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Bei Einbruch der Dunkelheit am alten Richtplatz

Bei Einbruch der Dunkelheit am alten Richtplatz

Aufgenommen am 13. Dezember 2011 · Standort 49.62338, 9.64904

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Das Richtplatzkreuz (beim ehem. Richtplatz von Tauberbischofsheim) Der ehem. Richtplatz von (Tauber-)Bischofsheim: Beim ehemaligen Richtplatz von Bischofsheim finden sich heute zwei Kleindenkmale: Rechts des Weges (von TBB kommend) eine kleine, offene Feldkapelle und links des Weges unter einem Baum ein Sühnekreuz, welches womöglich bereits einst die Richtstätte als solche markierte. - Das Steinkreuz am ehem. Richtplatz: Das Buntsandsteinkreuz fällt auf den ersten Blick dadurch auf, dass das obere Ende des Längsbalkens und beide Enden des Querbalkens nach außen hin verbreitert sind. Das obere Ende des Längsbalkens ist zudem nach links und zur Vorderseite hin abgeschrägt. Bei genauerem Betrachten fallen weitere Besonderheiten auf, die das Kreuz von den meisten anderen Sühne- oder Gedenkkreuzen unterscheiden: Auf dem Kreuz sind einige Symbole in Reliefform angebracht. Jeweils auf der äußeren Hälfte des Querbalkens finden sich Greifzange (links) und Hammer (rechts). Im oberen Drittel des Längsbalkens sind eineSchlange (oder ein dreifach gewundenes Seil) und rechts darüber ein ovales, oben waagrecht abschließendes Relief (Wappenschild oder Kopf?) angebracht. Die unteren zwei Drittel des Längsbalkens bedeckt das große Relief eines Kreuzes, in dessen Längsbalken sich wiederum das Relief eines Schwertes mit langem Griff (Zweihänder) findet. Stellen Schwert und Seil Richtschwert und Henkersseil dar? Losch sieht das in seinen Anmerkungen anders: Er erläutert, dass Hammer, Zange und Schlange typische Berufswappen des Schmieds wären und das ganmz oben befindliche Relief somit ein Amboss oder Schlegel sein könnte. Er erwähnt aber auch, dass andere Experten Flachhammer und Greifzange als typische Dachdeckersymbole deuten, die gewundene Linie in diesem Kontext dann ein Seil und das darüber befindliche Relief einen Dachziegel darstellen könnte. Aber auch Losch erscheint es aufgrund der Nähe zum ehemaligen Richtplatz plausibel, dass das Kreuz unmittelbar mit diesem (Markierung des Richtplatzes bzw. des Weges zu diesem) zu tun haben könnte oder als Gedenkkreuz für einen Hingerichteten aufgestellt wurde. Losch (s.u.) datiert das Kreuz auf das 16. oder 17. Jahrhundert. Losch erwähnt zudem, dass das Kreuz als Richtplatzkreuz bezeichnet werde und führt dies auf den ehem. Richtplatz im angrenzenden Gewann Sprait zurück. Zur genauen früheren Lage des Richtplatzes gibt es offenbar zwei unterschiedliche Meinungen: In einigen anderen Büchern über Tauberbischofsheim fand ich wiederholt den Hinweis, dass sich der Richtplatz exakt hier an der Stelle des Richtplatzkreuzes und der daneben stehenden Kapelle befand. Losch sieht das offenbar anders und verlegt den Richtplatz wohl ca. 1km nordwestlich davon, ungefähr dorthin, wo heute die Anlage des Tauberbischofsheimer Reitclubs steht. Dieses Waldstück hat nämlich heute den Gemarkungsnamen Richtplatz. Auch Kolb (s.u., S.13, Nr.26) erwähnt das Kreuz. Er zB verortet es direkt auf die frühere Richtstätte und glaubt auf dem Kreuz neben Kreuz-, Hammer-, Schwert- und Zangenrelief einen Spruch und ein Wappenschild zu identifizieren. Als Wappenschild erkennt er dabei offenbar das oberste Relief, als Spruch vermutlich das direkt darunter befindliche, gewundene Seil (Schlange). Er gibt aber keinerlei Inhalt des vermeintlichen Spruchs an. Ich denke, dass Kolb hier falsch liegt und interpretiere dieses Relief persönlich eher als Schlange als Symbol für die (böse) Versuchung, der alle hier einstmals Hingerichteten in irgendeiner Form -zumindest nach Meinung des Richters- unterlegen waren und deshalb dafür hier gerichtet wurden. - Die letzte Hinrichtung in Tauberbischofsheim: Am 10. November 1820 fand auf dem Bischofsheimer Richtplatz