersten Abt zu Fuld, Beichtiger, St. Ruperti, Beichtiger, St. Hilarii B. und Beichtiger, St. Liobæ, Jungfr., St. Barbaræ, Jungfr. und M., St. Ursula, Jungfr., M., St. Cordulæ, Jgfr., M., St. Cunegundis, Jgfr. und St. Elisabeth.
Weil nun vom Dorf Dittwar bis zur hl. Kreuzkapelle . . . 1261 Schritte (sind, soviel man zählt) vom Richthaus Pilati . . . bis auf den Calvarienberg, . . . haben fromme Seelen .. aus besonderer Andacht zu dem bittern Leiden und Sterben unseres gebenedeyten Heilandes ... auf diesem Weg die 14 Kreuzwegstationen aufrichten lassen.“ 1866 wurden dieselben erneuert.
#16. Eiersheim.
#1. Name.
Das Pfarrdorf (mit 541 Katholiken) wird 1248 zum ersten Mal in den Urkunden erwähnt und hieß damals Isersheim, Heimat des Iser.[S297-2]
#2. Herrschaften.
In ältester Zeit gehörte E. den Grafen von Wertheim, die es 1248 an die Herren v. Düren verkauften; später gehörte es bis 1803 Mainz, dann bis 1806 Leiningen, seither Baden.
#3. Die Kirche
wird schon 1515 „Pfarrkirche“ genannt;[S297-3] aus unbekannten Ursachen, wahrscheinlich durch die Verarmung im Schwedenkrieg,[S297-4] wurde das Dorf Filial zu Külsheim, von dem es
1707 getrennt wurde, um wieder selbständig zu werden, wie es auch den Pfarreien Krensheim, Zimmern und vielen andern ergangen ist.[S298-1]
#17. Epplingen.
#1. Name und Ursprung.
Das Dorf (mit 61 Katholiken und 217 Protest.) hieß in den alten Urkunden von 1245 Eppilingen, 1572 Oeppingen, d. h. (nach Krieger): bei den Angehörigen des Eppilo.
#2. Herrschaft.
Der Ort gehörte seit alter Zeit zu Boxberg, dessen politische Geschichte[S298-2] auch für Epplingen gilt.
#3. Stahlquelle und Badeanstalt.
Im Jahr 1845 entdeckte man eine Stahlquelle, die aber sehr überschätzt wurde, weshalb die Badeanstalt, die man dafür eingerichtet hatte, aus mangelndem Besuch bald wieder eingestellt werden musste.
#4. Die Kirche.
Vor der Mitte des 16. Jahrhunderts war der Ort Filial zu Schweigern. Durch die „Reformation“ unter Albrecht v. Rosenberg, nach 1564, hörte der kathol. Gottesdienst auf; die Protestanten spalteten sich in eine lutherische und in eine reformierte Gemeinde mit zwei Kirchen und befehdeten sich gegenseitig, da Albrecht das Luthertum einführte, während der Pfalzgraf die reformierte Lehre verbreitet hatte; sie vereinigten sich 1821; damit wurde eine Kirche überflüssig, und da die reformierte weiter entfernt und weniger geräumig war, wurde diese 1823 vom Kirchengemeinderat versteigert.
#18. Erlenbach.
#1. Name und Ursprung.
Das Dorf (339 katholische und 3 protest. Einw.) heißt in einer Urkunde von 1088 Erlebach.
#2. Herrschaften.
1176 besaß das Cisterzienser-Kloster Schöntal hier Güter, 1246 hauste daselbst Heinrich von Löffelsterzen aus dem Geschlecht der Löffelstelzen, die auch in Edelfingen und andern Orten begütert waren. 1244-1497 wohnte hier das edle Geschlecht der Herren von Erlenbach. Zehntherren waren die von Berlichingen. Bis 1803 gehörte das Dorfes Kurmainz, 1803-6 Leiningen, seit 1806 Baden.
#3. Die Kirche.
Konrad v. Berlichingen († 1546?) vermachte einen Teil des großen Zehnten der Pfarrei Ballenberg, damit von dort aus hier Gottesdienst gehalten werde. Darum haben die Herren von Berlichingen in der Kirche zu Erlenbach einen Jahrtag, der am Tag nach Ostern gehalten werden soll. Das ist wohl noch die einzige Erinnerung daran, dass sie einst in diesem Dörflein Herren gewesen sind. — Die Kirche ist neu, wurde aber an Stelle einer sehr alten Kapelle gebaut.
#19. Eubigheim mit Hof Neidelsbach.
#1. Name.
Das Pfarrdorf, aus Ober- und Untereubigheim bestehend, (mit 331 Kathol., 245 Protest., 84 Israel.) heißt in den Urkunden von 1387 Übikein, 1400 Ybenkain, 1407 Ewbikein; der Name bedeutet Heim des Übinc.[S299-1]
#2. Herrschaften.
Im 13. Jahrhundert gehörte der Ort den Herren von Übenkein; damals verkauften zwei Brüder, Edelknechte zu Eubigheim, einen eubigheimer Wald an das Spital zu Tauberbischofsheim.
Es folgten nach einander in Eubigheim als Herren: 1373 die Grafen von Wertheim, 1545 die Herren v. Zobel, von Neideck, 1560 Rüdt v. Collenberg-Bödigheim, der die Hälfte des Dorfes seinem Schwiegersohn Wilderich v. Walterndorff übergab; letzterer wurde dem Erben der Wertheimer Grafen, Ludwig v. Stollberg-Königstein, lehenspflichtig; diese Lehenspflicht wurde indes schon 1560 um 2000 fl. abgelöst. — In der Rüdt'schen Hälfte, die sich in die Rüdt-Bödigheimer und Rüdt-Ebersteiner Linie teilte, wurde die „Reformation“ eingeführt. In der katholisch gebliebenen Walterndorff'schen Hälfte, mit der die v. Rüdt in beständigem Prozess lagen, gelangte nach Werner v. Walterndorffs Tod, 1694, Joh. Phil. v. Bettendorf zur Herrschaft. Diese fiel 1772 an Karl v. Stingelheim, 1780 an die v. Bettendorf zu Gissigheim, 1840 an Baden. Der Zehnte in beiden Hälften gehörte Mainz.
Beide Herrschaften besaßen je ein Schloss in den ihnen gehörigen Teilen; das der Freih. von Bettendorf dient jetzt als Schulhaus.
#3. Die Kirche
war bis 1764 Filiale von Berolzheim; 1764 wurde durch die Freih. v. Bettendorf hier eine Kuratie errichtet, die 1770 zur Pfarrei erhoben wurde.
#4. Hof Neidelsbach
mit 23 Katholiken, 19 Protestanten und 11 Mennoniten ist kathol. Filial zu Rosenberg, protest. Filial zu Hohenstadt und gehörte früher den Fürsten von Hatzfeld, später den Fürsten v. Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, jetzt den Fürsten v. Hohenlohe-Bartenstein.
#20. Gerchsheim.
#1. Name und Alter.
Das Pfarrdorf Gerchsheim (mit 853 Katholiken) war nach einem alten Urbarbuch ein sog. Freidorf, kam aber später unter Kurmainz und hieß 1443 Gerichsheim und Geyrichsen (= Heim des Gerich).
#2. Herrschaften.
1803 kam es von Mainz an Salm-Krautheim, 1806 an Baden.
#21. Gerlachsheim.
#1. Name und Alter.
Die Stadt Gerlachsheim (mit 997 Katholiken, 77 Protestanten, 5 Israel.) kommt in den Urkunden von 1209 als Dorf Gerlagesheim vor, muss also schon im vorhergehenden Jahrhundert bestanden haben. 1245 heißt der Ort Gerlaisheim, 1278 Gerlaheim und bedeutet ursprünglich: Heim des Gerlach.
#2. Herrschaften.
Um das Jahr 1200 und 1300 wohnten hier die adeligen Herren v. Gerlachsheim in einem eigenen Schloss, später kam der Ort an Würzburg, während die Vogtei mit verschiedenen anderen Rechten dem hiesigen Prämonstratenserkloster zustand. 1803 gelangte Gerlachsheim an Salm-Krautheim, 1839 durch Kauf an Baden. 1839-1875 war G. Sitz eines Amtes.
#3. Das Prämonstratenserkloster.[S300-1]
In einer sehr alten Schrift liest man, berichtet das Protocollum, dass das Prämonstratenserkloster zu Gerlachsheim ehemals in Lauda stand und von König Pipin (751-768) gegründet wurde.[S300-2] Damals war es ein Nonnenkloster für Benediktinerinnen wie das der hl. Lioba zu Tauberbischofsheim; etwa
um 1250 wurde es nach Gerlachsheim verlegt, warum und wie, ist gänzlich unbekannt; sicher ist, dass um 1320 auch keine Benediktinerinnen mehr hier waren, sondern Nonnen aus dem Orden der Prämonstratenser;[S301-1] welches die Gründe dieser Umwandlung gewesen seien, und wie die Veränderung geschah, melden uns keinerlei Nachrichten. Durch die Grafen von Rieneck und Wertheim wurde das Kloster reich ausgestattet, und mehrere Gräfinnen v. Wertheim wirkten hier segensreich als Vorsteherinnen, die den Titel führten: „Frau Meisterin“.[S301-2]
Im Bauernkrieg 1525 wurde „das closter in der ufrur zerrissen und verprend, (darnach) haben die closterfrawen (wieder) aine lange Zeit in der Stadt Lauden ir wonung gehabt, bis inen wiederumb aine Behausung im closter ufgericht worden“.[S301-3] Doch war der Besitz sehr ins Abwesen gekommen und die Wiederherstellung mangelhaft, so dass nur noch drei Schwestern das ganze Kloster bildeten, weshalb der Bischof von Würzburg, Friedrich v. Wirsberg, 1563 das Kloster aufhob, die Verwaltung der Güter an sich zog und den übriggebliebenen 3 Schwestern den nötigen Unterhalt reichen ließ.
Aber der Abt des Prämonstratenserklosters Oberzell, zu dem Gerlachsheim gehörte, führte um die Zurückgabe des gerlachsheimer Klosters einen hartnäckigen Prozess, der 1699 angefangen, durch alle Instanzen bei Papst und Kaiser verfochten und am 20. Mai 1717 beendigt wurde. Das Kloster wurde nun dem von Oberzell incorporiert, welches Kirche und Kloster, die beide arg beschädigt waren, von Grund aus neu erbaute. Während dieser Zeit bemühte sich der Bischof von Würzburg, dass die Prämonstratenser von Oberzell das gerlachsheimer Kloster und seine Einkünfte zu Gunsten des Ursulinerinnen-Klosters, das man vor kurzem in Würzburg eingeführt hatte, zurückgeben sollten. Doch Oberzell ging nicht darauf ein, sondern besetzte 1724 das neu hergestellte Kloster zu Gerlachsheim mit seinen Mönchen, und besorgte die Pastoration. So war nun das Kloster als Priorat erneuert.
„Die Gerechtigkeiten des Klosters Gerlachsheim“ werden im Protokollbuch[S302-1] folgendermaßen beschrieben.
„Gerlachsheim ist vor alten Zeiten ein Nonnenkloster gewesen, und soll von König Pipino gestiftet sein worden.
Dies Kloster ist Vogtei-Herr in dem Dorfe Gerlachsheim und Kützbrunn; hat Macht zu (ge-) bieten und verbieten und zu strafen; die christliche Jurisdiction aber und Zent sind mainzisch; die erste zwar gehört nach Aschaffenburg, die Zent nach Bischofsheim.
Der Herr, so die Stadt Lauda inne hat, ist des Klosters und des Fleckens Gerlachsheim Schirmherr. Derowegen die Gerlachsheimer jetzt den Bischof von Würzburg für ihre hohe landesfürstliche Obrigkeit anerkennen und tun ihre Erb-Huldigung gemeiniglich zu Lauda, geben Landschatzung etc. wie andere des Stifts-Unterthanen.
Alle Jagens-Gerechtigkeit und Vogelherd auf Gerlachsheimer Markung gehört dem Kloster, den Forellenbach, so anfangt, da sich Grünsfelder Markung endet, ober der „sauren Holzmühlen“ und währet herab bis in die Tauber, den hat das Kloster allein zu fischen.
Der Schaftrieb auf Gerlachsheimer und Kützbrunner Markung steht auch dem Kloster allein zu. Item die Winterweide zu Heckfeld gehört dem Kloster.
Ein jeder Gemeins-Mann zu Gerlachsheim und Kützbrunn ist dem Kloster 4 Frohn-Täg schuldig; nämlich die Häker mit der Hand in des Klosters Weinberg, oder wo man will, die Bauern mit ihren Pferden.
Fremden und benachbarten Herrschaften sind die Gerlachsheimer keine Frohn schuldig.
So viel das Schenkrecht betrifft, hat ein jeder Macht, sei eigen Gewächs auszuschenken; ist auch bishero keinem gewehrt worden, Wirtschaft zu treiben; jedoch mit Vorwissen des Klosters. Das Ungeld ist ein jeder so Wein schenken will, schuldig und wird in die Ober-Einnahme nach Würzburg bezahlt.
Der Getreide- und Wein-Zehnt auf dieser ganzen Markung gehört dem Kloster allein. Item der kleine Zehnt zu Feld und Dorf. Herentgegen ist man einer Gemeinde zwei ganze Viehe auf des Klosters Kosten zu halten schuldig. Und wo des Klosters Vieh hingeht, hat die Gemeind Macht, das ihre nachzutreiben.
Alle Gerlachsheimer und Kützbrunner, item noch etliche an anderen Orten sind dem Kloster leibeigen, und so viel die Mannspersonen betrifft, sind sie nach ihrem Todfall, das beste Haupt dem Kloster verfallen, und jährlich eine jede Manns- oder Weibsperson ein Witt-Huhn ins Kloster zu geben schuldig.[S302-2]
Die Gießung und Besichtigung der Maß, Ellen und Gewicht steht dem Kloster als Vogtei-Herren zu. Das Getreid-Maß wird zu Grünsfeld
geholt; das Wein-Maß aber belangend hat Gerlachsheim ein eigen Eich, die heißt man Königsmaß. Was jederzeit für Mühl-Ordnung zu Grünsfeld gehalten wird, darnach richtet sich auch Gerlachsheim; desgleichen nach derselben Wagordnung.
Es hat zu Gerlachsheim ein gesetzt Dorfgericht und werden jährlich 3 Offen- oder Frei-Gericht gehalten, hierin ist das Kloster Verwalter und haltet den Stab oder befiehlt dem Schultheißen etc. Die gemeinen Dorfs-Ämter werden durch den Klosterverwalter bestellt mit Rat der Gerichtsschöffen, ingleichen die gemeine Rechnung also angehöret.
Das sogenannte Buchholz auf Gerlachsheimer Markung gehört dem Kloster.
Von dem Gemeindholz gehören dem Kloster auch gewisse Laub und mit solchen Lauben kann der Pförtner im Kloster beholzt werden.
Die Gerlachsheimer und Kützbrunner Markung ist gegen Niemand strittig, sondern ringsherum allentalben nach notdurft versteint. NB. Der 42. Stein, so der erste ist gegen grünsfelder Seiten, hat auf der gerlachsheimer Seite her eine eingehauene Klosterfrau, auf der anderen Seite grünsfeldische Wappen, auf der dritten Seite die Jahreszahl 1493.
Das Kloster hat zu Gerlachsheim an Ackerbaufeld oder eigentümlichen Aeckern 393 Morgen; (hievon sollen anno 1616 den Unterthanen 16 Morgen eingeben sein worden, darauf Weingarten zu machen, und davon jährlich ein Eimer Gült-Wein zu entrichten). An Wiesen zu Gerlachsheim 41 Morgen, zu Heckfeld 28 Morgen. An Waldung 977 Morgen, auf Heckfelder Markung im Ahorn und auf Gerlachsheimer Markung allentalben nach notdurft versteint. An Weingarten 131¼ Morgen.
Des Klosters Einkünfte.
Gewisse Pfennig-Zinsen, Sommerhühner, Martinshühner, Gänse, Unschlitt, Wachs, Öl, Lammsbäuch zu Gerlachsheim, Kützbrunn, Grünsfeld, Grünsfeldhausen, Zimmern, Distelhausen, Königshofen, Deubach, Balbach, Edelfingen, Schüpf, Dainbach, Lengenriet, Sachsenflur, Buch am Ahorn, Dittigheim, Dittwar, Büttelsbronn, Ober- und Unterwittighausen, Impfingen, Werbach, Böttigheim, Werbachhausen, Bronntal, Unteraltertheim, Großrinderfeld, Oberlauda, Beckstein, Kupprichhausen, Bischofsheim, Heckfeld, Stadt-Lauda, Paimar, Hof Steinbach bei Dittwar.
Handlohns-Gerechtigkeit zu Gerlachsheim und Kützbrunn u. s. w. Wasserzins von dem Fischwasser Distelhausen.
Einzuggeld und Nachsteuer von den Unterthanen.
Leibhühner und Leibeigenschaft zu Gerlachsheim, Kützbrunn und anderen auswendigen Orten.
Hauptrecht und gewisse beständige Korn-Gült, Weizen und Haber zu Gerlachsheim, Kützbrunn, Grünsfeld, Grünsfeldhausen, Ilmspan, Schönfeld, Büttelsbronn auf dem Gale Unterwittighausen, Oesfeld, Heckfeld, Ober- und Unteralterheim, Paimar, Königshofen, Stadt-Lauda, Distelhausen,
Dittwar, Gissingen (Gissigheim), Werbach, Oberlauda, Lengenried, Beckstein.
Getreidezehnt zu Gerlachsheim, Kützbrunn auf dem Hofe Mutzenbronn. 2 1/3 an dem großen Zehnt zu Krensheim, 2/3 auf dem Hof Uhlberg im Amt Grünsfeld. Das „Röther-Zehntlein“ zu Heckfeld; auf dem „Thurn und Zwitelsberg“; etwas weniger zu Oberwittighausen, Distelhausen und Stadt Lauda.
Den Wein-Zehnt zu Gerlachsheim, etwas zu Krensheim, Paimar; Gült-Wein 6 Fuder, 4 Eimer; etliche Fuder Gültwein zu Gerlachsheim, item von dem neugereuthen, der oben gemeldten und zu Weinberg gemachten Aecker.“
Aufhebung. Bei der allgemeinen Säkularisation 1803 fiel auch das Priorat Gerlachsheim zum Opfer. Die Gebäude kamen in Besitz des Fürsten v. Salm-Krautheim; sie wurden 1839, als Gerlachsheim an Baden gelangte und nun den Sitz eines badischen Amtes bildete, den Beamten zur Wohnung angewiesen. Nach Aufhebung des Amtes richtete die Regierung in diesen Räumen 1875 die weit bekannte, treffliche Taubstummenanstalt ein.
#4. Die jetzige Kirche
wurde 1723 durch Abt Sigismund von Oberzell an stelle der alten Nonnenkirche gebaut, da letztere wegen ihres engen Raumes nicht einmal die Pfarrangehörigen von Gerlachsheim, von Kützbrunn ganz abgesehen, fasste; sie ist eine Nachahmung der Peterskirche in Rom im kleinen Maßstab und bei aller (jetzigen) Einfachheit ein sehr ansprechendes Bauwerk; sie besitzt eine ungewöhnlich große Kreuzpartikel und den ganzen Leib des hl. Clemens aus den Katakomben zu Rom. Nach Aufhebung des Klosters wurde der letzte P. Prior Pfarrer von Gerlachsheim.
Bis 1824 war Kützbrunn Filiale der hiesigen Pfarrei.[S304-1]
#22. Gissigheim.
#1. Name und Alter.
Das Pfarrdorf (mit 941 Kathol. und 15 Israel.) heißt in Urkunden von 1350 Gizzenheim, 1390 Gizzikeim (= Heim des Gizzinc).
#2. Herrschaften.
Das Dorf kam 1296 von den Grafen v. Bocksberg an die v. Wertheim, später an die v. Riedern, deren Schloss auf dem sog. Tanzberg im 30jährigen Krieg von den Schweden gänzlich zerstört wurde.
Die Witwe Alexanders, des letzten Herrn von Riedern, vermählte sich mit Bernhard v. Wichsenstein, dem sie die Hälfte von Gissigheim zubrachte, und von dem das halbe Dorf an Joh. Kaspar v. Herda kam. 1628 tauschte es Christoph Phil. Echter zu Mespelbrunn ein (gegen die Dörfer Züttingen und Maisenfeld und ein Aufgeld von 15 000 fl), dessen Familie schon seit 1589 auch im Besitze der anderen Hälfte von Gissigheim war (vorübergehend war diese Hälfte mit der Tochter des Alexander v. Riedern, Mar. Salome, an die Familie von Schneeberg gekommen). Nach dem Aussterben des Echter'schen Mannsstammes gelangte das Dorf 1679 durch Heirat an die Familie v. Walterdorff in Eubigheim, 1702 an die Familie v. Bettendorf, dann an Baden.
#3. Die Pfarrei
existierte schon 1298 und gehörte ehemals in das Bistum Mainz, wurde aber von diesem gegen Walldürn an Würzburg vertauscht. Die Schweden führten hier durch einen Obersten, der das nahe Schweinberg besetzt hielt, die „Reformation“ ein und stellten einen protest. Pfarrer auf; aber Fürstbischof Julius von Würzburg entfernte 1612 den protest. Pfarrer, führte den kathol. Gottesdienst wieder ein und stiftete die Pfarrei ganz neu. Im Stiftungsbrief drückte sich Fürstbischof Julius aus, dass diese Pfarrei vermutlich die letzte seiner Stiftungen sei, weshalb er dieselbe vor allen übrigen liebe, wie der Patriarch Jakob seinen jüngsten Sohn Benjamin.
#4. Die Pfarrkirche
wurde 1802 an Stelle der alten gotischen Kirche im romanischen Stil gebaut und in neuerer Zeit geschmackvoll durch Maler Rauth erneuert.
#5. Die Kapelle
ist von dem ersten hier wohnenden Freiherrn v. Bettendorf erbaut, der mit seiner Gemahlin auch darin sein Grabmal hat. Eine prächtige alte Kapelle wurde in den 30er Jahren als „entbehrlich“ abgebrochen.
#23. Gommersdorf.
#1. Name.
Das Dorf (641 Katholiken) hieß 1176 Cumbirsdorf, Dorf des Gumbert (Gumbrecht).
#2. Herrschaften.
Seiner Lage nach sollte es mit allem Recht einen Bestandteil der alten Herrschaft Boxberg-Krautheim gebildet haben; aber merkwürdiger Weise findet sich weder in boxbergischen noch krautheimischen Urkunden auch nur die geringste
Erwähnung des Ortes, während sonst alle Besitzungen der Herren von Krautheim, selbst die zwischen der Jaxt und dem Kocher gelegenen, häufig angeführt werden. 1176 hatte das Kloster Schöntal daselbst einige Güter. Die Besitzer von Gommersdorf waren aber die Herren von Aschhausen, die wohl zu den Herrschaftsfamilien der Gegend gehört haben mögen und ihre Besitzungen von Würzburg als Lehen trugen.
Um 1250 besaßen die Herren v. Hohenlohe einen Teil des Zehnten zu Gumersdorf von Würzburg als Lehen. 1253 stellte Graf Gottfried v. Hohenlohe den Zehnten durch die Hand des Grafen Cunrad v. Crutheim wieder dem Hochstift Würzburg zurück, und dieses verlieh ihn dem Kloster Schöntal. Herr Gottfried v. Hohenlohe fügte mit Zustimmung seiner Gattin Richza noch eine Mühle bei „Bogesberg“ dem Zehnten hinzu.
1294 übergab Cunrad von Aschhausen, der Edelherr (liber conditionis homo) „seinen Hof (curtim) zu Gumersdorf mit allem, was dazu gehört, d. h. mit Aeckern, Wiesen, Wäldern, Wegen und Stegen mit Bebautem und Unbebautem zum Heil seiner Seele ... dem Kloster Schönthal zur vollkommenen Nutznießung, so daß keiner seiner Erben auf die genannten Güter irgend einen Anspruch mehr zu machen habe.“ Bischof Heinrich von Würzburg bestätigte diese Schenkung, welche mehrere Herren der Umgegend, so Rupert von Dürne, Siboto von Cimbern u. s. w. bezeugten. — Es ist möglich, dass auch eine Adelsfamilie den Namen von Gommerddorf führte, da in einer Urkunde des Klosters Gnadental vom Jahre 1306 ein Herr von Gommersdorf, Bruder zu Schöntal, genannt wird.
#3. Die Pfarrei.
Der Ort war ehemals Filiale zu Altkrautheim, dann von Krautheim, von dem er 1602 zur vollständigen Pfarrei abgelöst wurde.[S306-1] Schon vorher, 1592, hatte der Abt Johann Lurtz von Schöntal die Kirche gebaut. An der östlichen Außenseite des Langhauses steht das Denkmal des Schultheißen von G., Melchior Lurtz und seiner Gattin, die beide vor einem Kruzifix knieen, er mit 5 Söhnen, seine Gattin mit 5 Töchtern. — Am 2. Stock des Turmes ist neben dem Fenster das steinerne Bild eines Ritters mit dem Plattenharnisch in halber Figur angebracht; es ist alt und stand wohl in einer früheren, alten Kapelle, aus der es beim Neubau herüber versetzt wurde. Es soll den oben genannten Cunrad v. Aschhausen vorstellen; wenn das so ist, so war es eine eigentümliche Ehre; denn eine „höhere“ Stelle hätte man dem alten Grundherrn nur noch anweisen können, wenn man ihn auf die Turmspitze gestellt hätte. An dieses Bild
knüpft sich folgende Sage, die sich übrigens mit mancherlei Variationen an vielen Orten vorfindet: Als einst bei einem der zahlreichen Truppendurchmärsche Soldaten durch den Ort zogen, spannte einer derselben, ein leichtfertiger Mensch, trotz aller Abmahnung seiner Kameraden, sein Gewehr nach dem Bild und schoss dem Ritter die Nase weg, wie man jetzt noch an der Verstümmelung sieht. Als dieses Regiment abermal durch das Jaxttal marschierte, war der Frevler auch wieder darunter, aber er hatte jetzt gleichfalls keine Nase mehr, da sie ihm in einem Gefecht war weggeschossen worden.
#24. Großrinderfeld mit Hof Baiertal.
#1. Name und Alter.
Das Pfarrdorf (mit 1174 Kathol. und 9 Protest.), welches 1199 zum ersten Mal in den Urkunden genannt wird, hat immer diesen Namen geführt. Im Jahre 1594 wird ein Urban Renninfeldt, Chorherr zu Stift Haug in Würzburg erwähnt;[S307-1] Heilig[S307-2] meint nun, dieses Renninfeldt sei der alte Name des Dorfes und bedeute so viel als Feld des Ringo oder Rinno. Aber da schon in der Urkunde von 1199 der Name Rindervelt vorkommt, so wird auch das der alte, ursprüngliche Name sein, und Renninfeldt, das erst 400 Jahre später genannt wird, wahrscheinlich etwas ganz anderes bedeuten.
#2. Herrschaften.
Im 13. und 14. Jahrhundert hatte das Dorf seinen eigenen Adel: die Herren von R. und die Herren v. Zobel.
#3. Drangsale
hatte der Ort viele im 30jährigen Krieg auszustehen, als die Schweden 1631 mit ihrem König Gustav Adolf von Würzburg nach Bischofsheim und in den Odenwald zogen.[S307-3]
#4. Feuer
verheerte wiederholt das Dorf. 1779 brannte am 19. Juni, abends 6 Uhr, innerhalb drei Stunden das ganze Dorf samt dem Pfarrhaus ab. 1826 brannten auf einmal 120 Gebäude nieder.
#5. Im Krieg von 1866
wurde Großrinderfeld stark in Mitleidenschaft gezogen, da auf dem Weg von Bischofsheim hierher am 24. Juli ein Gefecht zwischen Preußen und Württembergern[S307-4]
stattfand, infolge dessen viele Verwundete, besonders Württemberger, nach Gr. verbracht wurden. Die Kirche wurde in ein Lazareth verwandelt, der Gottesdienst in der Kirchhofkapelle gehalten; 39 Gefallene sind auf dem hiesigen Friedhof begraben, wo ihnen ein Kriegerdenkmal errichtet wurde.
#6. Die Kirche
ist wohl schon im 13. Jahrhundert Pfarrkirche gewesen, doch beginnt die Reihe der mit Namen bekannten Pfarrer erst 1560 (Paul Krabs), die vorhandenen Kirchen- und Standesbücher erst 1663. Die alte gotische Kirche wurde wahrscheinlich nach dem 30jährigen Krieg zur jetzigen im Roccoccostil umgebaut.
#7. Der Hof Baiertal
(mit 37 kathol. Einwohnern) stand früher 500 Schritte weiter entfernt; er wurde im Bauernkrieg (1525) oder im 30jährigen Krieg zerstört und dann näher gegen Großrinderfeld aufgebaut; politisch gehört der Hof zu Großrinderfeld, kirchlich aber als Filial zu Wenkheim; der Hof Peyertal wird in den Urkunden schon 1356 genannt; 1363 belehnte damit der Graf v. Hohenlohe-Hohenlohe den Fritz Zobel v. Rindervelt; später gehörte er zur Hälfte den von Zobel, zur Hälfte dem Fürsten von Salm-Krautheim.
#8. Eine Burg
stand ehemals zwischen Hof Baiertal und Gerchsheim, aber auf großrinderfelder Gemarkung, wo vor wenigen Jahren noch beim Umgraben die Mauern zum Vorschein kamen.
#25. Grünsfeld.
#1. Name und Alter.
Die Stadt Grünsfeld[S308-1] (mit 1275 Kath., 15 Prot., 51 Isr.) gehört zu den ältesten des ganzen Bezirks. Der hl. Bonifazius errichtete hier die erste Kirche[S308-2] und die Pfarrei aus den Gütern, die er von den Grafen Sigboto und Manto erhielt in villa Grunsfelda; der Name wird in den alten Urkunden (seit 1225) mit mancherlei, indes unwesentlichen, Variationen geschrieben (Grusfelt, Gruonfelt u. s. w.).
#2. Herrschaften und Stadtrecht.
1229 und 1231 treten in den Urkunden Zobel und Sifried als Edle von Grünsfeld auf.
Um diese Zeit erhielt G. Stadtrecht[S309-1] wie Bischofsheim und wurde Residenz der Grafen von Rieneck, die ein Schloss mit 6 Türmen, einer St. Nikolauskapelle und einem 120 Fuß tiefen Brunnen bauten. Die Grafen von Rieneck gehörten zu den vornehmsten Dynastien (Adelsfamilien) des deutschen Reiches, deren zerstreute Besitzungen sich vom Rheinstrom bis in den Haspingau durch die Hochstifte Würzburg, Mainz und Lüttich erstreckten, jedoch frühzeitig unter verschiedene Aeste der Familie und andere Grafengeschlechter verteilt wurden; so erhielten schon im Anfang des 13. Jahrhunderts die verwandten Grafen von Loos die Herrschaften am Niederrhein u. an der Maas. — Die spätere Herrschaftsgeschichte von Grünsfeld ist durch die vielen Erbschaften, Verkäufe, Teilungen, Lehensverhältnisse u. s. w. ziemlich verwickelt. 1380 verkaufte Wilhelm v. Bebenburg die Stadt an den Markgrafen v. Brandenburg, der sie aber nicht lang besaß. Graf Philipp v. Rieneck († 1488) misstraute seinen mächtigen Nachbarn, denen er sich nicht gewachsen fühlte, und gab darum die Stadt an die starke Herrschaft des Bischofs von Würzburg, von dem er sie als Lehen für den Landgrafen Friedrich v. Leuchtenberg, den Gemahl seiner Tochter und Erbin Dorotha († 1503) zurückerhielt zugleich mit dem Schutz des Bischofs, der nun G. als sein Eigentum gegen die Begehrlichkeit der Nachbarn zu sichern hatte. Bis 1803 gehörte Grünsfeld zum gleichnamigen würzburgischen Amt Grünsfeld, von da bis 1806 zum Fürstentum Krautheim-Salm-Reiferscheid-Bedburg; seither zu Baden.
#3. Ausdehnung der ehemaligen Herrschaft Grünsfeld.
Nach dem leuchtenbergischen Urbarium von 1578 gehörten zur Herrschaft Grünsfeld die umliegenden Dörfer: Grünsfeldhausen, Beumar (Paimar), Dittigheim, Impfigheim, Ilmsband, Krensheim, Zimmern, Ober- und Unterwittighausen und Vilchband.
#4. Privilegien und Rechte der Stadt
zählt das Stadtbuch auf: Grünsfeld besaß ein eigenes Erbrecht, auch „besondere Statuten“ und war frei von Leibeigenschaft, weshalb die Bürger weder Besthaupt, noch Leibhühner, noch Abzugsgeld zahlten.[S309-2]
#5. Rechte der Herrschaft; Lasten der Stadt.
a) Alljährlich erhoben für die Herrschaft an Pfingsten und Martini die verordneten Setzer als alte Bete 40 fl und seit 1576 als neue Bete 20 fl; das sollte ein Ersatz
dafür sein, dass die Herrschaft auf Bitten der Stadt „die lange darin gewohnten Juden ausgeschafft“. — (Das Urbar von 1576 nennt auch die Judenschule; die erste Erwähnung der grünsfelder Juden geschieht in einer Urkunde von 1274, wornach das Kloster Bronnbach für 16 Pfund Heller einige Grundstücke verkaufte und „dadurch seine Kirche von dem Juden Munt in Gruonsfelt frei machte.“)
b) Die Herrschaft bezog von neuen Bürgern das Annahmsgeld, von den beständigen und Heckenwirten das Ungeld und das Weinfuhrgeld, den großen Zehnten an Wein u. Frucht u. vom Kleinzehnten zwei Drittel, während das Übrige den beiden Thorwarten als Besoldung zufiel. Es gehörte ihr die „Reichs- und fürstliche Landschatzung“, das Geleite, die Reichsfolge, die Frondienste, die Jagd auf der ganzen grünsfelder Gemarkung, sowie die Fischerei in der Grün- und Wittigbach.
c) Eigentum der Herrschaft waren das „Berghaus in der Stadt“, das auf Kosten der Gemeinde mit einem Türmer und zwei Nachtwächtern versehen werden musste; ferner „die alte Kemnate beim Hausener Thor und etliche Gärten daselbst und vor dem Schlosse“.
d) Die Herrschaft besaß zwei Fronhöfe; der obere „am Markt“ mit 4 Häusern und Hofraiten entrichtete jährlich an Korn 30, an Weizen 10 und an Haber 25 Malter; der untere „in der Gasse“ mit 2 Häusern und Hofraiten entrichtete jährlich an Korn 24, an Weizen 10, an Haber 20 und an Erbsen 2 Malter als Zins.
e) Der Herrschaft gehörten daselbst zehn ganze Hubengüter, von denen jedes ihr alljährlich 1 Fastnachtshuhn, 2 Pfund (Heller) und 17 Pfennig, an Haber 1 Malter und an Weizen 1 Malter und eine Maß leisteten. — Ferner 22 Häuser mit 35 Scheuern und Hofraiten, die ihre Jahreszinsen in Pfennigen, Fastnachtshühnern oder Lammsbäuchen lieferten.
f) Die Brot- und Fleischbänke unter dem Rathaus trugen der Herrschaft jährlich 14 Pfund Heller Zins; drei Mühlen (von denen die eine, die Überschlage genannt, bereits 1320 in den Urkunden vorkommt) vor dem oberen Thor zinseten jährlich 62 Malter Korn, 700 Eier und 12 Gulden, die 2 Gerber zahlten nur 2 Pfennig, die „alte Badstube vor dem oberen Thor“ zinsete die Stadt mit 1 Taler jährlich.
g) Zum Einkommen der Herrschaft in Grünsfeld gehörten noch die Erträgnisse von 3 Zinslehen und vielen zinsbaren Aeckern, Wiesen, Weinbergen, Baum-, Gras-, Krautgärten und viele „ablösige Zinsen; deren Gesamtkapital etwa 700 Gulden betrug.“
#6. Die Befestigung und Wehrhaftigkeit der Stadt
wurde ähnlich ausgebildet wie in Bischofsheim[S310-1] und in den übrigen fränkischen Städten; Grünsfeld war mit einer Mauer, mit Wall u. Graben u. 20 Türmen umgürtet, deren Geschosse von einem Turm zum andern reichten. Zwei Zenttürme mit Gefängnissen standen zu beiden Seiten des 150 Fuß hohen oberen Thorturmes, auf welchem
die zinkenblasenden Wächter wohnten; letztere konnten von ihren Türmerswohnungen aus die Straßen nach Würzburg, Tauberbischofsheim, Lauda und Ochsenfurt übersehen.
Auch die Unterstadt war bewehrt mit einem massiven 100 Fuß hohen Turm und einem Thor, zu dessen Bewachung der Thorwart darauf seine Wohnung hatte. — So friedlich im allgemeinen die Grünbach und die Wittigbach dahin fließen, können sie doch zur Zeit großer Gewitter, des Schnee-Schmelzens u. s. w. durch Überschwemmung reißende Ströme werden; darum standen dort, wo sie zusammenfließen, das Wasserthor und daneben ein Turm, deren Wächter die Aufgabe hatten, „auf die Wassernot zu achten“.
Nicht weit von der Stadt stand auf dem Schalksberg ein Wartturm, dessen Wächter die Warttürme zu Lauda und Dittigheim (auf dem Höhberg), sowie die Kirchtürme von Krensheim, Wittighausen, Poppenhausen, Bütthard, Vilchband und die Höhen des Spessart mit freiem Auge übersehen konnte.
Diese Befestigungen reichen in die Zeit hinauf, in welcher Grünsfeld das Stadtrecht erhielt, als mehrere ritterbürtige oder Edelknechtsfamilien daselbst wohnten und als Dienstleute der Grafen v. Rieneck die Besatzung bildeten. Das beweisen 3 Urkunden von 1283[S311-1], 1336 und 1364.
#7. Ähnlich wie Bischofsheim
führte auch Grünsfeld eine eigene Schützenmannschaft,[S311-2] die in den Jahren 1535, 1539 und wohl auch sonst noch große Schützenfeste abhielt, zu denen die Schützen in großer Zahl von nah und fern sich einfanden.
#8. Das Zentgericht.
Das ganze Amt Grünsfeld bildete mit verschiedenen andern Orten die sog. Gemeinschafts-Zent, von der ein Drittel dem fürstlichen Haus Leuchtenberg, die andern zwei Drittel Kurmainz angehörten. Das Zentgericht wurde aber zu Bischofsheim gehalten, wozu die Herrschaft in Grünsfeld den Zentgrafen und zwei Schöffen stellte;[S311-3] (es hatte vornehmlich über Kriminalfälle zu urteilen und hieß deshalb auch Blutgericht.)
#9. Das Stadtgericht.
Für bürgerliche Streitigkeiten hatte die Gemeinde ein eigenes Stadtgericht; dies bestand aus dem fürstlichen Amtsverweser und Oberkeller (Rentmeister), dem Schultheißen und 12 Gerichtsschöffen, die von der Herrschaft ernannt wurden; dazu kam noch der geschworene Stadtschreiber als Protokollführer.
In den Amtskreis des Stadtgerichtes gehörten aber auch noch die Dörfer Grünsfeldhausen, Beumar, Krensheim und Ilmsband, welche keinen eigenen Schultheißen und kein eigenes Gericht hatten wie die übrigen herrschaftlich-grünsfeldischen Orte und deshalb „das Recht vor dem grünsfelder Stadtgericht geben und nehmen mußten.“
#10. Das Urteilsbuch.
Die Urteile des Stadtgerichtes von 1561-1589 sind zusammengestellt in dem ganz interessanten Urteilsbuch.[S312-1] Das ist ein mäßiger Folioband mit der Überschrift:
„Vrtheilbuoch der Stat Grünsfeldt durch mich Gregorium Satler von Sultzbach Notarium, derzeit geschworener Stadtschreiber daselbst, angefangen den 16. Januarii 1561. Diligite justitiam, qui judicatis terram. Sap. 1. (Liebet die Gerechtigkeit, die ihr das Land richtet). Nolite judicare secundum faciem, sed justum judicium judicate. Joan. 7. (Richtet nicht nach dem Ansehen der Person, sondern übet ein gerechtes Gericht).
