Panoramio reincarnated

Die Pieta auf dem hinteren Kallmuth (Ende 17./Anfang 18. Jhd.)

Die Pieta auf dem hinteren Kallmuth (Ende 17./Anfang 18. Jhd.)

Aufgenommen am 28. Juni 2013 · Standort 49.80238, 9.62698

Zum Bild

Die Pieta auf dem hinteren Kallmuth (Homburg, Erlenbacher Weg): Auf einem (neuen) sehr schmalen Sockel steht eine unverzierte, aber nachträglich mit reichlich Einkerbungen versehene Rundsäule, auf welcher das dreigliedrige Oberteil ruht: Das unterste Drittel des Bildteils beinhaltet ein von zwei beflügelten Engelsköpfen flankiertes ovales Inschriftenmedaillon, welches einen sechs- bis siebenzeiligen frommen Spruch beinhaltet, von dem heute allerdings nur noch die drei letzten Zeilen vage zu entziffern sind: (...) Auf den Schos gelegt wurde vom Creutz der Leib Deines Lieben Sohns. Das mittlere Drittel des Oberteils beherbergt das eigentliche Bild, eine klassische Pietadarstellung im Halbrelief. Auch die Seitenflächen dieses Mittelteils weisen (nahezu vollplastische) Figuren auf: Es handelt sich wohl um zwei Heilige, deren Namen die kaum mehr erkennbaren Sockelbeschriftungen dieser beiden Figuren auch einstmals verraten haben. Heute sind sie nicht mehr zu entschlüsseln. Links sieht man einen Mann mit knielangem Mantel, Kopfbedeckung und Stock, Schwert oder Stab in der rechten Hand. Damit könnte es sich um den Heiligen Wendelin handeln, den Schutzpatron des Viehs. Der Standort des Bildstocks könnte dies untermauern. Die Autoren der Homburger Ortschronik (s.u.) glauben jedoch in der linken hand noch ein Zepter zu erkennen, was dann also auf irgendeinen Herrscher hindeuten würde. Bei der rechten Person glauben die Autoren der Ortschronik zu erkennen, dass sie einen Kelch in der Hand halten würde. Zudem war damals wohl zumindest noch der Anfang des Namens zu entziffern, der in der Chronik mit S Ioha(...) angegeben wird. Daraus folgern die Autoren, dass es sich hierbei wohl um Johannes den Täufer handeln soll. Ich würde diese Person heute allerdings eher als Nonne in Ordenstracht wahrnehmen... Das oberste Drittel des Bildteils schließlich wird ganz von einem beflügelten Engelskopf eingenommen. Auf der Rückseite des Bildstockoberteils befand sich einst die umfangreiche Stifterinschrift, die heute allerdings nur noch im Ansatz zu erahnen ist. In der Homburger Ortschronik (s.u.) sind immerhin noch die Anfänge der beiden letzten Zeilen angegeben: Gott zu Ehren (...) Diesen Biehldsto(...) Der Bildstock steht heute nicht mehr an seinem Originalstandort, aber wohl immerhin noch in dessen Nähe: In der Homburger Ortschronik von 1981 wird er noch an seinem Originalstandort beschrieben, nämlich etwas abseits vom Erlenbacher Weg im Wald. Ein Metallschildchen am Bildstocksockel weist außerdem darauf hin, dass der Bildstock im Jahr 1992 im Auftrag der Firma Heidelberger Zement AG, Werk Lengfurt (die auch den nur wenige hundert Meter weiter nordöstlich beginnenden Steinbruch betreibt) restauriert wurde. Vermutlich wurde der Bildstock auch im Zuge dieser Renovierung an seinen heutigen Standort versetzt. Außerdem muss der Bildstock im Rahmen der Renovierung/Umsetzung auch einen neuen Sockel erhalten haben, denn in der Homburger Ortschronik (s.u.) ist noch von einem breiten, altarartigen Sockel -typisch für Bildstöcke, die bei Flurprozessionen aufgesucht wurden- die Rede. Der heutige extrem schmale Sockel stellt nahezu das Gegenteil des Originalsockels dar. Ebenfalls im Zusammenhang mit Flurprozessionen, die auch zu diesem Bildstock geführt haben müssen, sind wohl einige der Einkerbungen auf dem Bildstockstamm zu sehen: So sieht man hier u.a. eine eingeritzte Monstranz. Außerdem sind sehr viele (vermutlich) Initialen und Daten (1733oder auch 1713) zu entdecken. - Der Bildstock war im frühen 18. Jahrhundert offenbar ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Die Atoren der Homburger Ortschronik (s.u.) vermuten, dass der Bildstock am früheren Wallfahrtsweg nach Maria Buchen (Homburg -> Kallmuth -> Erlenbach -> Karbach -> Urspringen -> Steinfeld) stand und deshalb so rege frequentiert und vermutlich als Raststation (Altarartiger Originalsockel als Tisch...) genutzt wurde. Die Wallfahrtskirche Maria Buchen wurde 1692-1701 erbaut - ungefähr aus jener Zeit dürfte auch der Bildstock stammen. Wurde er evtl. gar als eine Art Wegweiser aufgestellt, um hier oben auf dem Kallmuth nicht vom Wallfahrtsweg abzukommen? -- verwendete Quellen: tourismus-triefenstein.de Liste der Baudenkmäler in Triefenstein Huller, Lothar (Hrsg.: Markt Triefenstein). 1200 Jahre Homburg am Main. Band 1 (von 2) (1981, Gemeinde Markt Triefenstein), S. 190-192

Schlagwörter

Im Bildarchiv lässt sich dieses Foto in voller Größe ansehen, auf der Karte verorten und mit der Umgebung vergleichen.

Ähnliche Aufnahmen