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Bad Mergentheim: Tauberbrücke mit Wolfgangskapelle und Kreuzigungsgruppe mit Sühnekreuzen im Hintergrund

Bad Mergentheim: Tauberbrücke mit Wolfgangskapelle und Kreuzigungsgruppe mit Sühnekreuzen im Hintergrund

Aufgenommen am 16. Juni 2012 · Standort 49.49627, 9.77521

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Gedenkstein (1540) an der Mergentheimer Tauberbrücke (Im Hintergrund: Wolfgangskapelle und Kreuzigungsgruppe mit Sühnekreuzen) Die Mergentheimer Wolfgangsbrücke (1346) über die Tauber und der Gedenkstein von 1540: Am 2. Juli 1340 verleiht Kaiser Ludwig der Bayer Mergentheim auf Bitten des damaligen Deutschmeisters Wolfram von Nellenburg die Stadtrechte. Noch im selben Jahr läßt Wolfram von Nellenburg die fünfbogige, steinerne Brücke über die Tauber erbauen, bzw. zumindest in Auftrag geben (Fertigstellung evtl. erst 1346; Verbreiterung 1925). An der Tauberbrücke bei der Wolfgangskapelle wurde auch der Zoll erhoben. Dazu wurde beim Bau der Wolfgangskapelle im Jahr 1510 auch gleichzeitig ein Thorhäuslein gebaut, das die Brücke verschloss und noch bis Anfang des 18. Jahrhunderts stand. Der Kapelle gegenüber wurde 1584 noch das städtische Schießhaus gebaut, welches 1804 abgerissen wurde. - Auf der Brücke steht eine Figur des Heiligen Nepomuk. Die Inschrift auf dem Sockel der Statue fällt ziemlich mager aus: J S B [Ich erkenne allerdings nur noch ein J (bzw. F bzw.I), mehr nicht.] und drunter 1503. Nahezu alle Nepomuk-Brückenfiguren der Region stammen allerdings aus dem 18. Jahrhundert - und dieser Nepomuk ähnelt den restlichen Nepomuks der Gegens doch sehr, so dass ich glaube, dass der Nepomuk eher im 18. Jahrhundert errichtet wurde und sich die Sockelinschrift auf eine Vorgängerfigur bzw. ein dort zuvor gestandenes Kreuz bezogen haben könnte. . Auf der Brücke, direkt unter dem Sockel der Nepomukstatue findet sich ein Inschriftenband aus dem Jahre 1925: Erbaut 1346 und 1925 verbreitert. - An der Tauberbrücke ist eine steinerne Gedenktafel aus dem Jahr 1540 mit umfangreicher Inschrift angebracht. Sie befindet sich heute in der Gehwegsmauer am Beginn der Brücke auf der der Wolfgangskapelle gegenüber liegenden Ufer- und Straßenseite. Die Inschrift ist nur noch sehr schwer zu entziffern. Sie besteht aus zwei getrennten, aber zeitgleich verfaßten Inhalten, die sich auf zwei Ereignisse beziehen, die 200 Jahre auseinander lagen. Oben links ist auf der Tafel ein sich aufbäumendes Pferd mit Reiter und drunter zwei knieende, betende Menschen (Mann und Frau) abgebildet. Die Inschrift lautet, soweit noch zu entziffern: (oberer Teil, großteils nur sinngemäß wiedergegeben:) Anno domini 1340 [...] [1346?] [...Kaiser Ludwig als er bei dem Teutschmeister Wolfram...] [...] ist er gewest, da fieng man diese Brücken an Das sie über die Tauber soll gan dar an ??????? ??????? ???? ???? und B?? das ????? g????b und ist ein solches werk draus worden erbaut von der stadt dis teutschen orden, die unser herren send. gott helff uns alle am letzten end. (unterer Teil -zwischen den beiden betenden Personen- wortgetreu wiedergegeben:) Anno domini 1540 dis Wuntder geschach und ist war, das das Ros und der knab hinder sich fielen von die prucke hinab und nicht seyn verwundt. das sey gotlob zu aller stundt. das war sein vatter und mutter ein freidt und dancken got in ewigkeitt . Die Inschriften wurden eindeutig gleichzeitig vorgenommen (vgl. Rechtschreibung etc), also im Jahr 1540. Der obere Teil der Inschrift thematisiert also den den exakt 200 Jahre zuvor begonnenen Brückenbau unter Deutschmeister Wolfram von Nellenburg. Der untere Teil der Inschrift enthält den eigentlichen Grund für die Anbringung der Gedenktafel: Im Jahr 1540 