Nicht richte nach eines jeden Klag, Hör auch zuvor, was der Ander sag.“
#11. Im Bauernkrieg, 1525,
war G. eine der ersten Städte, die sich dem Bauernheer anschlossen.[S312-2] Meckmule (jetzt Möckmühl) richtete (kam 22. Mai 1525) einen Brief an die Stadt (gleichzeitig auch an Lauda und Bischofsheim[S312-3]) und flehte um Hilfe gegen den Fürstenbund, „damit wir unser lant, ehr, leib und leben retten mögen, den der bund zeucht uns nach und hat Weinsperg stat und ampt verbrennt und brennt immer nacher.“
Am 1. Juni, als der Fürstenbund den Bauern höchst bedenklich nahe rückte und denselben die bange Ahnung über das bevorstehende Unglück aufstieg, erließen die fränkischen Bauern ein allgemeines Ausschreiben an alle Ortschaften zur Sammlung in Grünsfeld:
„Unsern christlichen lieben bruderen zu N. fugen wir hauptleut der
Fränkischen versammlung im lager zu Wirtzburg in der eyl hiemit wissen, dass wir glaubhaftig warnung haben, das uns der Schwäbisch bund mit großer hörescraft überziehen wird .. .. demnach ermanen wir euch, . .. das ihr angesichts dits briefs uf das sterkst mit stathaftigen, erlichen, wörhaftigen mennern wol gerüst, mit euerm veldgeschoß, raiswägen, auch handbuchsen, langen spiesen und helmbarten gein Grunsfeld kommet ...“[S313-1]
Die Stadt war mit jeglichem Vorrat wohl versehen; darum beschlossen die Bauern, denselben holen zu lassen:
„ . . . Item, das alle kerner getreid uf dem land holen zu Grunsfelt und andern Orten und nemlich das zu Warneck mit gewalt hole, damit ein gemaine stat versehen und die armen kernern sich davon auch futtern.“[S313-2]
Am Pfingstsonntag, dem Tag nach der schrecklichen Bauernniederlage zu Königshofen, zog der Kommandant des Fürstenheeres vor Grünsfeldt; die Stadt wurde eingenommen, gestraft und „der hauptsecher ein gut teil mit dem schwert gericht.“[S313-3]
#12. Im 30jährigen Krieg
wurden 1632 Burg und Stadt durch die Schweden verbrannt, wobei Kirche und Pfarrhaus großen Schaden litten. In der Nähe lag die Burg Riedern, die im 15. Jahrhundert Eigentum der Grafen v. Wertheim war.
#13. Die Pfarrkirche
wurde schon im 13. Jahrhundert unter Kaiser Ludwig dem Baier zum zweiten Mal vergrößert, wie aus den Münzen hervorgeht, die beim Bau des Langhauses 1661 gefunden wurden. Damals wurden Kirche und Pfarrhaus erneuert, 1861 durch Feuer teilweise zerstört. Der Chor der Kirche stammt aus der gotischen Zeit und enthält Bildwerke (Grabsteine) von Riemenschneider.
#14. Das Pfarrhaus
war durch den 30jährigen Krieg so ruiniert worden, dass die Herrschaft dem Drängen der jeweiligen Pfarrherren auf Ausbesserung endlich nachgab und 1856 dasselbe an den Ratsverwandten Spang für 370 Gulden verkaufte und „das alte Tempelhaus“ zur Pfarrwohnung einrichtete, wozu die Kirchspielsgemeinde Fronden leisten musste. — Das „Tempelhaus“, ein 3stöckiger Bau mit dicken, massiven Kalksteinmauern stammte aus dem 12. Jahrhundert. Durch den Brand von 1861 ging es unter und musste erneuert werden.
#15. Das jetzige Rathaus
stammt in seinen unteren Teilen aus dem Jahre 1300, in seinen oberen Teilen vom Jahr 1572.
#16. Das Spital,
genannt Klause, wird vom Spitalbuch[S314-1] beschrieben:
Die Klause, jedenfalls eine Stiftung von hohem Alter ist herkömmlich ein Armenhaus für Weiber des Städtchens. Weder über Ursprung noch Namen liegen Urkunden oder Überlieferungen vor. In der Rechnung von 1665 ist ein Hohenstein genannt, welcher der Klause 361 fl. schenkte, und 1750 vermachte Dekan und Stadtpfarrer Grün eine Schenkung von 40 fl Geld nebst mehreren Betten.
Die jetzige Klause ist ein kleines düsteres Häuschen im oberen Teil des Städtchens hinter der Pfarrkirche bei der Stadtmauer. Auf einer hölzernen Tafel steht: Heinrich Beck und Hans Volradt bede Clausenmeister 1652.
Die Stiftung nimmt arme gebrechliche Weiber von Grünsfeld auf und gibt ihnen freie Wohnung, Holz und Licht, wöchentlich einen Laib Brod, Arzneien in Krankheiten und nach dem Tod ein ehrliches Begräbnis nach katholischem Ritus. Für Kost haben sie selbst zu sorgen. Das Bett, welches sie mitbringen, verbleibt der Anstalt. Hier wohnen sie gemeinschaftlich unter unmittelbarer Aufsicht einer Vorsteherin, welche auch Klausnerin ist, die obere Leitung und Verwaltung führt ein Pfleger und die Stiftskommission. Die Anstalt kann höchstens sechs Klausnerinnen aufnehmen.
#26. Grünsfeldhausen.
#1. Alter.
Das Dorf Grünsfeldhausen mit 202 Katholiken wird um 1150 genannt, ist aber ohne Zweifel viel älter.
#2. Die Geschichte des Dorfes
ist bei Grünsfeld nachzusehen,[S314-2] da es beständig zu diesem gehörte.
#3. Die romanische Kapelle
gehört zum Interessantesten, was in der Taubergegend an Architektur zu sehen ist; sie stammt etwa aus dem Jahr 1150 und besteht aus zwei ungleichen Okto
gonen (achteckigen Räumen), die sich aneinander legen und zwischen welchen sich der gleichfalls achteckige Turm erhebt. Die Seiten des größeren Achteckes messen eine Breite von 4,20, die des kleineren 1,80 Meter.
Das größere Achteck ist einfach und schmucklos gehalten, trägt ein ärmliches Fußgesims, flache Decke und erweiterte Fenster. Die beiden Achtecke sind verbunden durch einen 3,3 Meter breiten, dicken Bogen, der den Turm trägt und durch Wulste, Platten und Riemchen gegliedert ist.
Die Fenster des kleineren Achtecks in der Ostung führen noch die ursprüngliche Größe: zwei Spannen breit, acht hoch.
Die Apsis ist gewölbt, und die 8 Kappen tragen romanische Malereien.
Der Außenbau besteht aus reingehauenen grauen Quadern mit einem durch Kehle, Wulst und Platte gegliederten Fußgesims.
Früher bildete das kleinere Ost-Oktogon den Chor mit dem Altar und der Haupteingang geschah durch das prächtige Südportal des größeren (West-)Oktogons und zwar musste man einige Stufen herniedersteigen. — Um aber das Bauwerk vor Wassersgefahr zu schützen, hat man den Boden rings um die Kapelle um mehrere Fuß erhöht, so dass das Hauptportal samt der Seitenthüre, die nun in der Erde stacken, vermauert werden mussten; dafür brach man einen neuen Eingang in die Ostseite, den ehemaligen Chor, versetzte den Altar von dort in das West-Oktogon, erhöhte das Pflaster des Hauptachteckes ganz unverhältnismäßig, so dass der ursprüngliche Charakter der Kapelle total geändert erscheint.
#27. Heckfeld.
#1. Name und Alter.
Das Pfarrdorf (mit 662 Kathol.) wird in den Urkunden von 1230 Hettenfeld, 1334 Hedinvelt (= Feld des Hetto) genannt, muss aber jedenfalls noch viel älter sein.
#2. Herrschaften.
1333 und wohl bis zum Ende des Jahrhunderts wohnte hier die Adelsfamilie der Herren de Hecfeld; später gehörte es bis 1803 zum würzburgischen Amt Lauda, dann bis 1806 zu Leiningen, seither zu Baden.
#3. Der Hof Baldertshausen,
der ehemals in der Nähe stand, nun aber eingegangen ist, bestand schon 1100 unter dem Namen Baldradishusen, d. h. Hausen des Baldrat; andere sind der Meinung, dass der Name von dem altdeutschen Gott Balder so genannt wurde; jetzt ist der Ausdruck noch Flurbezeichnung.
#4. Im Bauernkrieg 1525[S316-1]
haben die Bewohner des Dorfes hervorragenden Anteil genommen; deshalb wurden nach Beendigung des Aufstandes am 20. Juli „als Hauptsecher Hans Seytz, Hans Hagen, Alexander, Hans Ludell“, Bürger von Heckfeld, bei der Tauberbrücke zu Lauda (an dem Bildstock) enthauptet.[S316-2]
#5. Die Pfarrei
bestand schon 1214; die alte Kirche wurde aber 1605 umgebaut, und manche gotischen Bestandteile des frühern Chores wieder verwendet. 1894 erhielt dieselbe eine Vergrößerung durch Anlage des Querschiffes.
#28. Hochhausen.
#1. Name und Alter.
Das Pfarrdorf Hochhausen (mit 728 Kathol., 5 Protest., 61 Israel.) wird zum erstenmal 1149 in den Urkunden erwähnt als Hochhusen, da das Domkapitel Würzburg hier einige Güter erhielt.
#2. Herrschaften.
Im 13. Jahrhundert wohnten daselbst die Herren von Hochhausen; im 14. Jahrhundert war das Kloster Bronnbach hier begütert; später Eberhard v. Rosenberg, vornehmlich aber die Karthause Grünau oder Neuenzell, welche 1328 von Elisabeth, der Witwe Gottfrieds v. Hohenlohe, gegründet wurde. — Die Karthause hatte hier eine Niederlassung von Laienbrüdern zur Bewirtschaftung des Gutes und eine Kapelle, die jetzt beide im Besitz der Fürsten v. Löwenstein-Wertheim sind.
#3. Drangsale
hatte das Dorf zu erleiden im 30jährigen Krieg von den vielen durchziehenden und brandschatzenden Kriegsvölkern,[S316-3] obgleich 1631 Tilly, der kaiserliche Oberfeldherr, dasselbe milde behandelte.
1732 verursachte die Tauberüberschwemmung großen Schaden.[S316-4]
1866 fand hier (24. Juli) ein Gefecht statt zwischen Badenern und Oldenburgern, wobei das Dorf in Brand geriet; auf dem Friedhof steht ein Denkmal zur Erinnerung an die gefallenen Oldenburger.
#4. Die Pfarrei
wird schon 1225 als selbständig erwähnt; später war sie dem Kloster Bronnbach incorporiert, welches auch die Präsentation übte. Die alte Pfarrkirche wurde 1826 abgebrochen und die jetzige gebaut. — Die Pfarrer von Hochhausen, die sich noch nachweisen lassen, sind folgende:
1688-1706 P. Petrus Conradi aus der Abtei Bronnbach.
1706-1707 P. Bernard Wagner.
1707-10 Ein Bronnbacher Ungenannter.
1710-24 P. Peter von Bronnbach.
1724-48 P. Peter Joseph Herold, Professor von Bronnbach.
1748-61 P. Gerard von Bronnbach.
1761-64 P. Godefried Degen.
1764-71 P. Ambrosius Plauer von Bronnbach.
(1771-72 Kaplan Johann Baptist Leiden von Walldürn als Pfarrverweser.)
1772-1811 Joh. Martin Reidel von Bischofsheim. Verließ die Pfarrei mit einer jährlichen Abgabe von 200 fl. an seinen Nachfolger: starb in Tauberbischofsheim bei seinen Anverwandten. Unter ihm ging für die Pfarrei der Blutzehnten verloren.
1811-16 Martin Wolz von Königheim, präsentiert vom Fürsten v. Leiningen; kam von hier als Pfarrer nach Kupprichhausen.
(1816-17 Pfarrverweser Severus Schell, Kapuziner.)
(1817 Pfarrverweser Wenzeslaus Zugelder, Kapuziner.)
1817-29 Joseph Klebes von Külsheim, präsentiert vom Fürsten v. Leiningen, früher Franziskaner und Professor in Miltenberg; kam als Pfarrer nach Hockenheim.
(1829 Pfarrverweser Pfr. Roth v. Werbachhausen während des Monats Juli.)
(1829-30 Pfarrverweser Ignaz Müller von Schluttenbach; starb 1867 als Pfarrer von Ilmspan.)
1830-34 Ignaz Bechtold von Rinschheim, präsentiert vom Fürsten v. Leiningen.
(1834 Pfarrverweser Conrad Haas von Altheim; starb als Dekan und Pfarrer zu Kronau.)
1835-76 Georg Franz Dörr von Buchen; starb hier.
(1876-81 Pfarrverweser Franz Abele, absent. Pfarrer von Rheinsheim.)
Seit 1881, 17. Februar, Pfarrer Franz Weniger von Gerichtstetten.
#5. Die Kirchhofkapelle
wurde 1572 eingeweiht.
#29. Horrenbach.
#1. Name.
Das Dorf (87 Katholiken) hat seinen Namen[S318-1] vom althochdeutschen horo, horawes, Sumpf, bedeutet also einen Bach aus dem Sumpfland.
#2. Herrschaften.
Es gehörte im 12. Jahrhundert zur Grafschaft Bocksberg. Als Crafto v. Bocksberg 1245 seine Herrschaft an seinen Schwager Gottfried v. Hohenlohe vermachte, werden neben andern Besitzungen auch seine Güter zu Horbach genannt. Um 1350 ist der Weiler mit einem Teil der Burg Crautheim im Besitz von Würzburg. Nachdem Erzbischof Adolf von Mainz im Städtekrieg 1388 dem Bischof Gerhard von Würzburg wichtige Dienste geleistet hatte, wurde ihm der Weiler Horrenbach mit der würzburger halben Burg Krautheim als Belohnung übergeben. — Der Ort gehörte bis 1803 zum kurmainzischen Amt Krautheim, von da bis 1806 dem Fürsten von Salm, dann Baden.
#3. Pfarrei.
Der Ort ist Filiale zu Krautheim; die Kirche ist neu.
#30. Ilmspan.
#1. Name und Alter.
Das Pfarrdorf Ilmspan (mit 387 Kath.) heißt in den Urkunden von 1367 Ilmspunt, 1401 Ylmespundt, 1488 Ilmeßbeunt, 1800 Immelspa. Beunt heißt im Mittelhochdeutschen und auch jetzt noch im Volksdialekt von Ilmspan, Paimar u. s. w. (dabei ist beunt als eine Silbe, nicht be-unt zu sprechen) ein Grundstück; Ilmesbeunt bedeutet also ursprünglich ein Grundstück des Ilmo. (Der Name Ilmo kommt noch in einem alten Bruderschaftsbuch vor.) 1194 wird neben Sibote de Cymbere (Zimmern bei Grünsfeld) ein Laicus Poppo de Irmindteshusen erwähnt.[S318-2] Heilig[S318-3] glaubt deshalb, dass der Ort noch früher Irminhartesbiunt geheißen habe, das ist althochdeutsch, abgekürzt Irmintesbiunt = die Beunt, das Grundstück des Irminhart.
#2. Herrschaften
waren dieselben wie von Grünsfeld, zu dem es gehörte, und mit dem es auch die sonstigen Geschicke teilte.
#3. Die Pfarrei
ist jedenfalls alt; die Präsentation hatte
der Dekan des Kapitels Bischofsheim. Von der alten Kirche steht auf dem Friedhof noch der Chor. Die jetzige wurde 1766 gebaut.
#31. Impfingen.
#1. Name und Alter.
Das Pfarrdorf Impfingen (mit 587 Kathol.) heißt in den Urkunden von 1320 Umphenkeim, 1365 Umpfinken, 1367 Umphiken, 1376 Umphickheim, 1467 Ympfigken. Der Name bedeutet Heim des Ummo oder Ulmo[S319-1] oder des Umphinc.[S319-2]
#2. Herrschaften.
In ältester Zeit gehörte das Dorf zu Mainz, 1495 den Herren von Hundt (wahrscheinlich von Wenkheim), später bis 1803 zum würzburgischen Amt Grünsfeld, dann bis 1806 Salm-Krautheim, seither zu Baden.
#3. Zahlreiche interessante Funde
wurden gemacht in den alemannisch-fränkischen Reihengräbern. Darüber siehe oben S. 8.
#4. Die Pfarrei
war schon selbständig 1487; doch ist die jetzige Kirche nicht die alte, sondern die zweite oder dritte; aus der alten Kirche wird wohl die ziemlich verstümmelte romanische Steinfigur eines Löwen (etwa aus dem Jahr 1200) vor dem Hauptportal herstammen. — Die Namen der hiesigen Pfarrer, soweit sich dieselben aus den alten Pfarrbüchern noch feststellen lassen, sind folgende; die Zahl bezeichnet die Zeit ihres Antrittes im Pfarramt:
1523 Wilhelmus Schard, Decanus Capituli.
1523 Paulus Nagel.
1535 Valentinus Papst.
1550 Michael Belzner.
1558 Jakobus Straub.
1579 Jakobus Straub alter.
1587 Michael Bleidner.
1605 Petrus Auck.
1605 Leonhardus Auer.
1627 Bartholomäus Gobelins.
1657 Joanes Vhelman.
Von etwa 1661-63 wurde die Pfarrei durch die Franziskaner von Tauberbischofsheim versehen.
1663 Joannes Melchior Fiecht.
1673 Joannes Petrius Lares.
1674 Patres von Brunnbach.
1682 Robert Fraprig.
1683 Joannes Casparus Stumpf.
1684 Georg Sartori.
1690 Udalricus Maurer.
1694 Joannes Harengel.
1697 Casparus Willnir.
1699 Adamus Christophorus Uphilio von Würzburg.
1708 Joannes Eismann Vorhemius von Bamberg.
1723 Philippus Caspi.
1726 Laurentius Korb.
1737 Joannes Michael Wenzel.
1750 Josephus Kuchenmeister von Würzburg, Baccalaureus.
1781 Philipp Dehner.
1788 Sebastianus Schwarz von Tauberbischofsheim.
1828 Rudolf Will.
1835 Franz Joseph Hartmann.
1845 Anton Krank.
1866 Jakob Korn.
(1872 Jakob Maier, Verweser.)
1887 Ignaz Stapf.
1892 Michael Dick.
#32. Klepsau.
#1. Name.
Das Dorf (471 Katholiken) hieß in früheren Zeiten (1212) Clepsheim, (1233) Kleppesheim, nie Klepsau.
#2. Herrschaften.
Von 1200 bis 1430 saß hier ein eigener Adel, die Edelleute von Clepsheim, Vasallen der Herren von Krautheim, dann der von Eberstein und von Hohenlohe; die ältesten des Geschlechtes, die genannt werden, gehörten dem geistlichen Stand an; so sind Simon und Marquard von Klepsheim im Jahr 1230 Chorherren zu Oehringen.
1245 verkaufte Cunrad v. Crutheim seinem Bruder Wolfrad einen Hof zu Clepsheim mit allem, was dazu gehörte; 7 Jahre darnach vermachte er mit Zustimmung seiner Gemahlin dem Kloster Gnadental seine Weinberge zu Clepsheim samt Zugehör. 1292 verpfändete Sifried v. Clepsheim (miles) mit seiner Gemahlin Guta „den 4. Teil seines Zehnten zu Torcenbach, der von Herrn Craft v. Hohenlohe zu Lehen geht, an das Kloster Gnadenthal“; Herr Craft genehmigte dies und versprach, die Nonnen in ihrem Rechte zu unterstützen, bis Sifrid seine Schuld zurückbezahlt hätte. — Darnach waren schon frühzeitig die Herren v. Clepsheim auch in Dörzbach begütert. — Die alten Urkunden entalten noch mancherlei Verträge, Schenkungs-, Verkaufs-
und andere Dokumente der Herren v. Clepsheim; in einer Verkaufsurkunde erscheint auch der „ehrbare und veste“ Edelknecht Erkinger v. Clepsheim. Das Wappen der Herren v. Clepsheim war, wie das der v. Berlichingen, ein Rad. Der Name wird erklärt[S321-1] als Heim des Clepho.
Nach Aussterben dieser Familie ging die Erbschaft auf die Herren v. Aschhausen über, die den Ort als Lehen von den Schenken zu Limburg besaßen, und deren Stammburg auf einer freundlichen Anhöhe des Erlenbachthälchens lag, aber 1523 vom schwäbischen Bund zerstört wurde.[S321-2] 1438 gehörte ein Teil des Zehnten dem Deutschorden von Mergentheim; später waren auch die Herren von Messelhausen, Berlichingen, das Kloster Schöntal, die Herren von Meggental und v. Eyb hier begütert.
#3. Die Pfarrei.
Das Dorf gehörte in frühester Zeit zur Pfarrei Altenkrautheim, seit 1560 zu Krautheim, seit 1628 ist es selbständige Pfarrei. Die Kirche ist neueren Datums.
#33. Königheim.
#1. Name und Alter.
Das Pfarrdorf Königheim (mit 1592 Kath. 94 Isr.) wird 1149 in den Urkunden zum ersten Mal genannt (als Güter von K. an das Domkapitel in Würzburg kamen), und hieß damals Kennenheim, 1165 Kennincheim, 1178 Kennencheim, 1327 Kennicheim, 1371 Hennenkeim,[S321-3] 1416 Kennicken.
Heilig leitet den Namen ab von dem Althochdeutschen Henningun (als Dat. plur.). Dr. Lexer und Dr. Ehrensberger glauben, dass er von Chunico, der Koseform von Chuno herstamme und noch in den Namen Könnicken, Könnicke erhalten sei.[S321-4] — Krieger[S321-5] erklärt den Namen folgendermaßen: da nt im fränkischen zu nn wird (wie z. B. aus Kind — Kinn), so dürfte der alte Name Kennincheim etwa aus Kantincheim (Heim des Kantinc) entstanden sein und zum Personennamen Canto, Gando gehören. — Die Weinkanne im Wappen von Königheim ist also nicht das Ursprüngliche und hat nicht dem
Dorf den Namen gegeben; denn dieselbe erscheint in den meisten Wappen der in der Gegend damals ansässigen Adelsfamilien, z. B. der v. Riedern, von Stetenberg u. s. w., sondern dem Namen des Ortes hat man die Kanne als passendes Wappen beigelegt.
#2. Herrschaften.
In alten Zeiten stand hier eine jetzt spurlos verschwundene Burg, die verschiedenen Adelsfamilien nacheinander, zeitweilig auch den Grafen von Wertheim, zum Wohnsitz diente. Wie diese Adelsfamilien sich in die Herrschaft über Königheim teilten, oder inwiefern sie hier nur begütert waren, lässt sich jetzt nicht mehr aus Urkunden nachweisen.
Eine Urkunde (in Amorbach) vom Jahr 1197 nennt ein Landgut des Ropert von Durne in Kenninkeim. — Eine Urkunde (in Wertheim) von 1295 besagt: Ich Agnes, Hinterbliebene (Witwe oder Tochter?) des Ritters Herold von Kennenkeim habe meine Mühle im Dorf Kennenkeim dem Abt und dem Convent der Klosterbrüder zu Brunnenbach verkauft. — Im Jahr 1329 erscheinen die Könige von Böhmen als Herren von K.; wie dieses kam, ist nicht bekannt. Eine Urkunde aus dem genannten Jahr[S322-1] erwähnt das Schloss des Grafen Rudolf von Wertheim zu Chenichheim, welches er von Johann, dem König von Böhmen und Polen, als Lehen erhielt samt der Vogteiherrschaft über Burg und Dorf. — Vom Jahr 1298-1330 (vielleicht auch noch viel länger, soweit lässt sich der Aufentalt eben urkundlich nachweisen) wohnte hier die Ritterfamilie Semann.[S322-2] — 1333 wird hier die Ritterfamilie des Ulricus und Gozo, Durinc genannt.[S322-3]
1565 kam das Dorf an den Grafen v. Stollberg-Königstein, der durch Vergleich mit Kurmainz zu dessen Gunsten auf Königheim verzichtete. 1569 gab Kurfürst Daniel dem Dorf eine neue Ordnung, wie es unter dem Amt Bischofsheim stehen, mit Schultheiß und Rat versehen, nur von Katholiken bewohnt werden solle u. s. w. Die Burg gehörte vorübergehend auch den Herren v. Rüdt; wann und wie sie zerstört wurde, ob im Bauernkrieg oder im 30jährigen Krieg, lässt sich aus Mangel an Urkunden nicht nachweisen.
#3. Drangsale durch Krieg, Feuer und Pest.
Im Jahr 1550 brannte am Kirchweihfeste die Kirche samt 40 Gebäuden nieder; die Ursache war die, dass der Lehrer und der Mesner, die auf dem Kirchturm ihre Schlafstätten hatten, mit einander in Streit gerieten, infolge dessen sie sich gegenseitig Feuer ins Bett warfen.
Am 22. März 1597 brannten morgens zwischen 9 u. 10 Uhr gut zwei Drittel des Dorfes jenseits des Brehmbaches ab; merkwürdigerweise blieb die Kapelle mitten im Feuer unverletzt stehen.
Im 30jährigen Krieg zogen hier die Schweden durch, und die Kriegsnot jener Zeit[S323-1] lastete mit ihrer ganzen Schwere über dem unglücklichen Dorf. Am 8. Oktober 1635 wurde die Pfarrkirche durch die kaiserlichen Soldaten niedergebrannt (wie das gekommen ist, wissen wir nicht). Damals wütete die Pest derart, dass 396 Personen in dem einen Jahr 1635 starben (im Monat Oktober allein 136).
Von der Kriegsnot des vorigen Jahrhunderts berichtet Pfarrer Severus, dass er im Jahr 1757 volle 20 Prozent seines Einkommens, nämlich 81 Gulden 6 Kr. nur als Kriegssteuer zahlen musste.
Nebenbei erzählt er: „Das Kapitel von Mainz zahlte 10 000 fl., der Präpositus in Mainz (Dompropst) 6000 fl., die Abtei Eberbach im Rheingau bei Bingen 6000 fl., das Seminar in Mainz 600 fl., so daß der Klerus (der Mainzer Diözese) allein 200 000 fl. beitrug.
1758 wurde eine neue Kriegssteuer ausgeschrieben, 1759 eine dritte Kriegssteuer. Dazu bemerkt der Pfarrer Severus in seiner (lateinisch geschriebenen) Chronik: „Ich soll den zehnten Teil meines Einkommens zahlen; wenn ich die neun Teile der Pachtzinsen nicht erhalte, wie kann ich den zehnten Teil abgeben?“ Trotzdem wurde 1760 die vierte und fünfte Kriegssteuer befohlen.
#4. Die Pfarrei
Die Pfarrei ist ohne Zweifel schon alt; die Kirche ist entweder vom hl. Bonifazius, als er die Martinuskirchen in Bischofsheim, Lauda, Oberlauda, Grünsfeld, Königshofen u. s. w. baute, oder von einem seiner Schüler errichtet worden. Das war eine Holzkirche, wie die meisten, die der große Missionär erstellte; später führte man eine steinerne auf, die mehrmals, zuletzt 1635 im Schwedenkrieg gänzlich abbrannte. Die jetzt stehende Roccocco-Kirche ist also schon die dritte Pfarrkirche in Königheim und ausgezeichnet durch ihre herrliche Lage auf dem Berg und ihre großartig schöne und elegante Turm-Façade.
1327 gestattete der Papst dem Erzbischof von Mainz, die Pfarrkirche zu Königheim seiner mensa episcopalis (bischöflichen
Hofhaltung) zu incorporieren.[S324-1] In dem Urbarium des Klosters Amorbach vom Jahr 1395 wird „unser liben frawen kirche“ (Kapelle) erwähnt.
Im Jahre 1747 wurde die neue silberne Monstranz angeschafft; sie ist ungefähr 6 Pfund schwer und kostete nebst dem Material der alten, die man für die neue hingab, 344 fl. 15 Kr. — In diesem Jahre wurde auch die Kapelle am Hayger Thor eingeweiht.
Neue Altäre kamen in die Pfarrkirche und zwar 1755 der Magdalenenaltar, eine Stiftung des David Mühling, 1760 der St. Georgsaltar und 1764 der Hochaltar.
1756 erhielt auf Betreiben des Spitalmeisters Müller von Bischofsheim die Filialgemeinde Dienstadt (die zum großen Teil Spitaleigentum war) Genehmigung, dass daselbst an allen Sonn- und Feiertagen die hl. Messe gehalten werde.
1758 wurde die Kirche mit neuen gemalten Kreuzwegstationen ausgestattet, und am St. Georgitag, der auf einen Sonntag fiel, mit großer Feierlichkeit die Einweihung derselben durch P. Elias vom Franziskanerkloster zu Bischofsheim vorgenommen.
1763 verlangte die Gemeinde, außer dem Fest des hl. Martinus, als des 1. Kirchenpatrons, auch noch das des hl. Johannes Nepomuk, als des 2. Patronus, wie einen Feiertag mit feierlichem Gottesdienst und Entaltung von knechtlichen Arbeiten begehen zu dürfen. Pfarrer Severus war nicht damit einverstanden, er suchte dreimal von der Kanzel aus dem Volk begreiflich zu machen, dass der St. Martinstag genüge; doch ließ sich die Gemeinde nicht abwendig machen und verlangte vom Erzbischof von Mainz das St. Nepomuksfest als Feiertag. — Indessen genehmigte dieser nur das kirchliche Fest und den Gottesdienst, nicht aber den Feiertag; und so ist es bis heute.
#5. Die Reihenfolge der Pfarrer
Die Reihenfolge der Pfarrer, soweit diese sich seit 1329 feststellen lässt, ist folgende:
- Um 1329 Crafto aus der Familie der Edelherren von Duren.
- 1380 Eberhard Rulkerchen.
3. 1429 Johannes Hartung, welcher das alte Pfarrhaus 1448 von Junker Hans During kaufte.
4. 1462 Peter Hoffheim, unter welchem Conzen Beck oder Reck das Frühmeßhaus 1468 der Kirche geschenkt hat.
- † 1511 Leonardus Heilmann.
6. 1529 Johannes Kenniken übergab das ältere Pfarrhaus der Gemeinde zur ewigen Emphiteusis (Erbpacht); die Gemeinde verkaufte es ohne Wissen des späteren Pfarrers Seger an einen Privatmann, der solches — die grüne Stube genannt — als Wirtshaus zum „grünen Baum“ einrichtete.
7. 1542—1563 Johannes Heillos; unter ihm brannte im Jahr 1545 die Kirche nieder.
- 1564—66 Johannes Zorn.
- 1567 Helias Gramlich.
- 1568—1575 Bartholomäus Brand.
- † 1576 Nikolaus Meder.
- 1577—1588 Michael Götz.
- 1590—1592 Nikolaus Alinus.
14. 1598—1607 Adamus Kern; unter ihm brannten 2/3 des Dorfes jenseits der Brembach ab.
- Johannes Konrad Eiles, ein Jahr hier, kam dann nach Kleinostheim.
- 1620—1635 Christian Hartung.
- 1635 Kaspar Schilling, Verwalter.
- 1637—1659 Matthias Wegler, Magister.
- 1659—1663 Johannes Spitzig.
- 1663—1667 Johannes Sermodi, Magister.
- 1667—1668 Johannes Gregorius Nurzius.
- 1668—1674 Johannes Gregorius Poth, Magister.
- 1674—1684 Petrus Babenhauser, Magister.
- 1686—1689 Kaspar Heck.
25. 1690—1746 Laurentius Seger, Dekan des Kapitels Taubergau, kam fort, erhielt aber die hiesige Pfarrei wieder, war 56½ Jahr hier in Königheim und starb 1746, 86 Jahre alt. Unter ihm wollte das Mainzer Domkapitel das Pfarrhaus neubauen; Seger duldete es aber nicht, weil er — damals 66 Jahre alt — glaubte, er werde bald sterben müssen; er lebte aber noch über 20 Jahre.[S325-1]
26. 1746—66 Johann Sebastian Severus. Er war ein Mann von hervorragender Bedeutung, Inst. Sec. in commun. vivent. Sacerdos, d. h. Mitglied der Kongregation in Gemeinschaft lebender Weltgeistlichen, eines Vereins, den der selige Bartholomäus Holzhauser (1613—58) gegründet hatte. Severus wurde am 3. Juni 1716 geboren und wirkte eine Zeit lang als Kaplan und Professor zu Bingen a. Rh. Am 28. Juni 1746 wurde er Pfarrer in Königheim und im Mai 1766 Pfarrer in Walldürn, wo er am 10. Juni 1779 starb. Er arbeitete mit vieler Gelehrsamkeit, mit Eifer und sachlichem Verständnis für die Geschichte der Erzdiözese Mainz unermüdlich literarisch und hinterließ u. a. große handschriftliche Sammlungen. Von seinen Werken ist am bekanntesten memoria Propontificum Moguntinorum, Agathopoli (Wertheim) ad Moenum, Nehr, 1763. Das Ansehen des trefflichen Mannes mag dazu beigetragen haben, dass Walldürn nach einem Erlaß des Erzb. mainzischen Commissariates vom 7. Juli 1779 mit Bensheim, Bingen, Frankfurt ad St. Bartholomäum, Aschaffenburg ad B. V. M. et ad St. Agatham,
Lohr, Königstein, Eltville, Oestrich, Flörsheim, Nackenheim, Amorbach und Seligenstadt zur Doktorspfarrei erhoben wurde, d. h. nur einem Doctor theologiae oder juris verliehen werden sollte. Ein Eintrag in der königheimer Pfarr-Chronik zum Jahr 1790 nennt ihn einen „ausgezeichneten Mann in allen Wissenschaften bewandert, hervorragend durch seine Beredtsamkeit, leuchtend durch ein sittenreines Leben, einen Pfarrer über allen Tadel erhaben.“
27. 1766—90 Joseph Glock, von Königheim gebürtig, „ein über die maßen frommer Mann, früher Pfarrer in Ockstadt, starb hier, nachdem er seine Herde 24 Jahre lang geweidet hatte, plötzlich an einem Schlaganfall, so daß er nur noch die hl. Oelung empfangen konnte.“[S326-1]
28. 1790—1822 Johann Baptist Dotzheimer, früher 6 Jahre lang Domprediger in Mainz, „ein vortrefflicher, gebildeter Herr, der nicht allein viele Jünglinge im Latein, sondern auch in der Philosophie unterrichtete und so sehr durch tugendhaften Lebenswandel hervorragte, daß er das höchste Ansehen bei der Bürgerschaft genoß. 32 Jahre hindurch wirkte er im Seegen.“[S326-2] — Bei seiner eigenen großen Gewissenhaftigkeit dachte er nicht daran, dass andere minder gewissenhaft sein könnten und unterließ daher, rechtzeitig bei dem Verwalter des Mühling'schen Almosenfondes, da dieser sonst allgemein als ehrenhafter Mann galt, Revision zu halten. Da der Verwalter bei seinem Tode kein Vermögen, wohl aber einen Fehlbetrag in seiner Kasse hinterließ, musste der gute Pfarrer Dotzheimer mit 1600 Gulden Schadenersatz leisten.
Von 1822—1824 wurde die Seelsorge durch mehrere Verweser geübt.
- 1824—1831 Franz Reinhart von Trennfurt, früher Pfarrer in Hainstadt.
Von 1831—32 wurde wiederum 15 Monate hindurch die Pfarrei stellvertretend verwaltet.
- 1832—1847 Link von Tauberbischofsheim.
31. 1848—1866 Georg Karl Rückert von Beckstein, resignierte, zog nach Mergentheim und starb daselbst schon am 3. Juli 1867.
32. Seit 1872 Friedrich Wilhelm Eckert von Walldürn. Unter ihm wurde die Kirche bereits im Jahr 1872 zum ersten Male und 1894 zum zweiten Male restauriert, ebenso die Kirchhofs- und Haigerkapelle renoviert; die Josephskapelle, die Lourdes-Grotte und das Pfarrhaus wurden neu gebaut; auch die Filialkirche zu Dienstadt und die Kapelle zu Weikerstetten erfreuen sich unter ihm eines neuen Gewandes.
#6. Der Ölberg
Der Ölberg in einer Nische des Treppenaufgangs zur Pfarrkirche mit kunstreichen steinernen Figuren aus der besten Zeit des 16. Jahrhunderts, vermutlich von dem berühmten würzburger
Bildhauer Till Riemenschneider,[S327-1] ist unstreitig einer der schönsten im ganzen Taubertal.
#7. Die Kirchhofkapelle
Die Kirchhofkapelle enthält mehrere wertvolle Sculpturen (Bildhauerarbeiten) aus dem 16. Jahrhundert.
#34. Königshofen
#1. Name und Alter
Die Stadt (mit 1385 kathol., 32 protest. und 17 israel. Einwohnern) hieß zur Zeit des hl. Bonifazius, der hier wohl um das Jahr 722[S327-2] die erste Kirche zu Ehren des hl. Martinus baute, Chunigashaoba.[S327-3] 832 wird der Ort in den Urkunden villa regia und durch das ganze Mittelalter mit vielen, doch lauter unwesentlichen Variationen Kunigeshofen, Königshofen genannt.[S327-4] Der Name bedeutet einen Hof, der Eigentum des Königs ist, wie Bischofsheim das Heim des Bischofs.
#2. Herrschaften
Zu den ältesten Grundherren von K. gehören vor allem die Herren v. Hohenlohe, die von jeher im Taubertal die begütertsten waren; aber schon um 1250 besaßen auch die Mönche von Schöntal so ansehnliche Güter, dass sie einen eigenen Hof daselbst errichteten. 1283 ließ Heinrich v. Bruneck Hohenlohe denselben von den Gütern ihres Hofes durch seine Knechte 16 Malter Frucht widerrechtlich wegnehmen. In dem darüber entstandenen Prozess wurde der Graf zu Strafe und Ersatz verurteilt.[S327-5]
Die schöngelegene, fruchtbare Gegend von K. war den Herren und Stiften der Taubergegend sehr begehrenswert; daher finden wir im 14. Jahrhundert beinahe alle daselbst begütert:[S327-6] außer den Herren v. Hohenlohe, die Herren v. Bruneck, v. Sickingen, die Sützel zu Unterbalbach, den Johanniterorden, die Ritter von Eschheim, Zobel v. Giebelstadt, die Klöster Schöntal und Bronnbach, den deutschen Orden, Pfälim v. Aschhausen, seßhaft zu Krautheim, Martin v. Mergentheim, seßhaft zu Torzbach (Dörzbach),
Wendel v. Adelsheim u. s. w. — 1354 brachte Graf Gottfried v. Hohenlohe Königshofen an Würzburg, später kam es an Churmainz, wurde Sitz eines Amtes und des Zentgerichts auch für den Schüpfergrund. 1803 kam K. an Leiningen, 1806 an Baden.
