Bildstock (1625/ 1671) nahe der Tauberbrücke von Lauda (rechts der Tauber) - Angeblich die Hinrichtungsstätte des Pfarrers Lienhart Beys und zwei weiterer Sympathisanten der Bauern im Bauernkrieg 1525 [Details: siehe Kommentar]
Aufgenommen am 25. Dezember 2011 · Standort 49.57085, 9.70966
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Bildstock (1625/ 1671) nahe der Tauberbrücke von Lauda (rechts der Tauber) - Angeblich die Hinrichtungsstätte des Pfarrers Lienhart Beys und zwei weiterer Sympathisanten der Bauern im Bauernkrieg 1525
(Heutige, restaurierte) Inschrift auf dem Sockel:
AD. 1625 HAT DER EHRBAR HANS SCHMIDT BÜRGER DES RATHS ALLHIR DIS BILDT...
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Auf einem historischen Foto vom Bildstock ist dieser noch im nicht restaurierten Zustand zu sehen. Von einer Inschrift ist auf jenem Foto nicht ein Ansatz zu erkennen. Natürlich wird der Restaurator des Bildstocks die Inschrift (bzw. den bei der Restauration wieder neu angebrachten Bruchteil) nicht frei erfunden haben, hat sich aber womöglich bei der Jahreszahl verlesen: Auf jenem historischen Foto vom Bildstock des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Außenstelle Karlsruhe ist nämlich handschriftlich vermerkt "(...) Bildstock 1671".
Hätte aber das Landesamt für Denkmalpflege und nicht der Restaurator des Bildstocks bzgl. des Bildstock-Stiftungsdatums Recht, könnte dies die nachfolgend geschilderte Legende von der Errichtung des Bildstocks zum Gedenken an die dort exakt 100 Jahre zuvor im Bauernkrieg stattgefundene Hinrichtung des Lienhart Beys ins Wanken bringen...
Meine Vermutung: Wahrscheinlich wurde direkt östlich der Tauberbrücke Lienhart Beys hingerichtet, aber vermutlich wurde der Bildstock nicht zum Gedenken daran errichtet, sondern aus einem völlig anderen -nicht mehr rekonstruierbaren- Grund.
Die Legende, warum der Bildstock gestiftet worden sein soll:
Historischer Hintergrund:
Das Amt Lauda ging zwar 1505 an den Würzburger Fürstbischof Lorenz von Bibra (Amtszeit 1495-1519) und Lauda gehörte von da an zum Hochstift Würzburg. Jedoch blieb die Pfarrstelle bei der Universität Heidelberg, womit sie weiterhin außerhalb des Einflussbereichs des Würzburger Bischofs blieb. Ca. 1515 wurde der Magister und Baccalaureus Lienhart Beys (lutherischer) Pfarrer in der St. Jakob-Kirche zu Lauda.
Beys war entschiedener Sympathisant der Bauern und machte in seinen Predigten daraus keinen Hehl, wodurch er zu einem der geistigen Anführer der Bauern Laudas wurde. Seine Gottesdienste waren überfüllt: "Die Kirche St. Jakobus war gefüllt bis zum letzten Platz." (Karl Schreck, Lauda, Schicksale einer ehemaligen fränkischen Oberamtsstadt, Lauda 1973, S. 210). Es ist also nicht verwunderlich, dass Beys dem Hochstift Würzburg ein Dorn im Auge gewesen sein musste - wie schon ca. 50 Jahre zuvor Hans Böhm, der Pfeiferhannes von Niklashausen...
Lienhart Beys und zwei seiner Mitstreiter (Laudaer Ratsherren) wurden noch am Abend der vernichtenden Niederlage der Bauern auf dem Turmberg bei Königshofen, also am 2. Juni 1525, neben der Tauberbrücke (am der Stadt Lauda gegenüber liegenden Ufer) geköpft - und damit wohl ungefähr an der Stelle, wo heute dieser Bildstock steht.
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Die Legende um die Errichtung des Bildstocks besagt nun, dass der Bildstock 100 Jahre nach der Hinrichtung von Lienhart Beys und seinen zwei Mitstreitern zum Gedenken daran errichtet worden sei.
Zwei Punkte sprechen jedoch gegen die Hypothese des Bildstocks als Gedenkstein an die Hinrichtung der Bauern-Sympathisanten:
Das Landesamt für Denkmalpflege datierte den Bildstock aufs Jahr 1671 und nicht auf 1625 - wie bei der Restaurierung auf den Bildstock aufgetragen. 1625, also exakt 100 Jahre nach Bauernkrieg und Hinrichtung, wäre freilich ein plausibles (Jubiläums-)Jahr zur Errichtung eines Gedenksteins. Aber 146 Jahre (1671) nach den Ereignissen?
Falls der Bildstock aber doch tatsächlich 1625 errichtet worden sein soll, wäre die Errichtung in den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gefallen. Carlheinz Gräter und Jörg Lusin merken dazu in "Steinkreuz und Bildstock in Kunst und Literatur" (2008, Echter Verlag) an: ES mutet unwahrscheinlich an, dass ein Ratsherr im würzburgischen Amtsstädtchen Lauda, mitten in der konfessionell erhitzten Atmosphäre des jungen Dreißigjährigen Krieges, es gewagt haben könnte, mit einem Marienbild ans Martyrium des lutherisch gewordenen Pfarrers Beys zu erinnern.
Die Säule des Bildstocks gehörte ursprünglich zum sogenannten Judenbrunnen in der Laudaer Bachgasse, einem Ziehbrunnen mit zwei Säulen. Nachdem aufgrund eines Umbaus des Brunnens die beiden Säulen nivht mehr benötigt wurden und das Bild des jetzigen Bildstocks "im Laufe der Jahrzehnte an der Tauber durch häufige Überschwemmungen immer mehr verschwand, wurde er schließlich, halb eingesunken, im Jahr 1838 auf der früheren Säule des Judenbrunnens neu aufgerichtet." (Heimat- und Kulturverein Lauda, Bildstöcke, Kreuze und Madonnen, Lauda 1984). Womöglich stand das Bild aber auch schon jeher auf einem Sockel, nur dass der Originalsockel evtl. aus Holz war und im Laufe der Zeit immer mehr verwitterte...
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- 1671
- * Beys - Lienhart Beys
- * Schmidt - Hans Schmidt
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