Wegkreuz an der alten Heerstraße: Ist das das Ebertskreuz?
Aufgenommen am 6. Oktober 2011 · Standort 49.58136, 9.91235
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Wegkreuz am Waldrand des Stöckach an der alten Heerstraße
Das Ebertskreuz/ Knäbleinskreuz (vor 1458, bei Bowiesen bzw. Simmringen) .
Auf dem Kreuz ist die Grenzsteinnummer (20. Jhd.)
111 eingehauen- es steht auf der Landesgrenze Bayern – Baden-Württemberg. Bei dem heute hier stehenden Kreuz könnte es sich dem Anschein nach um eine Kopie (20. Jhd.) handeln, aber selbst wenn dem so ist, ist doch anzunehmen, dass die Kopie am Originalstandort eines Vorgängerkreuzes aufgestellt wurde. Man hätte kaum ohne Grund exakt einen der vielen Grenzsteine in Kreuzform anfertigen lassen. .
Bei dem Kreuz dürfte es sich um das
Ebertskreuz handeln, welches u.U. mit dem Knäbleinskreuz identisch ist, welches wiederum eine Geleitgrenze der einst populären Handelsroute Aub-Gerlachsheim-Bischofsheim (als Teilstrecke der Handelsstraße Nürnberg-Frankfurt) markierte. Womöglich handelt es sich beim Ebertskreuz (diesem Kreuz) und dem Knäbleinskreuz aber auch um zwei verschiedene Kreuze.
Im Detail: Nach Sprotte (s.u.) soll
ca 5km weiter westlich von obigem Kreuzstandort -etwa 60m westlich von der Kreuzung zwischen der Gemarkungsgrenze Bütthard/Vilchband und der alten Handelsstraße Nürnberg-Frankfurt- einst das Knäbleinskreuz (Ebertskreuz; Knabenkreuz) gestanden haben, welches schon 1458 als Zwischenstation im Nürnberger Ratsbuch genannt wurde. Landfeldmesser Anton Göll (zitiert nach Sprotte) fand es 1753 noch vor.
Heute findet man dort -beim nach Sprotte ehem. Standort des Knäbleinskreuzes- am Waldrand diverse allochthone Steine (mit Seitenlängen bis zu 70cm), von denen einige nach Sprottes Auffassung durchaus Bestandteile eines steinernen Mals gewesen sein könnten. Ich denke allerdings eher, dass es sich bei jenen Steinen um alte, ausgediente Grenzsteine handeln dürfte. (Die Landesgrenze wurde dort 1862 mit neuen Grenzsteinen abgesteckt.) Drei jener Steine habe ich einmal stellvertretend für das potentiell verschwundene Knäbleinskreuz als Fotomotiv kreuzförmig zusammengelegt (vgl. dieses Foto).
Es könnte aus meiner Sicht allerdings sein, dass Sprotte (1975, s.u.) und der von ihm zitierte Landfeldmesser Anton Göll (1753) bzgl. des ehem. Standorts des Knäbleinkreuzes falsch liegen. Der wahre Standort des Knäbleinskreuzes, welches später (schon zu Gölls Zeiten und laut ihm) offenbar Ebertskreuz genannt wurde, könnte ca. 5km weiter östlich des von den beiden vermuteten Standorts (also am Standort des obigen Fotos!) liegen: Denn im Würzburger Abendblatt vom Mittwoch, den 13. Januar 1864 (24. Jahrgang, Nr. 11) findet sich eine Bekanntmachung zu einer anstehenden Holzversteigerung im kgl. Revier Stalldorf, in welcher u.a. der Distrikt Ebertskreuz erwähnt wird. Hätte das Knäbleins- bzw. Ebertskreuz aber an dem von Sprotte proklamierten Standort gestanden, so hätte es sich im Vilchbander/ Bowiesener, evtl. gerade schon Oesfelder, aber doch eher kaum im Stalldorfer Revier befunden.
Auch dieser –obige (Foto!)- Standort würde –wie der von Sprotte vermutete- an der alten Handels- und Heerstraße liegen, wäre noch heute ebenfalls in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze und käme somit auch als potentielle frühere Geleitgrenze in Frage, wofür auch zusätzlich der hier unmittelbar nördlich folgende Flurname
Wart sprechen würde: Ein Wartturm (Grenzturm) in der Nähe einer Geleitgrenze erscheint irgendwie plausibel. Und: Hier steht ja eben noch heute ein Kreuz (obiges Foto)!
Ist es also das verschollen geglaubte Eberts-/Knäbleinskreuz bzw. eine Kopie am Originalstandort (s.o.)?
Das obige Kreuz ist auch auf
suehnekreuz.de erwähnt. Dort ist zu lesen (leider ohne Quellenangabe), dass es sich um ein spätmittelalterliches Kreuz handele. Das Spätmittelalter erstreckte sich ungefähr von der Mitte des 13. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Diese Angabe würde somit zu Sprottes Erwähnung passen, dass das Knäbleinskreuz schon 1458 im Nürnberger Ratsbuch genannt wird (s.o.). Sprotte zeigt außerdem auf Seite 79 seines Buches (s.u.) eine
Skizze aus dem Jahre 1530, auf welcher das Knäbleinskreuz eingezeichnet ist und demnach kurz nach der damaligen Weggabelung des von Aub kommenden Weges nach Lauda bzw. Bütthard gestanden haben muss. Dies spräche aus meiner Sicht eher für den von mir vermuteten Standort östlich von Simmringen, denn hätte sich das Kreuz an Sprottes vermutetem Standort befunden, müsste sich ja auch laut der Skizze von 1530 erst dort die Abzweigung nach Bütthard befunden haben, was aber aus Aub kommend ein ziemlicher Umweg gewesen wäre, der zudem unnötig durch finsteren Wald geführt hätte...
Möglich wäre aber natürlich auch, dass der Landfeldmesser Anton Göll bei seinen Aufzeichnungen im Jahre 1753 zwei unterschiedliche Kreuze –nämlich das (obige) Ebertskreuz östlich von Simmringen und das Knäbleinskreuz nordöstlich von Bowiesen- versehentlich zu einem Kreuz vermengte. Es wäre zumindest nicht unwahrscheinlich, dass an einer einstmals stark befahrenen Handelsstraße zwei Sühne- oder Gedenkkreuze im Abstand von knapp 5km gestanden haben.
verwendete Literatur:
Sprotte, Bernhard. Geleit im Tauberland – Als Nürnberger Kaufleute zur Frankfurter Messe zogen. (Historischer Verein Wertheim e.V., 1975), S. 66-76, insb. Skizze auf Seite 75
Würzburger Abendblatt vom Mittwoch, den 13. Januar 1864 (24. Jahrgang, Nr. 11), Seite 48 (von 667 des von Google erstellten PDF-Sammeldokuments (via vorherigen Link))
suehnekreuz.de
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