#3. Stadtrecht
Ungefähr um 1354 oder etwas vorher erhielt Königshofen Stadtrecht[S328-1] wie Bischofsheim und damit seine Stadtmauern, Befestigungen, Türme, Wehr- und Marktordnung wie die übrigen fränkischen Städte.[S328-2]
#4. Das Zentgericht
Das Zentgericht[S328-3] von K. umfaßte im Jahr 1415:[S328-4]
„Lauden die stat, Oberlauden das Dorff, Martpach, Höffsteden, Seltall (Sailtheim), Messelhausen, Morsat, Deybach, Oesfelt, Obernbalbach, Rockerstal, Neuwenbronn, Nidernbalbach, Oettelfingen, Deimbach, Sassenflur, Niederschypf, Oberschypf, Lengerieth, Cuberghusen, Hecktfelt, Begstein.“
Laut einem Vertrag zwischen dem Churfürsten Daniel von Mainz und dem Schüpfer Grundherrn, Albrecht v. Rosenberg, im Jahr 1565 gehörte in die hiesige Zent sogar der Schüpfergrund. Der Vertrag besagt: „Alles was sich im Schüpfergrund, Dorfschaften u. s. w. zuträgt und rugbar ist, es sei peinlich oder bürgerlich soll zu Unterschüpf, als dem Untergericht, gerügt und fürgebracht werden, und was darunter zentbar ist, von bemeldtem Untergericht zu Unterschüpf ohne einigen Eintrag des Herrn von Rosenberg und Erben an das Zentgericht gen Königshofen gewiesen, auch alle mißthätigen Personen dem mainz'schen Beamten zu Königshofen zu ihrem Gehorsam an die Tauberbruck geliefert werden.“[S328-5]
#5. Die Pest
Im 15. Jahrhundert „hub es hier an zu sterben“; das war die Pest, die so verheerend wütete, dass fast alle Einwohner ihr erlagen und nur 7 Bürger am Leben blieben.[S328-6]
#6. Der Bauernkrieg
Die Stadt war in den ganzen Bauernkrieg verwickelt (wie wir oben S. 101 erzählt haben). Die Sage berichtet, in einem noch stehenden Haus habe einst ein Edelmann gewohnt, der, wie Geßler in der Schweiz, seinen Hut auf eine Stange hängen ließ und nun verlangte, dass alle durch Ab-
nahme ihrer Kopfbedeckung diesem dieselbe Ehre erweisen sollten, wie ihm selber; er habe auch gedroht, jeden, der es nicht tue, von seinem Fenster aus niederzuschießen. Als er dies einmal wirklich tat, hätten die Bewohner des Städtchens sein Haus gestürmt und ihn von einem Fenster des oberen Stockes herabgestürzt. — Kaum waren die Schrecken der Pest einigermaßen verschmerzt, so wurde Königshofen zum zweiten Mal entvölkert durch die große Niederlage der Bauern am Samstag vor Pfingsten (3. Juni) 1525, in welcher 6000 Bauern, darunter 300 hiesige Bürger, die ganze waffenfähige Mannschaft, den Tod fanden;[S329-1] nur 15 Greise und Kranke waren zurückgeblieben und so mit dem Leben davongekommen. Dadurch sank die Stadt zu einem gewöhnlichen Dorfe herab. Kurfürst Karl Albrecht von Mainz entzog der Stadt in seiner Verordnung vom Samstag nach Neujahr 1526, ähnlich wie den übrigen am Aufstand beteiligten Städten Bischofsheim, Ballenberg, Krautheim u. s. w. ihre seitherigen Rechte und Privilegien.
#7. Im 30jährigen Krieg
Im 30jährigen Krieg erduldete Königshofen die Drangsale wie alle Ortschaften der Taubergegend;[S329-2] als sprechender Beweis liegt noch auf dem Rathaus aus jener Zeit ein Protokollbuch, in dessen Mitte etwa 11 Blätter wie mit einem Scheermesser durchschnitten sind. Eine alte Notiz gibt dazu die Erklärung, dass damals der Ort von den Schweden geplündert wurde und ein schwedischer Soldat in seinem Übermute aufs Rathaus gekommen sei und einen Säbelhieb in das Buch getan habe, als wollte er dem „wohledlen und ehrsamen Bürgermeister und Rat demonstrieren, daß jetzt der Soldat im Taubergrund herrsche.“[S329-3]
#8. Der große Septembermarkt
Die Stadt besaß von altersher, wohl seit dem sie 1354 das Stadt- und Marktrecht hatte, einen sehr blühenden Markt; um jedoch die nun verarmte Gemeinde nicht noch mehr zu schädigen und ihr einigermaßen wieder aufzuhelfen, erklärte der Kurfürst 1526: „Zwar beruhe das Marktrecht der Königshöfer auf Kaiserlicher Freiheit, allein nachdem sie sich voriges Jahr gegen uns als ihren rechten, natürlichen Herren ungehor-
sam aufgeworfen und empört haben, sind sie derohalben durch unsere Mitbundesverwandten (des schwäbischen Bundes) aller ihrer Privilegien, Begnadigung, Freiheits, Amtsgerichts und Rechts, wie sie das Alles bisher von unsern Vorfahren und uns, als ihrem Herrn und Landesfürsten, gehabt und geübt, entsetzt und priviert und zu unsern Händen und Gewalt gestellt.“ In Gnaden jedoch versprach der Kurfürst: „Als (da) bisher jährlichs auf St. Matthäus, des hl. Evangelisten Tag (21. Sept.) zu Königshofen ein Jahrmarkt gehalten, so wollen wir, daß derselbig, wie hergebracht, bleiben und 3 Tag und 3 Nächt währen soll.“
Bestätigt wurde dieser Markt und mit neuen Privilegien versehen durch Kaiser Karl V. auf dem aus vielen Gründen denkwürdigen Reichstag zu Augsburg 1530 und erneuert durch Kaiser Ferdinand III. im Jahr 1650. Letztere Urkunde, welche das Dokument von Kaiser Karl V. wiederholte, befindet sich noch auf dem Rathaus zu Königshofen und lautet (mit Abkürzung der maßlosen, schwerverständlichen Weitschweifigkeit):
Wir Ferdinandt der Dritte von Gottes gnaden Erwölter Römischer Kaiser, zu allen Zeitten Mehrer deß Reichs in Germanien zu Ungarn, Böhaimb, Dalmatien, Croatien und Slavonien und König, Erzhertzog zu Österreich, Hertzog zu Burgund, zu Brabandt, zu Steyr, zu Kärndten, zu Crain, zu Luxemburg, zu Württemberg, Ober und Nieder Schlesien, Fürst zu Schwaben, Marggraf deß Heyligen Römischen Reichs, zu Burgaw, zu Mähren, Ober und Nieder Laußitz, Gefürster Graff zu Habßburg, zu Tyrol, zu Pfierdt, zu Kyburg und Görtz, Landtgraff in Elsas, Hertzog der Windischen Mark, zu Porttenaw und zu Satins, Beckennen öffentlich mit diesem Brieff und thuen khundt allermeniglich, dass Uns vermittels Unsers lieben, deß Churfürsten Johann Philipßen zu Mainz, desselben Renthmaister, Gericht und gantze Gemaindt und Underthanen zu Königshoffen an der Tauber ein Privilegium und Freyheit, damit von Kaiser Karl dem Fünften, Unserm geliebten Herrn Vettern Hochlöbl. gedechtnis, unterm dato Augßburg den 19. Septembris deß lengst verwigenen Fünffzehnhundert und dreißigisten Jahrs, Sie wegen Jährlicher Haltung eines freyen Kayserl. offenen Markß auf den negsten Sontag nach deß Heyl. Apostels Matthei (Tag) gnedigst begabt und versehen worden, ein glaubenswürdigen schein vorbringen lassen, so von wortt zu wortten hernach geschrieben stehet, und also lauttet.
Wir Karol der Fünffte von Gottes gnaden Römischer Kayser zu allen Zeithen Mehrer deß Reichs König in Germanien, zu Castilien, zu Bragen, zu Legion, beyder Sicilien, zu Jerusalem, zu Hungarn, zu Dalmatien, zu Croatien u. s. w. Beckhennen öfentlich mit dießen Brieff und tun khundt allermenniglich, dass dieß unser und deß Reichs lieben getreuen Renthmaister, Rathsaßen und gantze Gemaindt deß Flechen Dauber Königshoffen demütiglich
angeruffen und gebetten haben, dass wir gemälten Ihrem Flechen zu gut ... einen Jahrmarkt, nemblich an St. Mathäus deß heyl. Apostels Abendt umb Vesper Zeith anfahendt und den dritten Tag darnach wiedeeumb umb Vesper Zeith außgehend, so sie von unsern Vorfahren am Reich, Königen und Römischen Kaysern mit gebührlichen Freyheiten gehabt, noch haben ... gnädiglich erneuern, confirmiern und bestätigen. Wir haben darnach obgemelten Renthmaister, Rathsaßen und gantzen Gemaindt ziemblich und unterthanige Bite gnätlich angesehen und gewähren darumb zu Unterhaltung und Aufkommung deß gemeinen aufbaues und damit sich gemelter Flechen Inwohner desto stattlicher nehren möge, mit wohlbedachtem muth, gutem rath und rechtem wyssen denselbigen Renthmaistern, Rathsaßen und gemein Zu Dauber-Königshafen oberwänten Jahrmarkt und wollen, dass er wie bißher zu ewigen Zeiten gnediglich erneuert, confirmiert und bestätigt sein soll. Darzu sollen sie und alle, die den oberwänten Jahrmarkt mit Ihren gewerben, handel, leib und Gütern besuchen, dahin und davon Ziehen, und so lang Sie auf dem Markt seyen, all gnadt, Freyheit, Sicherheit, Recht und gerechtigkeit, wie andere Jahrmärkt im heyl. Reich, haben, und tun wir das aus Königl. Kaiserl. Machtvollkommenheit offentlich in Krafft dieß Brieffs ... Und gebieten darauf allen und jöglichen unsern und deß heyl. Reichs Churfürsten, Fürsten, Christlichen und weltlichen Prälaten, Graffen, Freyen Herren, Rittern, Knechten, Haubtleuthen, Vögten, Pflegern, Verwesern, Schuldhaißen, Bürgermeistern, Landrichtern, Richtern, Räten und Beamten und sonst allen unsern und deß Reichs Underthanen und Getreuen, in was Würde, stand und Wesens sie seyen, Ernstlich und vestiglich mit diesen Brieff und wollen, dass Sie genannte Renthmaister und Rathsaßen auch gemeiner Flecken zu Dauber Königshoffen und Alle Ire nachkommen, darzu all die jenigen, so berühmten Jahrmarckt besuchen, bei unserer Erneuerung, Confirmierung, gnadt und Freyheiten geruhiglich bleiben, sie den Gebrauch genießen lassen und daran nicht hindern, irren, beleidigen, beschweren, noch dass jemandts anderm zu tun gestatten, in kein weiß, als lieb einem jeden sey, unser und des Reichs schwere Ungnadte und straf darzu ein pön, nemblich dreißig Mark lötigen Golts zu vermeiden, die ein jeder, so oft er freventlich hirrwider täte, muss halb in unser und des Reichs Kammern, und den andern halben teil obgenannten Rentmeistern und Rathsaßen des gemelten Flechens und Ihre Nachkommen unablässig zu bezahlen verfallen seyn sollen. Mit uhrkundt diß brieffs besiegelt mit Unserm Kayserlichen anhangenden Insigel. Geben in Unser und deß heyl. Reichs Statt Augsburg am Vunfzehnten Tag deß Monats Septembris nach Christi unsers lieben Herrn geburth Vünfzehnhundert und dreißigsten, unsers Kayserthumbs im Zehenten und unsers Reichs im vunfzehnten Jahre.
Carolus.
Albert Card: magunt Archicp. Ad mandatum Caes. et Catholicae Maiest.
V. Waltkirch. Alexander Schweiz.
Obberwändt Privilegium und Marcks Freyheit in allen seinen wortten,
punkten, clausuln, articuln in Haltungen, meinungen und begreiffungen Erneuern, Confirmieren und bestettigen wir.
Mit uhrkundt diß brieffs besiegelt mit Unserm Kays. anhangenden Insigel, der geben ist in Unserer und deß heyl. Reichs Statt Regenßburg den Sechs und zwainzigsten Tag des Monatz Marty nach Christi unseres lieben Herrn und Seeligmachers gnadenreichen geburtt im Sechzehnhundert und Funfzigsten, Unserer Reiche, deß Römischen im Siebenzehenten, deß Ungarischen im Acht und zwainzigsten, deß Böhaimbischen im Sechs und zwainzigsten Jahre.
Ferdinand.
Johann Philipp.
Ad mandatum sacr. Caes. Majestatis
Eine eigene Geschichte hat die Marktstandgeld-Ordnung.[S332-1] Die Urkunde vom Jahr 1528 sagt: „Auch soll der Zoll und das Standgeld, so auf obgemelten Jahrmarkt gefällt, uns zustehen, welches unser Rentmeister erheben und jährlichs verrechnen soll.“ Das Marktstandgeld war anfangs eine Polizeigebühr zur Deckung der Unkosten, da bis 1803 (zur Aufhebung der mainzer Herrschaft) jeweils zur Zeit des Marktes der Churmainzische Amtmann von Bischofsheim persönlich zur Handhabung der Marktpolizei und Gerichtsbarkeit nach Königshofen kam, und da zur Sicherheit der Buden und Stände ein vermehrtes Sicherheitspersonal aufgestellt war; denn es erschien als billig, dass jeder, der den dadurch gewährten erhöhten Rechtsschutz genoss, auch zu dessen Unkosten einen entsprechenden Beitrag zahle.
Der Einzug des Marktstandgeldes von den einzelnen Krämern und die Ablieferung an die Churfürstliche Rentkasse geschah durch den als Marktmeister amtierenden Bürgermeister, dem die Verteilung der Buden und Plätze oblag; dafür wurde letzterem ein entsprechender Anteil des Marktstandgeldes als Vergütung überlassen.
So blieben die Verhältnisse, bis der Reichsdeputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 die weltliche Herrschaft des Krummstabes im Taubertal beseitigte.
Königshofen kam an das Fürstentum Leiningen und wurde dem fürstlichen Amt der bis dahin bischöflich würzburgischen Stadt Lauda zugeteilt; das Marktrecht blieb, die Marktpolizei wurde aber durch den leiningen'schen Amtmann, der von Lauda herüberkam, ausgeübt, weshalb auch die Marktstandsgelder an die fürstlich leiningen'sche Kasse gezahlt werden mussten; dabei bildete sich als feste Gewohnheit, dass dem Marktmeister 1/3 des erhobenen Marktgeldes als Vergütung für seine Mühewaltung überlassen blieb.
Im Jahr 1806 legte Kaiser Franz die deutsche Kaiserkrone nieder, das deutsche Kaiserreich hatte sein Ende, und damit hatten auch alle „Kaiserlichen Freiheiten, Privilegien“ u. s. w., auch die Marktrechte, ihre rechtlichen Garantien verloren.
Im gleichen Jahre 1806 wurde das Fürstentum Leiningen mediatisiert (aufgehoben), die Ämter Bischofsheim und Lauda mit dem neu gebildeten Großherzogtum Baden vereinigt und den Standesherren (Fürsten v. Leiningen u. s. w.) die Gesetzgebung, Obergerichtsbarkeit, Oberpolizei, Militärhoheit und das Besteuerungsrecht entzogen, so dass denselben nur die niedere (auch Markt-) Polizei und niedere Gerichtsbarkeit verblieben.
Seither besteht der Markt kraft badischen Rechtes,[S333-1] das jeder Stadtgemeinde solche Befugnis zuerkennt. Die Königshöfer Marktpolizei ging nun an das zuständige Großh. Bez.-Amt Gerlachsheim über, das Marktstandgeld blieb aber trotz aller Widersprüche von seiten der Gemeinde bis 1. Jan. 1849 im Besitz der Herrschaft v. Leiningen, die seit 1839 gegen einen jährlichen Pachtzins von 60 fl. dasselbe dem Marktmeister überlassen hatte.
Die Gesetze von 1848 und 1849 hoben alle Feudalrechte und die letzten Reste der standesherrlichen Gerichts- und Polizeigewalt auf.
1857 beseitigte ein Erlaß des Großh. Finanzministeriums das von der fürstlichen Standesherrschaft Leiningen bezogene Markt- und Standgeld-Recht und wies die Gr. Amortisationskasse an, die Entschädigungsrente (berechnet zu 60 fl. X dem 16fachen Betrag nebst 5% Zinsen) mit Wirkung vom 1. Januar 1849 zur Ablösung zu bringen und an die Standesherrschaft zu zahlen.
Seither lieferte der Marktmeister 2/3 des Marktgeldes statt an das fürstliche Rentamt an die Gemeindekasse.
Eine neue Frage war die, ob und wie die Besitzer der Grundstücke, auf denen der Markt gehalten wird (je zwei Jahre vor der Stadt auf der Seite gegen Tauberbischofsheim, das dritte auf der Seite gegen Mergentheim), eine Vergütung zu beanspruchen hätten. Man verständigte sich einstweilen am 10. Dezember 1889 dahin, dass ihnen der Gemeinderat eines der beiden bisher in die Gemeindkasse fließenden Drittel des Marktstandgeldes überließ.
Der Markt hob sich allmählich zu solchem Aufschwung, dass er das Stell-dich-ein für den ganzen Taubergrund bildete; von ihm galt das Sprüchwort, das die Freunde beim Abschied zu einander zu sagen pflegten: „Wenn wir uns auf dieser Welt nicht mehr sehen, treffen wir uns auf dem Königshöfer Markt.“ — Jetzt noch führt alljährlich der große Markt jeweils acht Tage lang viele Tausende nach dem freundlichen Tauberstädtchen.
#9. Auf dem Turmberg
Auf dem Turmberg, dem Schlachtfeld von 1525, stehen
die Trümmer eines alten Wartturms, über dessen Geschichte aber nichts weiter bekannt ist.
#10. Die jetzige Pfarrkirche
Die jetzige Pfarrkirche zu Ehren des hl. Mauritius ist die vierte Kirche von Königshofen seit dem hl. Bonifazius, der mit seinen Missionären an den kleineren Orten nur Holzkirchen baute. Von der zweiten, romanischen, aus Stein errichteten Kirche stehen noch die beiden unteren Stockwerke des Turmes; diese stammen etwa aus dem Jahr 1000—1100. Die darauf folgende gotische Kirche,[S334-1] die dritte, war um das Jahr 1495, wie aus der Inschrift am oberen Teil des Turmes hervorgeht, vollendet. Zu Anfang unseres Jahrhunderts wurde auch das gotische Langhaus abgebrochen und durch einen ziemlich stillosen Neubau ersetzt. Der Hochaltar enthält ein Gemälde von Deschwanden, die Himmelfahrt Christi, das auf 5000 Mk. gewertet wird, außerdem eine wertvolle Muttergottesstatue in Holz aus dem 16. Jahrhundert; ferner finden sich im Pfarrhof noch die ganz wertvollen in Stein gehauenen Ölbergsfiguren, Christus und die schlafenden Jünger, aus dem 16. Jahrhundert. — Bis zum Jahr 1400 gehörte Unterbalbach als Filiale zu Königshofen.[S334-2]
#11. Der Zenthof und Johanniterhof
Der Zenthof und Johanniterhof nahe bei der Kirche ist ein altes, beinahe verfallenes Gebäude mit einer steinernen Tafel, dem churmainzischen Wappen und einer Schrift aus dem 17. Jahrhundert. Hier soll in frühester Zeit ein Johanniterhof gestanden haben, den 1362 Bruder Heinrich v. Remde, Commenthur des Johanniterhauses zu Würzburg mit Consens des Bruders Otto v. Heßeberg, Landcommenthurs der Balley Franken, samt Gülten und Gütern, allen Rechten und Nutznießungen um 130 Pfd. Heller an das Kloster Schöntal verkaufte.
#12. Die alte Tauberbrücke
Die alte Tauberbrücke,[S334-3] wohl aus der Zeit der Stadtbefestigung, 1334, stand über dem Einfluss des Schüpfbaches in die Tauber; daneben befand sich das Zentgefängnis; 1566 wurde sie abgerissen und durch eine größere ersetzt, die aber bei einer späteren Überschwemmung am 29. Sept. 1732 zugrunde ging.[S334-4] Die jetzige Brücke ist also schon die dritte.
#35. Krautheim
#1. Name und Ursprung
Die Stadt zählt 698 kathol., 55 protest. und 60 israel. Einwohner. Die ursprüngliche Ansiedelung ist das württembergische Altkrautheim auf dem linken Ufer der Jagst; gegenüber demselben entstand um das Jahr 1100 die Burg Krautheim, um welche im Laufe der Zeit als neue Ansiedelung das heutige Krautheim erwuchs.[S335-1] Der Name heißt durch das ganze Mittelalter stets, mit wenig Variationen, Crutheim, Krautheim.[S335-2] Einige leiten ihn ab von Krut = Kraut, Gras, mit dem der Berg üppig bewachsen war (wie Würz-burg), also = Heim im Krautland, andere von Gerute = aus gereutetes, urbar gemachtes Land.
#2. Herrschaften
Die Herren von Krautheim, die 1171 zuerst in den Urkunden genannt werden, sind mit den Grafen von Bocksberg verwandt und stammen wahrscheinlich aus der adeligen Familie der Herren von Mulfingen.
Der bedeutendste aus diesem Adelsgeschlechte ist Cunrad von Crutheim († 1257), ein thatkräftiger und zugleich frommer Mann.
1233 vermittelte er die Entschädigung, die sein Vetter Graf Poppo II. von Wertheim an das Kloster Bronnbach zahlte für die letzterem erwiesene Unbild.
1239 verkaufte Cunrad v. C. einen Teil seiner reichen Güter mit den Burgen zu Bockesberg und Crutheim an Gottfried v. Hohenlohe; und zwar „auf kommende Ostern sollen 150 Mark, mit Ablauf der Pfingstwoche 50 Mark, auf Martini 400 Mark und aufs Jahr 1240 soll der Rest bezahlt werden. Die Zahlung soll zu Würzburg geschehen in Münze und Gewicht, wie es dort üblich ist.“
1244 weilte Cunrad am Hof des hohenstaufischen Kaisers Konrad IV., dessen Rat er in einer Urkunde genannt wird. Doch hielt er sich nicht lange hier auf.
1243 gründete er das Frauenkloster zu Hohebach an der Jagst, (1½ Stund von Krautheim), das er auch später noch mit mancherlei Gütern begabte; doch hat dasselbe wahrscheinlich keinen günstigen Fortgang erlebt, vom Jahr 1245 an wird es in keiner Urkunde mehr erwähnt; vielleicht ist es schon bald verschwunden; auch in Hohebach findet sich keine Spur mehr, wo es gestanden haben könnte.
1245 stiftete Cunrad zwischen Oehringen und Hall in einem Tal, durch das die Biber fließt, ein zweites Kloster: Gnadental für Cistercienserinnen, das er mit reichen Einkünften beschenkte. Neben diesem, seiner Lieblingsstiftung, bezog er gegen Ende seines Lebens mit seiner Gemahlin eine eigene Wohnung, abgeschieden vom Getümmel der Welt; er wurde in der Klosterkirche begraben (1267); die dankbaren Klosterfrauen setzten ihrem Wohltäter ein Denkmal und feierten alljährlich sein Gedächtnis.
Mit Cunrad und seinem Sohn erlosch die krautheimer Linie des alten Grafengeschlechtes, welches in Bockesberg noch eine Zeitlang fortblühte, bis 1313 auch dieser Zweig verdorrte.
#3. Die Grafen v. Eberstein auf Crutheim
Als Cunrad v. Crutheim sich mit seiner Gemahlin ins Kloster Gnadental zurückzog, ging auf der Burg eine neue Herrschaft auf: Graf Otto v. Eberstein, aus einem hochangesehenen, reichen schwäbischen Geschlecht, Enkel jenes Grafen Berthold v. E., welcher 1138—1148 die beiden prächtigen Klöster Frauenalb und Herrenalb am Fuße des Schwarzwaldes gegründet hatte. Des Grafen Otto zweite Gemahlin war Beatrix, die Bruderstochter des Grafen Cunrad; die neue Herrschaft wohnte seit 1254 längere Zeit in der Burg zu Crutheim; Beatrix starb aber schon vor dem Jahr 1265, und Graf Otto verlebte seinen Lebensabend auf seinem Stammschloss, Burg Eberstein, wo er wiederholt als Wohltäter des Klosters Herrenalb in den Urkunden erwähnt wird, und ein Alter von mehr als 100 Jahren erreicht haben soll.
Eine Tochter aus seiner Ehe mit Beatrix, Kunigunde, wurde die Gemahlin des Markgrafen Rudolf von Baden und die Stammmutter des jetzigen Regentenhauses. Etwa um 1300 hatte Graf Poppo v. Eberstein, der gemeinschaftlich mit seinem Bruder Heinrich die Burg Krautheim besaß, eine Stiftung in das Kloster Gnadental gemacht, so dass zwei Priester für den Gottesdienst der Schwestern angestellt werden konnten.
#4. Die Johanniter in Krautheim
Ein Chronikenbericht[S336-1] aus dem 16. Jahrhundert meldet: „In Crutheim und Borberg seind beiden Häuser Johanniter-(Ritter-)Ordens gewesen und zween von Berlichingen, beed Dietrich geheißen, Commenthure. Zu Crutheim hab ich den Schild gesehen in der Kirch hangen, welcher durch Reinhart Mosbach selgen, so ein Amtmann gewesen, wieder ver-
newert worden. Im Jahr 1200 (war) Albrecht, Graf v. Zimmern zu Crutheim, Spitals Sankt Johannesordens Commendator. Dieser Schild hangt zu Crutheim in der Kirche.“ Von den beiden Dietrichen wird der eine in Krautheim, der andere in Borberg seinen Sitz gehabt haben. Wo das Johanniterhaus zu Krautheim stand, lässt sich nicht genau sagen. Die Burg war es jedenfalls nicht, die ständig ihren eigenen Besitzer hatte, bis sie an Churmainz kam; vielleicht war es das der Burg gegenüberliegende schlossartige Gebäude oder vielmehr ein älteres, das an dessen Stelle stand. Noch im Jahr 1630 war es von ritterlichen Herren bewohnt.
#5. Krautheim unter Churmainz
1325 verpfändete Hedwig, die Witwe des Grafen Poppo II. von Eberstein, einen Teil der Burg und der Stadt Crutheim um 1200 Heller an den Erzbischof Balduin von Mainz. 1333 verpfändete Churmainz das Amt Krautheim samt Zugehör, mit Vorbehalt der hohen Cent Ballenberg, an Berengar und Poppo von Udolzheim um jährliche 150 Pfund Heller, solang bis ihnen die vom Erzstift geliehenen 500 Pfund Heller ersetzt sein würden.
1359 erkaufte Mainz definitiv die halbe Burg und die halbe Stadt; die andere Hälfte war im Besitz von Würzburg; wie das kam, lässt sich nicht nachweisen; als aber in dem sog. Städtekrieg, den 1388 der würzburger Bischof mit Rothenburg und andern Städten führte, Churmainz eine thatkräftige Hilfe geleistet hatte, erhielt es als Belohnung auch die würzburger Hälfte von Krautheim.
#6. Krautheim Dorf und Stadt
Die Hintersassen, die sich etwa um das Jahr 1200 um die Burg herum ansiedelten, sollen anfangs (wie in Bischofsheim) 7 Höfe gebildet haben, aus denen der Ort Bergkrautheim entstand. 1254 ist von einem Schultheiß in Bergkrautheim die Rede; doch war damals noch der Ort unbedeutend, da Graf Heinrich v. Eberstein in einer Urkunde von 1278 nur die Burg, nicht aber den Ort nennt. 1330 hatte derselbe Stadtrecht:[S337-1] übrigens hat Krautheim durch letzteres keine größere Bedeutung erlangt; seine Hauptwichtigkeit für die Folge bestand in seiner Lage.
#7. Krautheim im Bauernkrieg, 1525
Krautheim im Bauernkrieg, 1525, haben wir oben[S337-2] beschrieben. Die Stadt gehörte damals in den Bund der 9 Städte,[S337-3]
denen nach Beendigung des Krieges, 1527, ihre Privilegien entzogen wurden. Auch Krautheim erhielt eine neue Stadtordnung, fast gleichlautend mit der von Bischofsheim.[S338-1] Wohl etwas vorher hatte Götz von Berlichingen die Stadt angezündet, aus Rache, dass der Krautheimer Amtmann ihm einen widerrechtlich Gefangenen befreite; Götz gestand darüber selber:
„Ich brannte in einer Nacht an dreien Orten, hatt nit mehr, dann nur 7 Pferd (Reiter): das war Ballenberg, Oberndorf und das Schafhaus zu Krautheim, unten am Schloßberg, da wir auch hinauf an das Schloß mit einander reden konnten und hielt wohl eine Stund oder zwoo zwischen Krautheim und Neunstetten; denn es war gar hell und ein Schnee dazu, ob ich möchte mit dem Amtmann zur Handlung kommen sein; und wie ich also herniedergebrannt, da schrie der Amtmann oben heraus, vornen für Clepsen zu, da schrie ich wieder zu ihm hinauf, er solle mich ... Nun war nit lang Sattelhenkens da, und ich machte mich wieder aus dem Ort.“
#8. Krautheim im 30jährigen Krieg
1621 besetzte Tilly Schloss und Amt Boxberg; bald darauf kamen aber die Schweden und Sachsen-Weimarer, die von dem reichen Kloster Schöntal waren angelockt worden und auch in gewohnter Art nicht verschmähten, Krautheim mit Raub und Plünderung auf ihren Streifzügen heimzusuchen. 1642 lagerten die Franzosen unter General Guébriant zu Mergentheim und Boxberg und „besuchten“ natürlich auch Krautheim; 1645 kamen abermals französische Truppen, dann das Heer des Erzherzogs Leopold Wilhelm von Österreich und 1648 nochmals die Schweden unter Wrangel, die alle nach dem Grundsatz „der Krieg muß den Krieg ernähren“, die Verpflegung ihrer Mannschaften auf nicht gelinde Weise dem ausgesogenen Volk zur Last legten.
#9. Die Stadt in der neueren Zeit
Bis 1803 stand Krautheim unter Churmainz, dann kam es an den Fürsten Salm-Reifferscheid-Bedburg, 1806 an Baden, auf welches 1838 auch die übrigen standesherrlichen Rechte durch Kauf übergingen.
#10. Die Burg zu Krautheim
Die Burg zu Krautheim hat jetzt noch einen geräumigen Schlosshof und einen bewohnbaren Schlossflügel. Der alte colossale Turm, der früher noch viel höher war, misst 70—80 Fuß, die Mauerdicke 10 Fuß und der ganze Turm im Durchmesser 30 Fuß; ehemals mag er, wie andere Burgtürme, ein tiefes Burg-
verließ gehabt haben, doch ist dasselbe zur Zeit ganz verschüttet. Der Turm, der aus grobkörnigem, wenig behauenem Sandstein aufgeführt ist, zeigt deutlich, dass er aus älterer Zeit stammt, als die nicht weit entfernten Mauerreste der eigentlichen Burg, von der er ganz abgesondert dasteht; durch einen Gang wurden in späterer Zeit Turm und Burg in Verbindung gebracht. Im mittleren Teil befand sich früher das Criminalgefängnis. — Was jetzt noch von den Burgruinen steht, ist allem Anschein in der Zeit des romanischen (nicht byzantinischen) Stils gebaut worden, also zwischen 1050—1200. Aus derselben Zeit stammt der merkwürdigste Teil, die Schlosskapelle, im romanischen Stil. So jämmerlich der Unverstand und die Bosheit früherer Zeiten an den edlen Bogen, Kapitälen, Säulen, Ornamenten u. s. w. gewirkt haben, so wird sie gleichwohl heute noch als ein Kleinod des ganzen Jagsttales bewundert! Das neuere Schloss, das an die alte Burg angebaut wurde, stammt laut Inschrift aus dem Jahr 1723.
#11. Die Pfarrei Krautheim
Die Pfarrei Krautheim.[S339-1] Der Pfarrsitz war anfangs in Altenkrautheim; schon im Jahr 771 wird in einer Urkunde des Klosters Lorch die villa Greizheim (= Crutsheim) im Jagesgowe angeführt. Dazu gehörten um 1250 Unterginsbach, Krautheim am Berg und im Tal, Oberndorf, Gommersdorf, Horrenbach und Klepsau; da bei einer so ausgedehnten Pfarrei Missstände unvermeidlich waren, trachteten die Gemeinden, selbständig zu werden; Krautheim muss frühzeitig selbständig geworden sein, da 1316 das Kloster Schöntal die Pfarrei in Krautheim besaß und 1330 der Ort bereits Stadtrecht hatte (nicht erst bekam), eine Stadt ohne eigenen Pfarrer aber nicht denkbar ist. 1560 wurde Altenkrautheim so sehr durch die Pest verheert, dass nur wenige Personen am Leben blieben; deshalb verlegte der zuständige Bischof von Mainz (in dessen Sprengel damals alle genannten Orte gehörten) die ganze Pfarrei Altenkrautheim nach Krautheim und der seitherige Pfarrort Altenkrautheim wurde Filiale. Der erste Pfarrer dieser neuen großen Pfarrei hieß Konrad Reuther. 1602 wurde Gommersdorf selbständig, 1628 Klepsau, 1678 erhielt Altenkrautheim einen eigenen Lokalkaplan, der aber nur Stellvertreter des Pfarrers von Kraut-
heim blieb bis 1811, wo der ehemalige Pfarrort wieder eigene Pfarrei wurde. — Turm und Chor der jetzigen Pfarrkirche sind deren ältesten Bestandteile und mögen wohl ins 13. Jahrhundert hinaufreichen; das Langhaus wurde 1660 wegen Baufälligkeit zum großen Teil abgetragen und neu aufgeführt.
#12. Die Reihenfolge der Pfarrer von Krautheim
Die Reihenfolge der Pfarrer von Krautheim.[S340-1]
- Conradus Reuter 1560—1580.
- Valentinus Augst 1580—1590.
NB. Im Jahre 1588 hieß der Pfarrer zu Krautheim auf dem Berg Valentinus Knappes.
- Petrus Ripiridius 1590—1596.
- Laurentius Baumann 1596—1602.
- Thomas Zierklen 1603—1614.
- Von 1614—1620 fehlt der Name des damaligen Pfarrers.
- Georgius Worreuß 1620—1631.
- Albertus Viggelius 1631—1633.
- Von 1633—1641 fehlt die Namensunterschrift des Pfarrers in den Urk.
- Joannes Adamus Kücher 1641—1647.
- Petrus Schelff (Decanus) 1647—1668.
- Joannes Christophorus Beckmann 1668—1669.
- Joannes Seifert Dr. 1669—1679.
- Sebastianus Faber 1679—1683.
- Joannes Bernardus Becker 1683—1694.
- Petrus Schaerpff Th. Doctor 1694—1704.
- Joannes Georgius Stecher 1704—1707.
- Joannes Adamus Hebenstreit 1707—1726.
- Joannes Adamus Reulbach 1726—1727.
- Joannes Michael Voll 1727—1730.
- Bartholomäus Grün 1730—1742.
- Joannes Franziskus Behr 1742—1745.
- Joannes Franziskus Josephus Schmid 1745—1753.
- Joannes Arnoldus Krug 1753—1762.
- Josephus Popp 1762—1763.
- Sebastianus Kemmeter 1765—1774.
- Bernardus Bechler 1774—1788.
- Casparus Lutz 1788—1800.
- Stephanus Heußlein 1800—1814.
- Franziskus Keck 1815—1824.
- Georgius Adalbertus Bachmann 1824—1827.
- Wilhelmus Josephus Börnschein 1828—1842.
- Franziskus Lederle 1842—1850.
- Petrus Josephus Albert 1851—1863.
(35. Karl Bohn, Verweser.)
- Franz Heintz, Dekan, 1866—1877.
(37. Albert Christophel, Verweser.)
- Martin Lotter 1881—1891.
(39. Franz Müller 1891—1892, Verweser.)
- Eduard Herbold vom 13. Dezember 1892.
#36. Krensheim[S341-1]
#1. Name und Alter
Das Pfarrdorf Krensheim zählt 328 Katholiken und soll schon zur Zeit von Kaiser Karl dem Großen um das Jahr 800 bestanden haben. Zum ersten Mal wird in den Urkunden vom Jahr 1157[S341-2] der Name des Dorfes Crense genannt, ein Name, der das ganze Mittelalter hindurch mit wenigen, unbedeutenden Veränderungen (Krentse, Krentsee) gleich geblieben ist und nach Krieger[S341-3] See zu Kran, d. h. im Niedergehölz (Vergl. Graneck) bezeichnet; der kleine Weiher soll auch wirklich die Ansiedelung veranlasst haben.
#2. Herrschaften
Um 1157—1400 wohnte hier die Ritterfamilie des Erkenbold v. Crense, der nach seiner Rückkehr vom 2. Kreuzzug unter Kaiser Konrad III. Mitstifter des Klosters Bronnbach wurde. Seit 1244 waren Lehensherren von K., Inhaber der Burg und zehntberechtigt die in Grünsfeld ansässigen Grafen v. Rieneck. 1525 wurde die Burg im Bauernkrieg zerstört. Die weiteren Geschicke teilte K. mit Grünsfeld, zu dem es bis 1803 gehörte. 1803—1806 bildete es einen Bestandteil des Fürstentums Krautheim, dann kam es an Baden.[S341-4]
#3. Die Pest
Die Pest wütete um das Jahr 1400 so arg, dass nur 50 Einwohner am Leben blieben.[S342-1]
#4. Die Pfarrei
Die Pfarrei wurde 1350 von den Grafen v. Rieneck gegründet. Als durch den 30jährigen Krieg die Einkünfte ins Abwesen geraten waren, zog im Jahr 1666 der Bischof von Würzburg die Pfarreinkünfte von hier und Zimmern ein, bildete daraus den Pastoreifond und ließ die beiden Gemeinden durch die Kleriker von der Congregation des seligen Bartholomäus Holzhauser[S342-2] pastorieren; so ging die Pfarrei ein, wurde Filiale von Grünsfeld und erst 1810 (wie auch Zimmern) wieder zur selbständigen Pfarrei erhoben.[S342-3] Die alte gotische Kirche wurde 1753 abgebrochen und durch die jetzige neue ersetzt.
Daran, dass Krensheim von 1666—1810 Filiale zu Grünsfeld gewesen war, wurde die hiesige Gemeinde in höchst unliebsamer Weise erinnert, als am 28. April 1861 bei dem großen Brand in Grünsfeld, der mehr als 30 Häuser in Asche legte, auch das grünsfelder Pfarrhaus zerstört wurde; da letzteres nun aufgebaut werden musste, kam der schon seit Jahren schwebende Prozess zum Austrag, wodurch den Pfarreien Krensheim und Zimmern als ehemaligen Filialen von Grünsfeld (in Gemeinschaft mit letzterem) die Baupflicht für das grünsfelder Pfarrhaus zugesprochen wurde; die Pfarrei verlor dadurch etwa 3000 Mk. und hat die Aussicht, jeweils bei zukünftigen Pfarrhaus-Neubauten zu Grünsfeld ihren Anteil leisten zu müssen.[S342-4]
#37. Kützbrunn[S342-5]
#1. Name und Ursprung
Das Pfarrdorf Kützbrunn (mit 277 Kathol.) bildete bis 1795 keine eigene Gemeinde und bestand nur aus einigen Höfen, die aber schon früh erwähnt werden; 1209 schenkte Siboto von Lauda in Kutelesburnen einen Hof an das Nonnenkloster zu Lauda, das 1250 nach Gerlachsheim verlegt wurde.
1243 heißt der Platz Kittelsbronnen, 1603 Küttelsbrunn,[S343-1] seit 1717 Kützenbronn. Zu den Höfen gehörten zwei Schlösser, und alles war von Wald umgeben. In der Mitte des Ortes stand ein fließender Brunnen, der jetzige See, bei dem sich häufig das Wild, besonders Rehe, einfanden, um den Durst zu stillen. Davon soll der Ort den Namen Kitzbrunn erhalten haben; das ist aber nur willkürliche volksethymologische Erklärung; denn Kitzbrunn ist erst der spätere Name des Ortes; Kutel, von dem er ehemals genannt wurde, heißt im Mittelhochdeutschen[S343-2] Eingeweide, der Name bedeutet also etwa einen Brunnen, bei dem die Tiere, das Wild, ausgeweidet wurden und wo man die Wild-Eingeweide für andere (Raub-) Tiere liegen ließ. — Krieger[S343-3] erklärt den Namen als Brunnen des Kutilo.
#2. Herrschaften
Um 1300 waren hier die Grafen v. Wertheim begütert, deren Besitz nach und nach mit dem ganzen Ort in das Eigentum des Klosters zu Gerlachsheim überging. 1802 bis 1805 gehörte K. zum Amt Lauda, dann zum fürstl. Salm'schen Amt Grünsfeld, seit 1806 zu Baden.
#3. Pfarrei
Bis 1717 hatte K. weder Kirche, noch Gottesdienst und gehörte zur Pfarrei Gerlachsheim. Dann erbaute Johann Peter Buchler, Bürger und Weinhändler zu Gerlachsheim, die Kirche und ermöglichte durch eine Stiftung von 1215 Reichstalern die Abhaltung des sonn- und feiertäglichen Gottesdienstes. 1824 wurde K. als Filiale mit Zimmern verbunden. Nachdem durch weitere Stiftungen, namentlich die des Bernhard Liebler, im Jahr 1861 mit 10 000 fl. der Fond genügend gestärkt erschien, wurde 1864 Kützbrunn zur selbständigen Pfarrei erhoben.
