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Warzenstein (17. Jhd.?)

Warzenstein (17. Jhd.?)

Aufgenommen am 30. Juni 2014 · Standort 49.64594, 9.25454

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Der Warzenstein an der alten Neudorfer Steige An der alten Steige, die von Amorbach/ Schneeberg durch den Hinteren Steigwald hoch nach Neudorf führt, steht ungefähr auf Höhe der Gemarkungsgrenze ein alter Bildstock, der als solcher kaum mehr zu erkennen ist: Es handelt sich um den sagenumwobenen Warzenstein, von dem u.a. gesagt wird, dass Warzen beim Kontakt mit ihm verschwinden sollen. Daher wurde vom Bildstock über Jahrhunderte hinweg von zahllosen Menschen Steinmehl als Medizin gegen Warzen abgeschabt, so dass er heute mehr einer zerfurchten Steinsäule als einem Bildstock gleicht. . Doch nicht nur diese vermeintliche Heilwirkung des Bildstocks ist sagenhaft, auch über den Grund seiner Errichtung gibt es eine mündliche Überlieferung: Monika Blättner (s.u.) weiß zu berichten, dass vor langer Zeit einmal zwei Reichartshauser Bauern arg im Streit miteinander gelegen haben sollen: Der eine soll der in der Gegend verrucht-legendäre Ölantoni gewesen sein, die andere die Witwe des Martin Kauffmann. Der heimtückische Ölantoni hatte die Witwe in der Hoffnung verklagt, ihre vermeintliche Schutzlosigkeit ausnutzen zu können. Doch die Witwe gewann in Amorbach beide vom Ölantoni nacheinander initiierten Gerichtsprozesse, was diesen offenbar in unglaubliche Wut versetzte. Als die Frau jedenfalls auf dem Heimweg vom Gericht gerade in die Neudorfer Steige einbiegen wollte, fiel ihr auf, dass ihr jemand folgte. Da sie fürchtete, es könne sich um den Ölantoni handeln, entschloss sie sich kurzfristig zum Umweg über Schneeberg und hoffte, der Ölantoni würde auf der Neudorfer Steige bleiben und sie überholen. Er folgte ihr aber weiter und als er sie endlich eingeholt hatte, verprügelte er sie. Dies wiederholte sich noch zweimal und an allen drei Stellen sollen dann später zum Gedenken Bildstöcke gesetzt worden sein. Als sie dann endlich hier an die Stelle des Warzensteins angelangt waren, soll der Ölantoni die arme Witwe Kauffmann schließlich erschlagen haben. Deshalb soll dann hier später der Warzenstein gesetzt worden sein. Als die Tote gefunden wurde, verdächtigte man wohl relativ schnell den Ölantoni des Verbrechens, weshalb man ihn herbeibrachte und die Leiche berühren ließ. Daraufhin sollen Bluttropfen auf der Stirn der Toten erschienen sein, was als Beweis dafür angesehen wurde, dass der Ölantoni der Täter gewesen sein musste. Man sagt, der Ölantoni müsse noch heute zur Strafe in den Wäldern nördlich/nordöstl. von Schneeberg "wewwern" (herumirren). Mir begegnete er allerdings bisher noch nicht ;-) Max Walter hat (ebenfalls laut Infotafel vor Ort) im Fürstlich Leiningschen Archiv zwei Einträge gefunden, die zumindest vom Totschlag einer Frau aus Neudorf (ca 1km vor Reichartshausen, aber wohl damals zur Gemeinde Reichartshausen gehörig) berichten: Der erste Eintrag stammt aus dem Jahr 1693, der zweite von 1715 und in diesem heißt es: (...) Martin Schäffer Schultheißen zu Reichartshausen wegen des an Martin Kauffmanns Haußfrauen auf der Neudorfer Steigen verübten Todtschlags (...). . (Quellenangabe laut Infoschild vor Ort: Blättner, Monika. Heimatgeschichte Markt Schneeberg 1237 - 1987.) . . Der monolithische Sandsteinbildstock (bzw. das, was von ihm noch übrig ist) steht auf einer großen, ungefähr quadratischen Sockelplatte mit ca. 1m Seitenlänge. Ursprünglich