Die Abzweigung zum ehem. Standort des Gickelhofs
Aufgenommen am 14. Februar 2014 · Standort 49.68116, 9.42671
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Der Gickelhof (südwestlich von Hundheim)
Meine Karten (z.B. amtl. topogr. Karte 1:25.000) sind bzgl. des abgegangenen Gickelhofs leicht fehlerhaft:
(a) Ca. 100m südlich von hier, direkt südlich des Wegs am Beginn des riesigen Gickelfelds, stand bis vor wenigen Jahren ein kleiner Hof (weitere Fotos hier und hier). Jener direkt an diesem Hof vorbeiführende Weg ist auf der digitalen Version der Karte Gickelhof benannt und direkt unterhalb des Gebäudesymbols findet sich auf der Karte (Gemarkungs-?)Name Gickelhof. Bei diesem Gebäude handelte es sich aber nicht um den schon Ende der 1950er-Jahren abgetragenen Gickelhof, sondern um ein Forsthaus, in welchem der fürstliche Förster Rudolf Dosch mit seiner Familie wohnte, bis er am 11.7.1967 hier im Dienst tödlich verunglückte.
(b) Der eigentliche Gickelhof hat ca. 100m weiter nördlich direkt am (heutigen) Waldrand gelegen, also da, wo diese Fotos entstanden: Die amtlichen Karten haben ungefähr dort einen kleinen und kursiv geschriebener Vermerk ehem. Gickelhof, der nach Kartenlegende den volkstümlichen Namen eines Wohnplatzes bezeichnet. Und tatsächlich finden sich hier im Dickicht noch zahlreiche Reste alter Gebäude, Keller- und Brunnenschächte usw. (vgl. diese Fotos ) – die letzten Überbleibsel des Gickelhofs.
Zur Geschichte des Gickelhofs konnte ich folgendes finden: .
Der Gickelhof existierte mindestens schon seit 1544, da für dieses Jahr ein Nikolaus Nahm als Hofpächter urkundlich erwähnt ist. Danach übernimmt dessen Sohn Johann Nahm den Hof bis 1569, anschließend besitzen bis 1572 Klaus Lerm 1/4 und Wolf Erlenbach 3/4 des Gickelhofs.
Ab 1572 wird Peter Löhr, Hofbauer aus Steinbach (Teil-)Pächter des Gickelhofs. Seine Nachkommen werden -mit kurzer Unterbrechung- bis 1849 den Gickelhof nach dem Erbstandsrecht (anteilig) gepachtet haben und dort leben. (1849 verläßt Donatus Löhr mit seiner Familie als der letzte Löhr den Gickelhof und wandert nach Nordamerika aus. Sein Erbstandsrecht verkauft er 1850 im Konkursverfahren an den Wertheimer Rechtsanwalt Heinrich Schuhmann.) .
Ab 1589 besitzt auch Peter Ditter einen Anteil (1/4) des Gickelhofs, welchen er von seinem Vater Valentin vererbt bekommen hatte. .
Vermutlich aufgrund wiederholter Plünderungen während des 30jährigen Krieges (1618-48, vgl. Infos zu den beiden Meßhöfen) liegt der Gickelhof von 1634-1652 wüst. .
1652 kehrt dann Peter Ditter als erster Bewohner auf den Hof zurück. Spätestens 1654 sind mit Matthäus Löhr auch die Löhrs wieder auf den Gickelhof zurückgekehrt. .
1765 wandert der in Konkurs geratene Adam Löhr mit seiner Familie nach Ungarn aus. .
1793 sind Georg Löhr und Peter Bundschuh Hofbesitzer. .
1889 erwirbt das Haus Löwenstein-Wertheim-Freudenberg die Höfe Otterhof und Gickelhof. .
Der Gickelhof ist dabei seit 1869 von Ambrosius Eisenhauer aus Steinfurt gepachtet, dessen Nachkommen den Gickelhof als letzte Pächterfamilie beinahe 90 Jahre lang bewohnen. .
Im Jahre 1958 schließlich verläßt Gregor Eisenhauer nach Ablauf seines Pachtvertrags als letzter Bewohner den Gickelhof. Er zieht auf einen Pachthof bei Hetzlos nahe Gemünden am Main. Unmittelbar danach werden bereits die ersten Gickelhof-Gebäude abgetragen.
1897 wird außerdem der 22jährige Karl Josef Greiner vom Gickelhof auf dem Hundheimer Friedhof beerdigt (ein Foto von ihm findet sich auf seinem Grabstein), dessen –wie ich vermute- Vater Waldhüter auf dem Gickelhof war. Entweder wohnten die Greiners also gemeinsam mit der Pächterfamilie Eisenhauer (s.o.) auf dem Gickelhof oder die Waldhüterfamilie Greiner bewohnte das nahe Forsthaus (s.o.) am Rande des Gickelfelds.
Quellen:
PDF-Datei "Mühlen" auf [hardheim.info
mündl. Auskunft von Karl Höfert, Steinbach (2014)
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Im Bildarchiv lässt sich dieses Foto in voller Größe ansehen, auf der Karte verorten und mit der Umgebung vergleichen.
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