#4. Merkwürdige Ereignisse
1817 große Hungersnot. Das Malter Weizen sowie das Malter Korn kostete 60 fl. = 102 Mk. 86 Pf. Die Wicken blieben auf dem Feld und wurden erst am Vorabend von hl. Dreikönig eingeheimst, wobei man den Schnee abschütteln musste. Obwohl die Wicken halb verschimmelt und verdorben waren, wurden sie doch zu Brod verwendet. Was verkauft werden konnte, kostete per Sester einen Kronentaler.
1835 furchtbarer Hagelschlag.
#38. Kupprichhausen
#1. Name und Entstehung
Das Pfarrdorf Kupprichhausen (mit 486 Kathol.) entstand aus den zwei Dörfern Meisenheim und Diedenhusen, welche um 1150 von Bilung v. Lindenfels bei Stiftung des Klosters Bronnbach diesem geschenkt wurden; seit etwa 1275 führten sie den gemeinschaftlichen Namen Kuppurgehusen. Das Dorf heißt noch 1317 Kuppurgehusen, 1343 Kutburchusen, 1363 Kupprichhausen, 1483 Cuberghusen; der Name bedeutet Hausen der Cotapurc (Gutburg).[S344-1]
#2. Herrschaften
Das Dorf gehörte in späteren Jahrhunderten zu Kurmainz, kam 1803 an Leiningen, 1806 an Baden.
#3. Die Pfarrei
Die Pfarrei bestand schon 1272; damals stiftete Ritter Heinrich v. Schweigern 14 Pfd. Heller zur Pfarrei. 1632 ging das Patronat durch Tausch gegen Uissigheim vom Kloster Bronnbach an die Familie Hatzfeld, die dasselbe bis 1794 ausübte.
#39. Lauda
Die Geschichte der Stadt Lauda ist zum großen Teil schon in der Geschichte des Amtsbezirks Bischofsheim entalten; doch wollen wir hier die Hauptsache, die Lauda betrifft, nochmals zusammenstellen und das, was noch fehlt, nachtragen.
#1. Name und Alter
Die Stadt Lauda (mit 1557 Katholiken, 119 Protestanten) gehört unter die ältesten Orte der ganzen Taubergegend, da schon der hl. Bonifazius etwa um das Jahr 722 oder nach Andern 752 hier predigte und eine Kirche erbaute.[S344-2] Während des ganzen Mittelalters wird seit 1150 der Name sehr häufig in den Urkunden genannt[S344-3] und zwar regelmäßig Ludin (1150), Luden (1157), Luten (1158), Lauden (1343), Lawden (1474), Lauda (1662). — In der Erklärung des Namens sind die Geschichtskundigen nicht einig. Krieger
ist der Ansicht, Luden (Genitiv von Ludo, Liuto) bedeute Stätte, Ort des Ludo; damit stimmen jene überein, welche behaupten, die Familie der Luden sei die erste Herrschaftsfamilie des Ortes gewesen und habe also letzterem den Namen gegeben. Andere meinen, es habe ursprünglich soviel bedeutet als zu den Liuten — bei den Menschen. Eine dritte Erklärung ist die des ehemaligen nürnbergischen Bibliothekars Lommel,[S345-1] welcher behauptet, dass die Römer von ihrem befestigten Lager zu Osterburken aus bis hierher einen Posten vorgeschoben, befestigt und ihn alauda, die Lerche, also Lerchen-Fort genannt haben, da sie hier viele solcher Vögel fanden, „die es in dieser sommerlichen Lage behaglicher fanden, als am Saum winterlicher Waldungen“; darnach stamme also der Name aus dem Lateinischen und die Stadt habe ihren Ursprung von den Römern; das sei geschehen etwa um das Jahr 200 n. Chr.
#2. Herrschaften
Die älteste Herrschaftsfamilie von Lauda mit dem Wohnsitz im Schloss zu Oberlauda,[S345-2] die in den noch vorhandenen Urkunden 1147 erstmals erwähnt wird, ist die der Herren von Luden, deren Mannesstamm 1213 zum letzten Mal in den Urkunden erscheint und mit Siboto von Luden ausstarb.[S345-3] Des letzteren Nachfolger waren die Grafen v. Rieneck. 1283 wird Graf Ludwig v. Rieneck als Besitzer des Schlosses angeführt. Seit 1196 erscheinen die Bischöfe von Würzburg als Lehensherren der Herren von Lauda, und ähnlich wie Grünsfeld und viele andere Orte machte auch Lauda durch die endlos folgenden Verpfändungen, Käufe, Erbschaften, Grundholds- und Lehensverhältnisse eine sehr wechselvolle Geschichte durch, und kam so auch zeitweilig an die Herzöge von Bayern; vor 1344 stand es im Besitz des Kaisers Ludwig des Bayern.[S345-4] Im März 1546 befreite Melchior v. Zobel, Bischof zu Würzburg, die Einwohner Lauda's um die geringe Summe von 150 fl. von der Leibeigenschaft. Zum dankbaren Andenken bewahrt die Einwohnerschaft sein Bild auf dem Rathause.
Kein mit Leibeigenschaft Belasteter konnte sich in Lauda niederlassen, weshalb eine Anzahl Gerlachsheimer, die in Lauda Bürger werden wollten, nach einem Beschluß des Bischofs Julius vom 20. Juli 1603 sich zuerst von ihrer Leibeigenschaft loskaufen mussten.
Im Jahr 1803 fiel Lauda an Leiningen, 1806 an Baden.
#3. Das Nonnenkloster
Ein lateinisches Urkundenbuch im Pfarrarchiv zu Gerlachsheim[S346-1] berichtet: In einer sehr alten Schrift liest man, dass ein Benediktinerinnenkloster in Lauda, wie das der hl. Lioba zu Tauberbischofsheim, vom König Pipin (751 bis 768) errichtet wurde; um 1209 stand es noch in Lauda;[S346-2] etwa um 1250 wurde es aus uns unbekannten Ursachen nach Gerlachsheim verlegt. 1320 bewohnten nicht mehr Benediktinerinnen, sondern Nonnen aus dem Orden der Prämonstratenser (= Norbertiner) das Kloster; warum und wie das kam, darüber fehlen uns alle Nachrichten. 1525 kam es wieder nach Lauda zurück, da es durch den Bauernkrieg „in der ufrur zerrissen und verprend (wurde; darnach) haben die closterfrawen eine lange Zeit in der stat Lauden ir wonung gehabt, bis ihnen widerumb (zu Gerlachsheim) eine behausung im closter ufgericht worden.“[S346-3]
#4. Judenverfolgung
Vor dem Jahr 1300 hatte ein Jude in der Judengasse die hl. Hostie verunehrt, wie wir bereits[S346-4] erzählt haben. Das gab den Anstoß zu einer großen Judenverfolgung; mehrere Juden wurden getötet, alle übrigen verjagt, und während bis dahin ziemlich viele Juden in der Stadt wohnten, wurde fernerhin keinem einzigen mehr der Aufentalt gestattet.
Nach einem noch vorhandenen Erkenntnis der hochfürstl. würzburger Regierung vom 29. November 1776 ward bestimmt, dass von „einem jeden die Laudaer Markung betretenden Juden ein kr. (Kreuzer) zu erheben . . . und sothaner kr. in der heil. Blut-Capellen zu Lauda verwendet werden (soll).“ Nur die Familie des Wolf und dessen Schwager, die unter dem Schutz des Deutschordens in Mergentheim standen, hatten bis 1638 das Wohnungsrecht, welches aber auf wiederholte Klage der laudaer Bürgerschaft durch Bischof Franz am 7. Sept. des genannten Jahres aufgehoben wurde.
#5. Die hl. Blutkapelle
An Stelle des niedergerissenen Judenhauses wurde die hl. Blutkapelle gebaut, von deren Geschichte die
oben[S347-1] angeführten Bilder und Inschriften an der Wand Kunde geben. Doch ist die jetzige Kapelle nicht die ursprüngliche, sondern die zweite. Die erste Kapelle zum hl. Blut wurde erbaut gleich nach dem genannten Ereignisse von Pfalzgraf Otto von Mosbach, der auch der Fundator des Benefiziums ist. Später wurde dieselbe abgebrochen und durch die jetzige ersetzt. Darüber berichtet die Inschrift über dem Portale: „Nachdem diese zum hl. Grab, allgemein zum hl. Blut genannte Kapelle (beinahe) 400 Jahre gestanden, ist dieselbig durch des Weyland Wohl-Ehrwürden Georg Vögler, gewesenen Frühmesser zu Lauda, gottselige Stiftung renoviert und erweitert worden.“ Diese Renovation erfolgte laut Baurechnung im Jahr 1683.[S347-2] Das Altargemälde: die Jünger zu Emaus, die Jesus am Brotbrechen erkennen, ist ein wertvolles, sehr ansprechendes Werk von Hofmaler Dürr in Freiburg. Noch kostbarer aber sind die (hölzerne) Statue der schmerzhaften Mutter Gottes mit dem Leichnam Jesu (ca. 75 cm hoch) und die Reliefs der 12 Apostel und der 14 Nothelfer, alle drei Stücke aus dem 15. Jahrhundert, an den Längswänden.
#6. Stadtrecht
Kaiser Ludwig der Bayer, in dessen Besitz Lauda gekommen war, verlieh 1344 der Gemeinde Stadtrecht und damit alle Privilegien, die wir oben[S347-3] beschrieben haben; insbesondere gehörte dazu das Blutgericht oder die „halsnotpeinliche Gerichtsordnung“, wie sie in der Zentgerichtsordnung vom Jahr 1594 aufgezeichnet erscheint. (Der Wortlaut ist größtenteils oben[S347-4] mitgeteilt.) Eine Erinnerung daran ist jetzt noch die Galgensteige und der Galgenberg südwestlich von Lauda, der alte Hinrichtungsplatz.
Im Jahr 1585 schlossen Fürstbischof Julius zu Würzburg und Erzbischof Wolfgang zu Mainz einen Vertrag, wornach die früheren mainzischen Orte: Gerlachsheim, Kützbrunn, Unter- und Oberbalbach dem Gericht Tauberbischofsheim abgenommen und Lauda übergeben wurden.
Es gehörten also nun zum Blut- (Hals- oder Zent-) Gericht Lauda die Orte: Lauda, Oberlauda, Heckfeld, Marbach, Gerlachsheim, Kützbrunn, Unter- und Oberbalbach.
Alle mit Leib- und Lebensstrafe bedrohten Vergehen[S347-5] aus den genann-
ten Orten kamen vor das Zentgericht Lauda, geringere Sachen an das betreffende Dorfgericht.
Eine Folge des Stadtrechtes war
#7. Die Befestigung der Stadt
Die Befestigung der Stadt mit Wall und Graben, Türmen und Toren.
a) Die Besetzung und Verteidigung durch Geschütze, Waffen und Mannschaften geschah in derselben Art wie zu Tauberbischofsheim,[S348-1] Grünsfeld und in den übrigen fränkischen Städten.
b) Auch eine Schützenmannschaft führte Lauda, ähnlich den Sebastianusschützen zu Bischofsheim. Als der Raubritter Wilhelm Grumbach 1565 Würzburg überfiel und Bischof Friedrich nach Mergentheim floh, schrieb letzterer an die Ämter zu Lauda, Reichelsberg und Karlstadt um 500 Schützen.
c) Auch Lauda hatte seinen Türmersturm, auch Kellersturm genannt, auf dem früher der Wächter (Türmer) nachts die Stunden ausrief, worauf die Wächter der Vorstadt und des unteren Thores zu antworten hatten. Der Türmer hatte auch Feuersignal zu geben und bei festlichen Gelegenheiten, z. B. Neujahr, Hochzeit, Kindtaufe mit einigen Gehülfen einen Choral zu blasen.
d) Zwei Tore bildeten in alter Zeit den Ein- und Ausgang der Stadt; wie an den meisten Orten empfand man in neuerer Zeit diese Verkehrs-Hemmung lästig, legte deshalb an verschiedenen Stellen Öffnungen in den hohen Mauergürtel und brach das untere Thor ganz ab, an dessen Stelle 1836 ein stattliches Schulhaus errichtet wurde; der tiefe Wallgraben wurde ausgefüllt und geebnet, und alle nicht einem Zwecke dienlichen Türme sind jetzt dem Erdboden gleich gemacht; nur das obere Thor steht noch.
e) Die Befestigungs-Türme waren in Lauda zahlreich wie an den übrigen fränkischen Städten, z. B. Grünsfeld und Tauberbischofsheim, welche je 20 Türme besaßen. Von der ganzen Herrlichkeit steht (außer dem oberen Thor) noch ein Teil von einem runden Turm bei der Pfarrkirche. — Von den ehemaligen viereckigen Türmen diente einer bis 1854 als Amtsgefängnis und später als Armenwohnung. Ein anderer, 1689 um 121½ Reichstaler und 1 Eimer 1687er Weines erbaut, diente noch bis in die neuere Zeit als Dienstwohnung des Totengräbers. — Sie sind jetzt auch mit den übrigen den Weg der Vergänglichkeit gegangen.
f) Das Hauptthor der Stadt mit dem Hauptturm, drei Durchgängen und Toren, das eine der vornehmsten Zierden des Städtchens bildete, fiel 1845 als ein Opfer des Unverstandes, der damals noch nicht begriff, dass außer dem Nützlichen auch der Schmuck und die ehrwürdigen Denkmäler einer alten, ruhmvollen Geschichte für die Stadt von Bedeutung seien.
g) Den Wachtdienst versahen Bürger der Stadt und zwar die Thorwache am Tag wie die Nachtwache. Während des Gottesdienstes hatten zwei junge Bürger vom Kirchturm aus die Stadt zu überwachen.
h) Vier Stadtschröter übten die Aufsicht in der Stadt und in der Kirche. Die Schröter waren Küfer von Profession, denen alljährlich das Schrot-, Schwank- und Eichamt übertragen wurde. In 22 Artikeln bestimmte das Stadtrecht, welche Arbeiten sie auszuführen und welchen Lohn sie dafür zu empfangen haben.
#8. Der Amtssitz
Unter würzburgischer Herrschaft wurde Lauda Sitz eines würzburgischen Amtes. Zu diesem gehörten die Orte: Beckstein, Distelhausen, Heckfeld, Königshofen, Lauda, Marbach und Oberlauda. — Das Amt wurde 1803 aufgehoben und die Orte den Ämtern zu Gerlachsheim und Grünsfeld zugewiesen, bis auch diese aufgehoben und mit Tauberbischofsheim vereinigt wurden.
#9. Die Märkte
Lauda besaß früher nur einen Jahrmarkt, nämlich auf Jakobi (25. Juli); da dieser Tag öfters auf den wegen des Fastengebotes unbequemen Freitag fällt, wurde 1561 der Markt auf den darauf folgenden Sonntag verlegt. — 1585 erhielt Lauda das Recht, noch einen weiteren Jahrmarkt auf Aegidi (4. Sept.) abzuhalten, der aber 1592 auf Dreikönig verlegt wurde. Am 6. Juli 1802 wurden 4 Krämer- und 3 Viehmärkte eingeführt. Der Marktplatz war früher vor dem Rathause. 1672 wurde der Graben bei der Kellerei eingeebnet und der außerhalb liegende freie Platz zum Marktplatz verwendet. Zur Aufrechtaltung der Ordnung amtierten zwei Marktmeister. „Da die von der Regierung zu diesem Zweck geschickten Husaren auf Kosten der Gemeinde so maßlos zechten, daß sie selbst Unruhe und Unordnung stifteten, so hat sich der Rat solche Schutzwehr verbeten.“
#10. Die Stadtmusik
Die Stadtmusik erfreute sich in Lauda von Alters her besonderen Wohlwollens. Im Jahr 1682 erhielt der Türmer zur Aufbesserung seines Gehaltes 10 Gulden, nach dem damaligen Geldwert[S349-1] eine sehr ansehnliche Summe, damit er bei der Musik fleißig mitwirke. Ein Stipendium von 10 Gulden, das für Studierende bestimmt war, wurde an die Schüler der Laudaer Lateinschule verteilt, um Lust und Eifer zur Musik zu erwecken. An gewissen Tagen erhielten die Musikanten auf Kosten der Stadt eine
Festmahlzeit, alljährlich an Weihnachten und Neujahr (zugleich mit der Schuljugend, dem Türmer und den Ratsherren) auf dem Rathaus ihre Festgeschenke und überdies noch eine besondere jährliche Besoldung an Geld aus dem Gotteshaus.
#11. Die Zunftordnungen
Die Zunftordnungen.[S350-1]
a) Der Metzgerzunft wurde 1426 folgender Ratsbeschluß mitgeteilt: Das Fleisch der Mutterschweine, Böcke, Zuchtstiere, Kopf- und Fußfleisch, Ohrwangen dürfen nicht auf der öffentlichen Fleischbank verkauft werden. Die Bratwürste auf der Bank müssen aus reinem Schweinefleisch bestehen; 4 Bratwürste müssen ein Pfund wiegen.
b) Die Bäckerzunft machte am 30. Sept. 1640 Strike (Ausstand) und hatte zwei Stunden lang kein Brot feil. Darum wurde jeder Bäcker mit 5 fl. bestraft, allen das Geschäft eingestellt, und fremde Bäcker erhielten die Erlaubnis, unter dem Hause Brod zu verkaufen; am 11. Okt. desselben Jahres wurden aber die laudaer Bäcker wieder in ihre vorige Befugnis eingesetzt.
Das Mehl von 2 Metzen Dinkel-Kernen gab 1267 Lot Weck. Das Malter Dinkel kostete 2 Reichstaler; hiernach sollte der 3 Kreuzerweck 26½ Lot wiegen; für Mühe und Kosten wurden 2 1/6 Lot abgezogen. Da die Bäcker wegen der hohen Holzpreise sich beschwerten, wurde ihnen gestattet, ein Lot weiter abzuziehen. Nun musste der 3 Kr.-Weck 22 Lot schwer sein. Für jedes fehlende Lot wurde der Bäcker um einen Gulden gestraft.
c) Die Schneiderzunft musste gemäß der Taxordnung vom 6. Nov. 1643 folgende Arbeitspreise einhalten: Ein bürgerliches Mannskleid zu machen 9 Batzen; für einen Tuchmantel 1 fl.; für eine Wintermütze 6 Batzen; für einen Tuch- oder Zeugrock 30 Kr.
d) Die Fischerei stand 1344 dem jeweiligen Fürsten zu, der sie gegen ein bestimmtes Quantum Fische an einen Fischer abgab; hatte der letztere sein Quantum abgeliefert, durfte er die übrigen zu Hause verkaufen. Bei Trübwasser hatten auch die Bürger das Recht, mit dem Schreine zu fischen. Der Taubermüller durfte von seinem Mühlsteg aus einen Billenwurf aufwärts und ebensoweit abwärts fischen.
e) Die Müllerei der Taubermühle war fürstliches Eigentum und an einen Müller verpachtet. Die Peripherie des Meßgeschirrs musste genau der Länge eines Pfennigstrickes gleich sein. Eine Meile weit von Lauda entfernt musste der Müller das Getreide abholen, ohne mehr Mitze zu nehmen. Mit dem Maß, mit dem der Müller das Getreide abgewährte, musste er es auch beim Abholen messen, andernfalls wurde ihm das Mahlen eine Zeit lang eingestellt. Von der Metze Gerste und Weizen zu rädeln hatte der Müller 2 Pfennige, aber keine Mitze anzusprechen.
Die Laudaer Bürger hatten das Recht, vor den Fremden zu mahlen; aber sie durften dies auch nur in der Tauber- u. Bachmühle besorgen. Traf der Müller Jemanden an, der auswärts gemahlen hatte, so nahm er ihm das Mehl ab und zeigte ihn an, worauf dieser noch um 10 Schillinge (10—12 fl.) gestraft wurde.
f) Alle übrigen Geschäfte: Schmiede, Wagner, Sattler, Seiler, Rotgerber, Schuster, Fuhrleute, Taglöhner u. s. w. waren an ähnliche Vorschriften gebunden, ebenso auch die Gemeindediener, Kirchner, Schützen, Büttel, Stadtschröter, Höckner u. s. w., welche alljährlich an Neujahr „vor dem Rat zu Pflicht genommen und mit dem Dienst betraut“ wurden.
#12. Die Straßenverlegung
Am Sankt Michaelstag (29. Sept.) 1732 überzog den ganzen Taubergrund ein so furchtbarer Wolkenbruch,[S351-1] dass die Gewalt des Wassers in Königshofen nicht nur die Krämerstände des großen Marktes, sondern auch die steinerne Brücke daselbst mit fortriß. Da nun die Brücke in Königshofen lange nicht und dann nicht in der früheren Weise errichtet wurde, verlegte man die Straße von der linken Tauberseite auf die rechte; dadurch, sowie durch die veränderten Zeitverhältnisse verlor Lauda einen großen Teil seines Verkehrs, die auf letzteren angewiesenen Geschäftshäuser (Ochsen-, Hecht- und Staffelwirtschaft) gingen ein, und Lauda verlor immer mehr seinen städtischen Charakter, zu dem es sich erst in neuerer Zeit durch die Bahnverzweigungen, die Anlage des Bahnhofs, der Maschinenhalle, Maschinenwerkstätte u. s. w. von neuem aufgeschwungen hat.
#13. Der Irrlehrer Fuyger
Um das Jahr 1420 trat hier der Irrlehrer Fuyger auf, der aber keine sehr große Bedeutung erlangte, und 1429 zu Heidelberg von dem dortigen Inquisitor und Professor Johannes von Frankfurt nach damaligem Gesetz verbrannt wurde.
#14. Der Bauernkrieg 1525
Lauda gehörte zu den ersten Orten, die sich der Bauernsache anschlossen; „Maister Lienhard Beys, lutherischer Pfarrer von Heidelberg“, bestärkte die Stadt nachdrücklich in dieser Gesinnung; von da an halfen die Bürger von Lauda bei allen Unternehmungen des odenwälder und taubergründer Haufens mit. Wie am Charfreitag (14. April) das Schloss zu Oberlauda verbrannt, der Amtmann v. Riedern mit seiner Familie und mit
seinen Rittern gefangen wurde, haben wir oben (S. 90—93) ausführlich erzählt.
Am Mittwoch nach Ostern (19. April) erhielten die Bewohner von Lauda Befehl vom Bauernlager, die Kellerei (Rentmeisterei) einzunehmen; gerne hätten die Laudaer auch den bischöflich würzburgischen Fruchtspeicher und den Weinkeller „an sich genommen“, aber die Hauptleute machten ihnen begreiflich, dass diese zum Kriegsbedarf gehören und nur für die Armen einen kleinen Teil abgeben dürfen. Am 5. Mai verordneten die Aufständischen schon ein eigenes Regiment mit folgender Zuschrift an die Stadt:
„Wir hauptleut, schulthais und rathe des versamelten hauffen itzund zu Groß-Lanckhaim (bei Kitzingen) im läger thun kund meniglich und ainem jeden in sonderhayt, daß wir Haus Senglein und Bastian Konn, bede Burger zu Landen, verordnet und als vorgener (Vorgeher, -- steher) des ampts Lauden eingesetzt haben. Darumb wir allen, in solch ampt gehörig, gebietten, das den obgemelten volg geschehe, woe aber ainer übertrett, soll gestraft werden an leib und gut. Datum freitags nach Misericordias 1525.“
Wenige Tage darauf berichteten die von Lauda den Hauptleuten der Bauern, wie sie die Schlösser zu Boxberg und Schwaigern eingenommen hätten und erhielten (16. Mai) den Auftrag, in Boxberg alle übrigen „schedlich heuser“ der Adeligen „zu prechen und verprennen“.[S352-1] Dazu verlangten die von Lauda Hilfe von Bischofsheim, erhielten aber eine abschlägige Antwort, da die bischofsheimer Mannschaft von den Oberbefehlshabern eiligst nach Weinsberg bestellt sei.[S352-2]
Wie nach der Schlacht von Königshofen die Stadt vom würzburgischen Marschall eingenommen, der lutherische Pfarrer Beys mit zwei andern Bürgern enthauptet wurden, und wie am 20. Juli acht weitere „Hauptsecher“ auf Befehl des Bischofs mit dem „Schwerte gericht“ wurden, haben wir S. 103 u. 104 ausführlich erzählt.
#15. Der 30jährige Krieg 1618-48
Der 30jährige Krieg 1618-48, besonders die Zeit der Schwedenherrschaft 1632—35, goß über Lauda die ganze Fülle des Jammers durch Raub, Brand, Hunger und Pest. Der ausführliche Bericht hierüber ist S. 146-156 gegeben.
#16. Die Hexenprozesse
Die Hexenprozesse.[S352-3] Es war ganz natürlich, dass Lauda, welches durch das ganze Mittelalter als würzburgische Amts-
stadt eine hervorragende Rolle spielte in den Fragen, die durch die Zeitverhältnisse mit Gewalt in den Vordergrund gedrängt wurden, wie in dem Bauernkrieg und in den Hexenprozessen, durch den Strudel der Ereignisse mit fortgerissen wurde und wohl oder übel mitmachen musste, auch wenn es wirklich sich hätte zurückhalten wollen; so hat auch Lauda seine Hexenprozesse und Hexenbrände gehabt, die Seite 123—127 nach den Akten bereits geschildert worden sind.
#17. Eine „Teufelsbeschwörung“
Eine „Teufelsbeschwörung“ macht heute noch von sich reden. Der Bericht des Frühmessers Hebenstreit in den Pfarrakten meldet darüber Folgendes in lateinischer Sprache: „Am 20. Januar 1733 beteten 3 Laudaer Bürger das sog. „Christophelsgebet“, mit Hilfe dessen sie den Teufel beschwören wollten, dass er ihnen 15,000 goldene französische Dublonen bringe. Tatsache ist, dass man am folgenden Morgen zwei derselben tot, den dritten, jüngeren, der aber auch bald darnach starb, bewußtlos fand; alle drei mit aufgetriebenem, rot-bläulichem Gesicht und den sonstigen Merkmalen des Erstickens. Der größere Teil der Gemeinde war überzeugt, dass dieselben vom Teufel erwürgt worden seien, weshalb man sie auf dem Schinderskarren nach dem Galgenberg führte und dort unter dem Galgen verscharrte.“
Die richtige Erklärung ist wohl die, dass die Unglücklichen entsprechend der Vorschrift des Christophelsgebetes alle Ritzen des Zimmers sorgfältig verstopften und ein Kohlenfeuer unterhielten, durch dessen Dampf sie erstickten, wozu der reichlich genossene Wein und Branntwein wesentlich beigetragen haben mag.
#18. Die Pfarrkirche
Die erste Kirche wurde hier etwa um 722 (oder nach andern 752) vom hl. Bonifazius gegründet;[S353-1] höchst wahrscheinlich war dies, wie die meisten von ihm gebauten Kirchen, ein Holzbau, der zur Karolingerzeit wie die Kirche in Oberlauda (etwa um 800—900) durch einen Steinbau ersetzt und um 1300 oder 1344, als der Ort Stadtrecht erhielt, vergrößert wurde. Diese zweite oder, wenn man die Vergrößerung besonders rechnet, dritte, gotische Kirche brannte am 28. Dezember 1694 ab; der damalige Pfarrer Johann Michael Ehrlein berichtet hierüber mit einer Notiz des Taufbuches in lateinischer Sprache: „Am Fest der unschuldigen Kinder um 4 Uhr morgens wurde unsere Kirche, welche sehr schön gewesen und herrlich ausgeschmückt war, vollständig in Asche gelegt. Turm, Glocken, Orgel, Altäre, Stühle, Alles bis auf die rohen Steine brannte innerhalb zweier
Stunden nieder. Woher das Feuer gekommen, wer der Urheber des Brandes gewesen, will ich Dir, theuerster Nachfolger, ohne sichern Grund nicht mitteilen. Ich wollte nicht richten, damit ich nicht gerichtet werde.“ — Darnach wurde die jetzige, die 3. oder 4. Kirche im Roccoccostil gebaut und im September 1708 durch Weihbischof Dr. Bernhard Mayer von Würzburg, einem geborenen Laudaer, eingeweiht. Sehenswert ist neben der Pfarrkirche die Lourdes-Grotte, 1895 eingeweiht, eine der allerzierlichsten und geschmackvollsten der ganzen Taubergegend.
#19. Das Frühmeß-Benefizium
Das Frühmeß-Benefizium ist 1174 vom Pfalzgrafen Otto gestiftet worden.
#20. Der „Friedhof extra muros“
Der „Friedhof extra muros“ (außerhalb der Stadtmauer) kam 1542 in Gebrauch, als die „Pest mit einem großen Sterben den Ort verwüstete“.[S354-1]
#21. Die Marienkirche
Die Marienkirche auf dem Friedhof wurde im 13. Jahrhundert gotisch gebaut.
Ein altes Pfarrbuch meldet, dass „in 13. seculo Heinrich von Lauden, Domherr zu Würzburg, in dieser Kirche zwei Benefizien stiftete, nämlich das beneficium sanctae Catharinae und sanctae Barbarae, welche beiden Benefizien in folgender Zeit mit der hiesigen Frühmesse vereinigt wurden.“
Die Kirche wurde durch Fürstbischof Julius von Würzburg (1573-1617) und dessen Nachfolger Freiherr Gottfried v. Aschhausen (1617—22) im gleichen Stil erneuert, 1756 unter Dekan Geißel in Barrock renoviert und 1886 abermals reich und prächtig restauriert und von Kolmsperger aus München mit Decken- und Wandgemälden versehen.
#22. Die Pfarrei
Wann die hiesige Pfarrei gegründet wurde, lässt sich aus den Urkunden nicht mehr nachweisen; dass sie aber eine der ältesten der ganzen Taubergegend sei, unterliegt keinem Zweifel und wird durch eine Urkunde von 1169, wo sie erwähnt wird, bestätigt. Wolfram v. Grumbach, Bischof zu Würzburg (1322—1333), hat die Pfarrei durch eine bedeutende Stiftung namhaft aufgebessert. Im Jahr 1581 gehörte die Besetzung der Universität Heidelberg; da diese längere Zeit die Pfarrei nicht definitiv besetzte, sondern, um von dem reichen Einkommen für sich zu erübrigen, Pfarrverweser schickte, die zudem lutherisch gesinnt
waren, erkaufte Bischof Julius 1581 die Pfarrei um 1500 Goldgulden[S355-1] und besetzte die Pfarrei selber. Im Jahr 1584 zog Bischof Julius alle Pfarrgüter, bestehend in 90 Morgen Ackerfeld, 8 Morgen Weinberg, 17 Morgen Wiesen nebst vielen Zehnt und Gült auswärtiger Gemeinden, an sich und vereinigte dieselben mit dem Juliusspital in Würzburg, von dem der Pfarrer seit dieser Zeit seine Besoldung in Naturalien erhielt. Aus diesem Grund stand der Gemeinde Lauda das Recht zu, jedes Jahr 5 Personen zur Aufnahme ins Spital und Pfründnerhaus nach Würzburg zu schicken. Seitdem Lauda aber an Baden fiel (1806), ist dieses Recht erloschen. — Das Präsentationsrecht auf die Pfarrei übt jetzt der Großherzog, und das Pfarreivermögen wurde in neuerer Zeit vom Juliusspital mit 13 700 Gulden abgelöst.
#23. Das Verzeichnis der Pfarrer
Da die alten Urkunden alle verloren gingen, können wir erst vom 15. Jahrhundert an die Namen der hiesigen Pfarrer nennen; diese sind, soweit sie bis jetzt sich nachweisen lassen, folgende:
Zwischen 1430 und 1460 Johannes Schirmer. Unter ihm wurde die sog. Totenbruderschaft gestiftet und von Bischof Johannes von Brunn[S355-2] (1412—1441) in Würzburg bestätigt.
1467 bis etwa 1490 Johannes Schwab, „Oberpfarrer“.
um das Jahr 1500 Lorenz Renner.
Konrad Hayden.
1524 Johann Hönninger.
Um 1525 stand Leonhard Beys als evangelischer Pfarrer mit der Stadt auf Seite der Bauern.[S355-3] Sein Vergehen musste er hart büßen, er wurde in Gesellschaft zweier Ratsherren aus Lauda am 3. Juni 1525 in der Nähe der Tauberbrücke enthauptet.
Um 1560 Andreas Külsamer, Dekan des Landkapitels Mergentheim, dem damals Lauda als Pfarrei zugehörte.
1570—92 Bartholomäus Schreck.
1592—1606 Balthasar Herdling, der hierauf Benefiziat in Lauda geworden und 1632 im würzburger Spitale gestorben ist.
1606—22 Michael Cleer, Dekan des Landkapitels Mergentheim.
1622—27 M. Adam Hardtmann, gebürtig von Hardheim, wurde zum Dompfarrer in Würzburg befördert.
1627 Gottfried Mögelius.
1629—32 Dr. Johannes Leutbecher, Dekan. In seine Zeit fielen die für das
Frankenland schlimmsten Jahre des 30jährigen Krieges. Er schreibt in damaliger Sprache u. A.: „Im Oktober des 1631. Jahres alles über und übergangen, von wegen des Königs von Schweden, welcher das ganze Frankenland überzogen, eingenommen etc. mit seinem Kriegsheere.“ Im Ehebuch der Pfarrei ist von ihm 1632 die Bemerkung gemacht: „anno 1632 in der schwedischen Unruhe, Gott erbarm's, hat „sein Kirchgang gehabt Heinrich Raspel“ etc. Und im Taufbuche bemerkte er von 1632: „was für Betrübniß etc. dies Jahr vorgangen, ist nit zu beschreiben.“ Er schmachtete, wie er selbst in einem Kirchenbuche kurz notiert, ein Vierteljahr in schwedischer Gefangenschaft und starb wenige Monate nach dieser harten Zeit im Jahre 1633.
1632—58 Mathias Handschuch, Dekan. Es wird von ihm in einer alten Urkunde gerühmt, dass er ein gestrenger und eifriger Hirte gewesen. Auf sein Ansuchen errichtete Pr. Johannes Philippus Fridt, Provinzial des Predigerordens in Köln, die Rosenkranzbruderschaft in Lauda im Jahre 1644, welche heute noch besteht. Nachdem Handschuch 25 Jahre segensreich gewirkt, verzichtete er auf die Pfarrei, lebte seit 1658 wahrscheinlich zu Würzburg, wenigstens starb er daselbst im hohen Alter am 13. September 1681.
1659—62 Bartholomäus Knodt.
1662—76 Andreas Eisenmann, Licenciat der Theologie. Er war gebürtig von Hohenroth bei Neustadt a/S. und starb, 53 Jahre alt, zu Lauda, am 5. Dezember 1676. In einem kurzen Nekrologe des Totenbuches wird er als „Vater der Armen, als treuer und wachsamer Hirte“ gerühmt, und den Nachfolgern wird empfohlen, das erhabene Beispiel dieses würdigen Seelenhirten nachzuahmen.
1676—1685 Georg Schurk, Dr. der Theologie, Dekan.
1685—1701 Johann Michael Ehrlein. Dieser Pfarrer musste das furchtbare Unglück erleben, dass die Pfarrkirche niederbrannte.[S356-1]
1701 Johann Theodorich Elln.
Dr. Thomas Wäselberger, von 1706 an Benefiziat in Aub.
1707—33 Johann Franz Ruckart, Dekan. Er starb hier am 10. Januar 1733, beweint von seiner Gemeinde.
1733—37 Johann Michael Decker von Hardheim, Dekan. Er tauschte schon nach vierjähriger Wirksamkeit mit seinem Nachfolger und ging als Pfarrer nach Mosbach.
1737—38 Johann Georg Klüpfel, vorher Pfarrer und Dekan in Mosbach, starb schon nach einjähriger Tätigkeit.
1739—55 Valentin Joseph Beck, vordem Pfarrer in Eberbach, fand auf hiesigem Friedhofe seine irdische Ruhestätte.
1756—8 Nikolaus Geißel von Breitenbrunn, vorher Kaplan am Dom zu Würzburg, Dekan des Kapitels Mergentheim, wirkte höchst segensreich und starb, von der ganzen Gemeinde beweint, 64 Jahre alt. Er
machte Stiftungen für die hiesige Volksschule und den Kirchenfond. Unter ihm wurden die Stationen auf dem Friedhofe erstellt.
1783—1816 Johann Franz Römelt von Escherndorf, vorher Pfarrer in Boxberg. Durch Fürstbischof Franz Ludwig von Würzburg ward er ohne vorherige Eingabe zum Pfarrer bestimmt. Er waltete seines Amtes 33 Jahre hindurch und starb, 83 Jahre alt.
1816—31 Anton Hanf von Neckargerach ward von Großherzog Karl von Baden im Jahr 1817 präsentiert, ward zum Geistl. Rat ernannt und zum Kapitelsdekan erwählt, starb, 63 Jahre alt.
Zwei Jahre hindurch ward die Pfarrei verwaltet.
1833—42 Christoph Schillinger, gebürtig von Marbach, starb im 60. Lebensjahre.
1843—47 F. Meyer, wurde 1847 Pfarrer in Gommersdorf und 1848 vorübergehend Vorstand des Pädagogiums Tauberbischofsheim.[S357-1]
1848—72 Adam Hönninger von Tauberbischofsheim, starb am 9. März genannten Jahres und liegt am Seitenportale der Friedhofkirche begraben.
1872 Adam Halbig von Tauberbischofsheim, zuerst Pfarrverweser, seit 1880 Pfarrer.
#24. Die „Reformation“
Die „Reformation“ fand frühzeitig durch die Kurfürsten von der Pfalz Eingang; zur Zeit des Bauernkrieges, 1525, war Pfarrer Lienhart (Leonhard) Beys, eine Hauptstütze der Protestanten.[S357-2] Auch später schickte die Universität Heidelberg, welche das Recht der Pfarrbesetzung hatte, wiederholt lutherisch gesinnte Pfarrer. — Fürstbischof Julius von Würzburg, dessen Stift seit 1559 das Amt Lauda wieder sich erworben hatte, rottete aber 1581 die „Reformation“ aus (wie zahlreiche protestantische Fürsten die katholische Religion auch in ihren Gebieten mit großer Gewalt vernichteten).
#25. Das Spital
Das Spital ist eine Stiftung des Weihbischofs Johann Bernhard Mayer zu Würzburg, der, 1669 in Lauda geboren, fast 43 Jahre lang Weihbischof war und 1747 starb.[S357-3] Es lautet der „Extractus Testamenti weiland des hochw. Herrn Joh. Bernhard Mayer, Episcopi Chrisopolitani et suffragani Herbipolensis“ d. d. 12. April 1747 § 25:
„Meine Universalerben sollen sein das zu Lauda in meinem Vaterland von mir errichtete Spital oder Armenhaus, in welchem 8 arme Männer oder Weiber zeit lebens sollen verpflegt werden, wie es meine Herren Testamentarii für gut befinden, alle Tage, wenn es möglich ist, der hl. Messe beiwohnen und Gott absonderlich danken für die vielen Gutthaten, die er mir erwiesen.“
Die Stiftung war bis 1884 nur Armen- oder Pfründnerhaus, hat aber seither (wie Bischofsheim) auch die Krankenpflege und als Dienstpersonal barmherzige Schwestern. 1894 wurde das neue, schön und gut gebaute Spital in Gebrauch genommen.
#26. Die Tauberbrücke
Die Tauberbrücke wurde in den Jahren 1510—12 unter dem damaligen würzburgischen Amtmann Georg Truchseß, Freiherrn v. Waldburg, dem nachmals berühmten Fürstenheer-Hauptmann des Bauernkrieges (1525), gebaut. Der Hauptpfeiler auf der linken Seite (flussabwärts) führt im Grundstein die Jahrzahl 1510 und die Namen der damals angesehensten Männer von Lauda: Georg Trugseß, Ritter; Konrad Aletz, Kammer-Keller (Rentmeister); Thoma, Schreiber; Gassenvaith, Bürgermeister, unter dessen Bürgermeisteramt auch 1496 das seinen Namen tragende obere Thor gebaut wurde. Der erste Pfeiler auf derselben Seite trägt als Inschrift das Jahr der Vollendung 1512 und die Namen: Jörg Trugseß, Ritter, Amtmann; Konrad Aletz, Kammer-Keller; — Wilhelm Lutz, Leonhard Klinger, Bürgermeistern. Konrad Gassenvaith war während des Brückenbaues gestorben. Auch der Name seines Vaters, Hermann Gassenvaith, lebt noch in der Erinnerung fort durch die Stiftung der ewigen Lampen in der Stadtkirche; die zur Unterhaltung des ewigen Lichtes dienenden 8½ Morgen Aecker beim Bahnhof heißen heute noch die Ampeläcker.