war der Stamm des Bildstocks wohl im untersten Drittel vierkantig und hatte darüber abgeflachte Kanten, was relativ häufig bei derartigen Bildstöcken der Region vorkommt. Das Oberteil besaß wahrscheinlich einst eine (flache) Nische, die heute nur n och schwach als solche zu erkennen ist. Im Vergleich mit ähnlichen Bildstöcken der näheren Umgebung ist anzunehmen, dass das Nischenoberteil mit einem Satteldach (evtl. mit Kreuzbekrönung) abschloss und an seinen äußeren Seitenflächen wohl einfache Kreuzreliefs aufwies. In der Nische selbst dürfte sich entweder ebenfalls ein einfaches Kreuzrelief oder ein Kreuzigungsrelief befunden haben. . Auf der gesamten Vorderseite des Bildstockstamms finden sich Inschriften-Reste, wobei sich nicht mehr eindeutig feststellen läßt, welche Teile noch Reste der Originalsinschrift sind und welche Bereiche nachträglich hinzukamen, wie z.B. eine Inschriftenfragment in der ehem. Bildnische. Der Großteil der Inschrift ist leider der abergläubischen Heilkraft des Steines zum Opfer gefallen, also abgeschabt und somit nicht mehr vorhanden. Die noch erkennbaren Reste der Inschrift lauten: . (Bildnische, eindeutig kein Bestandteil der Originalinschrift:) hödrich . (Stamm, ca. 10cm unter der Bildnische, ziemlich groß:) (...) 9 (...) (Die 9 ist nur zu erahnen, evtl. der Rest einer übergroßen Jahreszahl, 1693 (s.o.)?) . (Stamm, darunter und sehr klein, vermutlich neuer:) eHG . (Stamm, direkt darunter, mittlere Größe, wie der gesamte Rest: ) . (?)(T bzw. A)D(?) (?)(ott)Z(ur)(?) (?)(H)A(D bzw. O)J(o)(?) (?)NS A(?) (?)EN (B)(?) (?)(S)t(?) (?)(fR)(?) (???) (???) (???) (???) (?)(EE bzw. FF)(?)(A)(?) (?)(h)(C bzw. S)(T bzw. E)(?) (?)hAVS(?) (?)(T)(?) (?)D(O bzw. u)(?) (?)DA(?) (?)e(T bzw. N)(?) (?)(r bzw. n) AV(?) (?)(S) n(E)(?) (?)hin(?) (?)(c)(?) (?)(t)(?) (?)EI(n bzw. h)(?) (?)(A)m W(?) (?)der SchA(?) (?)(S)um De(?) (?)(F) bzw. E)e An (N)(?) (?)ich b(?) (?)(i)eh Fu (?) P B (?) . Ergänzungsversuch: AD (...) Gott Zur Ehr Had Joseph Hans (oder Johann?) A(...) diesen Bildstock aufrichten lassen (...) Danach wird es völlig spekulativ. Wenn man will, kann man im Folgenden noch den Namen Kauffmann (FF) hineindeuten, zwei Zeilen später dürfte dann –wieder etwas fundierter- hausfrau stehen, vier Zeilen später könnte man dann mit etwas gutem Willen ermordet bzw. erschlagen annehmen, der ganze Rest bleibt kryptisch. Mit ein wenig Kreativität kann man also die Inschriftenfragmente durchaus so interpretieren, dass der Bildstock tatsächlich zum Gedenken der vermeintlich hier ermordeten Witwe des Martin Kauffmann gesetzt worden sein könnte. Der Amorbacher Volkskundler Max Walter hatte die Inschrift angeblich vor einigen Jahrzehnten noch entziffern können, ich konnte seine entspr. Aufzeichnungen jedoch noch nicht finden. . Womöglich stammt der Warzenstein vom selben Bildhauer, der auch drei andere, ähnliche Bildstöcke der Umgebung geschaffen hatte, nämlich den östlich von Reuenthal am Beginn der Monbrunner Steige, den westlich von Reuenthal am alten Amorbacher Weg und den an der (von Schneeberg kommenden) Hambrunner Steige. (Für Fotos von allen Bildstöcken auf den vorherigen Link klicken.) Wenn dem so wäre, müsste der Warzenstein wie die drei anderen Bildstöcke aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts stammen. . verwendete Quellen/ siehe auch: (A) Infotafel direkt vor Ort (Hrsg.: CSU-Ortsverband Schneeberg) (B) suehnekreuz.de (C) panoramio.com: Infotext zum Foto des Schelle-Sees

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