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Gedenkstein auf einem Bauernkriegs-Massengrab (4. bzw. 2. Juni 1525) [Infos: siehe Kommentar]

Gedenkstein auf einem Bauernkriegs-Massengrab (4. bzw. 2. Juni 1525) [Infos: siehe Kommentar]

Aufgenommen am 17. Dezember 2011 · Standort 49.57816, 9.71058

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Gedenkstein auf einem Bauernkriegs-Massengrab (4. bzw. 2. Juni 1525) Inschrift auf dem erheblich jüngeren Sockel: Ruhestätte der Gefallenen im Bauernkrieg am 4. Juni 1525 Der eigentliche Bildstock trägt am unteren Ende die Inschrift ANNO DOMINI . Der Rest ist nicht mehr vorhanden. Info zum Massengrab: Ostern 1525 vereinigten sich die Neckartaler und Odenwälder Bauern mit dem von dem fränkischen Adligen Florian Geyer geführten Taubertaler Haufen ( Schwarzer Haufen ) zum starken Heller Lichter Haufen. Die annähernd 12.000 Männer wandten sich unter der Führung des Hauptmanns Götz von Berlichingen gegen die Bischöfe von Mainz und Würzburg und den Kurfürsten von der Pfalz. Am 3. Juni 1525 wurde derHeller Lichter Haufen von Götz von Berlichingen unter einem Vorwand verlassen. Am 4. Juni 1525 trafen die führerlosen Bauern auf die Armee desGeorg Truchsess von Waldburg-Zeil (genannt Bauernjörg) und hatten keine Chance: In zwei Stunden wurden 8.000 Bauern getötet. Auch wenn hier sicher nicht alle 8.000 Toten liegen, ist das Massengrab am Orteingang von Gerlachsheim direkt an der B 290 also doch sicherlich ein ziemlich großes... Nachtrag: Der eigentliche Bildstock wurde vermutlich im 17. Jahrhundert errichtet (vgl. Chronik Bauernkrieg in Tauber-Franken 1525, www.traumaland.de). __ Der Sockel ist wahrscheinlich vom Anfang des 20. Jahrhunderts (1925?). Bei der Anfertigung des neuen Sockels irrte man sich vermutlich bezüglich des Datums: Am 4. Juni 1525 fand zwar die in Kommentar #1 beschriebene Schlacht statt - jedoch bei Sulzdorf im Gäu (das von Würzburg tauberwärts marschierende Bauernheer wurde dort vom Schwäbischen Bund vernichtet) und die Bauern flohen dabei den Main aufwärts Richtung Ochsenfurt. __ Es ist also unwahrscheinlich, dass im obigen Massengrab am Ortseingang von Gerlachsheim Bauern aus jener Schlacht liegen. __ Vielmehr sind hier höchstwahrscheinlich Bauern aus der Schlacht auf dem Turmberg über Königshofen beerdigt, die aber bereits am 2. Juni stattfand. (Die desaströse Niederlage der Bauern bei Königshofen war der Grund, warum das obige Bauernheer von Würzburg tauberwärts zur Verstärkung losmarschierte.) __ Auf dem Turmberg über Königshofen hatte am 2. Juni 1525 der Bund unter Führung von Georg Truchsess von Waldburg-Zeil die mit einem frischen Aufgebot aus den Tauberorten verstärkten Reste der Neckartäler und Odenwälder Haufen (insgesamt ca. 7000 Bauern) vernichtend geschlagen. Die Bauern wurden vom bündnischen Angriff dabei überrascht. Die Bauernführer Georg Metzler und Wendelin Hipler flohen. Die Bauern ließen ihre Geschütze auf dem Turmberg zurück und ergriffen ebenfalls die Flucht - ungeordnet und in verschiedene Richtungen: Die Hälfte der Bauern floh über das offene Feld tauberabwärts Richtung Marbach und Gerlachsheim. Von diesen flüchtenden Bauern wurden nahezu alle von den Bündnischen Reitern ermordet - diese Bauern liegen wohl im obigen Massengrab am Ortseingang von Gerlachsheim. Die andere Hälfte der Bauern floh ostwärts in den Deubacher Wald. Diejenigen, die das Wäldchen überhaupt erst erreichten, saßen dort schließlich in der Falle: Der Wald wurde von den bündischen Reitern umstellt, niemand konnte entkommen. Die westliche Gemarkung des Wäldchens trägt heute noch den Namen Schlachtholz... __ Insgesamt überlebten von den zuvor ca. 7000 Bauern nur etwa 600. Nachtrag II: Nach überzeugenden und fundierten Recherchen von Jürgen Wohlfarth (Traum-a-Land e.V.) flohen die Bauern und allen voran deren Anführer auf dem Turmberg keineswegs so desorganisiert beim ersten Angriff der bündnischen Reiter wie in Kommentar (2)angedeutet, sondern vielmehr gezielt und erst dann, als sie ihre auf dem Turmberg errichtete Wagenburg nicht mehr halten konnten. Dazu konnte es -trotz der eigentlich taktisch günstig gewählten Lage des Turmbergs- deshalb kommen, weil die bündnischen Truppen letztlich die Tauber zwischen Königshofen und Unterbalbach (Gemarkung Oberer Teich) außerhalb der Reichweite der auf dem Turmberg positionierten Geschütze des Bauernheeres überquerten und dann an der Süd-Ostseite des Turmbergs ( Wallschloh zum Kaltenberg hin) und damit aufgrund der hügeligen Beschaffenheit des Turmbergs von der Spitze des Turmbergs nicht einsehbar/ unter Beschuss nehmbar weiter auf den Turmberg vorrückten. Offenbar scheint Wohlfarth der einzige Experte zum Bauernkrieg in Tauberfranken zu sein, der sich die Mühe machte, neben einer intensiven und aufmerksamen Studie der Originalquellen auch den Ort des Geschehens persönlich zu begutachten und die daraus gezogenen Erkenntnisse in den Versuch einer Rekonstruktion der damaligen Ereignisse einzubeziehen. Sein Artikel Erinnerung an die Bauernkriegsschlacht vom 2. Juni 1525 auf dem Turmberg von Königshofen. Spurensuche zur 475-jährigen Wiederkehr des Bauernkrieges in Tauber-Franken - Ein Geländegang am 3. Juni 2000 auftraumaland.de sollte jeder, der sich über die Ereignisse während des Bauernkrieges im Taubertal informieren möchte, unbedingt gelesen haben! Nachtrag III: Der Gedenkstein wurde im Sommer 2007 restauriert - und an einem neuen Standort wieder aufgestellt, womit die Inschrift des Gedenksteins (Ruhestätte der Gefallenen...) ziemlich ad absurdum geführt wurde. Laut eines Zeitungsartikels vom 06.07.2007 muss der ursprüngliche Standort des Gedenksteins und damit der Ort des Massengrabs ca. 200m nördlicher (also Richtung Bahnübergang) an der B290 liegen (von Distelhausen kommend an der linken Straßenseite ca. 100m nach dem Bahnübergang; Karte). Mehr Fotos zum Bauernkrieg im Taubertal gibt es hier!

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