Auf der Tauberbrücke stehen drei steinerne Bildnisse; das eine ist St. Johannes Nepomuck, das der Vater des letzten hiesigen Zentgrafen in dem für Lauda verhängnisvollen Jahr 1732[S358-1] errichten ließ. (Der letzte Zentgraf von Lauda, Karl Sigmund Häfner, starb als Inhaber eines ganzen Stadtviertels 1832 in einem Alter von 96 Jahren.)
Das zweite Standbild, die schmerzhafte Mutter Gottes, wurde errichtet 1644 durch Metzger Johann Mayer, den Großvater des Weihbischofs Bernhard Mayer, zur dankbaren Erinnerung an folgendes Ereignis. Metzger Mayer ging zur Zeit des Schwedenkrieges mit einer Gurt Geld auf den Viehkauf. Da er auf der Brücke bemerkte, wie schwedische Soldaten von der Straße her auf ihn zukamen, und da es um sein Geld geschehen war, wenn die es bei ihm fanden, ließ er die Gurt heimlich in die mit Brennesseln hoch-
bewachsene Nische fallen, gelobte aber zugleich, wenn er sein Geld wieder erhalte, an dieser Stelle ein Bildnis zu errichten; die Soldaten bemerkten das Geld nicht, und Mayer erfüllte sein Gelübde.
Unterhalb der Brücke auf der rechten Seite, dort, wo jetzt am Fußpfad in den Wiesen gegen Gerlachsheim der Bildstock steht, geschahen am Pfingstsonntag und am 20. Juli 1525 nach Beendigung des Bauernkrieges die Enthauptungen.[S359-1]
#27. Berühmte Männer
Berühmte Männer sind aus Lauda hervorgegangen:
a) Benedikt Knittel, Abt des hochberühmten, reichen und mächtigen Cisterzienserklosters in Schöntal, „des Hansen Knittel fünfter Sohn“, geboren 30. Januar 1646, regierte als Abt 1683—1732. Wer das ehemalige Kloster durchwandert, wird durch zahlreiche Verse an Türen, Wänden, Bildnissen und Säulen überrascht. Es sind zumeist gereimte lateinische Hexameter oder Disticha in Form von Chronogrammen, deren Zahlbuchstaben auf Abt Benedikt, den Erbauer des Klosters mit der prachtvollen Kirche im italienischen Renaissancestil, hinweisen. Abt Benedikt war bei allem Ernst ein sehr heiterer, freundlicher Herr, dem auch die „Knittelverse“ ihren Namen verdanken sollen.
b) Weihbischof Dr. Johann Bernhard Mayer, am 4. Nov. 1669 zu Lauda geboren. Seine Studien begann und vollendete er zu Würzburg. Er studierte außer Theologie noch Philosophie und Jurisprudenz und machte Reisen nach Holland, Frankreich und Italien. In der Propaganda zu Rom bereitete er sich zum Empfang der hl. Weihen vor, empfing am 18. Dez. 1694 zu Rom die Priesterweihe und brachte am hl. Weihnachtsfeste desselben Jahres in der Krypta der St. Peterskirche das erste hl. Meßopfer dar. Er wurde Hofkaplan und Ceremoniar des Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenklau. Im Jahre 1700 promovierte er als Doktor beider Rechte, wurde im gleichen Jahre Professor des kanonischen Rechtes an der Universität und Kanonikus am Kollegialstift Haug zu Würzburg. Im Juli 1704 wurde er zum Weihbischof von Würzburg ernannt, von Papst Klemens XI. zum Bischof von Chrysopolis präkoni-
siert und am 1. März 1705 vom Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenklau consecriert. Von diesem Fürstbischof ward ihm der Vorsitz der geistlichen Regierung übertragen und der Titel Geheimer Rat verliehen.
Der fromme, seeleneifrige und demütige Bischof hat nahezu 43 Jahre die weihbischöfliche Würde bekleidet. In der damaligen großen Diözese Würzburg ist fast keine Pfarrei, kein Kloster und keine Abtei, kein Spital und keine Schule, die er nicht besucht und genau visitiert hat. Außer der Spendung der hl. Firmung war sein Augenmerk besonders auf die Visitation der Pfarreien gerichtet, die er jährlich vornahm.
Am 27. August 1746 weihte er unter Assistenz der Weihbischöfe von Mainz und Bamberg den Fürsten Anselm Franziskus zum Bischof von Würzburg. (Fürstbischof Anselm war der Erstgeborene von 23 Kindern des Oberamtmanns Franz Adolf Dietrich, Freiherrn v. Ingelheim zu Tauberbischofsheim und dessen Gemahlin Ursula v. Dalberg. Oberamtmann Dietrich war nebst seiner Familie von Kaiser Karl VI. in den Freiherrenstand erhoben worden. Wappen und Grabsteine der Familie v. Dalberg finden sich noch in Bischofsheim und in der Umgegend.)
Kurz vor seinem Tode, im August 1747, unternahm er noch eine Visitationsreise in das Landkapitel Neckarsulm. Während dieser Reise erkrankte er und am 7. Sept. 1747 schied er aus diesem Leben, nachdem er in innigster Andacht die hl. Sakramente empfangen hatte. Sein Leichnam ward in der Stiftskirche Haug unter der Kuppel, nahe beim Eingang in den Chor, bestattet.
Die (wie es scheint, offizielle) Todesanzeige meldet von ihm, er habe „ordiniert: 1735 Tonsuristen, 1689 Minoristen, 2204 Subdiakonen, 2213 Diakone, 2297 Priester, 3 Bischöfe, geweiht 19 Aebte, 4 Abtissinnen, 143 Kirchen, 686 Altäre (fixa), Tragaltäre (portatilia) 444, Friedhöfe 22, Glocken 509, gefirmt inexplicabili cum patientia 341,220 Personen.“
Bischof Mayer stiftete das Spital zu Lauda, indem er sein väterliches Erbe, bestehend in einem 3stöckigen Wohnhaus samt Scheuer und Grundstücken nebst 10000 Gulden für Unterhaltung zu diesem Zweck seiner Vaterstadt testamentarisch vermachte. Außerdem schenkte er der Pfarrei seine besten Paramente, machte verschiedene Stiftungen für die Volksschule seiner Vater-
stadt und errichtete eine Art Vorschußkasse (er nannte sie mons pietatis) mit anfänglich 4000 Reichstalern, durch welche bedrängten Bürgern von Lauda Anleihen zu 2 oder höchstens 3 Prozent sollten abgegeben werden.
c) Dr. Philipp Adam Ulrich[S361-1] wurde geboren am 24. Mai 1692 als der (einzige) Sohn eines wohlhabenden Landwirts und Gemeinderates; nachdem er in Tauberbischofsheim bei den Franziskanern das Gymnasium vollendet, studierte er an der würzburger Universität Jurisprudenz und unternahm sodann auf eigene Kosten weite Reisen nach Italien, Frankreich und Spanien, um sich in den Wissenschaften weiter auszubilden. Obgleich erst 25 Jahre alt, wurde er als Professor der Rechtswissenschaft an die Universität Würzburg berufen, wo er sich durch seinen scharfen Verstand und seine Schlagfertigkeit großes Ansehen erwarb.
Als Bauernsohn hegte er immer großes Interesse für die Landwirtschaft, die im Frankenland zu heben, er sich zur Lebensaufgabe machte; deshalb kaufte er in der Nähe von Gerabrunn einige hundert Morgen Ackerfeld, das wegen seiner Unfruchtbarkeit wenig beachtet und darum sehr billig war, das er aber durch selbsterfundene Maschinen als Vorbild für seine Landsleute zu ansehnlichem Ertrag brachte.
Von 1739 an betrachtete er die Hebung der Landwirtschaft als seine vornehmste Sorge und pachtete deshalb den Wöllriedershof bei Rottendorf und den Herleshof bei Kolitzheim; auf seinen Reisen hatte er den Klee- und Kartoffelbau, sowie die Seidenzucht, die bis dahin im Frankenland unbekannt waren, kennen gelernt; die Einführung bei seinen Landsleuten und der dadurch bewirkte Umschwung ist zum großen Teil sein Verdienst. Bauern von Gerabrunn und der Nachbarschaft gestanden damals: „Vor dem Kleebau lag die halbe Flur-Gemarkung öde und unfruchtbar da: im ganzen Dorfe gab es damals 6—8 Kühe; seit dem Kleebau unterhält oft ein einziger Bauer mehr Kühe, als sonst die ganze Gemarkung zusammen.“
Ähnlich verhielt es sich mit dem Kartoffelbau: der mochte vor ihm wohl in einzelnen Gemeinden bekannt gewesen sein, aber man wusste die Kartoffeln nicht als Menschennahrung nutzbar zu machen, sondern benutzte sie nur als Viehfutter; Ulrich lehrte seine Landsleute die vielfältige Verwendung dieses wichtigen Nahrungsmittels.
Von einer seltenen Musterhaftigkeit und Opferwilligkeit war die fromme, tiefgläubige Gesinnung des gelehrten Mannes, der ein heiligmäßiges Christenleben führte und mit fürstlichen Almosenspenden sich an allen Werken geistlicher und leiblicher Barmherzigkeit beteiligte.
Am 7. Juli 1740 fiel seine fromme Mutter, die Witwe Ulrich, einem
Raubmord zum Opfer. Der Mörder hieß Val. Link, war zu Dittwar geboren und in Zimmern Bürger. Schon vorher hatte er den Prior des Prämonstratenserklosters zu Gerlachsheim ermorden und berauben wollen; da aber dieser Plan fehl schlug, ging er nach Lauda. Vom Hechtwirtshaus aus bemerkte er, dass die reiche Witwe Ulrich, auf die er es jetzt abgesehen hatte, allein sei. Er gab im Wirtshause vor, bei ihr Kleesamen kaufen zu wollen, der bei ihr allein im ganzen Taubergrund zu haben war, ging in ihre Wohnung und erdrosselte sie. Den Leichnam verbarg er unter dem im Hausgang gelegenen Gras, nahm die über einen Zentner schwere Kiste, worin die Ermordete Geld u. Kostbarkeiten verwahrte, mit sich; vergrub aber die Kiste in einen Kornacker, 1/4 Stunde von Lauda gegen Beckstein. Der Mörder entging der irdischen Gerechtigkeit, während seine Frau, die an dem Verbrechen keinen Anteil hatte, großem Elend verfiel. Da war es wieder der Sohn der Ermordeten, welcher sich um die arme Familie annahm, sogar Patenstelle bei einem Kinde des Mörders vertrat und die unglückliche Frau bei Gelegenheit einer Mission, die er auf seine Kosten halten ließ, seinen vornehmen Gästen bei Tisch vorstellte mit den Worten: „Als Frau des Mörders meiner Mutter gehört auch sie unter meine geliebten Gäste.“
In seinem Testament vom 31. August 1745 vermachte er in § 2: „Dem Spital zu Lauda alle unbeweglichen Güter, Häuser, Scheuern und Fässer in den Kellern oder sonst daselbst.“
Der schon während seines Lebens hoch gefeierte, gelehrte und fromme Mann starb am 8. Nov. 1748 und ruht in der Peterskirche zu Würzburg, wo ein Denkmal seine Bedeutung der Nachwelt verkündet mit der Inschrift:
„Dem Andenken Philipp, Adam, Ulrichs, Hofrats und Lehrers der Rechte zu Würzburg, des tugendhaftesten Christen, kenntnisreichsten Lehrers, wohlthätigsten Menschenfreundes; des Mannes, dem nichts fremd, nichts teuer war, was Menschen frommen konnte, dem Frankenland danket den Klee-, Kartoffel- und Seidenbau, manche nützliche Erfindung, guter Schriften des Auslands gute Uebersetzungen, des heroischen Verleugners seiner selbst, der nur lebte für Vaterland und Menschheit, sich selbst abgestorben, — setzt dieses Denkmal 1818.“
1827 wurde am Geburtshause in seiner Vaterstadt Lauda eine Gedenktafel mit entsprechender Inschrift angebracht.[S362-1]
#40. Lengenrieden
#1. Name und Alter
Das Dorf Lengenrieden (mit 181 Katholiken und 167 Protest.) wird in den Urkunden zum ersten Mal 1345 erwähnt und hieß damals Lengried, später Lengrietheim.
#2. Herrschaften
Der Ort gehörte früher zu Mainz, kam 1578 an Graf Melchior zu Hatzfeld, 1795 an Würzburg, 1803 an Leiningen, 1806 an Baden.
Die Katholiken gehören als Filiale zu Kupprichhausen.
#41. Marbach
Das Dorf Marbach mit 153 Katholiken wird in den Urkunden 1245 zum ersten Mal genannt und hieß 1453 Martpach, 1489 Marpach. Es gehörte zum Teil zum Kloster Bronnbach; jetzt ist es Filiale zu Königshofen. In politischer Hinsicht bildete Marbach
bis 1803 einen Teil des würzburgischen Amtes Lauda, von dem es bis 1806 zu Leiningen kam; seither ist es badisch. Seine Schicksale während des Bauernkriegs, 1525, und während des 30jährigen Krieges sind die der Taubergegend S. 80—152. Der Ort ist weithin berühmt wegen seines vortrefflichen Weines.
#42. Messelhausen
Das Pfarrdorf Messelhausen (mit 447 Kathol., 30 Protest., 62 Israel.) ist schon alt; seit 1381 wird es in den Urkunden mit dem Namen Messelhusen, auch Mystilhusen aufgeführt, der Hausen des Massilo bedeutet.[S363-1]
Der Ort gehörte um 1350 den Herren von Schneeberg. Als um 1400 zwei Brüder ihre Burg zu einem regelrechten Raubnest gemacht hatten und so ein arges Unwesen trieben, ähnlich den Raubrittern v. Rosenberg zu Boxberg,[S363-2] zerstörte 1403 Bischof Johann I. (1403—1412) ihr Schloss und belehnte damit in der Folge die Herren von Zobel, die es wieder aufbauten.
Im pfälzischen Erbschaftskrieg (1688-1697), wurde durch das Heer des berüchtigten französischen Mordbrenners General Melac die Pfalz und die anstoßende Gegend so furchtbar verheert, als nur je eine Gegend im ganzen Schwedenkrieg;[S363-3] da die Städte Heidelberg mit dem prächtigen, großartigen Schloss, Mannheim, Speier, Worms und viele hunderte kleinere Orte in Flammen aufgingen; damals kam eine Abteilung Franzosen nach Messelhausen; wie dieselben hausten, meldet zum 31. Oktober 1688 eine gelegentliche Notiz im Taufbuch: „In festo S. Wolfgangi am Sonntag um halb 7 Uhr haben die Franzosen das hiesige Ort Messelhausen samt dem Schloß abgebrannt; stehen sind geblieben durch Ranzionierung mit Geld (Zahlung eines Lösegeldes): die Kirch, Pfarrhof und Scheuer, die alte Vogtei, das Jägershaus, Ziegelhütten, Schäferhaus, Lampertsscheuer, Zehntscheuer, Stephan Schurkenhaus, Hirtenhaus, Jörg Röhnershaus, Hans Jörg Heklehaus, Hans Eggershaus, Martin Deggershaus und die Scheuer gleich ober dem Pfarrhof.“
#43. Neunstetten
#1. Name
Das Dorf (mit 116 Häusern, 16 katholischen, 572 protestantischen und 3 israelitischen Einwohnern) hieß 1231 Nuwensteten, 1245 Nuwinstetin = Neustadt;[S364-1] die Behauptung, als sei das Dorf aus 9 Höfen entstanden, ist daher eine willkürliche, unbegründete „Volksetymologie“ zur Erklärung des „Neun“ stetten, das sich im Laufe der Zeit aus dem nicht mehr verständlichen „Nuwen“stetten gebildet hatte. (Auch „Neunkirchen“, A. Eberbach, entstand nicht aus „neun Kirchen“, sondern aus „der neuen Kirche“).
#2. Herrschaften
Das Dorf gehörte 1245 den Herren von Bockesberg (Boxberg), seit 1270 zum Teil dem Ritter Konrad von Schweinberg, später den Grafen von Berlichingen, die auch hier ein eigenes Schloss hatten; wann und von wem es gebaut wurde, lässt sich nicht nachweisen.
#3.
Neunstetten hatte schon um 1220 einen (kathol.) Pfarrer.
#4.
Die „Reformation“ wurde hier sehr frühzeitig, vielleicht noch unter Götz von Berlichingen eingeführt, jedenfalls bestand sie unter dessen Sohn Hans Jakob v. Berlichingen.
#5.
Im Bauernkrieg zählte das Dorf 30 Bürger, die so ziemlich alle am Aufstand sich beteiligten, aber dann schwer dafür büßen mussten.[S364-2]
Ein altes Berlichingen'sches Herrenhaus daselbst trägt noch die Jahreszahl 1568, wurde also von Hans Gottfried v. Berlichingen, dem Enkel des Götz mit der eisernen Hand, erbaut; merkwürdig ist nichts an dem Schloss, als ein martialisches Ritterbild mit dem richtigen Wahlspruch der Ritter des Faustrechtes, die zu ihrer Gewalttätigkeit sich auf den Segen Gottes beriefen und jeden ihrer Gesellschaft für einen „braven Mann“ erklärten:
„Gottes Segen, Kraut und Loth
Pistolen und Degen, Hilft manchem braven Mann aus
der Not.“
#44. Oberbalbach
Oberbalbach ist ein Pfarrdorf mit 637 kath. Einw.; vor dem Jahr 1000 sollten hier zwei Seen gelegen haben, die aber nun ver
schwunden sind; aus den Höfen um diese Seen habe sich das Dorf gebildet, das in den ältesten Urkunden nach einander den Grafen v. Oehringen, v. Rosenberg, v. Hohenlohe u. seit 1330 den Herren v. Zobel-Giebelstadt-Messelhausen gehörte. Zu Anfang dieses Jahrhunderts hatten alle angrenzenden Länder und Herrschaften Anteil: außer deren v. Zobel auch Würzburg, Württemberg und der Deutschorden von Mergentheim, der hier einen Amtssitz hatte. 1807 kam es an Baden. — 1835 fiel ein solch ungeheurer Wolkenbruch über das ganze Tal, dass durch das angeschwemmte Erdreich der Boden um 1½—2 m erhöht wurde, und daher manche Häuser auffallend tief im Boden stecken. Nordöstlich von Oberbalbach stand ehemals eine Burg, über die nichts Genaueres bekannt ist.
#45. Oberlauda
#1. Name und Alter
Das Pfarrdorf Oberlauda (mit 129 Häusern und 619 kathol. Einwohnern) ist einer der ältesten Orte des Frankenlandes, da schon der hl. Bonifazius die Kirche zu Ehren des hl. Bischofs Martinus erbaute.[S365-1] Name, Ursprung und Herrschaften sind dieselben wie die von Lauda. Die Erklärung hierüber ist daher in der Ortsbeschreibung von Lauda nachzusehen.[S365-2]
#2. Auf dem Schlossberg
stand ehemals eine Burg, der Stammsitz der viel genannten Grafen von Luden, deren Besitz eine sehr wechselvolle Geschichte aufweist. Am Charfreitag 1525 wurde das Schloss (wie wir bereits oben S. 90—93 ausführlich erzählt haben) von den Bauern überfallen, ausgebrannt und bis auf den Grund zerstört. (Es war aber damals bischöflich würzburgisches Eigentum, nicht Privateigentum des Amtmanns Philipp v. Riedern.[S365-3])
#3. Über die Schicksale der Kirche
berichtete ehemals die Inschrift eines Steines in der Mauer beim Fenster: Hanc ædem Martyr Bonifacius, Archisacerdos nempe olim Domino dicavit tempore, quo rex Pipinus vixit. Sub confessoris honore Martini veniam, qui petit, accipiat.
Quam nunc instaurat Cunibertus, presbyter ecclesiæ nobilis instanti
Ludovici tempore quinti. Anno MCCCXXX.
Eine spätere Urkunde besagt in der Hauptsache das nämliche, wie die lateinische Inschrift: „Im Jahr 752 ist die Pfarrkirche zu Oberlauda vom H. Bonifazi eingeweiht worden. Der Stein an der Kirchenmauer lautet zu deutsch: Die Pfarrkirche zu Oberlauda ist bei Regierung König Pipinus der Franken von St. Bonifazio in St. Martins Ehr geweiht, und als sie von Alters wegen in Umbau kommen, bei Leben Kaiser Ludwig durch einen Priester, Cunibertum geheißen, wiederum erneuert worden, wie dann solches ob der Thür bemeldter Pfarrkirch in ein Stein gehauen ist, und also lautet, wie oben steht.“ Der Umbau geschah also im Jahr 1330. — Im Jahr 1790 musste auch diese Kirche wieder umgebaut werden. Damals wurde dieser interessante Stein gegen den Willen des damaligen Ortsvorstandes, ja gegen den Willen der ganzen Gemeinde unter dem Haupteingang der Kirche, worauf der Turm ruht, unverletzt auf Befehl des Baumeisters vermauert. Der Stein, aus rotem Sandstein, ist etwa 4 Fuß hoch und 2½ Fuß breit. — So lang dieser Stein an der Kirchenmauer angebracht war (d. h. 1330—1790), soll die Jugend zu Oberlauda von Generation zu Generation aufmerksam gemacht worden sein, wenn je französische Kriegsvölker daher kämen, möge man deren Anführer auf die Inschrift des Steines hinweisen; man hoffte, der Name des berühmten Frankenkönigs werde ihnen Achtung einflößen und Kriegsgefahr abwenden.[S366-1]
Die ehrwürdig alte Pfarrei wurde später (wohl infolge der Kriegsverwüstungen im Bauern- und 30jährigen Krieg?)[S366-2] Filiale von Lauda, und erst in neuerer Zeit wieder selbständige Pfarrei.
#46. Oberndorf
ein Filialdorf zu Krautheim, mit 25 Häusern und 168 katholischen, und 14 protestantischen Einwohnern; 1517 wurde es vom Ritter Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand, der hier eine seiner zahlreichen Fehden ausfocht, in Brand gesteckt.[S366-3]
#47. Oberschüpf
#1. Name und Alter
Das Dorf Oberschüpf zählt 10 Katholiken und 581 Protestanten. — Ober- und Unterschüpf werden in den alten Urkunden gewöhnlich unter den Namen Schipfe, Scyphe, Schippa, Schüpf angeführt und haben auch beide so ziemlich die nämliche äußere Geschichte.
Was der Name der Burg, des Baches und des Dorfes Schüpf bedeutet, ist heute noch nicht klar; Manche glauben, er sei wie die Namen mehrerer benachbarten Bäche, z. B. der Tauber und der Umpfer keltischen Ursprungs, also von höchstem Alter; das alte Wappen der Gemeinde von Schüpf, eine Schippe, ist deshalb erst nachträglich aus dem Ortsnamen Schippa gebildet worden, wie die Kanne im Wappen von Kenniken (= Königheim). — Im Jahre 807 wohnte in Schüpf der fränkische Graf Aidhulf.
#2. Die Burg
Auf einer Anhöhe stehen noch wenige Ruinen der Burg Schüpf, die 1144 zum ersten Mal in den Urkunden genannt wird.[S367-1] Die Burg gehörte einem adeligen Geschlecht, das am Hof der hohenstaufischen Kaiser das Schenkenamt bekleidete und sich deshalb „die Reichsschenken von Schüpf“ nannte. Der erste hieß Conradus Colbo, später von Sciphe genannt, dessen Familie noch bis ins vorige Jahrhundert blühte. Die Schüpfer Burg, die als Eigentum der Ritter v. Rosenberg zu Boxberg[S367-2] mit der Zeit ein richtiges Raubschloss geworden, wurde 1470 (nach Andern geschah dies schon 1468) samt der von Boxberg durch die Bischöfe von Mainz und Würzburg und den Pfalzgrafen Friedrich erobert und zerstört. Die „Schenkenburg“ wurde nicht mehr an ihrer alten Stelle aufgebaut; dagegen werden wohl ihre Mauersteine Verwendung gefunden haben, als 1568 Ritter Albrecht von Rosenberg das Schloss in Unterschüpf und Reinhard von Dienheim 1588 das zu Oberschüpf erbauten; letzteres wurde 1880 von der Gemeinde angekauft und als Schulhaus eingerichtet.
#3.
Im Bauernkrieg bildete Schüpf einen Mittelpunkt der Aufständischen.[S367-3]
#4. Herrschaften
Im Jahr 807 wurden Burg und Dorf beherrscht von dem fränkischen Grafen Aidhulf, der den Ort an das Bistum Würzburg vertauschte; später besaßen die Reichsschenken von Schüpf die Burg und das Dorf.
Während Kaiser Friedrich II. (1212—50) von Hohenstaufen in Italien sich aufhielt, sollte sein Sohn Heinrich die Regierung Deutschlands verwalten; aber dieser, der weder den Verstand noch die Energie
seines Vaters, dagegen desto größeren Ehrgeiz besaß, regierte nicht im Sinne des Kaisers, sondern suchte, wie weiland Absalon, das Volk für sich gegen den Kaiser zu gewinnen; von letzterem zur Rede gestellt, bezeugte Heinrich Reue und versprach, das Geschehene gut zu machen, hielt sein Wort aber nicht, sondern empörte sich im Jahre 1234 in Verbindung mit den mächtigen und reichen lombardischen Städten offen gegen seinen Vater. In diesem Bürgerkrieg (1235) erklärte sich der Papst Gregor IX. gegen den rebellischen Sohn;[S368-1] die Städte und Herrschaften in Deutschland spalteten sich in zwei Parteien; die Reichsschenken von Schüpf standen auf Seiten Heinrichs, der sich später unterwerfen musste, und verloren durch den Zorn des Kaisers Burg und Herrschaft zu Schüpf samt dem Schenkamt am Hof des Kaisers.
Burg und Herrschaft fielen nun an die Grafen v. Hohenlohe,[S368-2] die zum Kaiser gehalten hatten, im Jahr 1239. — Im Jahr 1388 verkauften die zwei Brüder Ulrich und Friedrich v. Hohenlohe das Schloss Schüpf samt dem Dorf Uiffingen (in der Nähe von Schüpf) an den Ritter von Tottenheim, der im Schüpfergrund und besonders in Sachsenflur reiche Güter besaß.
Im Jahr 1500 war Schüpf der Sitz eines würzburgischen Amtes und kam nun 1534 an die Ritter v. Rosenberg. 1632 starb die rosenbergische Adelsfamilie hier aus, und die eine Hälfte des Dorfes kam als mainzisches Lehen an den Grafen Melchior von Hatzfeld, die andere Hälfte an die v. Dienheim, später an die Grafen v. Fugger, die v. Stetten und die Grafen v. Sponeck, als die Erben der v. Tottenheim. 1794 gelangte die erstgenannte Hälfte wieder an Mainz, 1803 an Leiningen, 1806 mit der anderen Hälfte an Baden.
#5. Die protestantische Kirche
Ritter Albrecht v. Rosenberg führte 1558 hier wie in allen seinen Besitzungen die „Reformation“ ein; darum ist die alte, aus der katholischen Zeit stammende, interessante gotische Kirche jetzt protestantisch und gehört als Filiale nach Unterschüpf.
#6.
Die Katholiken gehören als Filiale zur kath. Pfarrei Unterschüpf.
#48. Oberwittighausen
#1. Name und Alter
Das Dorf Oberwittighausen (mit 256 Katholiken), ursprünglich = Haus des Witig, wird in den noch vorhandenen Urkunden 1285 zum ersten Mal genannt; ob der 100 Jahre früher (1130) in den Urkunden erwähnte Konrad von Witigshusen in Würzburg nach Unter- oder Oberwittighausen zu rechnen ist, lässt sich nicht mehr entscheiden; es gehörte von jeher zu Grünsfeld, dessen Schicksale es teilte.[S369-1]
#2.
Höchst merkwürdig ist die ¼ Stunde entfernt stehende St. Sigismund-Kapelle.[S369-2]
#a) Namen
Sie hat ihren Namen von dem König der Burgunder, Sigismund (516), der mit seinem Volk vom Arianismus wieder zum katholischen Glauben zurückkehrte und viele Kirchen und Klöster errichtete.
Seine zweite Frau spiegelte ihm vor, dass die Großen des Reiches seinen Sohn Siegerich aus erster Ehe zum König ausrufen wollten; da ließ er ihn bei einem Gastmahl trunken machen und erdrosseln. — Bald erschrack er aber sehr über seine Unthat, übte Buße und bat Gott, ihm auf Erden die Strafe dafür aufzuerlegen. Das geschah; der fränkische König Clodomir bekriegte ihn, nahm ihn gefangen, ließ ihn zu Orleans samt den Seinigen enthaupten und seinen Leichnam in einen Brunnen werfen. Später wurde Sigismund als heiliger Büßer an vielen Orten verehrt.
Den Namen Sigismund trugen ein deutscher Kaiser, mehrere berühmte Könige von Polen und von andern Ländern; so stand er beim christlichen Volk allzeit in Verehrung. Kaiser Karl IV. (1316-1378) ließ das Haupt des hl. königlichen Büßers nach Böhmen bringen, wo es heute noch verehrt wird, und in früheren Zeiten pilgerten die Böhmen häufig hierher zu dieser Kirche; ein Weg zwischen hier und Gaubüttelbrunn heißt jetzt noch der Böhmer-Weg und weiter draußen im Gau kommt dieser Name nochmals vor.
#b) Die ursprüngliche Bestimmung
Die Kapelle hat eine ganz andere Gestalt als die sonstigen Gotteshäuser; Karch meint, sie sei eine alte Taufkapelle für die Umgegend und zugleich ein Glockenhaus gewesen. In der Mitte befinden sich nämlich vier schwere, viereckige Säulen, die oben durch Spitzbogengurten mit einander verbunden sind und einen verhältnismäßig großen Raum einnehmen; über den 4 Bogengurten erhebt sich der 8eckige Glockenturm mit den alten Glocken, der den Kreuzungspunkt zweier Kreuz
arme bildet; das wäre die Taufkapelle gewesen. Andere vermuten in diesem Mittelbau nicht eine Tauf- sondern eine Grabkapelle, da in der Frankengegend solche Taufkapellen sonst gar nirgends vorkommen, während derartige kleine Grabkapellen in Südfrankreich nicht selten sich vorfinden. Beides ist richtig; aber ebenso richtig ist auch, dass Grabkapellen im Frankenland ebensowenig vorkommen; darum lassen wir beide Ansichten dahin gestellt und bekennen, dass wir hierüber keine Gewißheit haben.
#c)
Bezüglich des Ursprungs glaubt Rettburg,[S370-1] dass die Kapelle der Rest eines alten römisch-heidnischen Tempels sei; das mag sein, dass die Fundamente auf einem solchen Überrest stehen. Die ganze Bauart und Dekoration ist aber romanisch und deutet etwa auf das Jahr 1200 als Zeit der Erbauung; dafür spricht der Charakter des sog. Übergangsstils: die unstreitig romanischen Blattornamente und Blätterkapitäle, die Spitzbogen in den Friesen der Apsis und in dem Portal, sowie die Spitzbogen des Mittelbaues an der Taufkapelle und der polygone Abschluß der Apsis. Aus der heidnischen Zeit stammt das Bauwerk nicht, dagegen spricht die Bauart; darum waren auch in dem Glockenhaus keine Götzen, noch haben die Heiden um dieselben getanzt, wie manche Leute der Nachbarschaft, der ungewohnten Bauart wegen, meinen. — Auch haben die Riesen nicht an dem Werk gebaut; es hat gar nichts riesenhaftes oder cyclopisches; es ist deshalb leere Fabel, wenn die Leute erzählen: derselbe Riesenbaumeister, welcher die gaurettersheimer Kirche baute, habe nach deren Vollendung den Hammer fortgeworfen und gesagt, wo er hinfalle, wolle er eine zweite Kirche bauen; und so sei es geschehen. Die Riesensage der Sigismundkapelle ist höchst wahrscheinlich eine der so sehr häufigen volksetymologischen Erklärungen und kommt von der jetzt modernisierten Kirche in Gaurettersheim, deren älteste Bestandteile, wie z. B. der romanische Turm, aus derselben Zeit stammen wie die Sigismundkapelle. An der Kirchenwand zu Gaurettersheim hängt nämlich der lange Stoßzahn eines der jetzt ausgestorbenen Mammuthe oder Riesenelephanten, den man beim Graben im Boden gefunden hatte, wie ähnliche an vielen andern Orten. Diesen Stoßzahn betrachtete das Volk als eine Riesenrippe und combinierte daraus im Zusammenhang mit
der alten Bauart beider Kirchen und den Figuren des Sigismundportals die Fabel von den Riesen, die einstens hier gehaust haben sollten.
#d) Die Symbolik des Portals
ist in hohem Grad merkwürdig und hat schon manchen denkenden Kopf beschäftigt. So zierlich die Blattornamente, so unbeholfen und roh sind die Tier- und Menschenfiguren des Portals; rautenartige Körper, eine kopflose Menschengestalt im Ornat, ein rumpfloser Menschenkopf, ein kopfloser Vogelleib, eine mit Skapulier bekleidete Gestalt, die eine gewundene Säule (Stab?) mit der Rechten erfaßt, der an einen Baumstrunk gefesselte Satan (?), der eine Seele gepackt hat, dazu eine Anzahl vierfüßige und geflügelte Tiere, Krokodile, nackte Gestalten und Schlangenlinien, Blumen und geometrische Figuren bilden den Schmuck des Portals und der Archivolten; die Urteile darüber gehen weit auseinander; während Niedermaier[S371-1] meint: „Einen Gedankencyclus von tieferem theologischen Gehalt dürfe man nicht suchen“, findet Karch darin die tiefste Spekulation eines aristotelisch-scholastischen Gelehrten.
#e)
Der freie Platz um das Kirchlein mit den alten, riesigen Lindenbäumen wird in weitem Bogen von einer Mauer umzogen und diente ehemals als Gottesacker; in früheren Zeiten sollen die Leute zum Gottesdienst aus weiter Ferne hierher geritten sein und die Pferde auf dem grasigen Platz haben weiden lassen. — Ferner haben die Leute ehemals in der Kapelle Salz geopfert, weshalb sie auch Salzkapelle hieß. Die Pfarrer von Poppenhausen und Oberwittighausen hatten an dem Kirchlein Pfarrrechte.
#f) Neuere Geschichte
1827 wurde die Kirche, wie viele um jene Zeit, auf den Abbruch versteigert; die Bauern kauften die Kapelle, der eine die Ziegel, der andere die Mauersteine, der dritte das Inventar u. s. w. Jeder bezahlte seinen Teil, ließ aber die Kapelle stehen; und so blieb das hochinteressante Bauwerk erhalten.
1843 begann man, das merkwürdige Bauwerk zu restaurieren; die Gemeinde gab 500 fl, der Großherzog 200. Im Jahr 1846 wurde die Kapelle neu eingeweiht.
#49. Oberwittstadt
#1. Name und Alter
Das Dorf (mit 810 Kathol. und 3 Protest.) hieß um 1200 Wittichestat, Stätte des Wittig.[S372-1]
#2. Herrschaften
Schon seit dem Jahr 1200 waren die Herren von Wittstadt sowie die Grafen von Crutheim und Boxberg hier begütert.[S372-2] Vom Jahr 1300 an führten die Edlen von Wittstadt verschiedene Namen; so Cunrad v. Witgestat, genannt von Sachsenflur und Aschhausen;[S372-3] andere nannten sich von Hagenbach; dann erschienen nach einander als Besitzer: die Grafen von Eberstein,[S372-4] Kurmainz, vorübergehend auch Würzburg, 1802 Salm-Krautheim, 1806 (1840) Baden.
#3. Die Pest und ansteckende Krankheiten
wüteten 1626 so arg, dass man „angefangen, das Fest des hl. Sebastian um Abwendung der Pestilenz hiefür feierlich zu halten“;[S372-5] noch in den Jahren 1634 und 1635 starben hier 142 Personen an der Pest.[S372-6]
#4. Im 30jährigen Krieg
musste das Dorf alles Elend der Zeit mit ertragen durch Hunger, Krankheit, Gewaltthat der Kriegsvölker.[S372-7] Am 12. Juli. 1645 wurde der Ort durch sachsen-weimarische Heerhaufen angezündet und vollständig niedergebrannt. Der Pfarrer Jacobus Philippi ist, weil er katholisch bleiben wollte, von den Soldaten „in der Kirch im finstern Loch erschoßen und ausgezogen worden, tot und 9 Tag lang ligen müssen, bis er begraben worden“, berichtet das Totenbuch. — Damals wurde auch das Pfarrhaus und die Scheuer, die in dem Pfarrgarten, dem jetzigen Pfarrhaus gegenüber erbaut waren, niedergebrannt. Sein Nachfolger Zacharias Maier, der 1646 die zerstörte Pfarrei antrat, schrieb auf die letzte Seite eines Kirchenbuches: „Da mußte ich selbst Hand ans werg legen, um das Nötigste wieder herzustellen, denn wegen dem Schwedischen Volk konnte man mit großen Kosten keine Handwerksleute bekommen. Die Bauern halfen mir, Pfarr
haus und Garten mit neuen Zäunen umgeben, denn durch die Feinde war Alles zerstört worden. Ich versah indessen die Pfarrei Schillingstadt. Von dort aus bezog ich das Pfarrhaus in Wittstatt, nachdem nur das Notwendigste hergestellt war, um wohnen zu können. Ich habe nichts als Jammer und Leid erfahren und Essig und Wermut geschmeckt. Gott gebs, dass mein Nachfolger es besser habe.“
#5. Die Hexenprozesse,[S373-1]
die nicht nur im Taubertal, sondern in ganz Deutschland viele tausend unglückliche Leute auf den Scheiterhaufen lieferten, haben auch in Oberwittstadt ihre Opfer gefordert. Am 13. August 1592 wurden hier als Hexen lebendig verbrannt: Wenzel Bauren, Anna Zimmermännin, Barbara Hetzlerin, Engel Zipfin. Es mögen vielleicht noch mehr gewesen sein, die vorher und nachher verbrannt wurden, doch sind nur von diesen die Namen bekannt.
#6. Die Pfarrkirche,
die jetzt steht, ist die zweite oder die dritte. Die frühere gotische Kirche stammte etwa aus dem Jahr 1400; der Hochaltar im Chor wurde 1456 geweiht zu Ehren der hl. Apostel Petrus und Paulus, der 10000 Märtyrer, der hl. Valentin, Eucharius, Antonius, Jodocus, Sebastian und Barbara. — Diese Kirche brach man etwa um 1753 ab und errichtete die jetzige, neue; der Turm wurde 1780 gebaut.
#7. Das Pfarrhaus,
welches 1645 niedergebrannt wurde, und aus dessen Trümmern Pfarrer Zacharias Maier notdürftig eine Wohnung hergerichtet hatte, wurde 1660 auf dem Platz aufgeführt, auf dem das jetzige steht. Das Stiftungsverzeichnis der Jahrtage besagt:
„Anno 1660 ist das Pfarrhauß auf gewesenem Unterschultheiß Lorenz Gerigs Hausplatz gebauet, welchen Platz Anna Gerigs, Lorenz Gerigs hinterbliebene Wittib, halb und Hans Peter Mühligs halb gestiftet haben. Hiervon ist ein Pfarr zwo Jahrtags schuldig.“
Als dieses Pfarrhaus 1879 abgebrochen und neu gebaut wurde, fand man an einem Holzpfosten die Jahrzahl 1660 und dieselbe Zahl auf einigen von den abgenommenen Ziegeln, die also 219 Jahre alt waren.
