Stand da oben am Waldrand früher das Knäbleinskreuz?
Aufgenommen am 21. September 2012 · Standort 49.58163, 9.84364
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Das Knäbleinskreuz/ Ebertskreuz (vor 1458, bei Bowiesen bzw. Simmringen)
Nach Sprotte (s.u.) soll in dieser Gegend -etwa 60m westlich von der Kreuzung zwischen der Gemarkungsgrenze Bütthard/Vilchband und der alten Handelsstraße Nürnberg-Frankfurt- einst das Knäbleinskreuz (Ebertskreuz; Knabenkreuz) gestanden haben, welches schon 1458 als Zwischenstation im Nürnberger Ratsbuch genannt wurde. Landfeldmesser Anton Göll fand es 1753 noch vor.
An diesem Kreuz –vermutlich ein kleineres, steinernes Sühne- oder Gedenkkreuz- hat sich wohl einst die Geleitgrenze (ab hier Richtung Osten übernahm Würzburg) der ehemals wichtigen Geleitsroute Aub-Simmringen-Gerlachsheim-Bischofsheim befunden, welche wiederum Teil der großen Handelsstraße Nürnberg – Frankfurt war.
Heute findet man hier -beim vermutlich ehem. Standort des Knäbleinskreuzes- am Waldrand diverse allochthone Steine (mit Seitenlängen bis zu 70cm), von denen einige nach Sprottes Auffassung durchaus Bestandteile eines steinernen Mals gewesen sein könnten. Ich denke allerdings eher, dass es sich bei diesen Steinen um alte, ausgediente Grenzsteine handeln dürfte. (Die Landesgrenze wurde hier 1862 mit neuen Grenzsteinen abgesteckt.) Drei dieser Steine habe ich einmal stellvertretend für das verschwundene Knäbleinskreuz als Fotomotiv kreuzförmig zusammengelegt (vgl. dieses Foto).
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Falscher Standort?
Es könnte aus meiner Sicht allerdings sein, dass Sprotte (1975, s.u.) und der von ihm zitierte Landfeldmesser Anton Göll (1753) bzgl. des ehem. Standorts des Knäbleinkreuzes falsch liegen. Der wahre Standort des Knäbleinskreuzes, welches später (schon zu Gölls Zeiten und laut ihm) offenbar Ebertskreuz genannt wurde, könnte ca. 5km weiter östlich des von den beiden vermuteten Standorts liegen: Denn im Würzburger Abendblatt vom Mittwoch, den 13. Januar 1864 (24. Jahrgang, Nr. 11) findet sich eine Bekanntmachung zu einer anstehenden Holzversteigerung im kgl. Revier Stalldorf, in welcher u.a. der Distrikt Ebertskreuz erwähnt wird. Hätte das Knäbleins- bzw. Ebertskreuz aber an dem von Sprotte proklamierten Standort gestanden, so hätte es sich im Vilchbander/ Bowiesener, evtl. gerade schon Oesfelder, aber doch eher kaum im Stalldorfer Revier befunden.
Als ein solcher Standort des Ebertskreuzes im Stalldorfer Revier käme der nördliche Waldrand des Stöckach, ca. 500m östlich von Simmringen (ca. 200m östl. der B19) in Frage: Auch dieser Standort würde –wie der von Sprotte vermutete- an der alten Handels- und Heerstraße liegen, wäre noch heute ebenfalls in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze und käme somit auch als potentielle frühere Geleitgrenze in Frage, wofür auch zusätzlich der hier unmittelbar nördlich folgende Flurname Wart sprechen würde: Ein Wartturm (Grenzturm) in der Nähe einer Geleitgrenze erscheint irgendwie plausibel. Und:
Hier steht noch heute ein Kreuz (Foto hier)! Ist das das verschollen geglaubte Eberts-/Knäbleinskreuz? Bei dem heute hier stehenden Kreuz könnte es sich dem Anschein nach zwar um eine Kopie (20. Jhd.) handeln (zumindest die eingehauene Nr. 111 ist eine neuzeitliche Grenzsteinnummer), aber selbst wenn dem so ist, ist doch anzunehmen, dass die Kopie am Originalstandort eines Vorgängerkreuzes aufgestellt wurde. Dieses Kreuz ist auch auf
suehnekreuz.de erwähnt. Dort ist zu lesen (leider ohne Quellenangabe), dass es sich um ein spätmittelalterliches Kreuz handele. Das Spätmittelalter erstreckte sich ungefähr von der Mitte des 13. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Diese Angabe würde somit zu Sprottes Erwähnung passen, dass das Knäbleinskreuz schon 1458 im Nürnberger Ratsbuch genannt wird (s.o.). Sprotte zeigt außerdem auf Seite 79 seines Buches (s.u.) eine
Skizze aus dem Jahre 1530, auf welcher das Knäbleinskreuz eingezeichnet ist und demnach kurz nach der damaligen Weggabelung des von Aub kommenden Weges nach Lauda bzw. Bütthard gestanden haben muss. Dies spräche aus meiner Sicht eher für den von mir vermuteten Standort östlich von Simmringen, denn hätte sich das Kreuz an Sprottes vermutetem Standort befunden, müsste sich ja auch laut der Skizze von 1530 erst dort die Abzweigung nach Bütthard befunden haben, was aber aus Aub kommend ein ziemlicher Umweg gewesen wäre, der zudem unnötig durch finsteren Wald geführt hätte... .
Möglich wäre aber natürlich auch, dass der Landfeldmesser Anton Göll bei seinen Aufzeichnungen im Jahre 1753 zwei unterschiedliche Kreuze –nämlich das Ebertskreuz östlich von Simmringen und das Knäbleinskreuz nordöstlich von Bowiesen- versehentlich zu einem Kreuz vermengte. Es wäre zumindest nicht unwahrscheinlich, dass an einer einstmals stark befahrenen Handelsstraße zwei Sühne- oder Gedenkkreuze im Abstand von knapp 5km gestanden haben.
verwendete Literatur:
Sprotte, Bernhard. Geleit im Tauberland – Als Nürnberger Kaufleute zur Frankfurter Messe zogen. (Historischer Verein Wertheim e.V., 1975), S. 66-76, insb. Skizze auf Seite 75
Würzburger Abendblatt vom Mittwoch, den 13. Januar 1864 (24. Jahrgang, Nr. 11), Seite 48 (von 667 des von Google erstellten PDF-Sammeldokuments (via vorherigen Link))
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