die letzte Hinrichtung statt. Vor den Augen zahlreicher Schaulustiger wurden drei Mörder enthauptet: Die Frau des Königheimer Müllers Trabold hatte ihren Ehemann von ihrem Geliebten, Andreas Geier, und ihrer Magd, Marianne Hilpert, ermorden lassen, wofür alle drei mit dem Tod bestraft wurden. Von diesem Verbrechen und der Hinrichtung der drei Mörder erzählt eine Ballade in 42 Strophen nach der Melodie Im Lande Mesopotamien: . Die dreifache Hinrichtung in Tauberbischofsheim am 10. November 1820 (aufgezeichnet 1902 von einem Herrn Löhr, zitiert nach Carlheinz Gräter (in:Tauberbischofsheim, 1975)) . Königheim, Du Dorf in Reben, Mußt Du solches noch erleben, Daß man Deines Müllers Blut Frevelhaft verspritzen tut. Weinend sitzt Andreas Geier, Bei der Liebsten in der Scheuer, Denn die Alten leiden's nicht, Daß man sie zusammenspricht. Ihm zu bleiben ewig treulich, Schwur sie ihrem Andres freilich, Dann rückt er nach Mannheim ein, Wo die Grenadiere sein. Sprach der Alte: Nimm den Trabold, Sei dem Müllers Sohn nicht abhold, Zwanzigtausend kriegt er mit, Gieb dem Andres einen Tritt. Freilich hat sie angebissen, Mädle, wo war Dein Gewissen? An dem Fest Sankt Wendelin, War sie schon Frau Traboldin. Friedlich klapperte die Mühle, Bis mit liebendem Gefühle, Andres seinen Urlaub nahm, Und als ein Gefreiter kam. Stolz gedrillt des Schnauzers Sprossen, In dem Frack, wie angegossen, Schritt er unterm Tschakkodach, Alle Mädchen schielten nach. Auch Frau Trabold sah den Geier, Und es flog wie Höllenfeuer, Ihr in's flatterhafte Herz, Bald hub an der alte Scherz. Ihrer losen Viehmagd Hilpert, Gab sie einen Ring, versilbert, Und um diesen schnöden Lohn, Spielte sie den PostilIon. Eines Tag's tat es passieren, Daß der Müller fuhr nach Düren, Schrieb das Weib: Andreas, heut, Schaffst Du mir ihn auf die Seit'. Dieser lief mit seiner Flinten, Schnell nach Weikerstetten hinten, Trabold kam, doch Andreas, Zeigt sich feiger als ein Haas. Als der Müller kam lebendig, Tat die Müllerin unbändig, Abendlich, als Alles schlief, Sie herbei den Andres rief. Andres, was sind das für Possen, Warum hast Du nicht geschossen? Schäme Dich als ein Rekrut, Heute machst Du ihn kaput. Und es stand vor Trabold's Bette, Mit dem Beil die Magd, die nette, Und Andres mit dem Pistol, Sprach das Weib: Jetzt trefft ihn wohl. Und es schlug die Marianne, Mit der Axt dem Müllersmanne, Aufs Gedankenfutteral, Müllerin, das war fatal. Schlag nur zu, er tut noch zappeln, Andres schieß, er will noch babbeln, Und er schoß mit dem Pistol, Dreimal ihm durch's Kamisol. Alle sprangen dann in's Freie, ließen laufen Küh' und Säue, Rosse, Enten und die Gäns', Helft Ihr Leute, Mörder send's! Aber noch im selben Winter, Kam die Nachbarschaft dahinter, Und der Amtmann, Ortallo, Nahm ein Prislein. Sprach: So. So! Mit dem Schreiber, Schmitt geheißen, Fuhr er mit der Extrachaisen, Hin nach Königheim zum Stern, Andres lud man vor die Herrn. Schon beim Wirtshaus auf der Gassen, Sah man Andreas erblassen, Auf die erste Frage blos, Fiel sein Herz ihm in die Hos. Seine Beine taten schlottern, Und man hörte leis ihn stottern, Ja, Herr Amtmann, ich will's g'steh', Ich, die Magd und d' Frau send's g'we. Festgekettet Fuß und Kragen, Fuhr man sie auf Leiterwagen, Nach dem Oberhofgericht, Das in Mannheim Händel schlicht. Hinter dicken Eisenspitzen, Sah man die Mordtäter schwitzen, Und im schwarzdrapierten Saal, Richtete das Tribunal. Und der Schreiber sprach am Gitter, Was ich melde, das ist bitter, Hört Ihr drei, der Fall liegt bös, Eure Köpfe kostet es. Dann schrieb er auf einen Fetzen, Schwarz soll seine Säbel wetzen, Und ein Extrabüttel lief, Trug nach Bischofsheim den Brief. Todeblaß, geknickt, gebrochen, Tat man wieder sie einlochen, Tags darauf, im hellen Trab, Fuhren sie von Mannheim ab. Und es riefen alle Oerter, Seht die Königheimer Mörder, Und sie nahmen bald in Bi- schofsheim in dem Turm Logis. Kröten, Ratten, Molche, Mäuse, Machten über sie die Reise, Oben flog