#8. An die Wallfahrtskapelle auf dem Heiligenberg,
etwa 12 Minuten vom Dorf entfernt, knüpft sich die (auch
sonst vorkommende Sage): Anfangs wollte man die Kapelle ganz auf der Höhe des Heiligenberges erbauen und hatte bereits das Holz hinaufgeschafft, aber am andern Morgen lag es an dem Platz, wo jetzt die Kapelle steht. Als man nun das Bauholz wieder auf die Höhe zurückbrachte und sich die Holzverlegung gerade so wiederholte, betrachtete man dies als ein Zeichen, dass die Kapelle auf der jetzigen Stelle sich erheben solle. Die Jahrtagbeschreibung von 1643 berichtet:
„Die Kapelle, zum Heiligenberg genannt, ist vor unvordenklichen Jahren dahier gebaut, steht auf Joannis Schönauer Acker, da 3 lange Spieß lang vor gemelter Capell vor etlich Jahren herfür geackert worden tote Körper, Gebeine, Stück vom pacemkreutz, vergült in Glas eingelegt. Item, ein alt Crucifixbild, darauf den Bildnuß Christi des Herrn mit 4 Nägeln genagelt.
In der Höhe der Kapell ober dem Altar sein zu sehen Krücken, Wachsfigur und andere denkwürdige Sachen, so vor Alters die Andacht der Menschen dahin getragen.
Der Altar in dieser Kapellen ist Anno 1456 am Freitag nach St. Kiliani zu Ehren des hl. Bonifacii, der hl. Jungfraw Maria, der hl. Georg, Leonard, Gangolf, Wendelin, Dorothea, Ottilia, Agatha und der 11000 Jungfrawen geweiht worden durch den obgemelten hochw. Herrn Johannes, Bischof von Emaus.
Patronus dieser Kapellen ist St. Bonifazius, auf welchen Tag die Oberwittstatter einen Feiertag halten. Dedicatio gemelter Kapell oder Kirchweihtag wird jährlich den Sonntag nach St. Margaretentag gehalten.
Am hl. Ostertag rückt man umb die Flur mit dem hochwürdigen Sakrament. Werden unterwegs 4 Evangelia gelesen, das 1. in der Kapell das 2., 3. und 4. je nach dem Flur.
St. Georgii wallen die Oberwittstatter in ihre Kapell zum hl. Berg genannt.“
#50. Paimar
Das Dorf Paimar (mit 49 Häusern und 584 kathol. Einwohnern) hieß 1407 Bunber, später Beumar, auch Beymar; der Name ist entweder aus dem Althochdeutschen Biunt-Bur (Bauer) oder aus Buno-Bur entstanden.[S374-1] — Der Ausdruck beunt (als eine Silbe zu sprechen) kommt jetzt noch in der hiesigen Volks-Mundart vor im Sinn von: ein Grundstück; der Name bedeutet also das Grundstück des Bauern und hat in seiner ersten Silbe
eine ähnliche Ableitung wie Ilmeßbeunt (Ilmspan)[S375-1] in seiner letzten Silbe. Ist der Name aus Buno-Bur entstanden, so bedeutete er den Namen des ersten Hofbesitzers = Buno = Bauer. Paimar gehörte zum Amt und zur Pfarrei Grünsfeld, dessen äußere Geschichte auch die seine ist.[S375-2]
#51. Poppenhausen mit Hof Lilach
#1. Name und Alter
Das ganz katholische Pfarrdorf Poppenhausen (mit 23 Häusern und 212 Seelen) ist schon alt; denn die romanische Kirche mit dem massiven Turm stammt etwa aus dem Jahr 1100; zum erstenmal wird Poppenhausen erwähnt im Jahr 1312. Der Name bedeutet Haus des Poppo, ein Name, der im ganzen Mittelalter sehr häufig vorkommt.
#2. Herrschaften
Auf den Hügeläckern finden sich noch Überreste einer Burg, auf der wohl die Ritter von Boppenhausen, die ersten Herren des Dorfes, wohnten. Ritter Friedrich v. B. wird schon 1223 genannt. Später gehörte das Dorf nach Mainz; 1803—1805 zu Leiningen, dann zu Salm-Krautheim; seit 1806 zu Baden. Das ehemalige Kollegiatstift in Aschaffenburg zu St. Peter und Alexander hatte den vierten Teil der Gemarkung als Erbbestand.
#3. Die Pfarrkirche[S375-3]
wurde um das Jahr 1100 vom Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg im romanischen Stil gebaut. Der mächtige Sockel, der das Schiff in nicht immer gleicher Richtung umzieht, ist echt im ganzen Mauerwerk. — Die 2 ursprünglichen Fenster sind nur schmale Schlitze, wie sie dem alten romanischen Stil eigen sind; die zwei westlichen, ehemals eben so schmalen Fenster haben 1818 die Frauen des Ortes von ihrem Buttergeld, wie es in den Pfarrakten heißt, erweitern lassen. Der Turm auf der Ostseite hat zwei Arkadenreihen ohne Konsölchen. An der südlichen Kirchenwand befindet sich eine Uncial-Majuskelschrift, deren Deutung nicht in allen Stücken sicher ist; sie lautet:
EGO. FRIDERICVS. DE. CRESE. QOT. VLIZ. OCO. MSUSA. ZIV. V. AGROS. I. BOBVHUSE. DP. REMEDIO. PATRIS. ET. MATRIS. MEE. ET. OMNIUM. PARENTV. MEORM. QVI. SOLWT. QATUOR. UNCIAS. DE. AGRO. UNO. O. TRES. DENARIOS. DFERO. ECKLE.
#4. Die merkwürdige St. Sigismundkapelle
an der Grenze gegen Oberwittighausen (jetzt ganz auf letzterer Gemarkung) gehörte früher teilweise zu Poppenhausen, welches einen Teil der Pfarrrechte daselbst übte.[S376-1]
#5.
Zu Poppenhausen gehört als Filiale der Hof Lilach mit 4 Häusern und einer Kapelle, die ein wertvolles, hölzernes Altarbild, die schmerzhafte Mutter Gottes, aus dem 16. Jahrhundert enthält.
#6. Dorfspruch
Die umliegenden Ortschaften kritisiert der poppenhäuser Dorfspruch:
Grünsfeld it e schöne Schtot,
(Grünsfeld=)Hause it e Dudlsok,
Pemr (Paimar) it e Melkküwl,
Kresi (Krensheim) it dr Deckl drüwr,
Ilmspo it die naie Welt,
Ze Kist hok dr Daifl ufm Tisch un frißt,
Ze Kiri (Kirchheim) heltr Firi,
Ze Poppehause meicht er Poppe (macht er Puppen),
In Wittihause trinkt er n Schoppe,
In Bötrt (Bütthard) hockt er ufm Tisch un löprt (trinkt).
Ähnliche Sprüche finden sich übrigens auch anderwärts, z. B. in der Schweiz.[S376-2]
Aarau ist e schöni Stadt,
Lenzburg ist e Güllefaß,
Aarburg ist e Güllezuber,
Zofingen der Deckel drüber u. s. w.
Ferner:
Aarau ist e schöni Stadt,
Biberstein e Bettelsack,
Kilchberg ist der Ankechübel (Butterkübel),
Küttige der Deckel drüber,
Suhr, das ist der Stampfel,
Brugg ist e Chrisichübel (Kirschenkübel),
Lenzburg ist der Deckel drüber,
Altenburg lit a der Aare,
Königsfelden ist voll Nare.
#52. Pülfringen
#1. Name und Alter
Das Dorf Pülfringen (583 Kathol., 2 Prot.) heißt in den Urkunden von 1241 Bilverincheim und noch 1799 Bülfrigheim; es ist natürlich viel älter und hat seine Bezeichnung von dem althochdeutschen Namen Bilifridigun, deren Familie hier ansässig war. Nach Heilig[S377-1] wird es erklärt als Heim der Bilifridigun. Der Ort bestand ehemals aus 8 Höfen, die zeitweilig unter verschiedenen Herrschaften, Wertheim, Karthause Grünau u. s. w. verteilt waren; nun, da sie vereinigt sind, bilden sie ein ansehnliches Dorf.[S377-2]
#2. Herrschaften
Bis zum Jahr 1372 wohnte hier ein eigenes Rittergeschlecht; dann kam es von Ritter Kunz v. Bülfrigheim an die Grafen von Wertheim und erhielt von Graf Johann III. ein Weistum, d. h. eine Dorfordnung wie Schweigern, Wenkheim[S377-3] u. s. w. 1565 fiel es, nach dem Erlöschen der wertheimer Herrschaft, als erledigtes Lehen an Würzburg, 1803 an Leiningen, 1806 an Baden.
#3. Die Pfarrei
Das Kloster Amorbach, welches die Seelsorge versah, setzte hier den Pfarrer und bezog aus der ganzen Gemarkung den Zehnten und andere beträchtliche Gefälle, weshalb es darüber einen eigenen Schultheißen bestellt hatte. Die Kirche wurde von Bischof Julius von Würzburg erbaut und enthält eine ansehnliche Marienstatue in Holz aus dem 16. Jahrhundert.
#4.
In der Nähe liegt der Birkenfelder Hof.
#53. Sachsenflur
#1. Name und Entstehung
Das wilde, unbändige Sachsenvolk in Norddeutschland hatte sich am meisten dem Frankenreich unter Kaiser Karl dem Großen feindlich und unversöhnlich gezeigt; so oft sie auch von Kaiser Karl geschlagen waren und Friedensverträge beschworen hatten, immer wieder fielen sie in das Frankenland ein, raubten, verbrannten die Kirchen und ermordeten die Missionäre; da unternahm Karl eine Radikalkur; er ließ nach der
Schlacht auf dem Sintfeld 794 und 804 ganze Gemeinden aus dem Sachsenland fortführen und als Kolonien in verschiedenen Gegenden Ostfrankens sich ansiedeln, so dass sie nun zerstreut ihre Kraft verloren; eine solche Kolonie ist „Saxenflur“[S378-1] mit 25 Katholiken und 406 Protestanten. (Ebenso Sachsenhausen, Hohensachsen, Lützelsachsen, Großsachsen u. s. w.)
#2. Herrschaften
Von 1300 bis etwa 1450 wohnten hier die Ritter von Sachsenflur, die auch das kleine Schloss erbauten. Dieses kam im Laufe der Zeit in den Besitz einer großen Anzahl adeliger Familien; so finden wir die Namen der Herren v. Hatzfeld, v. Bernhausen, v. Gemmingen-Widdern, v. Adler, v. Stetten, v. Fugger, v. Sponeck. Nach dem Aussterben der v. Rosenberg, 1632, fiel die Hälfte an die Pfalz, die andere an Mainz. Der ganze Ort war in die „pfälzische und adelige Hälfte“ (weil die eine Hälfte einer Adelsfamilie gehörte) geteilt; aber das Hin- und Herziehen aus einer in die andere war gestattet. Da gab es viel Streit zwischen den „Edelmännischen“ und den „Pfälzischen“. Im Jahr 1685 besaßen die Herren v. Vellburg 100 Morgen von der Gemarkung; 1770 gehörte den Herren v. Hatzfeld 2/8, v. Hoheneck 1/8, v. Gemmingen 1/2, v. Seyfried 1/8; der Anteil v. Seyfrieds wurde um 35 500 fl feilgeboten. 1803 kam das Dorf an Leiningen, 1806 an Baden.
#3.
Zur Zeit des Bauernkriegs, 1525, soll hier eine ähnliche Geschichte passiert sein, wie sie von verschiedenen andern Orten berichtet wird.
Die Sage erzählt:[S379-1] In Sachsenflur lebte die Witwe des Arnold von Rosenberg mit einem Sohne und einer Tochter. Sie hatte eine besondere Vorliebe für Tauben, deren sie eine große Schaar hegte, und denen trotz des argen Schadens, den sie anrichteten, nichts geschehen durfte. Als eines Tages nach denselben geworfen und das Lieblingstäubchen des Edelfräuleins verletzt wurde, stellte sich als Missetäter der Sohn des Nachbars heraus, dem man aber nicht beikommen konnte, da er noch 5 erwachsene Brüder hatte; darum wartete der Junker auf Gelegenheit. An Fastnacht 1525 veranstalteten die jungen Leute allerlei Scherz und Mummerei; eine Schaar zog vor das Schloss, voran eine Närrin mit einem Kleid aus lauter Taubenfedern und einem Käfig voll Tauben auf dem Rücken, die sie mit lauter Stimme zum Verkauf anbot,
und deren Anpreisung mit hellem Gelächter begleitet wurde. Da öffnete sich plötzlich das Thor des Schlosses, der Junker sprang heraus, ergriff die Närrin, riss ihr die Mummerei vom Gesicht und erkannte des Nachbars Sohn, der das Täubchen geworfen hatte; während die übrigen auseinanderstoben, schleppte er seinen Gefangenen in den Schlossturm. Da des Gefangenen Mutter nichts aus richtete, begab sich der Vater zum Bauernanführer Metzler von Ballenberg,[S379-2] der durch die Erzählung dieser Geschichte die Volkswut noch schürte und viele zur Teilnahme am Aufstand bewog. Sie zerstörten das Schloss zu Oberschüpf, dann zogen sie auch vor das Schloss zu Sachsenflur, um es zu brechen. Doch wurde die Belagerung beendigt durch den Ritter Florian Geyer von Giebelstadt, der mit seinen Bauern von Ohrenbach dem Metzler zu Hilfe kam. Der Friede wurde dadurch geschlossen, dass der Zehnte von den Sommerfrüchten nachgelassen wurde.
#4.
Charakteristisch für die Zustände des 16. und 17. Jahrhunderts und darum interessant sind die Geleits-Streitigkeiten, d. h. wer das Recht habe, mit seiner Mannschaft den Reisenden das Sicherheits-Geleite zu geben und dafür den entsprechenden Tribut zu erheben.
1668 wurde in Königshofen ein neues Geleitgeld erhoben und zwar von jedem Wagen, ob dieser nach Frankfurt gehe oder nach Straßburg 33 Kreuzer. Dagegen erhob die Pfalz Einsprache, da ihr von Sachsenflur aus das Geleitrecht zustehe. Solche Geleitsbriefe waren kleine Zettel, auf welchen z. B. die Worte standen: „Chur-Mayntz. Landt Zohl X Kr.“ oder „Gelaidt vor Ein Juden zu Pfert“.
1669 entstand abermals ein Geleits-Streit, wobei die Pfalz immer im Nachteil war, da Mainz leicht viel Mannschaft beibrachte, während die Pfälzer, deren Landkompagnie zu Pferd ganz in Abgang kam, nur 8 Reiter aufzutreiben vermochten. Mainz errichtete deshalb unterhalb Sachsenflur einen Schlagbaum und baute daneben eine Schanze, in die es Musketiere legte, während sonst das pfälzische Geleite bis an die Brücke zu Königshofen ging. Deshalb errichtete die Pfalz hier eine Zollstätte und forderte dieselben Abgaben wie Mainz; zur „Frankfurter Meßzeit“ 1670, 8. April, wurde eine Extrawache von 8 Mann dahergelegt, um das Geleite der Mainzer zu verhindern. Da erschienen 400 Mann Mainzer unter dem Obersten Cronenberg vor Sachsenflur und forderten
Öffnung der Tore; als dies verweigert wurde, erstiegen sie die Mauern und erbrachen die Tore. Dann ritt der Oberst durch Sachsenflur bis nach Schweigern, nachher durch Schüpf bis gegen Uiffingen, während die ihn begleitende Reiterei die Saatfelder verwüstete; da der Streit zwischen Pfalz und Mainz schlimme Folgen drohte, boten mehrere Fürsten, auch Markgraf Friedrich von Baden, ihre Vermittlung an.
#5. Befestigung
Das Dorf war ehemals mit Mauern umgeben und durch Tore geschlossen, die aber jetzt samt dem Thorwartshäuschen abgebrochen sind.
#6. Das Schloss,
das lange Zeit Sitz von Edelleuten war, ist jetzt in Privathänden; der Turm trägt zwei Wappen, das der Herren v. Stetten und ein anderes mit der Jahrzahl 1558.
#7. Die Kirche[S380-1]
Es bestand hier nie eine katholische Pfarrei; wohl aber besaß das Dorf längst vor 1453 eine eigene Kapelle, und nach dem Zeugnis des würzburger Synodalbuches (von 1453) eine Frühmesse, die von Schüpf aus besorgt werden musste. 1469 errichtete der Grundherr des Dorfes eine eigene Kaplanei zu Sachsenflur, die am 10. Juni desselben Jahres von Bischof Rudolf von Würzburg bestätigt wurde.
In der Stiftungsurkunde heißt es: „Wir, diese hernach geschriebenen, Wilhelm von Tottenheim, Ritter, Michael Jörge und Arnold von Rosenberg und Endres Blumlein bekennen, — daß wir mit gesunden Leiben stehend und gehend mit wohlbedachtem Muth und vereintem Willen durch Betrachtung der vergänglichen Tage des Lebens, und um Lobs und Ehre willen des allmächtigen Gottes, Mariä seiner lieben Mutter und alles himmlischen Heeres, zu Trost und um Heils willen unser und aller unser Vorfahren sel. Seelen dazu betracht und zu Herzen genommen, daß nichts gewisseres ist, dann der Tod, und nichts ungewisseres dann die Stunde des Todes, dazu, daß dem Menschen nichts nachfolgt, dann die Gutthat, die er thut auf Erdreich in der Zeit der Gnaden — haben gestift — in der Kapellen unseres Dorfes Sachsenflur in Schüpfer Pfarr, Würzburger Bisthum, die geweihet ist in Lob und Ehre der Himmelskönigin Maria und in Ehren des hl. Apostels und der lieben heiligen und getreuen Nothelfer St. Jörgen und St. Wendels, also daß ein jeglicher Kaplan jetzo daselbst oder in künftigen Zeiten dahin kommend, getreulich und mit Fleiß vor uns alle Gott inniglich ermahn und bitte u. s. w.“
#8. Die Einführung der „Reformation“
geschah hier 1564 wie in allen rosenbergischen Orten durch Albrecht v. Rosen
berg, der die bisher kathol. Kapelle den Protestanten übergab; die Einkünfte der (bisher katholischen) Kaplanei zu Sachsenflur wurden der im gleichen Jahr errichteten lutherischen Kaplanei zu Unterschüpf überwiesen, dafür musste der (protestantische) Kaplan zu Unterschüpf den (protest.) Gottesdienst in Sachsenflur besorgen.
Nachdem 1691 das Amt Boxberg würzburgisch wurde, machte Bischof Johann Philipp von Würzburg am 16. Juni 1699 die Kirche zu Sachsenflur zur Simultankirche für Katholiken und Protestanten. So blieben die Verhältnisse bis 1740, wo den Katholiken, um die unaufhörlichen Zwistigkeiten zwischen beiden Konfessionen zu beseitigen, in dem Schlößchen des Dorfes ein Betsaal eingerichtet und vom damaligen Dekan in Lauda eingeweiht wurde.
#9.
Die alte, gotische Kapelle, die jetzt wieder dem alleinigen Gebrauch der Protestanten diente, wurde 1785 abgebrochen und eine neue aufgebaut. Die protestantische Gemeinde von Sachsenflur gehörte anfangs zu Unterschüpf, später zu Dainbach, seit 1860 wieder zu Schüpf.
#10.
Die kleine, katholische Gemeinde wird von Unterschüpf aus versehen.
#11.
Als Berühmtheit ist noch zu erwähnen der Komponist Johann Rudolf Zumsteeg, der hier 1760 geboren wurde; als Zögling der Karlsschule zu Stuttgart und Freund des Dichters Schiller componierte er die Gesänge zu dessen „Räuber“. Er starb 1802 als Konzertmeister und Opern-Direktor zu Stuttgart.
#54. Schillingstadt
#1. Name und Ursprung
Das Dorf Schillingstadt (mit 203 Kathol., 525 Protest., 8 Israel.) gehört zu den ältesten Orten des ganzen Frankenlandes; es wird schon 722 unter dem Namen Scillingstat in den alten Urkunden erwähnt; die berichten, dass ein Schüler des hl. Bonifazius daselbst Kirche und Pfarrei errichtete.
#2. Größe
Es war früher viel größer als jetzt. Auf der Gemarkung Schillingstadt kamen im Jahr 762 noch 2 Dörfer vor, die untergegangen sind; beim Bebauen der Felder stößt der Landmann jetzt noch, ziemlich weit vom Dorf entfernt, auf Mauerreste.
#3. Die drei Tore
Der Ort war früher mit Mauern umgeben und hatte noch zu Anfang dieses Jahrhunderts 3 Tore.
An dem „unteren Thor“ gegen Berolzheim war der „Schwedenhut“ angenagelt, über den die Sage meldet: Im 30jährigen Krieg wollte ein Trupp schwedischer Soldaten in das fast menschenleere Dorf eindringen. Die wenigen Leute machten hinter der Mauer großen Lärm, ein Bürger galoppierte mit dem Pferd hin und her, um den Anschein zu erwecken, als sei man auf den Angriff gerüstet; ein Mädchen schoss aus der Thorwartswohnung (über diesem unteren Tore) einen Soldaten nieder, dessen Hut zum Andenken an das Thor genagelt wurde; die entmutigten Feinde zogen ab, und die Einwohner, die sich in die trichterförmige Grube am Belsberg (am Wintergrunerain) geflüchtet hatten, sahen zu. — Das „dicke Thor“ stand gegen Eubigheim, das „obere Thor“ bei der jetzigen katholischen Kirche. An diesem Thor war der „Zigeunerhut“ angenagelt. Einen jungen Zigeuner, den man beim Dorf aufgegriffen hatte, zwang man, seine „Kunststücke“ zu zeigen. Da er nun durch „Zauberei“ seinen Hut an einen Zaunpfahl hing, wurde er als Hexenmeister getötet und sein Leichnam in die nordöstliche Kirchhofsecke (bei der Kirche) begraben, wo bald darnach Mutter und Schwester des Unglücklichen das Grab in leidenschaftlichem Schmerze aufwühlten.
#4. Herrschaften
In den Urkunden des berühmten Klosters Lorch wird das Dorf in den Gau Wingartheiba gerechnet. Seit alten Zeiten gehörte es zur Burg Boxberg; 1245 übergab es Graf Crafto von Boxberg mit Schwabhausen und andern Orten seinem Schwager Gottfried v. Hohenlohe; samt dem Amt Boxberg, zu dem es gehörte, kam es an die von Rosenberg und 1519 auf kurze Zeit durch Kauf in Besitz der Herren von Dhure; 1561 trat Albrecht v. Rosenberg das Dorf an Kurpfalz ab; seither ist seine Geschichte dieselbe wie die von Boxberg.[S382-1]
#5.
Drei Schlösser sollen ehemals hier gestanden haben, eines auf dem „Börzel“, einem Hügel gegen Nordwest; ein anderes in dem Wiesengrund, der jetzt noch Borkengraben (Burggraben) heißt.
#6. Die Pest
1514 wütete so arg, dass nur noch 7 Einwohner übrig blieben, und diese kein Zugvieh mehr hatten, die Felder zu bestellen.[S382-2]
#7.
Im 30jährigen Krieg hatte der Ort, wie die ganze Gegend, viel zu leiden.[S382-3] 1673 war große Hungersnot. Viele Leute fand man tot auf den Straßen, Gras im Mund.
#8. Unglück durch Sturm und Feuer
Am 4. Juli 1774 verursachte ein gewaltiger Sturm dem ganzen Dorf großen Schaden; an der Kirche allein gingen 400 Ziegel und 200 Scheiben zu
grunde; am 5. Sept. 1863 legte ein mächtiges Feuer 46 Gebäude in Asche und verursachte einen Schaden von 80 000 fl; am 20. Aug. 1865 verzehrte ein abermaliger Brand 21 Gebäude mit einem Schaden von 30000 fl.
#9. Die alte katholische Kirche,
die nach dem Lorcher Urkundenbuch schon 772 Stiftungen zu Ehren des hl. Nazarius erhielt, wurde etwa um 1500 umgebaut und 1564 durch Albrecht v. Rosenberg „reformiert“. 1735 wurde das Langhaus nochmals umgebaut. — Nachdem der kathol. Gottesdienst in den zur Pfalz gehörigen Ortschaften wieder hergestellt war, wurde seit 1685 durch den Pfarrer und die Kapläne von Oberwittstatt die Seelsorge für Windischbuch mit Schillingstadt und Schwabhausen versehen. 1702 bekam Schillingstadt einen eigenen katholischen Pfarrer für die oben genannten Orte, 1710 wurde die katholische Pfarrkirche in Windischbuch errichtet und die Pfarrei von Schillingstadt in diese letztere Gemeinde übertragen. 1745 wurde, da das alte Gotteshaus baufällig geworden war, der Bau einer neuen kathol. Kirche für Schillingstadt begonnen, wozu der damalige Schultheiß den Bauplatz schenkte. Die Einweihung geschah am 29. Sept. 1777. Der Gottesdienst wird gegenwärtig von Berolzheim aus versehen.
#10.
Die Protestanten haben hier eine eigene Pfarrei.
#55. Schönfeld
#1.
Das Pfarrdorf Schönfeld (mit 528 Katholiken) hieß ehemals Sconefeld und gehörte in das würzburgische Amt Grünsfeld, später nach Mainz. Ehemals wohnten hier die adeligen Familien von Pfusch und Lump v. Godenheim. Eine Eleonora v. Pfusch machte viele Stiftungen. 1149 bis gegen 1290 wohnte hier die adelige Familie der von Sconefeld.
#2.
Neben dem Ort gegen Kleinrinderfeld lag bis zum 30jährigen Krieg der Hof Rohrensee, der noch 1612 durch den Amtmann Kaspar Lorch von und zu Dürmstein in Tauberbischofsheim vermessen und abgesteint wurde.[S383-1] Seit dem genannten Krieg ist der Hof aber ganz vom Erdboden verschwunden (wie dies geschah, ist gänzlich unbekannt), so dass kaum noch die Flurbezeichnung daran erinnert.
#56. Schwabhausen
#1. Name und Alter
Das Dorf Schwabhausen (mit 13 Kathol. und 522 Protest.) wird 1233 zum erstenmal in den Urkunden als Eigentum der Herren von Bokysberg erwähnt und Suabehüsen genannt.
#2. Herrschaften
1245 verschrieb es Crafto von Bokysberg seinem Schwager, dem Grafen Gottfried v. Hohenlohe, mit 6 andern Orten. Es gehörte jederzeit zur Burg Boxberg, mit der es auch jeweils den Besitzer gewechselt hat;[S384-1] so kam es an Rosenberg, 1561 an Kurpfalz, 1803 an Leiningen, 1806 an Baden.
#3. Die Pest
wütete 1514 mit solcher Heftigkeit, dass nur drei Bürger am Leben geblieben sein sollen;[S384-2] ein Denkmal jener Schreckenszeit ist heute noch die „Pestlade“, ein grün angestrichener, sargartiger Kasten, dessen Deckel auf einer Seite zurückgeschlagen werden kann. Der Lade bediente man sich, weil die Sterblichkeit zu groß war, als dass der Schreiner genug Särge hätte machen können; am Grab ließ man die Seite aufklappen, der Leichnam blieb im Grab und die „Pestlade“ wurde zurückgezogen, um auch bei den folgenden Beerdigungen verwendet zu werden. — In der Landschaft Schaffhausen finden sich noch auf fast allen Kirchtürmen solche mit eisernen Banden und Ringen versehene „Pestladen“.[S384-3]
#4.
Im 30jährigen Krieg, 1624, wurde fast der ganze Ort verbrannt.[S384-4] Zum zweitenmal legte am 25. März 1784 ein Brand 5 Scheuern in Asche und ein dritter Brand am 16. Nov. 1792 sieben Scheuern. Zum Gedächtnis dessen wurde bis in die neuere Zeit alljährlich der 25. März als „Brennfeiertag“ begangen.
#5. Die alte, ehemals katholische Kirche
gehörte nach dem würzburger Synodalbuch von 1453 in das Landkapitel Buchen. Bei Einführung der „Reformation“ durch Albrecht v. Rosenberg wurde sie den Protestanten überwiesen, welche anfangs von Wölchingen, später von Schillingstadt aus ihre Pastoration empfingen.
1618 wurde durch Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz für dieselben eine eigene Pfarrei errichtet, der Windischbuch und Seehof zugeteilt wurden; durch den 30jährigen Krieg und den großen
Brand war die Gemeinde so verarmt und unansehnlich geworden, dass sie 1654 nach Gerichtstetten eingepfarrt wurde. Als aber den letzteren Ort 1702 (5. April) die Katholiken wieder in Besitz nahmen, wurden die Protestanten von Schwabhausen abermals nach Schillingstadt überwiesen.
#6.
Die Katholiken gehören als Filiale nach Windischbuch, dessen Pfarrei-Geschichte auch zum großen Teil für Schwabhausen gilt.[S385-1]
#57. Schwarzenbrunn
ist ein Hof von 6 Familien und gehörte den Herren von Hardheim und dann den Grafen von Löwenstein-Wertheim; der „lange Lienhart Brenk“, der im Bauernkrieg 1525 als ein kriegserfahrener Unteranführer in der schwarzen Schaar des Ritters Florian Geyer gerühmt wird, stammte nicht aus diesem Schwarzenbrunn, wie vielfach gesagt wird, sondern aus Schwarzenbrunn im württembergischen Jagstkreis.[S385-2] 1666 vererbten die Grafen v. Wertheim die Höfe an einzelne Bauern gegen bloße Gülten mit völliger Steuerfreiheit; durch diese Standesherrschaft wurde auch die „Reformation“ hier eingeführt.
#58. Schweigern
#1. Name und Ursprung
Das Dorf (mit 125 Kathol. und 856 Protest.) gehört zu den ältesten Orten der Gegend; hier errichtete der hl. Bonifazius (etwa um 722) eine Kirche zu Ehren des hl. Martinus[S385-3] und teilte sie mit »Lauda, Kunegeshoba. et villa Sueigra in Dubargeu« dem Bistum Würzburg zu; das wurde wiederholt, auch von Kaiser Ludwig dem Frommen 822, bestätigt.
Der fränkische Chronist Peter Harrer (1525) erzählt über den Ursprung: „Romechete der Große, ein sieghafter Held, kriegte gegen die Chatten und Thüringer im Taubergrund und erschlug ihren Herzog. Er hatte als Gemahlin Swyta, des Wendenkönigs Tochter; mit der hatte er eine Tochter, Gerara, welcher er einen Gallierkönig vermählte. Als nun ermelter Romechete allenthalben Fried mit den Galliern, Sigambrern und Wenden hatte, erbaute er im Taubergrund mehrere Orte und nannte einen nach seinem Weibe
Swyda und seiner Tochter Gerara, Swydgeresheim, welchen die Umsassen, alte Teutsche, Swidgern genannt haben. Heinrich I. (1169-1197) gab diesem Flecken Marktrecht und Blut- (oder Zent-) Gericht[S386-1] und ist zu dieser Zeit der hauptsächlichste der Vogtei Boxberg.“
#2. Herrschaften[S386-2]
Von 1200-1381 hauste hier die Adelsfamilie der Herren von Schweigern, Dienstmannen der Edlen von Boxberg. 1381 kam Schweigern mit Boxberg an die Ritter von Rosenberg, welchen 1397 König Wenzel die Berechtigung erneuerte, ein „Halsgericht“[S386-3] aufzurichten; sie bauten hierauf eine Richtstätte, die 1816 noch mit Zentsteinen umgeben war, und zu welcher noch der Weg Malefizgang heißt. 1415 wurde das Halsgericht von Kaiser Sigismund von neuem bestätigt. Die übrige politische Geschichte ist dieselbe wie die von Boxberg, zu dem Schweigern gehörte.[S386-4]
#3. Die „Dorfsordnung“
wurde 1521 unter Jörg von Rosenberg erneuert und darin alle Rechte und Freiheiten angegeben:
„Die Gemeinde sei von Frohn und Az in alle Ewigkeit befreit, das Umgeld gehört ihr, wie auch das Nachsteuerrecht. Im Herbste soll in zwei Teilen gelesen werden, einen Tag auf dieser, den andern auf jener Seite und so abwechselnd. — Der Bürger, wenn er die Sturmglocke läuten hört, soll mit seinem Gewehr zum Kirchhof eilen, (der befestigt war), und dasselbe sollen auch die ledigen Gesellen thun. — Wer einen Lügen strafft, raufft oder mit Fäusten schlägt, ist dem Schultheißen verfallen mit 40 Hellern; wer einen überläuft mit gewaffneter Hand, ist der Herrschaft mit 2 Pfund (Heller), und wer einem eine fließende Wunde schlägt, mit 22 Pfund verfallen. Wer Einem zuredt, daß es seine Ehr betröffe, solls büßen mit 22 Pfund. Die Wirte sollen den Wein nicht teurer verkaufen, als daß sie am Fuder 3 oder 3½ Gulden gewinnen. Die Bäcker und Metzger sollen sich nach Mergenheimer Ordnung halten.“
#4. Das Schloss
Es stand hier ein Schloss, welches den Rittern von Rosenberg gehörte. 1524 übertrug es Jörg v. Rosenberg dem Pfalzgrafen Ludwig und dessen Nachkommen auf ewige Zeiten.
#5.
Im Bauernkrieg (1525) wurde durch die vereinigten Bauern aus Mergentheim, Lauda und Bischofsheim das Schloss zu Schweigern erobert und ausgebrannt.[S386-5]
#6. Die Tore des Dorfes
waren drei: das Pfarrthor gegen Boxberg, das untere Thor gegen Schüpf und das Roththor gegen Epplingen. 1673 wurde streng geboten, dass die Tore geschlossen werden, „und es wurde deshalb Konrad Häberlin, der Krämer, am 14. Febr. offen unters Thor gefordert, daß er sich verantworte, warum er gestern das Thor nicht geschlossen und den kaiserlichen Rittmeister von Venningen mit seinen etlichen 30 Pferden hereingelassen habe.“
#7.
In den Kriegszeiten von 1600—1800 musste das Dorf durch Einquartierungen und Leistungen viele Drangsale erdulden. — Am 3. April 1601 vernichtete ein großes Feuer 33 Scheuern, 2 Häuser, 28 Keltern, 27 Kelterhäuser, 23 Schweine- und Viehställe. — 1772 konnte die Gemeinde wegen geringer Ernte die Zinsen nicht zahlen; am 4. Juli 1774 litt der Ort schwer durch Hagelschlag.
#8. Die protestantische Kirche
Durch Albrecht v. Rosenberg wurde 1558 die „Reformation“ eingeführt und die alte St. Martinskirche den Protestanten übergeben. 1812 musste diese Kirche abgebrochen und neu erbaut werden; das ist seit St. Bonifazius wahrscheinlich die 3. oder 4. Kirche an dieser Stelle. (Die erste war eine Holzkirche.)
#9. Die katholische Kirche
stammt aus dem Jahr 1780, wo man die Zehntscheuer dazu einrichtete; ehemals war Schweigern eine eigene Pfarrei, 1453 besaß es (nach dem würzburger Synodalbuch) nur noch eine Frühmeßstiftung; jetzt ist es Filiale zu Unterschüpf.
#59. Uiffingen
Das Dorf Uiffingen mit 158 Katholiken, 503 Protestanten und einer Simultankirche für beide Konfessionen ist Filiale zu Kupprichhausen; 1245 gehörte es den Rittern v. Boxberg, die es an den Grafen Gottfried v. Hohenlohe verkauften; 1388 verkaufte es diese Familie zusammen mit dem Schloss Schüpf an die von Tottenheim; später kam es an die Herren von Rosenberg, die es 1544 zumteil an Kurmainz, zumteil an Kurpfalz verkauften. 1652 war es Eigentum der Grafen von Hatzfeld; 1803 kam es an
Leiningen, 1806 an Baden. Der Propst des Neumünsterstiftes zu Würzburg hatte noch 1816 Patronatsrecht über die protestantische Pfarrei.
#60. Uissigheim
#1. Name und Alter
Das Pfarrdorf Uissigheim (mit 730 Katholiken) bestand schon im 11. Jahrhundert und hieß damals Ussinkain,[S388-1] Heim des Usso, der dort Besitzer war.[S388-2]
#2. Herrschaften
Der Ort hatte ehemals einen eigenen Adel; um das Jahr 1178 stand hier die Burg der Herren von Ussenkain, deren Mannsstamm am 27. Mai 1546 mit Martin, Dompropst zu Würzburg, ausstarb. 1165—1634 gehörte das Dorf zum Kloster Bronnbach; 1634 kam es an die Grafen v. Hatzfeld, 1803 an Leiningen, 1806 an Baden.
#3. Die Kirche
Im 12. Jahrhundert wurde hier die erste Kirche gebaut, von der noch heute der romanische, massive Turm steht mit zierlichen romanischen Säulen und einem Gewölb im Untergeschoß, dem jetzigen Läutehaus. Die gegenwärtige gleichfalls romanische Kirche stammt aus dem Jahr 1846.
#4. Die Pfarrei
Seitdem Uissigheim zum Kloster Bronnbach gehörte (1165), wurde auch von dorther die Seelsorge ausgeübt. Erst 1772 wurde hier eine eigene Pfarrei errichtet und als erster Pfarrer Melchior Götz von Königheim investiert; die Pfarrei gehörte zum Erzbistum Mainz, bis 1827 das Erzbistum Freiburg errichtet wurde.
#5. Die Judenverfolgung
in den Jahren 1291-1350[S388-3] und später wurde durch die Ritter von Ussenkain lebhaft geschürt, um so mehr, da i. J. 1324 Juden aus den Nachbarorten in Uissigheim Spott und Verachtung über das in Prozession vorübergetragene Allerheiligste äußerten.[S388-4] Der Ritter Fridericus von Uissigheim, der davon Kenntnis erhielt, schwur allen Juden, die sich in Uissigheim sehen ließen, den Tod und begann wirklich ein Gemetzel unter denselben. Er kam zwar in Untersuchung, wurde aber schon während
derselben in dem Uissigheimer Wäldchen, die Haard genannt, von den Juden überfallen, die ihm mit einem Schwert oder Schächtmesser der Kopf abschnitten. Bei Auffindung der Leiche und beim Heimtransport derselben sollen die Glocken der Kirche zu läuten angefangen haben, weil er sonst ein überaus gottesfürchtiger Mann war.[S389-1]
#6. Die Grabsteine
Der Ritter wurde inmitten der Kirche begraben und ihm von seinen Hinterbliebenen ein mächtiger 2½ m hoher Grabstein gelegt. Vor mehr als 200 Jahren ließ ein damaliger Pfarrer diesen Stein, weil er platt das Grab bedeckte und auf demselben die Kinder laufen mussten, um an ihre Plätze zu gelangen, von der Kirchenmitte entfernen und auf die rechte Seite des Chores legen, wobei ein Eckstück des Steines mit Inschrift abgebrochen, das Denkmal jedoch mehr vor Beschädigung bewahrt wurde.
Beim Neubau der Kirche 1846 hob man diesen Grabstein in der alten Kirche mit noch einigen andern auf und mauerte zwei davon an der hinteren Giebelseite der neuen Kirche aufrecht ein, wo sie jetzt noch zu sehen sind. Der eine ist der „schwarze Mann“, das Denkmal des Ritters Friedrich von Uissigheim, links vom Eingang der Kirche; es hat seinen Namen von dem schwarzen Anstrich und stellt den genannten Ritter als einen jugendlichen Mann, mit reichem, lockigem Haarwuchs, in ein langfaltiges wallendes Gewand gekleidet dar; quer über den Hals liegt ein mächtiges einschneidiges Schwert oder Schlachtmesser, welches auf der rechten Seite des Bildes durch eine Hand geführt wird und auf die Ermordnung des Ritters hindeutet. Dieser Grabstein trägt am äußeren Rand die Inschrift in Majuskel mit dem Namen Friedericus de Uissikheim und den Todestag: 5. Okt. 1330. — Eine weitere Umschrift ist beschädigt und unlesbar geworden, teilweise durch den Transport, teilweise durch abergläubische Personen, die in Krankheitsfällen des Viehes davon abschabten und letzterem eingaben, weil sie meinten, „daß dies dem Vieh sehr heilsam sei.“[S389-2]
Ein anderer Grabstein trägt das Wappen der Ritter von Uissigheim: einen, etwas schiefliegenden, herzähnlichen Schild mit jetzt undeutlichen Zeichen und darüber zwei nach auswärts gerichtete Schwanenhälse; die nur teilweise
lesbare Inschrift lautet: Anno Dmni MCCCXXXII (1332) obiit (starb) Ebirhardus de Ussenen . . . bone memoriæ de Rineberg.
