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Sagenumwoben: Der Pflugschar-Sühne-Bildstock von 1601

Sagenumwoben: Der Pflugschar-Sühne-Bildstock von 1601

Aufgenommen am 1. August 2014 · Standort 49.62821, 9.25741

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Der Pflugschar-Sühne-Bildstock (1601) an der alten Steige von Schneeberg hoch nach Hambrunn Der Bildstock steht an der alten Hambrunner Steige (= Schneeberger Steig), die sich durch den Stutz von Schneeberg hoch nach Hambrunn zieht, ca 600m nordöstlich von Hambrunn, ungefähr 200m oberhalb (südwestl.) der Stelle, an welcher die alte Steige die neue (Kreisstraße MIL 9) kreuzt. Der monolithische Bildstock ist mit seinem Satteldach-Nischenaufsatz und den drei einfachen Kreuzreliefs (eines in der ca 3cm tiefen Nische mit ihren schon arg beschädigten Rändern und jeweils eines außen auf den Seitenflächen des Oberteils) typisch für regionalen Bildstöcke des späten 16. bzw. frühen 17. Jahrhunderts. Eine kleine Besonderheit der Kreuzreliefs ist, dass die Kreuzstämme nach unten immer breiter werden, bis sie ganz unten sogar die Breite des Kreuzquerbalkens erreichen (vgl. die beiden Pestkreuze östlich und westlich von Reuenthal). Unter dem Nischen-Oberteil folgt ein kleiner Wulst als Übergang zum vierkantigen Bildstockstamm, auf dessen Vorderseite ganz oben nebeneinander zwei große Symbole im Relief zu erkennen sind (also an der Stelle, an welcher sich bei den beiden Reuenthaler Pestkreuzen (s.o.) die Jahreszahlen in einem ähnlichen Reliefstil befinden): Beim linken handelt es sich eindeutig um eine mit der Spitze nach schräg unten gerichtete Pflugschar, beim rechten könnte es sich um eine leicht variierte (unsymmetrische) Pflugschar oder auch um ein leicht gekrümmtes Messer (Rebmesser/Hippe?) handeln. Darüber, nämlich auf dem unteren, teilweise abgesplitterten Nischenrand des Oberteils, kann man in der linken Hälfte noch schwach eine Jahreszahl erkennen: 1601. Merkwürdig ist hierbei, dass die Jahreszahl nicht zentriert angebracht wurde. Ich vermute, dass in der rechten –völlig weggebrochenen- Hälfte dieser unteren Nischenumrandung eine weitere Inschrift folgte, womöglich Stiftername oder dessen Namensinitialen. Weitere Inschriften sind keine vorhanden. . Womöglich stammt der Pflugschar-Sühne-Bildstock vom selben Bildhauer, der auch drei andere, bzgl. Stil und Standort (Steigen u.ä.) ähnliche Bildstöcke der Umgebung geschaffen hatte, nämlich den östlich von Reuenthal am Beginn der Monbrunner Steige, den westlich von Reuenthal am alten Amorbacher Weg und den Warzenstein an der (von Schneeberg kommenden) Neudorfer Steige. (Für Fotos von all diesen Bildstöcken auf den vorherigen Link klicken.) Dabei dürfte der obige Bildstock an der Steige nach Hambrunn der älteste der vier Bildstöcke sein (lediglich das exakte Alter des Warzensteins läßt sich aufgrund der Abschabungen nicht mehr bestimmen). Wurde obiger Bildstock an der Hambrunner Steige –wie die beiden verwandten Reuenthaler Bildstöcke (s.o.)– ebenfalls als Pestkreuz errichtet und nachdem Hambrunn daraufhin 12 Jahre lang (1601-1613) womöglich von der Pest verschont geblieben war, war man vom Erfolg des Pestkreuzes überzeugt und so beauftragte man den Steinmetz mit der Erstellung der beiden anderen, Reuenthaler Pestkreuze (1613)? (Bei Köllenberger (s.u.) sind all diese Bildstöcke erstaunlicherweise nicht gelistet.) . Nach mündlicher Überlieferung weiß man über den Setzungsgrund des Bildstockes mit seinen beiden vieldeutigen Symbolen und seinem ungewöhnlichen Standort mitten im Hangwald an der Hambrunner Steige freilich anderes zu berichten: Demnach gingen einst zwei Buben aus Hambrunn den Pfad hinunter nach Schneeberg, um sich ihre Pflugschare schärfen zu lassen. Sie gerieten aber unterwegs miteinander in Streit, der so weit eskalierte, dass sie sich letztendlich mit ihren Pflugscharen gegenseitig erschlugen. Eine andere, ähnliche Version der Geschichte handelt von zwei Hambrunner Knechten. Der eine war in Hambrunn bei Familie Meidel, der andere bei Familie Frank im Lohn. Auf ihrem gemeinsamen Heimweg von Schneeberg gerieten sie miteinander in Streit und erschlugen sich schließlich hier gegenseitig mit ihren Pflugscharen. Zum Gedenken daran soll von den beiden Hambrunner Familien gemeinsam der Bildstock errichtet worden sein. . verwendete Quellen/ siehe auch: (A) Infotafel direkt vor Ort (Hrsg.: CSU-Ortsverband Schneeberg) (B) Türk, Rainer. Wanderungen im fränkischen Odenwald – Schneeberg (Hrsg. Markt Schneeberg), S.19 – online als PDF-Datei verlinkt auf schneeberg-odenwald.de (dort: Tourismus - > Wanderwege) (C) Blättner, Monika. Markt Schneeberg (1237-1987). (Marktgemeinde Schneeberg, 1987) (D) nicht gelistet in: Köllenberger, Heinrich. Die Inschriften der Landkreise Mosbach, Buchen und Miltenberg. Auf Grund der Vorarbeiten von Ernst Cucuel. (Stuttgart: Alfred Druckenmüller Verlag 1964)

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