Das 'Gänsebild' - Hier wurden binnen 5 Jahren zwei Töchter des Bastian Pahle von fallenden Bäumen erschlagen (1622 & 1627)
Aufgenommen am 7. Februar 2013 · Standort 49.58503, 9.37985
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Das Walldürner Gänsebild - Hier wurden binnen 5 Jahren zwei Töchter des Bastian Pahle von fallenden Bäumen erschlagen (1622 & 1627):
Der Bildstock steht laut Köllenberger (s.u.) an der alten Bundestraße 27 Richtung Hardheim, 100m nordöstlich der Abzweigung nach Waldstetten - und damit heute noch (zumindest ungefähr) an seinem Originalstandort. Allerdings endete der Stamm bei Köllenbergers Besichtigung (vor 1964) unmittelbar nach der Inschrift, nahezu die gesamte untere Hälfte des Stamms war also im Erdboden verborgen. Es ist gut möglich, dass er beim Freilegen auch um einige (maximal 100) Meter weiter von der alten Bundesstraße weg nach hinten versetzt wurde.
Der Bildstock markiert eine doppelte Todesstelle: Im Abstand von 5 Jahren wurden hier zwei Töchter des bedauernswerten Bastian Pahle (dieser Nachname existiert heute noch in Walldürn) von umstürzenden Bäumen erschlagen. Als erste erlitt Eva dieses Schicksal am 3. Oktober 1622. Die entsprechende Gedenkinschrift findet sich auf dem Bildstockstamm. Evtl. ließ Bastian Pahle also zunächst einen Bildstock mit anderem Bildteil errichten und tauschte dieses dann 5 Jahre später gegen das heutige, sehr aufwändige Bildteil aus, als mit Anna Maria eine zweite Tochter hier im Herbst 1627 von einem fallenden Birnbaum erschlagen wurde. Die Gedenkinschrift an Anna Maria findet sich nämlich direkt auf dem Bildteil und zwar in einem Inschriftenmedaillon direkt unter dem Bild.
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Das Bild stellt eine ungewöhnliche Kombination zweier Motive dar, nämlich die Abbildung der Stifterfamilie (wobei Bastian Pahle selbst gar nicht zu sehen ist) vereint mit einer zentral über dieser schwebenden Pieta. (Üblicherweise werden Stifterfamilien unter dem Kruzifix kniend dargestellt, die Kombination mit einer Pieta kenne ich nur von diesem Bildstock.)
Konkret ist das Bildteil folgendermaßen aufgebaut:
Das untere Drittel (also eine relativ große Fläche) wird von einer Kartschutafel eingenommen, welche die Gedenkinschrift an die 1627 verunglückte Anna Maria beinhaltet (s.u.).
Das mittlere Drittel ist für die Darstellung der großen, allesamt kniend betenden Stifterfamilie vor einem Baldachin reserviert: Köllenberger erkennt hierbei in der Mitte eine große, vom Betrachter nach rechts schauende Frauengestalt, die auf beiden Seiten von jeweils 6 kleineren Frauengestalten umgeben ist. Die große, mittige Person ist zweifelsfrei eine Frau, bei den kleineren Personen (also den Kindern) bin ich mir allerdings nicht sicher, ob es sich hier wirklich ausschließlich um Mädchen handelt. (Es sei denn, die Halskrause, die alle vorzuweisen haben, läßt eine eindeutige Identifikation als Frau zu. Ist das so?) Auf der (vom Betrachter) linken Seite knien jedenfalls (Blick nach rechts) im Hintergrund 4 etwas größere Persomnen und vor diesen noch zwei weitere, deutlich kleinere, also jüngere Kinder. Auf der linken Seite glaube ich sogar noch eine Person mehr als Köllenberger zu sehen, nämlich insgesamt 7 (alle Blick nach links), wovon vier größere wieder im Hintergrund und drei kleinere im Vordergrund kniend die Hände zum Gebet gefaltet haben. In jedem Fall handelte es sich also um eine sehr kinderreiche Familie. Was bei der Abbildung weiterhin auffällt ist, dass Stifter und Familienoberhaupt Bastian Pahle selbst gar nicht abgebildet ist.
Das obere Drittel schließlich zeigt zentriert eine übliche Pieta, wobei Marias rechter Fuß auf einer kleinen (Welt-)Kugel ruht. Ihr Kopf ist inzwischen weitestgehend verwittert und unkenntlich.
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Die noch gut lesbare (da mit roter Farbe nachgezeichnete) Inschrift auf dem Bildstockstamm lautet:
ANNO 1622
DeN 3 OCTO
iST BASTIAN
PALENS TOCH
TER EVA VON
EINEM BAUM
ALHI ERSCHLAG
EN WORDEN
GOTT SEY IHR
UND UNS ALLEN
GNÄdIG
AMEN
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Die kaum mehr entzifferbare Inschrift im unteren Drittel des Bildteils lautet (teilweise zitiert nach Köllenberger):
Anno 1627
im herst Monat ist deß Ehr
samen Bastian pale liebe dochter
Anna Maria von Walthurn ist
alda von einem Fallenden Bir
baum erschlage Worden
Der liebe Gott Wolle Ihr [eine]
Selige auffersteung verleie
.
Herst monat, also Herbstmonat war eine gängige Bezeichnung für den September.
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Warum der Bildstock laut Köllenberger (s.u.) in Walldürn Gänsebild genannt werden soll, erschließt sich mir nicht wirklich. Eventuell wurden ja auf den um den Bildstock herum am nahe vorbei fließenden Marsbach liegenden Wiesen einfach lange Zeit Gänse gehalten.
--
verwendete Literatur:
Köllenberger, Heinrich. Die Inschriften der Landkreise Mosbach, Buchen und Miltenberg. Auf Grund der Vorarbeiten von Ernst Cucuel. (Stuttgart: Alfred Druckenmüller Verlag 1964), S.199 (Nr.495)
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- # Gänsebild
- * Pahle - Anna Maria Pahle
- * Pahle - Bastian Pale
- * Pahle - Eva Pale
- 1622 - 03.10.1622
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