#7. Die 3 Glocken
sind wegen ihres Alters bemerkenswert.
Die große Glocke, die unter Ritter Reinhart v. Uissigheim gegossen wurde und wegen ihres schönen, weitklingenden Klanges bekannt ist, trägt die Inschrift:
Osanna heiß ich,
In unser Frawen Er läut ich,
Bernhard Lachmann goß mich 1493.
Auf der mittleren Glocke stehen die Worte: „Sigmund Arnold von Fulda goß mich, der Kirche din ich, zu Gottes word ruf ich 1515.“ — Auf der kleinen Glocke steht die Jahrzahl 1703. Das Zifferblatt am Turm trägt die Zahl 1606.
#8.
Neben der Kirche steht „das Templerhaus“, über dessen ursprüngliche Bedeutung und Geschichte uns gar nichts genaues bekannt ist.
#9. Die Kapelle zur hl. Dreifaltigkeit
Eine halbe Stunde nördlich vom Dorf steht hoch auf dem Gipfel eines Berges die 1876 erbaute Kapelle zur hl. Dreifaltigkeit, wohin zeitweilig Prozession gehalten wird. Von da hat man eine prächtige Aussicht über das Taubertal, den Spessart und weit hinauf zum Rhöngebirg.
#61. Unterbalbach
#1. Name
Das Pfarrdorf Unterbalbach (mit 769 Kathol.) hieß früher Ballenbach, dessen Name wohl ähnlich zu erklären ist wie Ballenberg.[S390-1]
#2. Herrschaften
Unterbalbach gehörte ehemals der altadeligen, nun ausgestorbenen Familie Suzel von Mergentheim, von der bis in die neuere Zeit noch Grabsteine in der alten Kirche zu sehen waren; nach Anderen gehörte es den Grafen von Rieneck, vielleicht auch, wie so häufig, nacheinander oder gleichzeitig beiden Familien; 1362 erwarb der Deutschorden von Mergentheim hier Besitzungen, zeitweilig waren die Deutschmeister und der Bischof von Würzburg Herren des Ortes; als dieser 1809 an Württemberg kam, entstand ein Aufruhr; 1810 gelangte es an Baden.
#3. Die zwei Burgen[S390-2]
Am Ufer des Baches, der durch
das Dorf fließt, standen in alten Zeiten zwei Burgen oder Schlösser; das eine oberhalb, das andere unterhalb des Dorfes gegen die Tauber hin.
#a)
Von den Schicksalen der oberen Burg, auf deren Grundmauern später das deutsch-orden'sche Amthaus gebaut wurde, ist wenig bekannt; sie wurde (wahrscheinlich) bewohnt von Ritter Konrad Krümmelin von Balbach, der 1345 Vasall der Grafen von Hohenlohe war.[S391-1] Am 11. Juli 1589 kam sie durch Kauf an den deutschen Orden.
#b)
Die untere Burg war Wohnsitz und Eigentum der Herren Suzel von Mergentheim. Das war eine Wasserburg[S391-2] d. h. von allen Seiten von Wasser umgeben und geschützt; sie bestand aus einem vierstöckigen, massiven, mit der Vorderseite gegen Norden gerichteten Hauptbau, der winkelrecht zwei gleichhohe und massive, gegen Süden gerichtete Flügelgebäude hatte. An dem freien Ende der letzteren, von beiden gleichweit entfernt, stand ein sehr dicker, runder, bis an das Dach 7 Stockwerk hoher, aus großen Quadersteinen erbauter Turm, der auf beiden Seiten durch einen bedeckten hölzernen Gang mit den Flügelgebäuden im 4. Stock in Verbindung stand. Diese Burg wurde eingeschlossen durch eine hohe, ringsum mit einer Brustwehr und an jedem der 4 Ecken mit einer Bastei versehenen Mauer, an deren Eingang gegen Süden ein viereckiger, massiver, mit einer Zugbrücke bewehrter Portalturm stand. Diese Mauer umgab ein breiter Graben, der sein Wasser von der Morgenseite her, vom Bach erhielt, und der Graben war wiederum mit starken Stacketen und einem niedrigen Wall umschlossen. Außerhalb des Grabens, am Eingang, stand zwischen den Stacketen, ein massives, verschließbares Thor.
Im Jahr 1523 saß auf dieser Burg Herr Rüdiger Suzel, ein Verwandter des Raubritters Joh. Thomas v. Abtsberg, der den Grafen v. Oettingen ermordet und den Landfrieden durch Straßenraub vielfältig gebrochen hatte.[S391-3] Ritter Suzel von Unterbalbach erhielt gleichzeitig mit den Rittern v. Abtsberg, v. Rosenberg zu
Boxberg und den übrigen 20, die auf der Seite des Raubritters standen,[S392-1] weil sie diesen „enthalten, gehauset, gehofet, unterschleift, fürgeschoben, geätzet, getränkt und sich dadurch seiner Handlung teilhaftig gemacht“, den Absagebrief des schwäbischen Bundes, der ihnen das Niederbrechen ihrer Burgen ankündigte.
„Als die Bundestruppen unter Anführung des nürnbergischen Hauptmanns Wolf Böhmer heranrückten, waren in dem Schloß nur Weiber und Kinder, welche zwar sehr jammerten, aber dennoch riefen, diese That werde nicht ungerächt bleiben. Das Schloß war schon vorher ausgeräumt und die Soldaten steckten es ohne weiteres Hindernis in Brand.“ Das geschah am 18. Juni 1523. Rüdiger Suzel versöhnte sich indes noch vor 1525 mit dem Bund und erhielt sein Gut wieder.
#4.
Der deutsche Orden kaufte am 11. Juli 1589 nach dem Tode des Christoph Suzel von dessen Erben, den Horneckern v. Hornberg, die Schlossruine und den halben Frucht- und Weinzehnten von Unterbalbach, sowie die obere Burg mit Gebäuden, Gräben, Gärten, Weihern, den Judenleichenacker u. s. w. für 26 500 fl. fränkisch.
Gegenwärtig sind die Spuren der unteren Burg so gründlich vertilgt, dass man kaum noch in den Gärten oberhalb der Taubermühle einige Überreste von dem ein Viereck bildenden Wassergraben entdecken kann; doch erinnert noch ein Complex Aecker, der Schlossgarten, an die untere Burg, die Burgwiesen östlich vom Ort gegen Oberbalbach an die obere Burg.
#5. Die Pfarrei
Das Dorf gehörte bis zum Jahr 1400 als Filiale zu Königshofen, dann wurde es zur selbständigen Pfarrei erhoben. Graf Ludwig von Rieneck, Kirchherr zu Königshofen, gab dazu seine Zustimmung auf Ansuchen der „ehrbaren Männer Hartrach Truchsessen und Hans Martin zu Balbach gesessen“:[S392-2]
„Weil nu dieselbe Kirche ein Filial der Kirchen zu Königshofen an der Tuber, und von uns und unserer Grafschaft zu Lehen geht und bührt, so haben wir unsern Willen und Verhängniß mit Wissen des Pastoren, Herrn Niklaus von Menze, dazu geben und gethan, der dieselbe Pastorei von uns zu Lehen hat, also daß die Kirche zu Balbach von der Pfarrkirchen Königshofen soll gescheiden sein, doch unschädlich uns und unserer Gemeinschaft und
allen unsern Lehen und einem jeglichen Pastor und der Pfarr zu Königshofen an ihren Rechten, Fällen und Nutzen u. s. w.“
#6. Die alte Pfarrkirche
wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts abgebrochen und neu aufgebaut.
#7. Der Bildstock der Ertrunkenen,
etwa 100 m südlich vom Bahnhof, ist eine Säule mit dem Reliefbild der schmerzhaften Mutter Gottes, zu deren Füßen sich ein Schiffchen mit einer Person befindet, während zwei andere außerhalb des Schiffchens mit dem Tode ringen.
Über das Unglück berichtet das Totenbuch der Pfarrei vom Jahr 1700: Am 4. Februar war die Tauber hoch angeschwollen. Vier Personen wollten in einem kleinen Nachen (Schelch) über den Fluss fahren; der Nachen schlug um und drei ertranken, nämlich Ulrich (18 Jahre alt), Georg (13 Jahre alt), Söhne des Lorenz Michels und Martin Volch (12 Jahre alt), Sohn des Daniel Volch. Dem vierten glückte es, die Zweige eines Weidenbaumes zu erhaschen, an denen er sich festhielt und ans Ufer rettete.
#62. Unterschüpf
#1. Name und Alter
Das Dorf Unterschüpf zählt 179 Katholiken und 528 Protestanten. Unter- und Oberschüpf werden in den alten Urkunden gewöhnlich unter dem gemeinschaftlichen Namen Scyphe, Schippa, Schüpf erwähnt und haben der Hauptsache nach die gleiche Geschichte. Darum ist die Erklärung des Namens, 2. die Geschichte der Burg, der Schenkenburg, und 3. die Geschichte der Herrschaften ganz dieselbe wie die von Oberschüpf und unter der Beschreibung von Oberschüpf[S393-1] nachzulesen.
#4. Kirchliche Verhältnisse vor der Reformation[S393-2]
Bis zum Jahr 1368 versah nur ein Geistlicher die Kirche zu (Ober- und Unter-) Schüpf; dann errichtete Graf Kraft III. v. Hohenlohe, der damalige Ortsherr, die Frühmessen zu Oberschüpf und gleich zeitig zu Unterschüpf und erwarb sich dadurch das Recht der Präsentation in Schüpf. 1390 übertrugen die Grafen v. Hohenlohe mittels Urkunde dieses Recht als Lehen an die Herren v. Tottenheim.
#5.
Im Bauernkrieg wurde am 26. März 1525 hier jene denkwürdige Versammlung gehalten, durch welche der ehemalige würzburgische Augustinerpater Ambrosius Süß den Feuerfunken ins
Pulverfaß warf u. den mächtigen Aufstand im Taubertal entzündete.[S394-1] Nach der Predigt folgte das große Verbrüderungsfest auf dem Marktplatz zwischen dem Rathaus, der protestantischen Kirche und dem damals noch mit einem breiten Wassergraben und einer Mauer umgebenen Schloss (jetzt Schule und Rathaus).
#6. Die protestantische Kirche
Durch Ritter Albrecht v. Rosenberg wurde 1558 hier die „Reformation“ eingeführt und die seither katholische Kirche den Protestanten zugewiesen. Nachdem Ritter Albrecht sein Schloss Boxberg an den Churfürsten Friedrich von der Pfalz abgetreten und 1561 hier ein Schloss gebaut hatte, nahm er daselbst seinen bleibenden Wohnsitz und wurde nach seinem Ableben, 1572, in dieser Kirche begraben, wo jetzt noch sein Denkmal zu sehen ist. 1617 wurde die Kirche vergrößert, indem man von der alten Kirche nur den interessanten gotischen Chor, der jetzt als Seiteneingang dient, stehen ließ. Zur protest. Pfarrei gehören Oberschüpf, Lengenrieden und Sachsenflur.
#7. Glocken des Turmes
sind es drei.
Die größte hat die Inschrift:
Un Unterschüpf hang ich,
Meinen Klang geb ich,
Sebald Corz in Würzburg goß mich. Anno 1631.
Die zweite, kleinere, wurde 1558 zu Augsburg gegossen, 1746, nachdem sie zersprungen war, umgegossen.
Die dritte ist die kleinste, aber älteste, vom Jahr 1630 mit der Inschrift:
Als ich zu Schüpf ward gegossen neu,
Waren damals Regenten drei,
Wie man hier sieht aus Helm und Schild;
Erhalt sie Gott bei deinem Worte mild.
Unter der Inschrift stehen die Wappen der Herren von Rosenberg, Stetten und Dienheim.
#8. Die katholische Kirche[S394-2]
Als die Grafen Melchior und Hermann v. Hatzfeld die rosenberger Herrschaft antraten, bemühten sie sich im Einverständnis mit ihrem Bruder, dem Fürstbischof Franz zu Würzburg, dem kathol. Glauben ihres Gebietes wieder aufzuhelfen, wozu sie ebensoviel Recht hatten, als die Rosenberger zur Abschaffung desselben. 1661 versuchte Graf Hermann einen gemeinschaftlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche zu Unter
schüpf einzuführen, doch scheiterte die Anstrengung an den mit Hilfe der Grafen v. Hohenlohe erweckten Hindernissen; darum richtete er für die Katholiken seiner Herrschaft einen Gottesdienst in Kupprichhausen ein. Kaum hatte aber sein Sohn, Graf Heinrich, 1671 im Schlosse zu Unterschüpf Wohnung genommen, wo bisher in der Schlosskapelle für die herrschaftliche Familie und deren Dienerschaft durch einen eigenen Schlosskaplan katholischer Gottesdienst war besorgt worden, als er seine Schlosskapelle auch den übrigen Katholiken von Unter- und Oberschüpf, Dainbach und Sachsenflur zugänglich machte und daselbst eine eigene katholische Pfarrei errichtete. Als erster katholischer Pfarrer von Unterschüpf wurde Pater Theobald von Kupprichhausen vorgestellt. So ist es geblieben bis auf den heutigen Tag.
#9. Der Affenturm,
das alte Gefängnis für kleine und große „böse Buben“, von Unterschüpf stand in der Nähe des Schlosses, wurde aber bis auf den Grund abgebrochen; eine Steinplatte davon mit dem alten Wahrzeichen, die ehemals am Turm angebracht war, findet sich gegenwärtig unten an der nordöstlichen Giebelseite des großen Oekonomiegebäudes nicht weit davon eingemauert. Das Gebäude trägt über dem Thürsturz die sehr verwitterte Jahrzahl 1561. Die Steinplatte zeigt einen Affen, der das rosenbergische Wappen trägt, mit der Umschrift:
Ain Aff bin ich genant
Ain bub auch bin ich wol bekandt.
#63. Unterwittighausen
Das Dorf Unterwittighausen mit 623 katholischen und 11 protestantischen Einwohnern teilte die Geschicke von Oberwittighausen, in dessen Nähe es liegt, und von Grünsfeld, zu dessen Amt es ehemals gehörte. Die Geschichte des Dorfes ist deshalb in der Ortsbeschreibung von Grünsfeld[S395-1] und von Oberwittighausen[S395-2] nachzulesen.
Die Tätigkeit des hl. Bonifazius,[S395-3] die Herrschaft des schwarzen
Todes,[S396-1] Geldwert und Wohlstand bis zum 16. Jahrhundert,[S396-2] der Bauernkrieg,[S396-3] die Blutgerichtsordnung und die Hexenverfolgung,[S396-4] der Schwedenkrieg[S396-5] sind Kapitel, welche für Unterwittighausen so gut gelten, wie für den ganzen Amtsbezirk und bereits oben beschrieben.
#64. Unterwittstadt
Das Dorf zählt 189 katholische Einwohner, die zur Pfarrei Ballenberg gehören; der Ort, der allem Anschein nach viel später als Oberwittstadt entstand, steht weder in bürgerlicher noch kirchlicher Verbindung mit letzterem. Die Kirche ist, laut einer Inschrift am Sakristeifenster, 1599 erbaut in einem Gemische von gotischen und Renaissance-Motiven.
#65. Vilchband
Das Pfarrdorf Vilchband (mit 349 Katholiken) hieß früher Vilchibuint oder Vilchibeunt, 890 Filuhonbiunte, Heimat des Filuho[S396-6] und gehörte wohl damals dem Bistum Würzburg. 1485 wohnte hier der Edle: Wilhelm Stickel von Vilchband. 1495 ist das Dorf Eigentum der Herren von Hund (wohl zu Wenkheim oder Grünsfeld); im Bauernkrieg 1525 verschanzten sich die Bauern vor der Schlacht zu Allersheim drei Tage lang in dem Graben an der Ortsgrenze. 1578 gehörte der Ort zum Amt Grünsfeld. Die St. Stephanspfarrei in Würzburg hatte das Recht, den Pfarrer zu ernennen.
#66. Wenkheim[S396-7]
#1. Name und Alter
Das Pfarrdorf Wenkheim (mit 262 Kathol., 502 Protest., 131 Israel.) wird im Jahr 800 zum ersten
mal genannt.[S397-1] In den Urkunden von 1149 und 1258 heißt es Wegencheim, 1259 Wegenhem, 1274 und 1423 Wegenkeim,[S397-2] 1398 und 1404 Weggenheim, 1578 Wegigkheim u. s. w. Der Ausdruck kommt wohl aus dem Althochdeutschen: Ze den Wegingun, d. h. zu (bei) dem Heim des Wegink oder der Weginke.[S397-3] — Badener erklärt den Namen mit: Heim der Wangen = flaches Land. — Die Erklärung von Neu: „Weg-gen-(gegen)heim (heimwärts)“ ist willkürliche Volksetymologie.
Die Behauptung, dass der Ort schon zur Zeit der Völkerwanderung bestand, ist nicht unglaubwürdig, da man an vielen Plätzen der Gegend, z. B. Kembach, Höhefeld, Bödigheim Steinbeile, Steinmesser, sog. Regenbogenschüsselchen, alte keltische Münzen, bei Impfingen, Tauberbischofsheim u. s. w. Skelette, Waffen u. s. w. aus jener Zeit gefunden hat, woraus unzweifelhaft hervorgeht, dass die Taubergegend damals schon bewohnt war.[S397-4]
#2. Herrschaften
Der Ort gehörte in den ältesten Zeiten wie alle Tauberorte dem Bistum Würzburg, welches 1149 hier Besitzungen hatte und wohl noch im 12. Jahrhundert die Grafen von Wertheim damit belehnte. Das Dorf hatte aber auch seinen eigenen Adel, die Herren von Wenkheim, deren Namen noch in einer Urkunde von 1366 erwähnt wird,[S397-5] und die Herren Hund von Hundelin, die von Grünsfeld herüberkamen; letztere werden in den wenkheimer Urkunden zum erstenmal im Jahr 1380 genannt, wo von einem Hans Hund von Wenkheim zu Dietwar und von einem Dietrich Hund, dem Alten, von Wenkheim die Rede ist. Von da an waren die Hund, deren Familie sich in verschiedenen Zweigen geteilt hatte, die Dorfherren, bis 1625 die männliche wenkheimer Linie ausstarb und der Ort wieder an die Lehensherren, die Grafen v. Wertheim, fiel.
Über den Namen der Familie Hund meldet eine Sage: Irmtrud, die Gemahlin des Grafen Isenbard zu Altdorf, verspottete eine arme Frau wegen der Geburt von Drillingen. Diese verwünschte die Gräfin, sie solle 12 Kinder auf einmal bekommen. Die Verwünschung ging in Erfüllung. Irmtrud übergab 11 davon einem Diener, der sie ins Wasser werfen sollte. Als der Graf dazu kam und den Diener fragte, was er in seinem Korb habe, ant
wortete dieser, es seien junge Hunde. Da der Graf sie sehen wollte, kam die Sache an den Tag, und die Kinder wurden gerettet.[S398-1]
Die Dorfherren wohnten in einem „Schloß“, neben dem eine Schlosskapelle mit einem Friedhof sich befand; indessen war dies „eigentlich kein Schloß oder Feste, sondern eine einfache, gemeine Behausung.“
Hans Christoph Hund erbaute im 16. Jahrhundert ein neues, schönes Schloss, das mit Schiefer gedeckt wurde, und von dem das Inventar einer bei einem Überfall angerichteten Zerstörung folgende Beschreibung gibt.
Da waren: Die Saalstube, das Herrengemach, mit einer Kleidertruhe, welche sammetne, mit goldenen Knöpfen besetzte Kleider (50 Kronen wert) barg; die Rüstkammer mit Schwertern, Büchsen, Dolchen in sammetnen Scheiden; die gemalte Stube mit kristallenen Gläsern, zinnernen Schüsseln, Schmuckgegenständen, Bechern, Löffeln, Kettchen und Ringen mit edeln Steinen wie Saphir, Türkisen und Perlen; die Geheimzimmer des Herrn, wo ein Wandschränkchen in Schachteln viele alte Briefe und Urkunden von Königen und Grafen barg; viele Gaststuben mit Betten; ferner das Frauengemach, die sog. Flachskammer mit Kleidertruhen für die Frauen; die Weißzeugkammer mit niederländischen Bett-, Tisch- und andern Tüchern, das Stück 2 Kronen wert. Die Fleischkammer mit Fleisch, Wildpret, Würsten, Braten u. dgl. wohl versehen. Die Küche mit großem Kamin und englischem, zinnernem Geschirr. Im Speicher die Kornböden, ein Haus für gefangene Rebhühner und ein solches für Tauben. Im Keller[S398-2] Fass an Fass, alle gefüllt, zum Teil mit Rotwein und Malvasier.
Dies neue Schloss stand über den jetzt noch vorhandenen Kellerruinen, war mit einem gepflasterten Schlosshof umgeben, mit einer Ringmauer gefestigt und von drei Türmen überragt. Im Schlosshof befanden sich noch ein Ziehbrunnen, ein Viehhaus, Stallungen und eine große Scheune. Vor dem Schloss stand ein kleiner Blumengarten und hinter demselben ein ummauerter Küchengarten und ein gleichfalls ummauerter großer Obstgarten.
Von all diesen Bauwerken ist wenig mehr zu sehen. Die Reste der drei Türme finden sich noch in den Grundmauern der beiden Kirchtürme und eines Gartenhauses im protestantischen Pfarrgarten.
Außer von Wenkheim bezogen die Herren von Hund noch ansehnliche Gefälle aus andern Orten, z. B. von Kembach, Bockstadt, Weikerstetten u. s. w. Auch der „Berlin“, wie 1624 der Baiertalerhof genannt wurde, war ihnen zehntpflichtig.
#3. Die Dorfordnung (Weistum)
Im Jahr 1578 gaben die Herren v. Hund eine Dorfordnung, die noch im „Gemeindebuch“ von Wenkheim vorliegt. Das ist ein in Schweinsleder gebundenes Buch, etwa so groß wie ein Meßbuch oder eine Bibel. Darin heißt es u. a.: „Jährlich sollen 2 Gerichte durch die Dorfherren stattfinden; ein auswärtiges Gericht darf Niemand in Anspruch nehmen; wer ein besonderes Gericht verlangt, hat zum voraus 1 fl als Gerichtskosten zu zahlen.“ — Rügbare (strafbare) Artikel sind z. B. folgende: „8. Niemand soll am Zehnten rütteln. 9. Keiner soll den Andern einen Lügner nennen. 12. Niemand darf einen (Grenz-)Stein ausreißen. 13. Dreimal jährlich müssen die Oefen durch den Bürgermeister besichtigt werden. 19. Die Gemeindewege sind in gutem Stand zu halten. 20. Die Brunnen müssen reinlich gehalten werden; es darf Niemand darin waschen u. s. w.“ Manches ist ähnlich der Dorfordnung von Schweigern.[S399-1]
#4. Die Weidordnung von 1608
besagt: Das Mastvieh darf nicht von den Eigentümern, sondern nur von den Hirten auf die Weide getrieben werden; ähnlich wird es gehalten mit dem „Schweinaustreiben in die Eichel“. Wer sein Vieh nicht austreiben, aber es auf der Straße sehen lässt, muss das Hirtengeld zahlen. Wer eine Kuh halten kann, darf keine Geis halten; diese soll nur einer oder zwei Witwen zusammen gestattet sein. Fremde dürfen keine Kuh halten. Niemand darf „Mistung oder Düngung“ nach anderen Gemarkungen verkaufen.
#5. Die Schäferordnung von 1608
verordnet für Wenkheim: Es sollen 2 Schäfer hier sein, sie dürfen aber nicht über 350 Schafe führen und dürfen nicht nach auswärts. Nach Petri Stuhlfeier (18. Jan.) ist der Trieb auf die Wiesen nicht mehr gestattet. Ins Kleinholz darf die Herde nie, ins Großholz nur von Martini bis Petri Stuhlfeier. Die Schäfer wurden von den Dorfherren angestellt, die Bauern durften Schafe mittreiben lassen, mussten aber Weidgeld zahlen. 1688 betrug dies 16 fl. — 1853 wurde die Schäferei mit allem Zugehör von Wertheim an die Gemeinde um 5000 fl. verkauft.
#6. Rechtsverhältnisse u. Abgaben von Wenkheim[S399-2]
Die Bewohner des Dorfes waren Leibeigene,[S399-3] die zwar in ihren
eigenen Häusern wohnten, aber einen großen Teil ihres Erwerbes der Herrschaft abliefern mussten. Die Kopfsteuer betrug im Jahr 1732 durchschnittlich 2000 Gulden, und musste alljährlich nach Wertheim gezahlt werden; außerdem hatte die Gemeinde Zinsen, Zehnten, Steuern, Abgaben, Frohngeld u. s. w. zu entrichten und Frohndienste zu leisten. Während wohl in den meisten Gemeinden das Besthaupt (das beste Stück Vieh oder Kleidungsstück) bei einem Sterbfall der Herrschaft gegeben werden musste,[S400-1] war Wenkheim von jeher frei, ohne dass in irgend einer Urkunde ein Grund angegeben wird; indessen meldet eine mündliche Dorfüberlieferung, es habe ehemals in Wenkheim eine so arge Seuche geherrscht, dass beinahe das ganze Dorf ausgestorben sei; deshalb hätte die Herrschaft, um wieder Leute nach Wenkheim zu locken, die Verpflichtung, das Besthaupt abzuliefern, aufgehoben. Wer aber später nach Wenkheim zog, musste die Last des Besthauptes wieder übernehmen.[S400-2]
Eine Verordnung vom 4. Febr. 1602 bestimmte, dass bei jedem Weinkauf von über 100 fl zwei Gulden und bei einem Kauf unter 100 fl ein Gulden zu zahlen sei und zwar 2/3 vom Käufer und 1/3 vom Verkäufer. Der verkaufte Wein durfte nur durch angestellte Schröter[S400-3] aus dem Keller abgeholt und transportiert werden.
Bei jedem Kauf oder Tausch bezog die Herrschaft 5 Prozent der Kauf- oder Draufsumme.
Wer nach auswärts heiratete, musste nicht nur von der Herrschaft Genehmigung einholen, sondern auch 5 Prozent seines Vermögens zurücklassen.
Wer im Dorf sich niederlassen wollte, musste, war es ein Mann, 8 Gulden, war es eine Frau, 4 Gulden bezahlen.
Leibeigene, die nach auswärts zogen, mussten ihre Steuern fortentrichten oder sich loskaufen.
#7. Die Wirtschaften von Wenkheim
Außer dem „Löwen“, der im Jahr 1699 die Wirtschaftsgerechtigkeit erhalten hatte, sollten (wie zwei Pergamenturkunden mit Siegeln vom Jahr 1725 im Besitz des Gasthauses „zum Engel“ ausweisen) nur noch
zwei Wirtschaften sich aufthun dürfen. — Jeder Bürger durfte sein eigenes Gewächs jährlich 14 Tage lang ausschenken, musste aber von jedem verbrauchten Eimer ½ fl zahlen, „damit man sich nicht von der Arbeit an Müßiggang und Saufen gewöhne oder heimlich Schulden mache.“
#8. Die Mühlen in Wenkheim[S401-1]
Im Jahr 1625 standen hier drei Mühlen. Die Obermühle mit drei Gängen hatte dem Chorstift Wertheim 7 Malter Korn und 1½ Malter Weizen, dem Junker Hund 2 Malter Korn zu liefern. Die Dorfmühle mit einem Gang schuldete der Centhei Wertheim 2 Malter Korn, nach Holzkirchen und dem Junker Hund je 1 Malter. Die Seemühle wurde von Junker Hans Jakob v. Hund „zur Schwächung der Dorfmühle“ erbaut und war ausschließliches Herrschaftseigentum. Die Wiesenmühle mit zwei Gängen steht erst seit 1726 und wurde durch Johann Heinr. Seubert von Unteraltertheim errichtet; dazu hatte er zwei Eichen von der Herrschaft unentgeltlich erhalten, musste aber von 1729 an eine Abgabe mit zwei Malter Korn beginnend und jährlich um 2—10 Malter steigend, leisten. — Die „Müller hatten die Mühlbäch und Gräben selbst zu fegen und alle Dienstbarkeit wie andere Unterthanen zu leisten und auch der Herrschaft Hund zu halten“, überdies Gült und Zins zu zahlen.
#9. Der „Hofschlosser“
Im Jahr 1773 bestellte die Herrschaft einen Hofschlosser. Da sie aber für denselben nicht ausreichend Beschäftigung hatte, gab sie ihm als einen Teil seiner Besoldung das Musikerpatent, und die Bürgermeister der gräflich wertheimischen Orte mussten vor versammelter Gemeine vorlesen, dass bei jeder musikalischen „Aufwartung an Kirchweihen, Hochzeiten und Gastereien“ nur der Schlosser Türmer genommen werden dürfe, andernfalls müsse ihm eine Entschädigung gezahlt werden.
#10. Die Frohndienste in Wenkheim
betrafen zumeist die Hilfeleistung bei Jagden; doch bestanden sie auch zumteil in Fuhren und Wachten, in Arbeiten auf Wegen, im Feld und Wald und „seind allerseits neben berührtem Feldfrohn uhraltem Herkommen gemäß, all Frohn, Dienst und Reiß zur Hof- oder Haushaltung im Schloß, wozu man solche bedürftig, auf alle Gebot zu leisten schuldig bei Tag und Nacht, mit Mensch und Vieh, mit Hand und
Pferd, weit oder nah, zu Wasser und zu Land.“ Dabei wurde weder Essen noch Futter gereicht, nur für ein Pferd für den ganzen Winter- oder halben Sommertag ein viertel Leib Brod gegeben.
Die überdies zu zahlenden Frohngelder betrugen im Jahr 1669 vierteljährlich 53 fl 24 Kr.
#11. Die Zehntablösung
Im Jahr 1831 betrug der Heu- und Kleezehnten für Wenkheim 100 fl 50 Kr.; die Gesamtsumme des Zehnten, die alljährlich nach Wertheim ging, 1137 fl 19 Kr. Nach dem Gesetz vom 15. Nov. 1833, welches die Zehntablösung ordnete, erhielten die Fürsten die Ablösungssumme von 20 913 fl 23 Kr. — 1836 wurde der Zehnten zum letztenmal bezahlt. — Die Wiesenmühle befreite sich von ihrer Gültpflicht mit der Ablösungssumme von 850 fl. — Die Fürsten, welchen die Bau- und Unterhaltungspflicht für das Langhaus, die Kanzel und den Hochaltar der kathol. Kirche oblag, lösten sich davon ab mit einer Summe von 12217 fl 41 Kr. für Kirche und Pfarrhaus und mit 1331 fl 41 Kr. für das Schulhaus.
#12. Drangsale des Dorfes durch Krieg
In den Kriegszeiten von 1525, 1600—1700 und später erfuhr Wenkheim wiederholt große Bedrängnis.[S402-1] Im Jahr 1627 waren infolge des Kriegs die „Bauern ganz ruiniert und kein pferd mehr im dorff“. Viele verließen „mit weib und kind hauß und hoff, um dem lieben Almosen nachzugehen“, d. h. zu betteln; 1632 war kein Handwerker und kein Geld mehr im Dorf. Nach Pfingsten des genannten Jahres kamen die Schweden nach Wenkheim. Die Überlieferung berichtet, sie seien vom Judenkirchhof hergekommen und hätten die Kaiserlichen, die damals das Dorf besetzt hielten, so überrascht, dass ein Trompeter, an einem Fuß einen Stiefel, am andern barfuß, zur Flucht geblasen habe und so niedergeschossen worden sei; der größte Teil des Dorfes wurde damals von den Schweden niedergebrannt, worauf diese auf der Anhöhe gegen Neubrunn, die heute noch die Schwedenschanze heißt, ein befestigtes Lager bezogen. Nachdem die Schweden 1634 in der Schlacht bei Nördlingen waren aufs Haupt geschlagen worden, mussten sie die ganze Gegend räumen, und noch im nämlichen Jahr besetzten nun
die Österreicher unter General Piccolomini das Dorf und befestigten ihr Lager (nach der Dorfüberlieferung) auf den Wiesen gegen Steinbach.
Wie sehr gegen Ende des Krieges das Dorf heruntergekommen war, beweist ein Verzeichnis der Besitzungen des Alexander v. Hund aus dem Jahr 1643, in dem alle Häuser und Scheunen, 12 an der Zahl, darunter die Seemühle und das Dorfwirtshaus als abgebrannt oder verwüstet bezeichnet werden; von den Aeckern und Weinbergen heißt, sie „liegen alle unbebaut“ und von den Gärten, „die Zäun herumb seind alle verbrannt undt eingerissen undt viel Obstbäum umbkommen“; auch richtete die Gemeinde 1650 an den Grafen Friedrich Karl das Gesuch, „zur Entrichtung der schwedischen Satisfaktionsgelder eine Kirchenglocke verkaufen zu dürfen, da kein Geld im Dorf sei, und sie auch nichts anderes mehr anzugreifen hätten.“
Nach Beendigung des 30jährigen Krieges war aber für Wenkheim die Prüfungszeit noch nicht abgeschlossen. 1673 erschien ein französisches Armeecorps unter General Turenne, der in Werbach sein Hauptquartier aufschlug; die französischen Truppen wurden in Unteraltertheim, Steinbach, Wenkheim, Niklashausen, Neubrunn, Werbach und Werbachhausen einquartiert. Da nun ein Franzose bei Unteraltertheim erschlagen wurde, der Täter aber nicht zu erkunden war, wurde ganz Unteraltertheim samt der Kirche niedergebrannt, gleiches Schicksal erlitt Neubrunn, und im gleichen Jahr wurde auch das wenkheimer Schloss in Trümmer gelegt. Eine spätere Aufzeichnung in den Pfarrakten berichtet als Veranlassung dazu: die Franzosen hätten, weil sie von der Besatzung des Schlosses ein Fuder Wein verlangten und nicht erhielten, aus Rache das Schloss vom gegenüberliegenden Berge aus zusammengeschossen.
#13. Unglück durch Feuer und Wasser
1750 brannte ein großer Teil des Ortes an einem Sommermittag, während die Leute auf dem Felde arbeiteten, nieder, so dass sie bei ihrer Rückkehr nur einen qualmenden Schutthaufen fanden. — Am 15. Juni 1776 ging im Reheckenflur gegen Hof-Baiertal ein so furchtbarer Wolkenbruch nieder, dass die Häuser der Brunnengasse bis über den ersten Stock im Wasser standen, ein 18jähriges Mädchen ertrank, andere
Personen nur mit Not gerettet wurden und großer Schaden an Häusern, Feldern, Vieh und Gerätschaften entstand.
#14. Die katholische Pfarrei
bestand schon im Jahr 1300 mit Steinbach und Brunntal als Filialen. 1490 wurde eine St. Leonardikapelle erbaut, die wohl durch die späteren zahlreichen Kriege gänzlich zerstört wurde; sie stand wahrscheinlich bei der großen Linde gegen Hof-Baiertal, wo der Platz heute noch „beim Kirchlein“ heißt. Die Herren v. Hund führten unter ihrem Lehensherrn Georg II., Grafen v. Wertheim († 1530), die „Reformation“ ein.
Am 25. Juni 1610 verkaufte Albert Christoph Hund v. Wenkheim sein Anrecht auf den Ort an die Grafen Wolf Ernst und Joh. Dietrich v. Löwenstein. Schon am 27. Januar 1611 verboten die Grafen jeglichen katholischen Gottesdienst und „jeglichen Anhang katholischer Religion“ im Dorfe. Der katholische Pfarrer musste mehrmals weichen. Das würzburger Domkapitel, dem das Besetzungsrecht der Pfarrei zustand, suchte aber den katholischen Pfarrer dort zu halten, zumal ein größerer Teil der Pfarrei, nämlich außer den Bewohnern von Wenkheim der ganze Ort Brunntal und der Hof Baiertal, die heute noch zur Pfarrei gehören, katholisch geblieben waren. Diesem Umstande, dass Würzburg seinem Rechte gemäß immer wieder einen katholischen Priester nach Wenkheim sandte, ist es zu verdanken, dass nicht der ganze Ort den Protestanten zufiel.
Als 1648 der 30jährige Krieg durch den westphälischen Frieden beendet wurde, lautete eine der Bestimmungen: Über die Kirchengüter entscheidet der Besitzstand vom 1. Jan. 1624, d. h. was an diesem Tage Eigentum der kathol. Kirche war, solle es jetzt wieder werden, und was damals protestantisches Kircheneigentum war, solle jetzt wieder protestantisch werden, wenn es auch seither in andern Besitz übergegangen sei. Im Jahr 1648 waren in Wenkheim nur noch drei kathol. Familien, im Jahr 1624 waren aber Kirche und Kirchenvermögen katholisch, darum musste jener Besitzstand von 1624 hergestellt, Kirche und Kirchenvermögen den Katholiken zurückgegeben werden, und so hob sich allmählich wieder die herabgesunkene kathol. Gemeinde. — Wie das Gesetz hier den Katholiken zum Vorteil gereichte, diente es an andern Orten den Katholiken zum Schaden und den Protestanten zum Nutzen.
1823 wurde die kathol. Kirche umgebaut; von den 3 Glocken ist eine vom Jahr 1441 mit der lateinischen Inschrift: Hilf Gott; die andern sind neu.
#15. Die protestantische Gemeinde
die seit 1648 keinen eigenen Pfarrer mehr gehabt hatte, erhielt 1791 wieder einen solchen und auch 1792/93 eine eigene Kirche.
#67. Werbach
#1. Name und Alter
Das Pfarrdorf Werbach (mit 1044 Katholiken) wird in einer Urkunde von 1200 zum erstenmal erwähnt und hieß damals Wertpach.
#2. Herrschaften
Um 1200 wohnten hier die Edeln von Werbach; das Dorf gehörte zu Mainz, von dem es die Grafen v. Rieneck als Lehen besaßen. Letztere übergaben 1309 ihr Schloss Grumbach (2 km nördlich von Werbach) dem Erzstift Mainz, die Lehensherrschaft aber kam an das Stift Aschaffenburg. 1312 wurde dem Grafen Ludwig v. Riedern gestattet, innerhalb 10 Jahren Werbach wieder zurückzukaufen; mit der Propstei Aschaffenburg kam Werbach wieder an Mainz, 1803 an Leiningen, 1806 an Baden. Auch die Grafen v. Wertheim und das Kloster Bronnbach hatten hier Besitzungen.
#3. Gefecht
Am 24. Juli 1866 fand hier ein Gefecht statt zwischen Preußen und Badensern; den gefallenen Badensern wurde hier ein Denkmal errichtet.
#4. Die Kirche
ein Gemenge von gotischem und romanischem Stil, stammt aus dem Jahr 1842.
#5. Die Sebastianusbruderschaft
besteht seit 1661 als religiöse Bruderschaft; es mag sein, dass dieselbe im frühen Mittelalter hier wie in Bischofsheim und Miltenberg als Schützenbruderschaft[S405-1] diente, aber später, den veränderten Zeitverhältnissen entsprechend zu einem religiösen Verein umgestaltet und so neu errichtet wurde.
Dieselbe wurde als »Fraternitas sub titulo et invocatione S. S. Sebastiani et Bonifacii« errichtet und „confirmiert, approbiert und bestätigt“, wie es im Stiftungsbrief heißt, den 10. November 1661 von „Johann Philipp, des hl.
Stuhles zu Mainz Erzbischof, des hl. römischen Reichs-Erzkanzlers und Churfürstbischof, Bischof zu Würzburg und Herzog zu Frankental“. Eine besondere Veranlassung zur Gründung dieser Bruderschaft ist nicht erwähnt. Die Statuten besagen dem Hauptinhalte nach folgendes:
1) Die Aufzunehmenden haben nach Empfang der hl. Sakramente die „professionem fidei oder Glaubensbekenntniß zu thun“.
2) Die Brüder und Schwestern haben die beiden Festtage der Bruderschaft, Sebastianus- und Bonifaziusfest, feierlich zu halten.
