In der Kappel
Aufgenommen am 6. April 2012 · Standort 49.62902, 9.43327
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Die Reste von Kappel und Einsiedelei
Die Kappel:
Mitten im Wald liegen hier die Überreste einer alten Kapelle, im Volksmund seit jeher die Kappel genannt.
Erbaut wurde das einsitige Gotteshaus im Wald von den Junkern von Hardheim am Anfang des 15. Jahrhunderts. Die erste schriftliche Urkunde stammt aus dem Jahre 1418: Heinrich von Riedern weist der Kapelle jährlich 1 Malter Korn und 1 Malter Hafer aus einem Gut in Werbach zu. Weitere Belege zeigen, dass man der Kapelle immer wieder Naturalien oder auch Fronwiesen übereignet oder verkauft hat.
In der Kapelle zu unserer lieben Frau im Walde, später Katharinenkapelle im Tale genannt, fanden für gewöhnlich Samstagsmessen für die Dornberger statt. Hierzu reiste ein Hardheimer Priester an. Wegen Priestermangels unterblieb dann aber diese Messe ab 1557. Schließlich wurde für einige Jahre der Höpfinger Pfarrer in die Pflicht genommen, dem die Dornberger auch jährlich 10 Malter Korngült entrichten mussten. Zu dieser Zeit wird die Kapell auch in den Sog der Reformation gezogen: Der Höpfinger Pfarrer ist protestantisch (ebenso wie der Junker von Hardheim), und er wirbt in seinen samstäglichen und sonntäglichen Gottesdiensten für die Lehre Luthers. In der Zeit der Gegenreformation wird die Kapell zum Ziel lokaler Wallfahrten- so von Hundheim, Höpfingen und Hardheim. Ständige Messen finden jedoch nicht mehr statt.
Im Jahre 1790 wird die Kapellenfondrechnung eingestellt; das vorhandene Kapital in Höhe von 158 Gulden wird dem Heiligenfond zugeschlagen. Im Jahre 1791 wird die Kapell auf Geheiß der zuständigen geistlichen Obrigkeit demoliert, das heißt, das Dach wurde abgenommen. Den Zerfall der Mauern überließ man sich selbst.
Noch heute finden hier gelegentlich Gottesdienste statt.
Die Einsiedelei bei der Kappel:
Zu der Kappel gehörte eine Einsiedelei. Möglicherweise war sie so alt wie die Kapelle selbst; zu belegen ist sie seit 1479. Damals bat Kunz Göller den Junker von hardheim, ihm dasBruderamt zu übertragen.
Das Bruderamt bestand in der Betreuung der Kapelle durch den Eremiten. So öffnete und schloß der Eremit das Gotteshaus morgens bzw. abends, betreute die Kirchengeräte und sorgte für Blumenschmuck, den er im anliegenden Garten selbst heranzog. Für diese Tätigkeiten wurden die Einsiedler von den Junkern von Hardheim in Dienst genommen, die auch bei einer Erkrankung für die Verpflegung aufkamen.
Im Jahre 1750 berichtete der kurmainzische Keller von Walldürn an die Regierung in Mainz:
Es befindet sich bei einer nächst Dornberg gelegenen Capellen ein Eremit Namens Georg Käch, vom Dritten Orden des Hl. Franziskus. Vor Ostern hat er eine Pilgerfahrt nach Rom gemacht, er hat in einer bei der Capelle erbauten Eremitage seine Wohnung. Er ist 42 Jahre alt und von Hundheim gebürtig. Schon vor 11 Jahren ist er mit Bewilligung der geistlichen und weltlichen Obrigkeit angenommen worden. Sein Lebenswandel ist also beschaffen, dass ihm nur Gutes, Liebes und Löbliches beigelegt wird. Außer diesem befindet sich kein Eremit in den zur Kellerei Walldürn gehörigen Orten und Waldungen.
1768 ließ man dann den Eremiten entfernen und der Verfall der Kappel setzte ein.
Von der Einsiedlerei blieb nur der Brunnen erhalten; er wurde 1986 freigelegt.
Quellen:
Zwei Infotafeln direkt neben der Kappel mit Infotexten von Gabriele Mayer (Eberbach, 1988).
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