Im Himmelreich
Aufgenommen am 19. Mai 2013 · Standort 49.75747, 9.55865
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Die Mainschleife zwischen Eichel, Urphar und Bettingen:
Früher gab es bei Urphar eine Felsbank im Main, die eine natürliche Furt über den Fluss bildete. Diese Furt erlangte bereits sehr früh sehr große Bedeutung: Bereits ein frühmittelalterlicher Nord-Süd-Fernweg (der heute noch in der Gegend mit dem Namen Heuweg bzw. Heunweg als Wanderpfad weiter existiert) nutzte diese Furt zur Querung des Mains: Schon in einem auf das Jahr 839 datierten Diplom Ludwigs des Frommen wird der Weg als heristraza (Heerstraße) und via publica erwähnt und dabei alleine schon durch die Namensgebung seine überregionale Bedeutung anschaulich.
Noch heute weisen Flurnamen wie Urpharer Furtwiesen oder An der Urpharer Furt, aber auch der Ortsname Urphar (fara = ahd. Furt) selbst auf die einst so rege genutzte Furt hin. Urphar wird sogar als Urfare bereits im Jahre 775 erstmalig urkundlich erwähnt - zu dieser Zeit war die Furt also bereits bekannt und genutzt. Der Wehrturm der Urpharer Jakobuskirche wurde bereits vor der Jahrtausendwende zum Schutz des Übergangs oberhalb des Ortes errichtet- ein weiterer Beleg für die ehem. große Bedeutung dieser Furt.
Da die Furt direkt bei Urphar über den Main führte, gelangte man auf der anderen, nördlichen Mainseite bei Nutzung der Furt also im Himmelreich, im südlichen Teil der Mainschleife (und damit also auf einer von drei Seiten vom Main umschlossenen Halbinsel), wieder an Land. Der Heu(n)weg führt dort sofort auf den Bergrücken des Himmelreichs (mit ca 240m Höhe an der höchsten Stelle dort ca. 100m höher als der umgebende Main). Dort oben verlief er (und verläuft er noch heute als schöner Wanderpfad) über die gesamte Mainschleife bis zu deren Ende im Herrnschlag/ am Bettingberg (zwischen Kreuzwertheim und Bettingen), um dann in den Spessart abzutauchen. An den steilen Hängen zu beiden Seiten des Heu(n)wegs im Himmelreich gab es lange Zeit Weinberge, von denen noch heute zahlreiche Mauern und Steinriegel zu sehen sind. Viele der Weinbergsmauern wurden vermutlich auch aus Resten der Wettenburg und der schon frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen gebaut.
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Die hochmittelalterliche Wettenburg stand einst wohl am Beginn der Mainschleife, also auf der vom Main umschlossenen Hochfläche, Waldabt. Herrnschlag, die der am anderen Mainufer befindlichen Ortschaft Eichel nordöstlich gegenüber liegt (also direkt östlich der Einmündung desWitt(wichs)bachs in den Main). Zur mystischen Wettenburg gibt es viele Sagen und Legenden (vgl. auch unten). Der Name Wettenburg geht vermutlich bereits auf eine frühgeschichtliche Vorgängerbefestigung dort (bzw. in der Nähe, s.u.) zurück, deren Bezeichnung aus einem Namen (
Wetti) entstanden sein könnte. Nach dem Untergang der Wettenburg -vermutlich schon im 12., spätestens jedoch Ende des 13. Jhd.- wurde ihr Name im späten Mittelalter für diverse kleinere Siedlungen am Beginn und auch im südlicheren Teil der Mainschleife weiter verwendet, die aber wohl spätestens 1420 bereits wieder aufgegeben und bzgl. ihrer exakten Lage allesamt vermutlich nicht identisch mit der der früheren Wettenburg waren.
Die frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen standen primär wohl an der schmalsten Stelle der Mainschleife, also auf dem Höhenzug ca 500m südlich der Wettenburg (Waldabt. Herrnschlag) bzw. 1km nördlich der Staustufe Eichel. Hierbei handelte es sich konkret offenbar um eine befestigte Höhensiedlung mit Funden des Jungneolithikums, der Urnenfelderzeit, der späten Hallstattzeit, der frühen Latènezeit und der Völkerwanderungszeit. Einige, wenige Mauerreste dieser frühen Befestigungsanlagen konnten mittlerweile freigelegt werden. Man begegnet ihnen auf dem Heu(n)weg an der schmalsten Stelle der Mainschleife. Der Großteil ist aber vermutlich durch den späteren Weinbergsbau und vor allem auch durch die massive Nutzung der Mainschleife zur Steingewinnung (diverse Steinbrüche, deren tiefe Löcher heute noch vorhanden sind) verloren gegangen.
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Die Furt blieb im Mittelalter weiter in reger Benutzung, bis ihre Benutzung durch ein gewaltiges Unwetter 1625/26 nicht mehr möglich war (Abbruch/Einsinken der Felsbank?). Der neue Übergang entstand daraufhin bei Bettingen und das Himmelreich fiel von da an in einen Jahrhunderte langen Dornröschenschlaf, bis es im 20. Jhd. durch seine neue, unmittelbare Zugangsmöglichkeit über die Staustufe Eichel von Wanderern als wildromantisches Ausflugsziel wiederentdeckt wurde.
