(Mord-)Ölantoni-Sühne-Bildstock (1742)
Aufgenommen am 8. August 2014 · Standort 49.64286, 9.24884
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Der (Mord-)Öl-Antoni-Sühne-Bildstock (Schneeberg)
Warum der Bildstock seinen sonderbaren Namen trägt, wird weiter unten erläutert. Die Inschrift des monolithischen Sandstein-Nischenbildstocks selbst liefert freilich keinen Hinweis, der seinen Namen untermauern würde. Sie findet sich auf der Vorderseite des Vierkantstamms, ganz oben beginnend, und ist nur noch teilweise vorhanden, da die Kanten grossteils abgeschlagen sind (vgl. auch dazu unten Bezug zum Warzenstein): .
MARIA DV
SCHMERZ(H)
AFTE IV(N)
(G)FRAV VO(M)
HIMMEL H(E)
(R)AB ZV (DEI?)
NEN PIL(?)
(?)AM SCHA(?)
(?)POSVIT(?)
(C/G?) : A : (M/N?)
(?)T B : B(?)
(A)NNO:174(?)
(?) (j?) AV(G) .
Also:
Maria Du schmerzhafte Jungfrau vom Himmel herab zu de(i)nen Pil(...?) (...)am Scha(...?) (...)posuit(...?) (?) : A : M/N (?)TB : B(?). Anno 174(?) (31. oder 2.?) Aug(ust) .
Laut Winkler (s.u.) stammt der Bildstock aus dem Jahr 174
2. Das exakte Stiftungsdatum dürfte der 31. oder der 2. (jj) August 1742 gewesen sein. Die Initialen in den beiden Zeilen darüber (C bzw. G : A: M bzw. N / (...)T B : B(...)) dürften irgendwie die Namensinitialen der Stifter (es dürften wohl mehrere gewesen sein) ergeben. Evtl. wurde aufgrund dieser kryptischen Initialen der Bildstock auf den Öl-Antoni bezogen, kann man doch mit etwas gutem Willen (aber arg konstruiert) seinen Namen hineindeuten: A N Toni
Der Bildstock steht heute oberhalb Schneebergs im Seifen(-wengert) beim Bitzweg – und damit (seit den 1980er Jahren) nicht mehr an seinem Originalstandort, der wenige hundert Meter entfernt den Berg hoch liegen dürfte: Nach Blättner (s.u.) stand er ursprünglich wie der Warzenstein an der alten Neudorfer Steige, und zwar irgendwo unterhalb von diesem. Blättner erklärt mit dem Originalstandort auch die abgehaunenen Kanten des obigen Ölantoni-Sühnebildstocks, die sie demnach darauf zurückführt, dass der Ölantoni-Sühnebildstock häufiger mit dem (ursprünglich) benachbarten Warzenstein verwechselt worden sein muss und man deshalb gelegentlich fälschlicherweise ihm Steinmehl als Heilmittel gegen Warzen abschabte.
Hängt es womöglich ebenfalls mit einer Verwechslung der beiden Bildstöcke zusammen, dass der Setzungsgrund beider Bildstöcke mit der Ermordung einer Witwe durch den Öl-Antoni auf der alten Neudorfer Steige in Zusammenhang gebracht wird? (Und falls ja: Ist hier die Verwechslung umgekehrt erfolgt, wurde also der Warzenstein irrtümlich mit Ölantonis Verbrechen in bezug gesetzt?) Nachfolgende Geschichte wird jedenfalls in unterschiedlichen Quellen (u.a. Blättner, s.u.) einmal zum einen und einmal zum anderen Bildstock erzählt: Vor langer Zeit sollen einmal zwei Reichartshauser Bauern arg im Streit miteinander gelegen haben: Der eine soll der in der Gegend verrucht-legendäre Ölantoni gewesen sein, die andere die Witwe des Martin Kauffmann. Der heimtückische Ölantoni hatte die Witwe in der Hoffnung verklagt, ihre vermeintliche Schutzlosigkeit ausnutzen zu können. Doch die Witwe gewann in Amorbach beide vom Ölantoni nacheinander initiierten Gerichtsprozesse, was diesen offenbar in unglaubliche Wut versetzte. Als die Frau jedenfalls auf dem Heimweg vom Gericht gerade in die Neudorfer Steige einbiegen wollte, fiel ihr auf, dass ihr jemand folgte. Da sie fürchtete, es könne sich um den Ölantoni handeln, entschloss sie sich kurzfristig zum Umweg über Schneeberg und hoffte, der Ölantoni würde auf der Neudorfer Steige bleiben und sie überholen. Er folgte ihr aber weiter und als er sie endlich eingeholt hatte, verprügelte er sie. Dies wiederholte sich noch zweimal und an allen drei Stellen sollen dann später zum Gedenken Bildstöcke (...) gesetzt worden sein. Als sie dann endlich am späteren Standort des Warzensteins (bzw. des obigen Ölantoni-Sühnebildstocks?) angelangt waren, soll der Ölantoni die arme Witwe Kauffmann schließlich erschlagen haben. Deshalb soll dann hier später der Bildstock gesetzt worden sein. Als die Tote gefunden wurde, verdächtigte man wohl relativ schnell den Ölantoni des Verbrechens, weshalb man ihn herbeibrachte und die Leiche berühren ließ. Daraufhin sollen Bluttropfen auf der Stirn der Toten erschienen sein, was als Beweis dafür angesehen wurde, dass der Ölantoni der Täter gewesen sein musste. Man sagt, der Ölantoni müsse noch heute zur Strafe in den Wäldern nördlich/nordöstl. von Schneeberg "wewwern" (herumirren). Mir begegnete er allerdings bisher noch nicht ;-)
Max Walter hat (laut Büttner, s.u.) im Fürstlich Leiningschen Archiv zwei Einträge gefunden, die zumindest vom Totschlag einer Frau aus Neudorf (ca 1km vor Reichartshausen, aber wohl damals zur Gemeinde Reichartshausen gehörig) berichten: Der erste Eintrag stammt aus dem Jahr 1693, der zweite von 1715 und in diesem heißt es:
(...) Martin Schäffer Schultheißen zu Reichartshausen wegen des an Martin Kauffmanns Haußfrauen auf der Neudorfer Steigen verübten Todtschlags (...).
.
siehe auch:
(A) schneeberg-odenwald.de: Sehenswertes rund um und in Schneeberg
(B) Blättner, Monika. Markt Schneeberg (1237-1987). (Marktgem. Schneeberg, 1987), S. 152
(C) geo-naturpark.net: Geopark-Wanderungen von Ewald Winkler
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- * -Ölantoni (Euldoni)
- * Kauffmann - Martin Kauffmanns Witwe
- 1742 - 31.08.1742
- 1742 - 02.08.1742
- # Öl-Antoni-Sühne-Bildstock
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