Die Inschrift über dem Eingang der Schreinerskapelle
Aufgenommen am 27. Mai 2012 · Standort 49.59002, 9.37942
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Die Walldürner Schreinerskapelle (Laurentiuskapelle):
Die Kapelle wurde 1726 von Anna Maria Kuhn, der Witwe Hans Adam Kuhns, gestiftet. Da die Kapelle in Walldürn auch schreiners Kapelle genannt wird, vermute ich einmal, dass Hans Adam Kuhn Schreiner war.
Die Kapelle steht -früher hier noch auf dem Felde außerhalb Walldürns- an einemFernhandels- und Wallfahrtsweg, der heute noch Heidingsfelder Weg heißt, weil auf diesem Wege auch heutzutage noch jährlich die Heilig-Blut-Wallfahrer aus Heidngsfeld (Würzburg) ihre letzte Etappe von Höpfingen nach Walldürn wallen. Auf dieser Route verlief früher auch die Fernhandelsstraße aus dem Neckartal via Walldürn nach Hardheim und von dort weiter nach Würzburg-Nürnberg-Augsburg bzw. durchs Erftal zum Main und weiter nach Frankfurt, Speyer etc.
.
Über der Eingangstüre des kleinen Feldkapellchens befindet sich ein rundes Fenster, um das sich herum auf rotem Stein folgende Inschrift zieht:
GOTT UND DEM HEILIGEN BLUD ZU LOB UND EHR DIESEN KABELEN AUFF -
RICHTEN LASEN ANNA MARIA KUHNIN HANS ADAM KUHN WIDIBS
AO 1726
.
Im Innern der Kapelle findet sich ein Altar, dessen farbenfroher Rückwandaufbau zentral -und rechts und links von jeweils einem Engel gehalten- das Heilig-Blut-Bild zeigt. Über diesem in einer Wolke Gott (oder Jesus?) mit Zepter und darüber noch der Heilige Geist in Form einer weißen Taube. Unter dem Heilig-Blut-Bild, von zwei Engelsköpfen umrahmt, findet sich ein kleines Inschriftenmedaillon mit folgendem Text:
Daß heilig blut
herr Jesu christ zu
Waltür?n corpera?
ist ?AMK
.
Rechts und links vom Aufbau befinden sich an der Wand noch jeweils eine Heiligenfigur, die vom selben Künstler wie der Altar-Rückaufbau stammen dürften (alles vermutlich Originalausstattung der Kapelle):
Links eine Nonne mit wissbegieriger, in einer Schriftrolle lesenden Schülerin bzw. eher Tochter, denn hierbei handelt es sich um die typische Darstellung der Heiligen Anna wie sie gerade ihrer Tochter Maria -der späteren Mutter Jesu- das Lesen lehrt. Auch da die beiden die Namenspatroninen der Stifterin -Anna Maria Kuhn- sind, dürfte es sich also ziemlich sicher um diese beiden handeln. Anna ist zudem u.a. auch die Patronin der Witwen und Tischler (Schreiner). (Mir erschließt sich allerdings generell nicht, warum Anna nahezu immer in Nonnentracht dargestellt wird. Hatte sie etwa bereits in weiser Vorausahnung vor Christi Geburt das erste christliche Kloster gegründet?)
Rechts an der Wand ist ein Heiliger mit Palmwedel (Märtyrerpalme) zu sehen - eine übliche Darstellung des Heiligen Laurentius (hier also ohne Rost), dessen Namen die Kapelle ja auch in diversen Quellen trägt.
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