die Fledermaus, Dann erschien der Henkerschmaus. Linsensupp' mit Bratwurstringle, Sauerkraut mit Schweinezüngle, Stellt der Vogt auf Tisches Mitt', Wünschend guten Appetit. Auf drei Schoppen Wellenberger, Schnarchte Andres etwas ärger, Als sich hätte jetzt gebührt, Dann ward sein Genick rasiert. Höret, was ich tu' ansagen, Morgen ist ein Kopfabschlagen, Pünktlich 10 Uhr auf dem Sprat, Ruft der Englert durch die Stadt. Düster hing der Tauberhimmel, Als Herr Reuter auf dem Schimmel, Mit der Bürgerkompanie, Stand dem Zehntturm vis-a-vis. Ein Getrommel und ein Blasen, Hat sich hernach hören lassen, Und drei Karren schwarz in Flor, Standen vor dem Taubertor. Und darauf tat man sie setzen, Jung und Alt mußt sich entsetzen, Denn sie kamen frisch gekämmt, Und im schwarzen Totenhemd. Vorwärts hieß es, und die Wägen, Rasselten dem Sprat entgegen, Hintenher in Straßendreck, Fuhr der Bürgermeister Schreck. Mit dem Dreispitz mit den Federn, Folgt der Rat in Mantelrädern, Feierlich gemessenen Schritts, Mit Herrn Weigand an der Spitz. Dann die Stadtgard' in vier Häufen, Mit geladenen Flintenläufen, Stolz die Säbel umgehängt, Und die Ränzlein eingezwängt. Nach dem Hottenloche hinter, Strömten Männer, Weiber, Kinder, Als die Glocke 10 Uhr bot, Konnt man weder Hüst noch Hott. Von dem roten Blutgerüste, Sprach Andreas bleich und triste, Alle, die Ihr uns begafft, Folget nie der Leidenschaft. Darauf sah man durch den Nebel, Plötzlich drei blitzblanke Säbel, Hauen auf die Hälse nackt, Fürchterlich hat es geknackt. Ein Getös war in den Lüften, Als wär in die Höllengrüften, Eine Fahrt gewesen noch, Dann ward's still im Hottenloch. Läuft die Lieb auf rechten Wegen, Bringt sie manchmal Glück und Segen, Irrt sie aber in den Sumpf, Spielt der Teufel seinen Trumpf. verwendete Quellen: Kolb, Karl. Bildstöcke im Taubertal. (Tauberbischofsheim: Wig-Verlag 1952) Gräter, Carlheinz. Tauberbischofsheim. Porträt einer fränkischen Stadt.(Donauwörth: Fränkisch-Schwäbischer-Heimatverlag 1975) Losch, Bernhard. Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg.(Stuttgart: Theiß-Verlag 1981) suehnekreuz.de Der ehem. Richtplatz von (Tauber-)Bischofsheim: Beim ehemaligen Richtplatz von Bischofsheim finden sich heute zwei Kleindenkmale: Rechts des Weges (von TBB kommend) eine kleine, offene Feldkapelle und links des Weges unter einem Baum ein Sühnekreuz, welches womöglich bereits einst die Richtstätte als solche markierte. - Die Feldkapelle beim Richtplatz: Die kleine, offene Kapelle selbst ist jüngeren Datums, dürfte aus dem 19. oder gar 20. Jhd. stammen bzw. wurde in jener Zeit wiedererrichtet. Die kleine Feldkapelle beherbergt aber zwei Bilder vermutlich erheblich älteren Datums, die eventuell einmal ursprünglich die Bildteile von zwei Bildstöcken darstellten: In die Innenwand der Kapelle ist ein Bild aus rotem Sandstein eingelassen, welches Maria und Johannes links und rechts neben dem Gekreuzigten zeigt. Johannes hält in seinen Händen ein Buch. Karl Kolb (s.u.) erkannte noch Reste einer Bemalung und bezeichnet das Bild als sehr primitive, plumpe Arbeit, zeitlos. Das sehe ich etwas anders: Gerade die Darstellung der Maria, deren gesamter Körper alleine durch die Falten ihres Kleides abgebildet wird, erscheint mir für die Schaffenszeit des Bildes im Vergleich mit anderen Bildern sogar durchaus innovativ. Datieren würde ich das Bild nämlich aufs 16. Jhd bzw. auf das frühe 17. Jhd. In der Außenwand der Kapelle, direkt über dem Eingang, findet sich das zweite Bild: Erneut die Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes unterm Kreuz, diesmal jedoch aus gelbem Sandstein und am Rand mit Engelsköpfen verziert. Zumindest dieses Bild war ziemlich sicher ursprünglich der Bildteil eines Bildstocks und wird von Kolb (s.u.) auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert. verwendete Quellen: Kolb, Karl. Bildstöcke im Taubertal. (Tauberbischofsheim: Wig-Verlag 1952) d01227

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