Merkwürdiges Steinkreuz zwischen Bretzingen und Pülfringen
Aufgenommen am 15. November 2013 · Standort 49.57779, 9.50303
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Merkwürdiges Steinkreuz zwischen Bretzingen und Pülfringen
An der Kreistraße 3967 zwischen Bretzingen und Pülfringen steht auf der Höhe nahe der Gemarkungsgrenze (und zwar dort auf Bretzinger Seite, also im Neckar-Odenwald-Kreis) ein sonderbares Kreuz aus rotem Buntsandstein. Direkt beim Kreuz zweigt ein offenbar alter Weg nach Südosten in die Heide ab.
Das Steinkreuz weist zwei Besonderheiten auf:
Auf der Vorderseite (zur Kreisstr. hin) findet sich, beginnend im Kreuzkopf, aber vornehmlich auf dem Querbalken eine leider sehr verwitterte Inschrift, was eher unüblich für die alten Steinkreuze ist. Es dürfte sich daher wohl eher nicht um ein Sühnekreuz handeln, sondern vielmehr um ein im Vergleich zu den Sühnekreuzen etwas jüngeres Kreuz, welches ich aufgrund der noch zu erkennenden Buchstabenfragmente aufs 16. oder frühe 17. Jahrhundert datieren würde. Bei der Inschrift fällt zudem auf, dass –zumindest bei den zwei Zeilen auf dem Querbalken- die Buchstaben unterstrichen sind. Die Inschrift ist leider derart verwittert, dass sie so gut wie gar nicht mehr zu entziffern ist. Die nachfolgende Wiedergabe ist daher nicht mehr als ein inhaltlich sinnfreier Versuch nach Augenschein:
15 [?]9
O9 j ttf iS I Slat [?]
59 oaLfe[?]nEtE+i[?]
.
Die erste Zeile, die sich auf dem Kreuzkopf befindet, ist im Vergleich zu den beiden nachfolgenden Zeilen auf dem Querbalken viel unsauberer gearbeitet, so dass es sich hierbei um eine nachträgliche Einkerbung handeln könnte, womöglich um Reproduktion einer Jahreszahl, die original zu Beginn der dritten Zeile stand und dort aber in ihrer ersten Häfte vollständig abgeblättert ist. Diese Zahl könnte im Vergleich der ersten mit der dritten Zeile 1559 lauten und womöglich das Stiftungsjahr des Kreuzes bzw. das Todesjahr einer an dieser Stelle verstorbenen Person sein, zu deren Gedenken das Kreuz womöglich errichtet wurde. Auffallend sind weiterhin die ersten beiden Ziffern der zweiten Zeile, die an ein
O mit angelehnter 9 erinnern. Das besondere an diesen beiden Zeichen ist, dass das vermeintliche O kreisrund und im Vergleich zu allen nachfolgenden Zeichen etwas zu groß ist und damit insgesamt nicht ins Schriftbild der restlichen Buchstaben passt. Evtl. handelt es sich bei hier also um keine Schriftzeichen, sondern ein Symbol (O9). Insgesamt ist die Inschrift –vor allem an den beiden Enden ds Querbalkens- aber derart verwittert bzw. teilweise sogar weggebrochen, dass es mir nicht einmal gelang, auch nur eine vage Ahnung davon zu bekommen, was dort einstmals zu lesen stand. Der Standort des Kreuzes, auf der Höhe zwischen Pülfringen und Bretzingen, nahe der Gemarkungsgrenze und bei der Abzweigung eines vermutlich alten Weges, ließe es durchaus auch plausibel erscheinen, dass das Kreuz –evtl. zwar nicht originär- eine Wegweiserfunktion zu diesen beiden Ortschaften hatte und die Inschriften somit sinngemäß
nach Bretzingen (Zeile 2) und nach Pülfringen (Zeile 3) führten.
Dagegen spricht allerdings das Symbol unter der Inschrift, also vorne auf dem Kreuzstamm: Dabei könnte es sich laut sühnekreuz.de um eine senkrecht stehende Müllerhaue handeln. Falls dem so ist, wäre davon auszugehen, dass der Stifter ein (Bretzinger?) Müller bzw. ein solcher hier oben zu Tode kam, woraufhin seine Angehörigen das Kreuz zum Gedenken stifteten. In Bretzingen gab es einst mit der Oberen Mühle, der Mittelmühle, der Unteren Mühle und der Ölmühle immerhin vier Mühlen. (Infos dazu hier und hier.)
Noch viel ungewöhnlicher als die eingehauene Inschrift und das Symbol ist allerdings der obere Abschluss des Kreuzstamms, welcher das Kreuz zumindest in der Region einmalig macht: Oben auf dem Kreuzkopf scheint eine schlecht ausgearbeitete Bildnische mit Satteldach zu sitzen, die stark an die Bildstockoberteile der langen, schlichten Bildstöcke aus dem 16./17. Jahrhundert in der Hardheimer und Walldürner Gegend erinnert (Beispiel hier). Diese vermeintliche Bildnische und das Kreuz sind monolithisch, also aus einem Stein gehauen, wobei jenes Oberteil aber leicht breiter als der darunter folgende Kreuzstamm ist. Es scheint sich bei diesem Kleindenkmal also offenbar um eine seltene Zwitterform zwischen Steinkreuz und Bildstock aus der regionalen Übergangsphase dieser beiden Denkmaltypen handeln: Steinkreuze (Sühne- bzw. Gedenkkreuze) sind in der weiteren Region überwiegend aus dem 15.-17. Jahrhundert vorzufinden, Bildstöcke (mit sehr wenigen Ausnahmen bereits aus dem 15. Jhd.) dann aus der Zeit ab dem frühen 16. Jhd.
verwendete Quelle:
suehnekreuz.de
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- 1559
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