scheute vermutlich das Pferd eines Knaben, bäumte sich auf und stürzte rückwärts mitsamt Reiter über die Brücke in die Tauber. Dass Pferd und Reiter dabei so viel Glück hatten, dass beide unverletzt davonkamen, erschien den Eltern des Knaben als Wunder, aus welchem Grund sie Gott zum Dank die Inschriftentafel an der Brücke anbringen ließen. Der abgebildete Reiter ist also der stürzende Bub, der betende Mann und die betende Frau wohl die dankbaren Eltern. Erstaunlich ist, dass die Eltern als Stifter nicht ihre Namen nennen. Eine mögliche Erklärung könnte aus meiner Sicht auch ursächlich dafür sein, warum die Stifter ihrer Dankesschrift noch den Historischen Rückblick auf den 200 Jahre zuvor erfolgten Brückenbau voran stellen: Das Anbringen der Gedenktafel erforderte sicher die Erlaubnis der Obrigkeit. Evtl. gewährte diese eine solche Inschriftentafel aber nur, wenn sie allgemeingültigeren Charakter hatte und erteilte deshalb die Auflage, die Inschrift anonym und mit dem historischen Bezug zum Brückenbau vorzunehmen. Interessant ist zudem auch der letzte Satzteil des oberen Inschriftenblocks (von der Stadt des Deutschen Ordens, die unsere Herren sind. Gott hilf uns allen am letzten End.). Hier ist eine gewisse Resignation erkennbar; verständlich wird dies, wenn man sich die historischen Rahmenbedingungen des Stiftungszeitpunkts bewußt macht: Nur 15 Jahre vor der Stiftung der Gedenktafel wurde der Bauernkrieg im Taubertal blutig niedergeschlagen und wurden darauf grausame Blutgerichte in den beteiligten Ortschaften abgehalten, so auch in Mergentheim, wo viele lutherisch gesinnte Bürger mit den Bauern sympathisiert haben sollen. Einige Rädelsführer sollen sogar bei der Wolfgangskapelle hingerichtet worden sein, also quasi bei diesem Inschriftenstein. (Es gab in Mergentheim zwei Richtplätze: Zum einen den Richtplatz auf dem Bleichwasen bei der Wolfgangskapelle, auf welchem 1796 noch ein durch das (letzte) Mergentheimer Centgericht zum Tode durch das Schwert verurteilter Mörder aus Apfelbach hingerichtet wurde; zum anderen den Richtplatz auf dem Galgenberg (nahe Wartturm), wo am 8. Juli 1818 mit der Enthauptung des Mörders und Brandstifters S. von Zaisenhausen die letzte Mergentheimer Hinrichtung stattfindet.) Eventuell soll dieser resignierte Halbsatz ja sogar verschlüsselt an die Opfer des Bauernkriegs gedenken - offen und direkt wäre so etwas damals freilich nicht möglich gewesen. (vgl. auch Kommentar zur Kreuzigungsgruppe neben der Wolfgangskapelle) . Quellen: de.wikisource.org Artikel in der Tauber-Zeitung, Südwest-Presse vom 18.05.2011 bad-mergentheim.de bad-mergentheim-950-jahre.de Bad Mergentheim - historischer Kurzüberblick: ° 1058 wird Bad Mergentheim erstmals urkundlich als Grafschaft Merginthaim im Taubergau erwähnt ° Seit Ende des 12. Jahrhunderts war in Mergentheim der Johanniterorden ansässig, im13. Jahrhundert kamen dann der Deutsche Orden und der Dominikanerorden hinzu. ° 1280 werden der Siedlung die Zollrechte von Herzog Johann von Lothringen zuerkannt ° 1340, am 2. Juli, verleiht Kaiser Ludwig der Bayer Mergentheim auf Bitten des Deutschmeisters Wolfgang von Nellenburg die Stadtrechte ° 1525 wird Mergentheim Hauptsitz des Deutschen Ordens (Residenz des Hochmeisters), da die Bauern zuvor den bisherigen Sitz des Hochmeisters, die Burg Horneck, imBauernkrieg zerstört hatten. ° 1809 wird das Ordensgebiet Mergentheim mit der Krone Württembergs vereint (auf Befehl Napoleons) ° 1826 entdeckt der Schäfer Franz Gehrig die spätere Wilhelmsquelle an der Tauber ° 1926 erhält Mergentheim dann schließlich zur Hundertjahrfeier der Quellenentdeckung das amtliche Prädikat Bad - Quellen: bad-mergentheim.de wikipedia.org

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