Kreuzigungsgruppe (1585) und sechs Sühnekreuze bei der Wolfgangskapelle in Bad Mergentheim
Aufgenommen am 16. Juni 2012 · Standort 49.49708, 9.77575
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Kreuzigungsgruppe (1585) bei der Wolfgangskapelle:
Nach einem Aufstand gegen die Obrigkeit des Deutschen Ordens musste die Kreuzigungsgruppe -ursprünglich auf dem Marktplatz- von der Bürgerschaft auf Befehl als Sühnekreuz errichtet werden. (Bis 1537 waren sie noch dem Deutschorden leibeigen.) 1525 wurde es von den Bauern im Bauernkrieg geschleift und damit zerstört. 1585 wurde es dann (bereits am jetzigen Standort?) erneut aufgestellt - vermutlich auf Befehl der Obrigkeit.
Im Widerspruch zu obiger Info auf einem Schild direkt bei der Kreuzigungsgruppe schreibt Karl Kolb (1952, s.u.), dass das Kreuz bereits unmittelbar nach seiner Zerstörung im Bauernkrieg neu errichtet werden musste und dann schon im Zuge des Rathausbaus 1562-1564 an seinen heutigen Standort verlagert wurde. Dann stellt sich jedoch die Frage, warum auf dem Kreuz groß die Jahreszahl 1585 steht. Weiterhin unterstellt Kolb den beiden Beifiguren, plump und erheblich jüngeren Datums zu sein.
Als Inschrift findet sich auf dem Sockel jedenfalls nur groß die Jahreszahl 1585 und darunter ein großes Wappen: Es handelt sich um das Hochmeister-Wappen des Heinrich von Bobenhausen, der von 1572 bis 1590 der 41. Hochmeister des Deutschen Ordens war. Nach seiner Wahl zum Hochmeister verschlechterten sich seine Beziehungen zu Kaiser Maximilian II. derart massiv, dass er ab 1585 einen Koadjutor (seinen späteren Nachfolger Maximilian von Österreich) akzeptieren musste und durch diesen faktisch entmachtet wurde. So zog er sich ins Kloster Weißenburg zurück und wurde dann schließlich 1590 zum Rücktritt gezwungen. Evtl. war obiges Kreuz ja also auch sein Abschiedsgeschenk an Mergentheim, bevor er sich ins Kloster verabschiedete...
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Quellen:
Infoschildchen direkt bei der Kreuzigungsgruppe
Kolb, Karl Bildstöcke im Taubertal. (Tauberbischofsheim: Wig 1952)
wikipedia.org
INFOTEXTd01110
Das 1. der 6 Sühnekreuze bei der Kreuzigungsgruppe neben der Wolfgangskapelle: Sühnekreuz aus dem 16. Jahrhundert (v.l.n.r.)
Die 6 Sühnekreuze bei der Kreuzigungsgruppe neben der Wolfgangskapelle:
Die sechs Kreuze standen früher in der Wolfgangskapelle und wurden 1766 in die gegenüberliegende Mauer der Edelfinger Straße eingesetzt. Ca. 1975 wurden sie dort dann wieder herausgenommen und nebenan in veränderter Reihenfolge um eine steinerne Kreuzigungsgruppe arrangiert (heutiger Standort).
Alle sechs Kreuze sind -wie bei Sühnekreuzen üblich- ohne Inschrift, ein paar tragen jedoch eingehauene Symbole: Auf dem zweiten Kreuz von links sieht man eine große, nach oben geöffnete Schneiderschere, auf dem dritten von links parallele Einrillungen (evtl. ein Rechteck), im fünften von links mittig ein quadratisches Loch und im ganz rechts stehenden Kreuz schließlich eine Einrillung in Form einer großen 8 (evtl. eine Brezel).
Losch datiert die sechs Kreuze (von links nach rechts) folgendermaßen:
16. Jhd. - 16./17. Jhd. - 15. Jhd. - 15. Jhd. - 15./16. Jhd. - 16./17./18. Jhd.
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Um die sechs Sühnekreuze ranken sich einige Sagen und Legenden:
(a) Sechs Handwerksburschen hätten sich hier angeblich gegenseitig erschlagen, einer davon sei ein Schneider gewesen.
(b) Eine andere Sage berichtet, dass Morde aus der Schwedenzeit (Dreißigjähriger Krieg 1618-48) der Errichtungsgrund gewesen seien.
(c) Manche Mergentheimer meinen auch, die Kreuze erinnern an die Hinrichtung von sechs aufständischen Franken im Jahr 1809, die sich gegen die neue württembergische Herrschaft aufgelehnt hatten.
(d) Es gibt auch Überlegungen, wonach den Kreuzen jegliche Sühne- oder Gedenkfunktion abgesprochen werden müsste: Demnach handelt sich sich umZunftzeichen in Kreuzform, also quasi um die historischen Gelben Seiten Mergentheims, die jeden Neuankömmling am Ortseingang über die hier vorhandenen Dienstleistungsbetriebe informierten.
(e) Am weitesten verbreitet ist jedoch die Sage, wonach die sechs Kreuze an den Bauernkrieg erinnern: Nach der blutigen Niederschlagung des Bauernaufstands hielt die Obrigkeit in allen sympathisierenden Dörfern ein grausiges Blutgericht (im Taubertal wurde dem Bauernheer die entscheidende Niederlage am 2. Juni 1525 bei der vernichtenden Schlacht am Königshofer Turmberg zugefügt). Auch in Mergentheim wurden einige Rädelsführer hingerichtet, einige davon wohl auf dem Richtplatz auf dem Bleichwasen (Tauberufer bei der Wolfgangskapelle), andere auf dem Marktplatz. (Darüber berichtet der Chronist Breitenbach in der Chronik der Pfarrei zum Jahr 1525, allerdings ohne Nennung der Kreuze.)
