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Sockel eines alten Bildstocks (1470), von dem nur noch zwei Bruchstücke vorhanden sind

Sockel eines alten Bildstocks (1470), von dem nur noch zwei Bruchstücke vorhanden sind

Aufgenommen am 19. Mai 2013 · Standort 49.76927, 9.55259

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Alte Bildstockfragmente (1470) an der Abzweigung nach Bettingen Mainschleife - Alte Bildstockfragmente (1470) an der Abzweigung nach Bettingen: Datierung: Die Halbinsel der Mainschleife gehörte schon vor dem 15. Jahrhundert den Grafen von Wertheim. Graf Georg II. von Wertheim schloss sich schon sehr früh (vermutlich bereits 1518) Luthers im Jahre 1517 ausgerufener Reformation an. In reformierten Gebieten wurden aber keine -typisch katholischen- Bildstöcke mehr gesetzt, vielmehr wurden dort bereits existierende Bildstocke dann sogar oftmals zerstört. Evtl. fiel auch dieser Bildstock also bereits der Reformation zum Opfer. (Er wäre dann fast 500 Jahre hier zerbrochen im Wald gelegen.) Zumindest jedoch ist es eher unwahrscheinlich, dass der Bildstock noch nach 1518 hier gesetzt worden ist. Er dürfte also bereits aus dem (mittleren bis eher späten) 15. oder dem frühen 16. Jahrhundert stammen. Auch seine noch vorhandenen Motive deuten auf das späte 15. Jahrhundert hin: Die Kreuzigung war zwar auch noch im gesamten 16. Jahrhundert das dominierende Motiv, das zusätzliche Reliefbild auf dem Sockel -und dabei insbesondere das hier verwendete Motiv eines knieenden Beters (vermutlich der Stifter)- aber ist charakteristisch für die wenigen noch existierenden Bildstöcke des (späten) 15. Jahrhunderts. Und schließlich weist auch noch die (in Fragmenten noch vorhandene) Inschrift mit ihren typischen Schriftzeichen auf das 15. Jahrhundert hin. Und tatsächlich scheint der Bildstock aus dem Jahre 1470 zu stammen, das behauptet zumindest die Inschrift oben auf dem neuen Zementkorsett, durch welches den beiden Bildstockbruchstücken wieder eine bildstockartige Figur gegeben wurde. Ich konnte diese Jahreszahl auf den beiden noch vorhandenen Bruchstücken zwar nicht erkennen, aber sie erscheint durchaus plausibel. (Und da die 4 in der damals noch üblichen Ur-Schreibweise einer nach unten offenen 8 geschrieben ist, dürfte sie auch irgendwo auf dem Bildstock so stehen bzw. gestanden haben.) - Sockel & Standort: Von dem Bildstock sind heute nur noch die beiden größeren, in Zement gefaßten, Bruchstücke vorhanden. Auf der Rückseite ist in den Zement geschrieben: 1914 gemauert 1988. Evtl. wurden die Bruchstücke 1914 wiederentdeckt und 1988 dann mit Zement in die heutige Form gebracht. Außerdem existiert aber noch sein Originalsockel, der direkt vor den beiden Bruchtücken in Form eines Findlings mit rechteckigem Loch (Fassung für den Stamm) zu sehen ist. Der Bildstock dürfte also heute noch an seinem Originalstandort stehen. . Das obere Bildstockbruchstück: Bei diesem Bruchstück handelt es sich um ca. 2/3 des ehemaligen Bildstockoberteils, also des Teils mit dem Hauptmotiv, welches auch noch deutlich zu erkennen ist: Dargestellt ist im Relief -wie üblich zu jener Zeit- die Kreuzigungsszene mit Maria (links.) und Johannes (rechts) unter dem Kreuz stehend. Der gekreuzigte Jesus ist noch großteils vorhanden, Johannes daneben noch vollständigt. Der linke Teil, auf dem sich das Maria-Relief befunden haben sollte, ist aber weggebrochen. Da die übliche Kreuzigungsdarstellung aber stets Maria links unter dem Kreuz stehend zeigt, hat sich ihr Relief auch bei diesem Bildstock gewiß dort befunden. Die Gesichter von Johannes und Jesus sind nicht mehr zu erkennen, ansonsten sind die beiden Figuren teilweise aber noch erstaunlich detailliert erhalten (z.B. Faltenwurf von Johannes´ Umhang). Direkt über dem Kreuz erkennt man noch das übliche Inschriftenband (INRI). Nach oben hin schließt der Bildstock mit dem üblichen Satteldach ab. Am unteren Rand des Oberteils, unter den Füßen des Johannes, sind noch Fragmente einer Inschrift zu erkennen, die linken könnten die Jahreszahl darstellen, wobei ich dann eher 1488 bzw. 1444 (4 als nach unten offene 8, s.o.) lesen würde. Auch in der oberen