Panoramio reincarnated

Zwei Sühne-/Gedenkkreuze in Königheim (16./17. Jhd.)

Zwei Sühne-/Gedenkkreuze in Königheim (16./17. Jhd.)

Aufgenommen am 30. November 2012 · Standort 49.61870, 9.59839

Zum Bild

Das Kreuz mit der Spinnerin (Das linke der zwei Königheimer Steinkreuze): An der Königheimer Hauptstrasse/ Tauberbischofsheimer Strasse stehen zwischen den Einmündungen der Neugasse und der Plangasse zwei Steinkreuze in einem kleinen Grünstreifen neben dem Gehweg. Die beiden Steinkreuze wurden 1977 bei Kanalisationsarbeiten in Königheim wiedergefunden und nach mehrjähriger Einlagerung hier wieder aufgestellt. Die beiden Kreuze stehen also nicht mehr am (unbekannten) Originalstandort. . Auf obigem Foto ist das linke der beiden Kreuze zu sehen. Das besondere an diesem Kreuz ist, dass zentral auf seiner Vorderseite eine (vermutlich weibliche) Figur eingehauen ist: Zweifelsfrei zu erkennen ist hierbei eine menschliche Figur mit langem, längsgestreiften Rock. In beiden Händen trägt bzw. hält die Person Gegenstände. Im Schulterbereich wirkt die Bekleidung ausladend, um die Hüfte herum dagegen -mit einem Gürtel- sehr eng geschnürt, so dass unmittelbar der Eindruck entsteht, dass es sich um eine Frau in einem Kleid handeln sollte. Die beiden Gegenstände in den Händen der Person sind mittlerweile allerdings nicht mehr eindeutig zu erkennen: Auf der (vom Betrachter) linken Seite trägt die Person etwas, was wie ein kleiner Sack aussieht. Auf der rechten Seite scheint sie einen langen Stab, der oben drei Zacken aufweist, zu umfassen. Ich hatte die beiden Gegenstände beim ersten Anblick (ohne mich zuvor über die Kreuze informiert zu haben) spontan als kleinen (Geld-)sack bzw. (echten) Bocksbeutel (Getränkeschlauch) auf der linken und dreizackige Mistgabel auf der rechten Seite erkannt. Wobei die Kombination Sack-Kleid-Mistgabel zugegebenermaßen ziemlich merkwürdig erscheint. Die auf suehnekreuz.de zitierten Experten erkennen dann freilich auch etwas völlig anderes, aber für ein Steinkreuz nicht weniger Ungewöhnliches: Demnach hält die Frau in der (vom Betrachter gesehenen) linken Hand eine Spindel und rechts Spinnrocken oder Kunkel mit langgezogenem Wollhaupt. Außerdem wird hier der abgebildete Kopf als überproportional groß und mit betonter Haardarstellung im Halbrund über dem Kopf und mit Locke an der rechten Kopfseite beschrieben. Das Gesicht sei weiterhin deutlich dargestellt, mit weit auseinander liegenden Augen und von Brauen überwölbt. (Mir hat sich die gesamte Kopfpartie aber nicht wirklich erschlossen.) Dieses Königheimer Steinkreuz stellt damit eine Besonderheit unter den Sühne-/Gedenkkreuzen dar, da menschliche Figuren auf solchen nur sehr selten zu finden sind (z.B. auch bei auf einem Dienstadter Steinkreuz). Sollte die abgebildete Person wirklich eine Spinnerin darstellen, so wäre das Kreuz damit wohl zumindest in Baden-Württemberg einmalig. Das Kreuz dürfte aus dem 16. Jahrhundert stammen. verwendete Quellen: suehnekreuz.de Das rechte der zwei Königheimer Sühne-/Gedenkkreuze: An der Königheimer Hauptstrasse/ Tauberbischofsheimer Strasse stehen zwischen den Einmündungen der Neugasse und der Plangasse zwei Steinkreuze in einem kleinen Grünstreifen neben dem Gehweg. Die beiden Steinkreuze wurden 1977 bei Kanalisationsarbeiten in Königheim wiedergefunden und nach mehrjähriger Einlagerung hier wieder aufgestellt. Die beiden Kreuze stehen also nicht mehr am (unbekannten) Originalstandort. . Das oben auf dem Foto zu sehende Kreuz ist das rechte der beiden Kreuze. Das Kreuz aus rotem Sandstein weist wie die meisten niederen Sühne- oder Gedenkkreuze keinerlei Inschrift oder Abbildung auf. Auf der Oberseite des rechten Querbalkens finden sich aber zwei Einrillungen, ungefähr in Form eines =. Auf der Oberseite des Längsbalkens gibt es weitere Einrillungen, ungefähr: + l. Max Walter (s.u.) erwähnt 1927 ein Königheimer Steinkreuz, welches ein großes Schwert und die Jahreszahl 1692 zeige. Losch (1981), der obiges Kreuz noch an seinem Zwischenlagerort im Bauhof vorfand und daher nur eine Seite betrachten konnte, vermutet noch, dass es sich bei obigem Kreuz um das von Walter beschriebene handeln dürfte. Dem ist nicht so: Es unterscheidet sich schon in seiner Form merklich von dem bei Walter abgebildeten Kreuz, zudem weist es -auf beiden Seiten- keinerlei Spuren eines eingehauenen Schwertes oder gar einer Jahreszahl auf. Ich vermute, die beiden heute in Königheim stehenden und 1977 bei Kanalisationsarbeiten ausgegrabenen Steinkreuze lagen zu Walters Zeit schon unter der Erde (und das evtl. schon ziemlich lange) und das von Walter beschriebene Kreuz ist mittlerweile verschwunden - vielleicht wie so viele als Füllmaterial beim Straßenbau. verwendete Quellen: suehnekreuz.de Walter, Max - Die Volkskunst im badischen Frankenlande, in: Vom Bodensee zum Main, Nr.33, Karlsruhe 1927,S.59 (vgl. auch S.86) Losch, Bernhard - Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981, S.97

Schlagwörter

Im Bildarchiv lässt sich dieses Foto in voller Größe ansehen, auf der Karte verorten und mit der Umgebung vergleichen.

Ähnliche Aufnahmen