3) Bei Erkrankungen von Brüdern oder Schwestern sollen die übrigen Mitglieder sie nicht bloß besuchen, sondern auch „in Ermangelung nöthiger Lebens- und Labungsmittel mildreiche Beihülfe zu leisten beflissen sein“.
4) Bei Todesfällen sollen die, sowohl in, als außer Werbach wohnenden, Mitbrüder bei dem Leichenbegängnis mit christlichem Eifer erscheinen.
5) Die Rechnung der Bruderschaft soll jährlich am Vorabende St. Sebastiani im Beisein des Pfarrers zu Werbach, als ewig bestehenden Vorstehers derselben, von dem Brudermeister abgelegt, alsdann durch ermeldeten Vorsteher (Pfarrer) ratificiert und unterschrieben, auch auf das nachfolgende Sebastianusfest anstatt des abtretenden ein neuer Brudermeister erwählt werden.
#6. Zwischen Werbach und Werbachhausen
liegt im Wiesental die Wallfahrtskapelle „Liebfraubrunn“, die aus dem ganzen Taubertal, Odenwald, Bauland (Gau) sehr häufig besucht wird. Über deren Entstehung meldet die Überlieferung folgendes:
#1. Die Quelle
Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts sprudelte auf dem Berge zwischen Werbach und Werbachhausen eine Quelle, deren klares, frisches Wasser zu allen Zeiten, besonders an heißen Sommertagen, den Landleuten auf den Feldern ringsum zur Erquickung diente.
So nützlich die Quelle dem Landvolk erschien, dem Acker war sie insofern zum Schaden, als sie zu manchen Zeiten, wie im Frühjahr durch ihr Übersprudeln den Boden zu sehr aufweichte und Furchen riss, während die zahlreichen Besucher die Erde festtraten und die Anpflanzungen beschädigten. Darum hatte das Grundstück verhältnismäßig geringen Wert und ging von einem Besitzer auf den andern um eine Kleinigkeit über; doch fiel es keinem ein, den Durstigen den Zutritt zu verwehren oder gar die Quelle zu verderben.
#2. Die Zerstörung
Etwa um das Jahr 1700 kam der Acker mit der Quelle in den Besitz des ebenso reichen als geizigen Stürmers-Märtel, auch Geiz-Märtel genannt; sein richtiger Name war Martin Erlenbach von Werbach; den ärgerte es, dass der Acker wegen der Quelle nicht genügend ausgenutzt werden konnte; er hatte kein Verständnis davon, dass es eines der 7 Werke der leiblichen Barmherzigkeit ist, die Durstigen zu tränken, und suchte deshalb auf jegliche Art, die Leute von der Quelle und seinem Acker fern zu halten. Nicht nur
überhäufte er diejenigen, die Wasser schöpfen wollten, mit Schelt- und Drohworten, sondern er suchte auch der Quelle einen andern Lauf unter der Erde anzuweisen; er grub Abzugslöcher, verstopfte die Mündung mit Steinen; doch es war alles umsonst; endlich kaufte er ein großes Quantum Quecksilber und warf dies in die Quelle; das muss wohl einen anderweitigen Ausgang in das Erdreich gebohrt haben, — kurz die Quelle versiegte von da an zum großen Leidwesen aller Feldarbeiter der ganzen Gegend.
#3. Unglück des Zerstörers
So sehr der Stürmers-Märtel sich über den Erfolg freute, so wenig sollte dieser ihm Glück bringen. Arges Unglück verfolgte von da an den Märtel Schlag auf Schlag. Er hatte die Ernte noch nicht nach Hause gebracht, da zerschlug ein fürchterliches Hagelwetter seine ganze Hoffnung; nicht ein Halm und nicht eine Ähre waren ganz geblieben; hatten auch die Felder der Nachbarn großen Schaden erlitten, war doch der des Märtel noch größer und so auffallend, dass alle Leute im Ort ihre Verwunderung, manche auch ihre Befriedigung über die „Bestrafung des Hartherzigen“ aussprachen.
Infolge dieses Gewitters war die Welz hoch angeschwollen, und des Märtels 12jähriger Knabe, der an den rauschenden Wogen spielte, wurde mit fortgerissen und erst mehrere Wochen später als Leichnam an einem Mühlrechen gefunden; darüber grämte sich die Mutter des Kindes so sehr, dass auch sie in kurzer Zeit zu Grabe getragen wurde.
Dem Martin gingen diese Unglücksschläge wohl sehr zu Herzen, allein er hoffte wieder Alles auszugleichen durch seine Hochzeit mit einer reichen, schönen Braut, einem Mädchen von Werbach; gleich nach der Heuernte sollte das Hochzeitsfest gehalten werden. Da wegen der Heuernte außerordentlich viel dringende Arbeit war, half die Braut fleißig mit, kochte für die zahlreichen Taglöhner und das Gesinde und arbeitete am Nachmittag auf den Wiesen; während sie nun eine Bürde Gras aufhob, glitt sie auf dem feuchten Wiesenboden aus und fiel so unglücklich in die daneben liegende Sense, dass sie am linken Bein eine tiefe, klaffende Wunde erhielt. Martin schickte nun sogleich seine Leute fort um Hilfe, indes er die Wunde mit einem Tuche zu verbinden suchte; allein sei es, dass er kein genügendes Geschick dazu hatte, oder dass die Aufregung ihn hinderte, — er konnte die Verblutung nicht aufhalten, und bevor seine Leute zurückkamen, hielt er eine Leiche in den Armen: die lebensfrische Braut war eine schnell verwelkte Blume.
Es konnte nicht fehlen, dass viele Ortsangehörigen die Unglücksfälle des Martin als ein Strafgericht Gottes für seinen Geiz und seine Hartherzigkeit ansahen, sie gingen ihm aus dem Wege und mochten nichts mehr mit ihm zu tun haben, so dass er oft nicht einmal die nötigen Dienstboten und Arbeiter für seine weitläufige Feldarbeit auftreiben konnte.
Eine schwere, schmerzliche Krankheit befiel nun den Martin selber. Fünf Jahre lang versuchten die geschicktesten Aerzte der ganzen Gegend all ihre Kunst; es war umsonst, die Schmerzen nahmen immer zu. Tag und
Nacht fand er keine Ruhe und die Auflösung der Körperkräfte machte solche Fortschritte, dass Martin, der den sichern Tod vor Augen sah, sich auch bereits darauf gefaßt machte.
#4. Das Gelübde des Kranken
An der Schwelle des Todes gedachte Martin seines vergangenen Lebens; wie drohende Gespenster stiegen nun seine Ungerechtigkeiten, sein Geiz, seine Habsucht, seine Hartherzigkeit, auch sein Unrecht wegen der Quelle vor ihm auf; nun bereute er all seine Sünden und gelobte, wenn Gott ihm nochmals die Gesundheit schenke, ein anderer Mensch zu werden, gut zu machen, was er könne, insbesondere wolle er die vertriebene Quelle wieder aufsuchen, ja sogar eine eigene kleine Kapelle daselbst zu Gottes Ehre aufbauen lassen.
Merkwürdiger Weise, als ob alles Unglück und alle Krankheit nur dieses Ziel gehabt hätten, kaum hatte Martin sein Gelübde gemacht, wandte sich gegen alle Erwartung die Krankheit zum Bessern.
#5. Wiederauffindung der Quelle
Nicht geringe Verwunderung erregte es in ganz Werbach, als es hieß, der Stürmers-Martin habe viele Taglöhner angestellt, um die vertriebene Bergquelle wieder aufzusuchen; so etwas war man an ihm nicht gewöhnt, und doch war es so; man sah ihn bald selbst an einem sonnigen Frühlingstag mit seinen Arbeitern den Berg hinaufsteigen.
Dort wurde nun nach allen Richtungen bis zu ansehnlicher Tiefe nach der versunkenen Quelle gegraben; auch auf den benachbarten Grundstücken, die Martin zu diesem Zweck gekauft hatte, suchte man fleißig: die Quelle fand sich nicht.
Für die Stelle, wo vor 5 Jahren ihm seine Braut so plötzlich ums Leben gekommen war, hatte Martin einen Bildstock machen lassen und seine Arbeiter beauftragt, denselben auf der Wiese aufzustellen. Als er die Arbeit nachsehen wollte, meldeten ihm die Männer, sie hätten in der Nähe, beim Ufer der Welz, eine Quelle gefunden, die keiner von ihnen und keiner von den alten Männern, die sie darum befragten, je bemerkt habe. Auch Martin, der dort sehr lokalkundig war, wunderte sich, denn auch er hatte dort nie eine Quelle gesehen; sie sprudelte im dichten Erlen- und Weidengebüsch fast in gleicher Höhe mit dem Spiegel des Baches mit derselben Frische und demselben Wohlgeschmack wie die ehemals vertriebene Quelle. Die sachkundigen und erfahrenen Männer, mit denen er die weiteren Nachforschungen anstellte, urteilten einstimmig, es sei dies die ehemals vertriebene Quelle.
#6. Erbauung der Liebfraubrunn-Kapelle
Martin säumte nicht, nun sein Gelübde auszuführen. Die Quelle wurde schön in Stein gefaßt, mit einem Gewölbe überdeckt und über der Quelle das Kirchlein gebaut, so dass der Altar über der Quelle steht; dabei kam die Giebelmauer der Kapelle mitten in die Welz zu stehen und ein kleines hölzernes Brücklein führte zum Eingang, wie es heute noch ist. Das Gewölbe, mit dem der Chor in dem Welzbach steht, ist aber nach zwei Seiten offen gelassen,
so dass der Bach hindurch fließen kann, ohne Schaden zu tun. — Das Kirchlein erhielt auf Wunsch des Erbauers den Namen Liebfraubrunnen-Kapelle, „weil sie zu ehren der lieben Mutter Gottes gebaut sein solle.“
#7. Glück des Stürmers-Martin
So sehr den Martin früher das Unglück verfolgte, so anhaltend begleitete nun Gottes Segen seine Schritte und ließ ihm Alles gelingen, was er unternahm; in der Gemeinde stand der gänzlich umgewandelte Mann in so großem Ansehen, dass sie ihn als den tüchtigsten zum Bürgermeister wählten.
Zum Glück seines neuen Ehestandes, zu dem er eine vortreffliche Frau gefunden hatte, fehlte nur noch der Kindersegen; diesen Mangel fühlte Martin um so mehr, als er den in der Welz ertrunkenen Knaben immer nicht vergessen konnte; seine Frau hatte aber ein solches Vertrauen auf die Barmherzigkeit und Gnade Gottes beim Gebet in dem Gnadenkirchlein und im Gebrauch des merkwürdigen Quellwassers, dass, als sie später ein Töchterlein erhielt, sie dieses nur als Belohnung ihres Gottvertrauens ansah.
Und als der alte Martin wenige Jahre vor seinem Tode zu erblinden fürchtete, schrieb er die Erhaltung seiner Augen nur dem vertrauensvollen Gebrauch des heilkräftigen Quellwassers zu.
#8. Jetziger Zustand der Kapelle
Heute noch steht die Kapelle ziemlich so, wie sie von Stürmer erbaut wurde; die Beschädigung bei einer Welzüberschwemmung war nicht von großer Bedeutung und war bald wieder hergestellt. Die Wiese mit den alten, dickköpfigen Weidenbäumen und der Bildstock auf seiner hohen Säule bei der Kapelle muten jeden, der die Geschichte davon kennt, ungemein freundlich an. Der Bildstock ist 1893 erneuert, frisch gemalt und vergoldet worden. Der Sockel trägt das Brustbild des Todes mit Sense und Pfeil und die Inschrift:
„Betracht den Tod, o Wandersmann, Wie ungefähr er kommen kann.
Und was sich hier begeben.
Ein Bürd von Gras aufheben will, Verluhr dabei sein Leben.“
Darunter steht: „Maria Franziska Erlenbachin, 1753 ihres Alters 61 Jar. Zur Gedechtnus dieses Unglücks vnd seiner trewgeliebten Ehefraw hat diße Bildnus hirher setzen lassen der ehrsame Mardin Georg Ehrlenbach, Burger vnd Büttnermeister zu Werbach, 1754.“ — D. h. der Bildstock samt der Inschrift gilt der verunglückten Braut; die Unterschrift aber ist die des Stürmers-Martin und seiner zweiten Ehefrau.
#68. Werbachhausen
#1. Name und Alter
Das Dorf Werbachhausen (mit 351 Katholiken), in alten Urkunden Werpachhusen genannt, wird 1369
zum ersten mal erwähnt und gehörte damals wohl als mainzisches Lehen dem Kuonrad Hundelin von Werbachhusen, aus der Familie der Hund von Wenkheim. Auf der Burgwiese soll eine Burg gestanden haben, von der in diesem Jahrhundert Thorpfeiler und Thorpfosten ausgegraben wurden.
#2. Die Pfarrei
bestand schon 1456; der damalige Pfarrer hieß Joh. Gamburger; 1631 wurde die Kirche und das Dorf von den Schweden geplündert und hart mitgenommen; dadurch kam die Gemeinde so sehr ins Abwesen, dass auch die Pfarrei einging und die Seelsorge von 1673 (wahrscheinlich aber noch früher) bis 1719 von Werbach aus besorgt wurde. 1715 musste man die alte, baufällige Kirche abbrechen, worauf Würzburg, Mainz und die Karthause Grünau gemeinschaftlich die jetzige Kirche bauten, die 1893 erweitert wurde. Die Kirche besitzt eine Pieta (Bild der schmerzhaften Mutter Gottes) aus dem 16. Jahrhundert.
#69. Windischbuch mit Seehof
#1. Name und Ursprung
Das Dorf Windischbuch (mit 321 Katholiken und 123 Protestanten) hat seinen Namen von einer Wenden-Kolonie;[S410-1] die Wenden sind ein slavischer Volksstamm, zu dem auch die Böhmen und Russen gehören; durch die Völkerwanderung (im 4.—6. Jahrhundert) wurden sie von ihrer Heimat an den Karpathen auf deutsches Gebiet gedrängt; ein Teil suchte sich Wohnsitze im Norden, und schon seit dem 6. Jahrhundert besaßen sie Ansiedelungen in Nord- und Ostdeutschland, wo sich jetzt ganze Gemeinden finden mit eigener wendischer Sprache und eigenen Gebräuchen; ein anderer Teil wendete sich nach Süden, wo er sich bald mit den Eingeborenen vermischte.
Die Sage meldet: Der Ort lag früher mehr gegen Assamstadt hin im Tal, wo jetzt noch ein ausgemauerter Brunnen steht, habe nur Buch geheißen und brannte einmal gänzlich ab; da noch schwere Gewitter und anderes Unglück über die Einwohner kam, so glaubten sie, auf der Stätte, wo der Ort stand, ruhe der Fluch Gottes, weshalb sie nach dem Brande mehr auf die Höhe bauten, und beim ersten Zimmermannsspruch wurde der Wunsch ausgesprochen: „Wende dich, Buch, bleibe fern mit dem auf dir ruhenden Fluch und ziehe nicht mehr mit uns herüber auf die neue Stelle.“ Das letztere ist
aber nur eine der zahlreichen Volksetymologien solcher, die den Ausdruck und die Geschichte der Wenden nicht kannten, zur Erklärung des Ortsnamens. — Ungefähr um das Jahr 1100 erscheint der Name des Ortes zum erstenmal in den Urkunden.
#2. Herrschaften
Eigentümer waren zuerst die Herren von Boxberg, 1233 besaß Ritter Konrad von Krautheim die Vogtei über Windischbuch, die er an Gottfried von Hohenlohe verkaufte; um 1300 kam das Dorf an die Herren von Rosenberg, 1535 an die Pfalz, später mit dem Amt Boxberg an Würzburg, 1810 vorübergehend an Hessen und endlich an Baden.
#3. Die katholische Kirche
wurde durch die Reformation des Albrecht von Rosenberg 1558 den Protestanten übergeben. Als der Ort 1685 an Würzburg kam, wurde wieder der katholische Gottesdienst eingeführt und zwar geschah die Abhaltung desselben für Windischbuch, Schwabhausen, Schillingstadt und Seehof durch den Pfarrer und die Kapläne von Oberwittstadt. 1702 wurde für die obengenannten Orte in Schillingstadt eine eigene Pfarrei errichtet, aber schon 1710 nach Windischbuch verlegt; zugleich erbaute Bischof Phil. von Greiffenklau eine eigene, neue Kirche, womit der Simultangebrauch der alten Kirche, die seit 1699 bestand, aufhörte; letztere blieb den Protestanten. 1806 drohte der katholischen Pfarrei abermals der Untergang, da das würzburgische Klosteramt Wechterswinkel seinen jährlichen Beitrag von 227 fl. 48 Kr. zur Pfarrbesoldung einstellte und die leiningische Justizkanzlei zu Amorbach vorschlug, die Pfarrei Windischbuch aufzuheben, indem man deren Bestandteile an die nächstliegenden Pfarreien Boxberg, Berolzheim und Oberwittstadt verteilte. Indessen erboten sich die Katholiken von Windischbuch und Seehof zu einem ansehnlichen freiwilligen Beitrag, zu dem noch einige andere Zuschüsse kamen, worauf die schon vom erzbischöfl. Vikariat Bruchsal ausgesprochene Aufhebung wieder rückgängig gemacht wurde. Im Jahre 1856 musste die verhältnismäßig junge Kirche wegen schlechter Bauart schon umgebaut werden.
#4. Im Jahre 1810
sollte ein Simultankirchhof angelegt werden, da aber der reform. Pfarrer nicht zugeben wollte, dass ein Kruzifix aufgestellt und die Gräber mit Kreuzen versehen würde, legte jede der beiden Religionsparteien ihren eigenen Friedhof an. 1874 wurde der katholische Friedhof erweitert und simultan gemacht,
da der protestantische sehr im Wasser stand und sich als unbrauchbar erwies.
#5. Die protest. Kirche
wurde 1724 gebaut, nachdem die alte Kirche baufällig geworden.
#6. Durch den Ort
zieht die im ganzen Mittelalter hochbedeutsame Nürnberger Handelsstraße nach Heilbronn.
#7. Ein großes Hagelwetter
ging am 30. Juli 1824 über die Gemarkung nieder mit Eisstücken von 3/4 Pfund und vernichtete die ganze Ernte; ein ähnliches Hagelwetter meldet die Chronik vom Jahre 1664.
#8. Der Seehof
bestand früher aus 3 Höfen: Ober-, Mittel- und Unterhof und war ein Erbbestandsgut der Standesherrschaft Leiningen, mit dem Sitze in Amorbach. Die Seehofbauern kauften die Höfe 1861 von der Herrschaft; jeder der drei Höfe zählt jetzt 4 Grundbesitzer.
#70. Winzenhofen mit dem Heßlingshof
#1. Name und Ursprung
Das Dorf (mit 280 Katholiken und 2 Protestanten) wird vor dem Jahre 1406 in keiner der zahlreichen Urkunden, welche die Gegend betreffen, berührt, woraus wohl der Schluss gerechtfertigt sein dürfte, dass es damals nur geringe Bedeutung hatte; dagegen wird schon 1252 und 1266 der Heßlingshof, der zur Pfarrei Winzenhofen gehört, in den Urkunden des Cunrad von Crutheim genannt, als dieser dem Cisterzienserinnenkloster in Gnadental seine Güter zu „Heselbach“ vermachte.[S412-1]
#2. Pfarrei
Die einzige aus älterer Zeit vorhandene Urkunde ist die vom Jahre 1406, in welcher die Klausnerin Guta Lani mit dem Kloster Schöntal ihren Beitrag zur Errichtung der Pfarrei stiftet: die Urkunde lautet:
„Guta Lani, Clausnerin zu Westernhausen,[S412-2] vermachte mit wohlbedachtem Mut und mit vereintem Willen und Rath ihrer Freunde an die Pfarrei Winzenhofen, durch Gott und um Heil ihrer Seele willen das Viertel des Zehnten zu Sindeldorf, im Dorf und im Feld, klein und groß, Nichts ausgeschlossen und dazu noch den Seershof mit allen Rechten und Zugehörden, als ihn Guta bisher innegehabt; noch giebt sie eine Hofraith zu Winzenhofen
und ein gewisses Gut daselbst, auch einen Weingarten zu Crispenhofen. Das Alles mit solchem Geding, dass ein jeglicher Pfarrherr zu Winzenhofen soll lesen alle Woche eine Messe zu Westernhausen, also dass 52 geschehen alle Jahre ungefährlich. Wäre aber, dass ein Pfarrherr zu Winzenhofen die vorgeschriebenen Messen aus Mutwillen nicht hielte, so hat ein jeglicher Pfarrherr zu Marbach und ein Pfarrherr zu Westernhausen Macht, einen jeglichen Pfarrherrn zu Winzenhofen zu strafen und volle Gewalt, die vorgenannten Güter und Zehnten anzugreifen und sie für die Pfarrei Winzenhofen zu Nutz zu legen, also lang, bis dass ein Pfarrherr zu Winzenhofen (in) der Pfarr und Kirche zu Westernhausen hielt und tät, als oben geschrieben steht. Wenn aber die vorgenannten Herren das nit täten, noch wollten nehmen, so hat die genannte Guta und ihre Nachkommen volle Gewalt, die Zehnten zu Sindeldorf anzugreifen und die versäumten Messen damit zu vollbringen. Bliebe aber auch daran etwas übrig, das soll man lassen folgen und reichen der Pfarr zu Winzenhofen. Wenn dann die versäumten Messen versehen und vollbracht werden, so soll ein jeglicher Pfarr zu Winzenhofen wieder antreten, Messe halten und ihre Nutzung einnehmen, wie oben geschrieben. Zur Urkund und bessern Sicherheit hängen die edlen Knechte Götz von Aschhausen und Conz von Ebersberg ihr Siegel an diesen Brief, der gegeben ist den St. Luzientag, der Jungfrauen (13. Dez.) 1406.“
#3. Die alte Pfarrkirche
aus dem 14. Jahrhundert wurde 1724 umgebaut. Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahr 1624.
#4. Im Bauernkrieg
beteiligte sich ein großer Teil der Gemeinde unter Anführung ihres Pfarrverwesers Lenz oder Leiz am Aufstand, besonders bei der Blutthat zu Weinsberg,[S413-1] wurde aber dafür arg gestraft, namentlich dadurch, dass ihr die Waldung genommen wurde, weshalb die Gemeinde bis heute keine Ruthe Waldung besitzt. Zwar ist 1643 von einer „Winzenhofer Waldung“ die Rede, in der ein Oberamtmann von Krautheim Holz hauen ließ, das war aber wohl nur der „ehemalige“ Gemeindewald.
#71. Wölchingen
#1. Name und Ursprung
Die ältesten Urkunden über das Dorf (jetzt 138 Kathol., 496 Protest.) vom Jahr 1221 nennen dasselbe Wollechingen.
Die Sage erzählt, in frühester Zeit habe der Ort Wölfingen geheißen; als er noch ein Weiler war und die Wälder nahe an die Häuser gingen, tummelte sich auf der angelthürner Straße auf der Anhöhe, wo jetzt das
Steinkreuz steht, Kinder mit Schlittenfahren; da brach eine Wölfin aus dem Gehölz und zerriss die Kinder; deshalb hieß der Ort von da an Wölfingen, der Platz, wo das geschah, Wolfsgrube und der Weg, auf dem die weinenden Mütter die blutigen Überreste ihrer Kinder nach Hause trugen, heißt heute noch der Totenweg.
Ein Gehölz nahe beim Ort heißt das Reißholz und der Weg dazu das höllische Weglein; daran knüpft sich folgende Sage: Vor alter Zeit wurde in dem Wirtshaus bei der Kirche eine Hochzeit gefeiert. Während des Tanzes trat ein fremder, schmuck gekleideter Jägerbursche zur Braut und begehrte mit ihr ein Tänzchen zu machen, das sie ihm nicht abschlug. Aber auf einmal waren Jäger und Braut verschwunden, und als die Hochzeitsgesellschaft in großer Aufregung auf die Suche ging, fand man am Waldessaum blutbefleckte Stücke vom Kleid der Braut und den zerrissenen Brautkranz, doch von der Braut keine Spur. Jetzt erinnerten sich die Leute, dass die Braut einst einem Andern die Ehe versprochen und zur Versicherung ihrer Treue die Verwünschung hinzugefügt habe, wenn sie einen Andern heirate, so solle der Böse sie an ihrem Hochzeitstag holen, und das sei auch so geschehen.
#2. Die Geschichte des Ortes und der Herrschaften
ist dieselbe wie die von Boxberg,[S414-1] mit dem Wölchingen bis 1836 eine Gemeinde bildete. 1221 wohnte hier ein adeliges Geschlecht, da ein Siboto von Wolechingen als Mitglied des Templerordens in einer Urkunde angeführt wird. Die Familie ist aber wahrscheinlich früh ausgestorben, da ihrer später nicht mehr Erwähnung geschieht.
#3. Der Johanniter-Orden
der schon 1191 hier Besitzungen hatte, erweiterte dieselben zu einem Hospital, das 1274 bereits eine ansehnliche Bedeutung gehabt haben muss, da in den Urkunden ein Commenthur an dem Johannishause zu Wollechingen erwähnt wird. (Die Johanniter waren ein Orden von Spitalbrüdern, den italienische Kaufleute aus Almafi 1048 zu Jerusalem zur Pflege der Armen und Kranken stifteten.)
#4. Die Kirche
zu Ehren des hl. Johannes des Täufers, heute noch ein prächtiges, dreischiffiges, romanisches Bauwerk, wohl noch vor 1200 von den Johannitern erbaut, war schon früher, als Boxberg und Wölchingen noch ganz katholisch waren, Pfarrkirche für beide Orte.
Eine Art Volksetymologie, wie wir sie schon häufig bezüglich der Orts- und Flurnamen, des Ursprungs von Gebäuden u. s. w. fanden, liegt in der Sage, als ob die gewaltigen Steinmassen und
Quader von Riesen übereinander getürmt und zusammengefügt worden seien. Solch mächtige Mauermassen finden sich an allen größeren romanischen Bauwerken, so dass auch in Wölchingen die Erbauung keine Riesen erforderte. Im Schwedenkrieg soll ein durchziehendes Regiment die Kirche von einer gegenüber liegenden Anhöhe beschossen und den Turm zerstört haben.[S415-1] Der jetzige kleine Aufsatz mit den stillosen viereckigen Fenstern ist neueren Datums und ein Hohn auf alles Kunstverständnis. Von den zwei Portalen übt das auf der Giebelseite mehr Wirkung durch seine Größe; aber das auf der Südseite, mit Blumen und allerlei Getier[S415-2] geschmückt, zeichnet sich mehr aus durch kunstreiche und schöne Formen.
Das Innere ist, wie alle alten romanischen Kirchen, ernst; mächtige Säulen mit kunstvollen Kapitälen, die alle unter sich verschiedene Formen aufweisen, lehnen an den Pfeilern und scheiden mit diesen das Mittelschiff von den Seitenschiffen. Die kunstreiche Fensterrose im Chor wird leider durch die Orgel verdeckt.
Unter dem Chor befindet sich eine Krypta, d. h. eine unterirdische Kapelle wie in allen größeren romanischen Kirchen, mit den Grabmälern der Johanniter und der jeweiligen Besitzer von Bocksberg. Die kunstvoll ausgeführten Denkmäler stehen jetzt in der Kirche. Es sind folgende:
a) Ein Ritter mit Helm, Ringkragen, Ringhosen und bauschigen Aermeln auf einem Löwen stehend und mit der gotischen Minuskelschrift: Anno Dmni MCCCLXXXVII (1387) jar an dem nechsten suntag nach .. .. starp her Ekhart von Rosenberg. Oben in den Ecken des Steines stehen zwei Wappen, darunter das rosenbergische.
b) Arnold v. Rosenberg steht im Plattenharnisch, mit Helm, Schwert und Dolch auf einem Löwen; die Umschrift trägt die Jahrzahl 1447.[S415-3]
c) Eberhard v. R., ähnlich wie die beiden genannten Denkmäler.
d) Ein knieender Ritter mit gefalteten Händen, unter seinen Füßen ein Löwe, der den Wappenschild der Ritter von Handschuchsheim hält. Ihm gegenüber kniet seine Gemahlin in faltigem Gewande auf einem rücklings liegenden Hunde. — Ohne Inschrift.
Einige andere Denkmäler führen keine Inschrift, sind auch teilweise bis zur Unkenntlichkeit zerstört.
Die Kirche gehört seit Einführung der „Reformation“ durch Albrecht v. Rosenberg 1558 den Protestanten. Die Katholiken sind nach Boxberg eingepfarrt.
#72. Zimmern
#1. Name und Alter
Das Pfarrdorf Zimmern (mit 407 Katholiken), das schon um das Jahr 1000 existierte, heißt im Unterschied zu den 6 andern „Zimmern“, die noch in Baden liegen, auch Grünsfeldzimmern.
#2. Herrschaften
Von alten Zeiten her wohnte hier das adelige Geschlecht der „Zimbre“. 1149 und 1151 gaben die Grafen Sigebodo von Zimmern und sein Bruder Dragoboto, Billung von Lindenfels, Beringer von Gamburg und Erlebold von Krensheim ihre gemeinsam besessene Burg Burnebach mit Zugehör zur Stiftung des Cisterzienserklosters Brunnebach, das die Brüder Wolfram und Diether, Grafen von Wertheim, gegründet hatten; 1213 starb die Familie der Zimmern aus, und das Dorf gehörte zur Grafschaft Rieneck, mit dem Sitz in Grünsfeld, kam 1380 mit Margareta v. Rieneck als Mitgift an Johann I. von Wertheim, später an das Stift Würzburg, 1802 an Salm-Krautheim, 1805 an Baden.
#3. Drangsale
1688 wurde der Ort durch die Franzosen gänzlich niedergebrannt; wenn derselbe auch nach Beendigung des Krieges wieder aufgebaut wurde, so war er doch auf mehr als 100 Jahre hinaus verarmt.
Am 20. April 1854, nachmittags 4 Uhr, legte ein großer Brand 14 Wohnhäuser und 16 Scheuern und Stallungen und 10 kleinere Nebengebäude in Asche. Pfarrhaus und Kirche standen in großer Gefahr, kamen aber mit geringem Schaden davon.
Am 6. August 1895 wurde abermals ein großer Teil des Dorfes und zwar derjenige, welcher 1854 vom Feuer verschont blieb, durch solches zerstört.
#4. Die Pfarrei[S416-1]
bestand schon seit 1225. Im Jahr 1234 wird der Pfarrer Rudolf von Zimmern in einer grünsfelder Urkunde
genannt. Im 30jährigen Krieg, als Grünsfeld, Bischofsheim und die ganze Taubergegend durch die Schweden verheert wurden,[S417-1] litt auch Zimmern solche Verwüstung, dass 1640 der Pfarrer nicht mehr hier wohnen konnte, sondern nach Grünsfeld zog, von wo aus er seine Pfarrei verwaltete. 1666 zog der Bischof von Würzburg die unzureichend gewordenen Pfarreinkünfte von Kreusheim und Zimmern ein, bildete daraus den Pastoreifond und ließ Zimmern durch Priester aus der Kongregation des sel. Bartholomäus Holzhauser von Grünsfeld aus versehen, so hörte die Pfarrei auf und wurde Filiale zu letzterem.
Aber schon um 1790 hatte Fürstbischof Franz Ludwig von Würzburg, der die Unhaltbarkeit dieses Zustandes erkannte, beschlossen, die Pfarrei wieder von neuem zu errichten; nur unüberwindliche Hindernisse vereitelten den Plan.
Nach Aufhebung des Klosters zu Gerlachsheim wollte der Fürst Konstantin Salm-Reifferscheid-Krautheim die dortigen Patres durch Pfarreien versorgen, um so den pflichtmäßigen Sustentations-(Erhaltungs-)Beitrag zu sparen. Darum wurde nun die Wiedererrichtung der Pfarreien Krensheim und Zimmern mit aller Macht betrieben. Der P. Prior von Gerlachsheim, Michael Wiener, wurde auf die hiesige neuerrichtete Pfarrei präsentiert u. am 14. März 1810 investiert.
Die Wiederaufrichtungsurkunde d. d. Landvogtei Wertheim, 29. Mai 1809 Nr. 2613 lautet:
„Ihre Kgl. Hoheit, unser allergnädigster Souverain, haben mildest genehmigt, daß die Pfarreien Krensheim und Zimmern wieder errichtet werden sollen; auch Höchst denselben das Erbieten der Gemeinden Krensheim und Zimmern zum Pfarrhausbau einen Beitrag von 500 fl (857 Mk. 14 Pfg.) zu machen, und das Erbieten der Gemeinde Zimmern, den Platz zum Pfarrhaus auf eigene Kosten anzuschaffen zu gnädigstem Wohlgefallen gereicht, wie denn auch gut gefunden worden ist, daß das Pfarrer Hehn'sche Legat von 600 fl (1028 Mk. 57 Pfg.) zum Pfarrhausbau zu Zimmern verwendet werde, jedoch unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß diesen beiden Gemeinden nach der eigenen, unterm 16. Nov. v. J. gemachten Erklärung der fürstl. Salm'schen Domänenkanzlei Gerlachsheim aus diesen ihren freiwilligen Anerbietungen und Beiträgen nicht das mindeste Präjudiz einer Schuldigkeit zur künftigen Unterhaltung und Erbauung der Pfarrhäuser zu Krensheim und Zimmern, als welche Schuldigkeit dem Fürsten Salm-Krautheim ganz allein obliegt, erwachsen solle.
Ferner ist gnädigst gestattet worden, dass zur Erleichterung der fürstl. Kasse die beiden Gemeinden Krensheim und Zimmern zum Pfarrhausbau an beiden Orten jede einen Vorschuß von 1800 fl an den Fürsten mache, welcher jeder derselben in den 6 nächsten auf einander folgenden Jahren jährlich mit 300 fl aus den Gülten und Zehnten, die der Herr Fürst auf der K. und Z. Markung zu beziehen hat, und die mit Consens des Großh. Hofgerichts des Unterrheinkreises hiezu besonders versichert sein sollen, wieder zurückbezahlt und indessen bis zur völligen Abzahlung mit 4% verzinst werden sollen. Daher die beiden Gemeinden nötigenfalls, um ihren Vorschuß zu bestreiten, zur Geldaufnahme hiemit autorisiert werden, jedoch dergestalt, dass die Zurückzahlung ebenfalls binnen 6 auf einander folgenden Jahren geschehen soll.
Endlich wird von höchsten Orten erwartet, dass die Gemeinden Krensheim und Zimmern ihren der Großh. Landvogtei erklärten Entschließungen gemäß ihren neuen Pfarrern anständige Wohnung aus ihren eigenen Mitteln solange verschaffen werden, bis ihre Wohnhäuser bewohnbar sein werden.
Verfertigt Wertheim, 29. Mai 1809.
v. Hinkeldey.“
In Gemäßheit dieser Urkunde ließ der Fürst das neue Pfarrhaus 1810 erbauen.
#5. Die Kirche
die schon seit 1525 und wohl noch früher dem Gebrauch diente, ohnedies, wie die alten Dorfkirchen, klein war, geriet allmählich so sehr in Verfall, dass seit 1666 die grünsfelder Pfarrer wiederholt beim Fürstbischof vorstellig wurden, um für ihre Filiale Zimmern ein neues Gotteshaus zu erhalten; doch vergeblich. Als nun im November 1767 Bischof Adam Friedrich, nach Art der hohen Herren jener Zeit, nahe bei Zimmern auf der Jagd war, veranlaßten ihn die Bewohner von Zimmern, sich persönlich von dem Zustand ihrer Kirche zu überzeugen. Das geschah, worauf der hohe Herr sogleich den Neubau anbefahl. Am 22. Februar 1768 erschien Hauptmann und Hofarchitekt Fischer von Würzburg, um den Voranschlag zu einem Neubau zu fertigen, am 25. desselben Monats war der Voranschlag bereits gemacht und genehmigt. Am 12. Juni 1768 hielt man den letzten Gottesdienst in der alten Kirche, worauf diese abgebrochen wurde. Urkunden haben sich im Grundstein keine vorgefunden. Nach Aussage der Maurer müsse die Kirche ein sehr altes Gebäude gewesen sein, auch musste es einmal in derselben gebrannt haben, da das Mauerwerk davon Spuren zeigte.
In den Grundstein der neuen Kirche legte man Reliquien der hl. Honoratus, Clara und Rogata; am 2. Nov. 1768 wurde
der Grundstein durch Pfarrer Georg Jos. Schmitt von Grünsfeld benediciert, am 5. Dez. 1770 wurde der Kirchenbau beendigt, am gleichen Tage durch Pfarrer Schmitt die neue Kirche eingesegnet und das erste hl. Meßopfer darin gehalten.
Im Jahr 1867 wurde die Kirche, die seit ihrer Erbauung, also seit 100 Jahren, kaum eine Ausbesserung erfahren hatte und nicht wenig rußig aussah, einer gründlichen Erneuerung unterzogen; eine abermalige Restauration geschah, nachdem die Kirche durch einen Blitzstrahl am 29. Mai 1886 schwer geschädigt worden war, im Jahr 1888.
#6. Der neue Kirchhof
wurde am 24. Aug. 1811 eingeweiht.
Im Jahr 1820 starb der erste Pfarrer seit Wiedererrichtung der Pfarrei, Wiener, ehemals P. Prior im Kloster zu Gerlachsheim, und wurde am Fuß des steinernen Kreuzes beerdigt.
#7. Kützbrunn als Filiale von Zimmern 1824—1864
Im Jahr 1823 gelang es dem Pfarrer von Gerlachsheim, Pater Stephan (vom früheren Prämonstratenserkloster), die Filiale Kützbrunn an die Pfarrei Zimmern zu übertragen, obgleich die Besorgung von Zimmern aus wegen Entfernung und Schwierigkeit des Weges nur höchst mühsam und zum Schaden von Zimmern geschehen konnte. Die späteren Pfarrer von Zimmern boten vergebens alle Kräfte auf, der Last wieder los zu werden; dies gelang erst 1864, als Kützbrunn zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde.[S419-1]
#8. Naturereignisse
Im Jahr 1842 herrschte große Dürre; vom März bis zum Oktober gab es keinen durchgreifenden Regen; die Wiesen und Kleefelder glichen dürren Steppen, und der Futtermangel war so groß, dass vieles Vieh abgeschafft werden musste. Die schönste Kuh kostete kaum 20 fl (34 Mk.) und das Pfund Rindfleisch 3 Kr. (9 Pfg.).
Das Jahr 1843 war sehr fruchtbar in allen Stücken, nur der Wein ist schlecht geraten.
Das Frühjahr 1845 brachte ein so großes Hochwasser, wie man es seit 1784 nicht mehr gesehen hatte.
Der Februar 1846 war so warm, dass alle Gärten voll Blumen standen. Der April brachte meistens Regen, am 26., 27. und 28. April erfroren die Reben. Die Monate Juni bis Oktober waren sehr heiß und trocken.
Der Sommer 1857 war sehr trocken; noch mehr aber der des Jahres 1858. Das Wasser zum Tränken des Viehes musste in den Bachquellen
unterhalb des Dorfes geholt werden. Vom Juni an war der Mühlkanal vollständig vertrocknet; der Pfarrer pflanzte der Rarität wegen in den Mühlbach Gurken, die Früchte zeitigten.
Am 1. Sept. 1860 fiel ein Wolkenbruch, der den Weg nach Uhlberg gänzlich zerriss und auf den Feldern wie im Dorfe großen Schaden anrichtete.
#9. Baupflicht der Pfarrei Zimmern am Pfarrhaus zu Grünsfeld
Am 28. April 1861 zerstörte bei heftigem Sturm ein großes Feuer zu Grünsfeld mehr als 30 Häuser, darunter auch das Pfarrhaus. Beim Neubau des letzteren kam ein schon seit Jahren geführter Prozess der Gemeinden Zimmern und Krensheim als ehemaligen Filialen von Grünsfeld zum Austrag, wodurch die Pfarreien Zimmern und Krensheim mit der Pfarrei Grünsfeld als baupflichtig erklärt wurden für das Pfarrhaus zu Grünsfeld. Dadurch verlor die Pfarrei Zimmern 3832 Mk und behielt die Verpflichtung, bei zukünftigen Pfarrhausbauten in Grünsfeld immer wieder von neuem ihren Anteil zu leisten.[S420-1]