Randleiste -also vorne auf dem kleinen noch vorhandenen linken Teil des Satteldachs- sind letzte Buchstaben einer Inschrift nzu sehen (...edur?). Da der Rest der noch vorhandenen Randleiste des Oberteils an seiner Vorderseite abgesplittert ist, ist hier keine weitere Inschrift mehr zu finden. Ich vermute aber, dass die Inschrift einst auf der gesamten Randleiste um das Bild herum verlief. Zwischen Jesus und Johannes sind noch diverse Einkerbungen zu erkennen (u.a. IHS), die aber allesamt nachträglich angebracht worden sein dürften. . Das untere Bildstockbruchstück: Hierbei handelt es sich um einen Teil des Bildstockstamms. Es ist charakteristisch für die Bildstöcke des 15. Jahrhunderts, dass auf dem Stamm ein weiteres Reliefbild zu finden ist (ab dem 16. Jhd. dann findet sich auf dem Stamm i.d.R. nur noch eine Inschrift und evtl. zusätzlich ein Wappen) - üblicherweise eine Abbildung des Stifters in frommer Pose. So auch hier: Man sieht in einer kleinen, rechteckigen Nische das flache Relief einer Person mit Kleid oder Mantel, die knieend die Hände vor sich nach oben zu streckien scheint. Die Hände und der Kopf dieses Reliefs sind weggebrochen, aber vermutlich hatte die Person die Hände vor sich zum Gebet gefaltet. Es dürfte sich bei der Abbildung um den Stifter des Bildstocks bzw. um die hier zu Tode gekommene Person handeln. Auch um dieses Bild herum verlief wohl eine Inschrift, von der aber nur noch letzte Fragmente rechts unten zu sehen sind, die restliche Oberfläche der Umrahmung ist wieder abgesplittert. Links oben in der Nische ist eine Einkerbung zu sehen, die womöglich auch wieder neueren Datums ist. Sie erinnert aber stark an ein typischesSteinmetzzeichen, so dass es sich hier vielleicht tatsächlich um die "Unterschrift" des Künstlers handelt. Unter dem Relief des knieenden Beters sind weitere Reste einer Inschrift zu sehen. Darunter folgt ein weiteres Relief und zwar das flache Relief eines Kreuzes mit rechteckig-geraden und erstaunlich rechtwinklig zueinander stehenden Kreuzbalken. Dieses Kreuz erinnert an die schlichten Sühne- bzw. Gedenkkreuze, deren Setzung im 15. Jahrhundert -also zum Zeitpunkt der Stiftung jenes Bildstocks- eigentlich noch viel üblicher war als das Errichten eines Bildstocks. Errichtungsgrund eines Steinkreuzes war i.d.R. ein Unglück: Entweder musste das Kreuz von einem Mörder/Totschläger zur Sühne errichtet werden oder es wurde von den Angehörigen eines (tödlich) verunglückten zu dessen Gedenken und Seelenheil gestiftet. Ich vermute somit -wegen des Kreuzreliefs auf dem Stamm und wegen der Einordung des Bildstocks ins 15. Jhd.-, dass auch dieser Bildstock aus einem solchen Grund gesetzt wurde, konkret: Der Bildstock markiert womöglich die Stelle, an welcher jemand zu Tode kam - gewaltsam, oder natürlich oder aufgrund eines Unglücks. Es könnte sich um einen Reisenden gehandelt haben, der hier auf den alten Wegen unterwegs war. Der Bildstock steht an der alten Abzweigung Richtung Bettingen, aber nur wenige Meter von der Kreuzung entfernt, an welcher dieser Bettinger Weg und der Kreuzwertheimer Weg auf die alte und früher sehr bedeutsame Nord-Süd-Fernstraße (Heerstraße/ Via publica; heute Heuweg) trafen, die ca. 3 Kilometer weiter südlich am Ende der Mainschleife über die Mainfurt nach Urphar führte. Natürlich hätte auch so nah am Kreuzungsbereich jemand auf natürlichem Wege oder durch ein Unglück sterben können, für wahrscheinlicher halte ich jedoch einen Mord: Für einen Wegelagerer ist es sicherlich taktisch sinnvoll, in der Nähe des Kreuzungsbereichs rege genutzter Wege potentiellen Opfern aufzulauern, ist hier doch mit mehr "Kundschaft" zu rechnen. Kurzum: Ich denke, es handelt sich um einen Bildstock, der von den Angehörigen eines an dieser Stelle von Wegelagerern ermordeten Reisenden zu dessen Gedenken und für dessen Seelenheil gesetzt wurde. Die Tatsache, dass ein -damals noch ungewöhnlicher- Bildstock und nicht ein erheblich schlichteres (und günstigeres) Steinkreuz gestiftet wurde, weist darauf hin, dass es sich um eine ziemlich wohlhabende, evtl. adlige Person gehandelt haben könnte.

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