Wer unglaublich viele Details über die Funde auf der Mainschleife erfahren möchte, sollte die Dissertation von Dieter Neubauer (s.u.) lesen!
verwendete Quellen:
Neubauer, Dieter. Die Wettenburg in der Mainschleife bei Urphar. (...) (Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde an der Universität Würzburg; Würzburg, 2000)
Liste der Bau- und Bodendenkmäler in Kreuzwertheim
Seite zur Wettenburg in de.wikipedia.org
Infoschilder vor Ort
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Sagen zur Wettenburg und der Mainschleife generell:
Schöppner, Alexander. Sagenbuch der bayerischen Lande. Band 1-3 (München: Rieger, 1852-1853), dort u.a.: Nr. 286. Die Wettenburg & Nr. 287. Der Siebener Tanz zu Kreuzwertheim
Die sage vom Untergang der Wettenburg:
Im südlichsten Theile des Herrschaftsgerichtes Kreuzwertheim im Untermainkreise, erhebt sich ein steiler Berg, die Wettenburg genannt, auf drei Seiten vom Main umflossen, und mit der Blume des Wertheimer Weines prangend. Der Name des Berges stammt der Sage nach von einer Burg, die ehemals seinen Scheitel krönte.
Eine reiche Gräfin, so erzählet man, die Besitzerin der Burg wollte den Berg auch noch auf der vierten Seite vom Main umgeben wissen. Ihre Unterthanen erlagen fast unter der Last der Frohnarbeiten zu dem ungeheuern Unternehmen. Hindernisse aller Art veranlaßten endlich die Gräfin, jedem ihrer Freunde und Vasallen eine Wette für das Gelingen des Unternehmens anzubieten.
Sie warf einen blitzenden Demantring in die Fluth, und sprach: "So gewiß dieser Ring nimmer in meine Hände kommt, so gewiß muß der Berg durchgraben werden, wo nicht, so versinke meine Burg." Ein furchtbarer Donnerschlag aus heiterem Himmel zeugte von ihrem Frevel. Am zweiten Abend saß die Dame in großer Gesellschaft bis Mitternacht bei üppigem Schmause. Ein großer Fisch ward endlich aufgetragen und beim Zerlegen in dessen Eingeweiden der in die Fluthen geschleuderte Ring gefunden. Alles entsetzte sich; aber mit dem letzten Schlage der Geisterstunde sank unter Donner und Blitz die Burg mit ihren Bewohnern in die Tiefe des Stromes.
Nur wenige Trümmer und ein tiefer Schacht bezeichnen noch die Stelle des Schlosses. In diesen Schacht ließ sich einmal ein Hirt an einem Seil hinab, und hatte seinen oben gebliebenen Gefährten angewiesen, ihn auf ein gegebenes Zeichen sogleich herauszuziehen. Er kam in einen Saal, worin ein schwarzer Hund lag, und etliche Männer und Frauen in alter Tracht regungslos, wie Standbilder, beisammen saßen. Da faßte ihn ein Grausen und schnell ließ er sich hinaufziehen.
Einen Schäfer, welcher ein andermal hinunter gestiegen war, führte eine Frau, die Herrlichkeiten des Schlosses ihm zeigend, durch viele Gemächer, zuletzt in eines, worin lauter Todtenköpfe sich befanden. Als er aus dem Berge kam, erfuhr er, daß seit seinem Hineinsteigen nicht, wie er geglaubt hatte, einige Stunden, sondern sieben ganze Jahre verflossen waren.
Heutiges Tages ist auch der Schacht nicht mehr zu sehen; wohl aber hört man noch Glockengeläute aus der Tiefe des Berges.
Jedes siebente Jahr erscheint die Burg in der Tiefe des Mains; und alsdann erblicken Sonntagskinder auf der Berghöhe einen einsamen Felsen, daran ein gewaltiger Eisenring befestigt ist, und eine tiefe Höhle daneben. Aber noch Keiner hat sich in die Höhle gewagt.
An einem solchen wunderbaren Tage hat einst ein Faßbinder sein Messer neben den eisernen Ring gelegt; da fühlte er einen unwiderstehlichen Drang zum Einschlafen. Und wie er erwachte, war mit dem Ring und Felsen auch das Bandmesser verschwunden; aber als er nach genau sieben Jahren abermals hinkam, lag es wieder auf derselben Stelle.
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Quellen:
Infoschilder vor Ort
Schöppner, Alexander. Sagenbuch der bayerischen Lande. Band 1-3 (München: Rieger, 1852-1853), dort: Nr. 286. Die Wettenburg
bereits älteren Foto9212817192636054
Reste frühgeschichtlicher Befestigungsanlagen im Himmelreich? - An der höchsten Stelle der Mainschleife (234m) ID 92399536 ff
Hier standen einst (frühgeschichtliche) Befestigungsanlagen und der Sage nach die Wettenburg (die tatsächlich aber wohl ca noch 1km weiter nördlich stand) ID 92399532 ff
In dieser Gegend ungefähr stand wohl die tatsächliche Wettenburg (oder gar noch ein paar 100m weiter nördlich) ID 92400227 ff
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