Der Anfang des Milchwegs mit Bildstöcken an beiden Straßenseiten
Aufgenommen am 28. März 2013 · Standort 49.63115, 9.38783
Zum Bild
Bildstock vom Ende des Dreißigjährigen Krieges (Wettersdorf, Milchweg, linke Straßenseite im Vorgarten eines Hauses):
Der Bildstock steht noch annähernd an seinem Original-Standort, denn Köllenberger (s.u.) fand ihn an der Straße nach Vollmersdorf, 50m südlich der Kapelle hinter einem Gartenzaun. Die Kapelle exiostiert heute nicht mehr. Sie stand genau gegenüber des heutigen Bildstock-Standorts (andere Straßenseite des Milchwegs). Damit dürfte der Bildstock nur um einige Meter innerhalb des Grundstücks versetzt worden sein, auf welchem er heute noch steht. Auf amussis.de findet sich dann auch der damikt übereinstimmende Hinweis, dass der früher in diesem Garten zur Odenwaldstraße hin weiter Richtung Walldürn stand und dort von einem Auto umgefahren wurde.
Die Inschrift (s.u.) könnte darauf hinweisen, dass der ursprüngliche Standort womöglich die Todesstelle des Stifters markierte. Evtl. bat er aber auch nur um Gottes Gnade für die Seelen verstorbener Verwandter.
Der Bildstock ist aus einem vierkantigen, vorn leicht abgefasten Stamm und einem Oberteil mit Satteldach und Kreuzigungsrelief in flacher Nische zusammengesetzt. Der Großteil der Inschrift findet sich direkt unter dem Bild auf dem breiten unteren Rand des Oberteils; nur die Jahresangabe folgt darunter schon auf dem Stamm. Die Inschrift lautet:
DISES BILT HAT GOT ZU
EHREN LASEN AUF RICHTEN
MICHAEL ACKERMAN
DER SELEN GOT
GENAT
ANNO
1648
.
Köllenberger liest die verschnörkelte Jahreszahl als 1649, auf amussis.de ist sie mit 1649 bzw. 1642 angegeben, ich erkenne sie -vermeintlich eindeutig- als 1648.
1648 (oder auch 1649) wäre dahingehend plausibel, dass mit dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648 endlich der Dreißigjährige Krieg endete und Michael Ackermann dies womöglich zum Anlass nahm, einen Bildstock zu stiften und auf diesem um Gottes Gnade für die im Krieg -womöglich gar ohne vorherigen Empfang der Sterbesakramente- verstorbenen Seelen (Verwandte, Dorfbewohner oder generell) zu bitten.
--
verwendete Literatur:
Köllenberger, Heinrich. Die Inschriften der Landkreise Mosbach, Buchen und Miltenberg. Auf Grund der Vorarbeiten von Ernst Cucuel. (Stuttgart: Alfred Druckenmüller Verlag 1964), S.210 (Nr.533)
Kreuzigungs-Bildstock von 1670 (Wettersdorf, Milchweg, rechte Straßenseite neben dem Gedenkstein):
Auf dem vierkantigen, vorne abgefasten Stamm sitzt ein nur unwesentlich breiteres Oberteil mit Satteldach, auf welchem ein Steinkreuz ruht. Das Steinkreuz hat dabei die Form eines auf dem Kopf stehenden T, der untere Teil des Längsbalkens wurde also (vermutlich aus Gründen der Stabilität) weggelassen. In das Steinkreuz ist IN RI eingehauen, diese Inschrift könnte aber auch -womöglich mit dem gesamten Kreuz- erst nachträglich angebracht worden sein.
In der wenige Zentimeter tiefen Nische des Oberteils erkennt man ein Kreuzigungsrelief. Auffällig ist hierbei, dass einzelne Haarsträhnen des Gekreuzigten und sein missmutiger Gesichtsausdruck (immer noch?) zu erkennen sind - evtl. wurden diese Details aber auch erst im Zuge einer Renovierung eingearbeitet.
Auf den äußeren Seitenflächen des Gehäuses erkennt man noch schwach einfache Kreuzreliefs.
Unter der Nische -auf dem unteren Gehäuserand also- findet sich die Jahreszahl und darunter dann -bereits auf dem Stamm- die restliche Inschrift:
1670
HANS
BERBRI
VND SE(I)N
HAVS
FRAW
VND KIND
ER VB
AN BAB
A VFA B
GOT AL
LEIN
Di EHR
.
Zwei Kinder des Stifters Hans Berberich hießen also wohl Urban und Barbara. Nach dem wohl abgekürzten Namen Barbara könnte noch ein weiterer Kindername (Anna?) folgen, bevor die Inschrift mit Gott allein die Ehr abschließt.
.
Auf amussis.de findet sich der Hinweis, dass sich der Bildstock nicht mehr am Originalstandort befindet, sondern ursprünglich draußen im Feldaufgestellt war, wohl an der Straße nach Kaltenbrunn. An seinem heutigen Standort befand sich früher eine Kapelle.
Gedenkstein für die Gefallenen der beiden Weltkriege und zur Erinnerung an die ehem. Dorfkapelle (Wettersdorf, Milchweg, rechte Straßenseite):
Auf dem Findling sind folgende Inschriften mit Metall-Buchstaben angebracht:
ZUM GEDENKEN / UNSERER LIEBEN / GEFALLENEN / UND / VERMISSTEN / BEIDER / WELTKRIEGE / 1914 (-) 1918 / 1939 (-) 1945 / IN DANKBARKEIT / UND VEREHRUNG
.
AN DIESEM PLATZ
STAND 1734 - 1955
DIE DORFKAPELLE
SIE WAR DER
HL. ODILIA
GEWEIHT
Schlagwörter
- Deutschland
- Baden-Württemberg
- # A- Frühling
- # Wegkreuz
- # Stadt-Dorf
- Neckar-Odenwald-Kreis
- # Naturpark Neckartal-Odenwald
- # Ruine-Denkmal
- # 1900 - 1999
- # 1600 - 1699
- # Todesstelle
- Eichelbachtal
- # Gedenkstein
- #Str. - K 3910
- 1618-1648
- Wettersdorf
- # Kapelle
- # Dreißigjähriger Krieg
- #Str. - K 3913
- # Kriegerdenkmal 1914-18
- # Kriegerdenkmal 1933-45
- #Str. - Odenwaldstraße
- 1734
- #Str. - Eichelbachstraße
- #Str. - Kirchenweg
- 1648
- #Str. - Milchweg
- 1955
- * -Heilige Ottilie
- 1670
- 1649
- * Berberich - Hans Berbri
- * Ackermann - Michael Ackerman
Im Bildarchiv lässt sich dieses Foto in voller Größe ansehen, auf der Karte verorten und mit der Umgebung vergleichen.
Ähnliche Aufnahmen
-
Bildstock (1670) und Gedenkstein, Ecke Odenwaldstr./Milchweg
28. März 2013
-
Bildstock vom Ende des Dreißigjährigen Krieges
28. März 2013
-
Bildstock vom Ende des Dreißigjährigen Krieges
28. März 2013
-
Gedenkstein an der Ecke Odenwaldstr./Milchweg - Hier stand von 1734 bis 1955 die Hl.-Odilia-Kapelle
28. März 2013
-
Hans Berberichs Bildstock von 1670
28. März 2013
-
Hans Berberichs Bildstock von 1670
28. März 2013
-
Kirche Wettersdorf mit Bildstock von 1574, der früher an der Straße nach Kaltenbrunn stand
28. März 2013
-
Kirche Wettersdorf mit Bildstock von 1574, der früher an der Straße nach Kaltenbrunn stand
28. März 2013