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Quellen:
suehnekreuz.de
Losch, Bernhard. Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg. (Theiss: Stuttgart 1981, S.96-97)
Kreuzigungsgruppe (1585) bei der Wolfgangskapelle:
Nach einem Aufstand gegen die Obrigkeit des Deutschen Ordens musste die Kreuzigungsgruppe -ursprünglich auf dem Marktplatz- von der Bürgerschaft auf Befehl als Sühnekreuz errichtet werden. (Bis 1537 waren sie noch dem Deutschorden leibeigen.) 1525 wurde es von den Bauern im Bauernkrieg geschleift und damit zerstört. 1585 wurde es dann (bereits am jetzigen Standort?) erneut aufgestellt - vermutlich auf Befehl der Obrigkeit.
Im Widerspruch zu obiger Info auf einem Schild direkt bei der Kreuzigungsgruppe schreibt Karl Kolb (1952, s.u.), dass das Kreuz bereits unmittelbar nach seiner Zerstörung im Bauernkrieg neu errichtet werden musste und dann schon im Zuge des Rathausbaus 1562-1564 an seinen heutigen Standort verlagert wurde. Dann stellt sich jedoch die Frage, warum auf dem Kreuz groß die Jahreszahl 1585 steht. Weiterhin unterstellt Kolb den beiden Beifiguren, plump und erheblich jüngeren Datums zu sein.
Als Inschrift findet sich auf dem Sockel jedenfalls nur groß die Jahreszahl 1585 und darunter ein großes Wappen: Es handelt sich um das Hochmeister-Wappen des Heinrich von Bobenhausen, der von 1572 bis 1590 der 41. Hochmeister des Deutschen Ordens war. Nach seiner Wahl zum Hochmeister verschlechterten sich seine Beziehungen zu Kaiser Maximilian II. derart massiv, dass er ab 1585 einen Koadjutor (seinen späteren Nachfolger Maximilian von Österreich) akzeptieren musste und durch diesen faktisch entmachtet wurde. So zog er sich ins Kloster Weißenburg zurück und wurde dann schließlich 1590 zum Rücktritt gezwungen. Evtl. war obiges Kreuz ja also auch sein Abschiedsgeschenk an Mergentheim, bevor er sich ins Kloster verabschiedete...
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Quellen:
Infoschildchen direkt bei der Kreuzigungsgruppe
Kolb, Karl Bildstöcke im Taubertal. (Tauberbischofsheim: Wig 1952)
wikipedia.org
Bad Mergentheim - historischer Kurzüberblick:
° 1058 wird Bad Mergentheim erstmals urkundlich als Grafschaft Merginthaim im Taubergau erwähnt
° Seit Ende des 12. Jahrhunderts war in Mergentheim der Johanniterorden ansässig, im13. Jahrhundert kamen dann der Deutsche Orden und der Dominikanerorden hinzu.
° 1280 werden der Siedlung die Zollrechte von Herzog Johann von Lothringen zuerkannt
° 1340, am 2. Juli, verleiht Kaiser Ludwig der Bayer Mergentheim auf Bitten des Deutschmeisters Wolfgang von Nellenburg die Stadtrechte
° 1525 wird Mergentheim Hauptsitz des Deutschen Ordens (Residenz des Hochmeisters), da die Bauern zuvor den bisherigen Sitz des Hochmeisters, die Burg Horneck, imBauernkrieg zerstört hatten.
° 1809 wird das Ordensgebiet Mergentheim mit der Krone Württembergs vereint (auf Befehl Napoleons)
° 1826 entdeckt der Schäfer Franz Gehrig die spätere Wilhelmsquelle an der Tauber
° 1926 erhält Mergentheim dann schließlich zur Hundertjahrfeier der Quellenentdeckung das amtliche Prädikat Bad
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Quellen:
bad-mergentheim.de
wikipedia.org
Das 2. der 6 Sühnekreuze bei der Kreuzigungsgruppe neben der Wolfgangskapelle: Sühnekreuz aus dem 16. oder 17. Jahrhundert (v.l.n.r.)
INFOTEXTd01110
Das 3. der 6 Sühnekreuze bei der Kreuzigungsgruppe neben der Wolfgangskapelle: Sühnekreuz aus dem 16. oder 17. Jahrhundert (v.l.n.r.)
INFOTEXTd01110
Das 4. der 6 Sühnekreuze bei der Kreuzigungsgruppe neben der Wolfgangskapelle: Sühnekreuz aus dem 16. oder 17. Jahrhundert (v.l.n.r.)
INFOTEXTd01110
Das 5. der 6 Sühnekreuze bei der Kreuzigungsgruppe neben der Wolfgangskapelle: Sühnekreuz aus dem 16. oder 17. Jahrhundert (v.l.n.r.)
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Das 6. der 6 Sühnekreuze bei der Kreuzigungsgruppe neben der Wolfgangskapelle: Sühnekreuz aus dem 16. oder 17. Jahrhundert (v.l.n.r.)
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- 1809
- * Bobenhausen - Heinrich von Bobenhausen
- 1380
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