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Die 7. der 7 Stationen (Unmäßigkeit)- Matheus Breunigs Bildstock aus dem Jahr 1710

Die 7. der 7 Stationen (Unmäßigkeit)- Matheus Breunigs Bildstock aus dem Jahr 1710

Aufgenommen am 22. Juni 2012 · Standort 49.75551, 9.32258

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Die 7. der 7 Stationen (Unmäßigkeit)- Matheus Breunigs Bildstock aus dem Jahr 1710 Die 7. der 7 Stationen (Unmäßigkeit)- Matheus Breunigs Bildstock von 1710 in Freudenberg: Im Gegensatz zu den anderen Bildstöcken dieser Kreuzweg-Serie hat dieser Bildstock kein Inschriften-Medaillon (mehr) direkt unter dem Bild. . Inschrift auf dem Sockel: ANNO 1710 hatt Gott Zu Ehren dies(s)en bilt stock lassen Auffrichten der ersa(h)me MATHEUS breunig Die sieben Fußfälle (7 Stationen): Es gibt in Freudenberg insgesamt sieben dieser Sandstein-Bildstöcke aus dem Jahr 1710, die allesamt ähnlich aufgebaut sind und in den Motiven sich ähneln. Grund: Diese sieben Bildstöcke gehören zusammen; sie werden in Freudenberg die 7 Stationen oder auch die 7 Fußfälle (weil Jesus sieben Mal zu Boden fiel) genannt. Sie stehen auf dem Weg von der Altstadt zum Friedhof und zeigen den Kreuzweg Christi in eben sieben Stationen. Außerdem thematisiert jeder der sieben Bildstöcke eine andere der sieben Todsünden in einem ovalen Inschriftenfeld direkt unter dem jeweiligen Bild, also: Neid - Unkeuschheit - Stolz - Zorn - Trägheit - Geiz - Unmäßigkeit Hier fehlt das entsprechende Inschriften-Medaillon vollständig. Da aber nur noch eine letzte Todsünde nicht abgebildet wurde, musste dieser Bildstock folglich die Unmäßigkeitthematisieren. . Die abgebildete Kreuzwegstation: Die Kreuzigung Christi. . Fotos weiterer Bildstöcke dieser Serie 7 Fußfälle gibt es hier. Verwandtschaft der 7 Stifter: Zwei dieser Bildstöcke weisen als Stifter jeweils jemanden mit Nachnamen Breunig aus: Gertrauta und Matheus. Aber mehr noch: Alle sieben Stifter der 7 Stationen sind miteinander verwandt: ° Caspar Lerm war damals ein einflußreicher Mann in Freudenberg: Von 1690 bis 1701 ist er praetor (Schultheiß), anschließend consul(Bürgermeister) Freudenbergs (bis mindestens 1709). Parallel dazu war er ununterbrochen auch Ratsmitglied (Senator) und als solcher auch einer der 12 Schöffen beim Orts- und Centgericht der Stadt. Caspar Lerm stiftete auch die große Nepomuk-Statue (1714), die heute abseits der Mainbrücke am Wiesenweg bei der neuen Stadtkirche steht. Caspar Lerm starb am 8. Juli 1719. ° Adam Lerm war ein Bruder von Caspar Lerm. ° Dieter(ich) Lerm war ein Sohn des Caspar Lerm und Angehöriger der Büttnerzunft. ° Christoph Meyer war ein Schwiegersohn des Caspar Lerm. ° David Groß war ein weiterer Schwiegersohn des Caspar Lerm und Angehöriger der Metzgerzunft, worauf auch das Zunftzeichen am Sockel seines Bildstocks hinweist. David Groß übernahm 1727 die Ausschankgenehmigung (Schildgerechtigkeit) des alten Gasthauses Zum Ritter. Von 1732 bis 1742 war David Groß dann auch Bürgermeister in Freudenberg. ° Matthäus Breunig war ein Sohn des Paulus Breunig, welcher wiederum ein weiterer Schwiegersohn des Caspar Lerm war. Paulus Breunig war Eisenschmied und stiftete 1687 zusammen mit zwei weiteren Schmiedemeistern einen Bildstock mit Statue des Erzengels Michael. Die Statue ist noch erhalten und schmückt heute das Freudenberger Rathaus. ° Gertrauda Breunig war eine Schwester des Paulus Breunig. Grund der Stiftung: Über den genauen Grund dieser großen Familienstiftung kann nur spekuliert werden, da es dazu keinerlei Aufzeichnungen gibt. Evtl. war der Grund sehr banal (rein spekulativ): Die Ratsmitglieder Freudenbergs hatten beschlossen, dass ein Stationsweg von der Stadtkirche zum Friedhof doch eine schicke Sache wäre. Caspar Lerm sah es daraufhin aufgrund seiner hohen Position in Freudenberg als angebracht an, eine der sieben Stationen zu finanzieren. Womöglich packte ihn dann ein narzisstischer Ehrgeiz und er überredete Mitglieder seiner Familie, auch die restlichen 6 Stationen zu finanzieren. Helmuth Lauf (s.u.) hat aber auch ein paar Fakten zusammengetragen, die als Erklärung für die ungewöhnliche Stiftung des Lerm-Clans dienen könnten: Im Lerm-Clan gab es im Stiftungsjahr 1710 viermal Nachwuchs. Alle vier Kinder überlebten. 1710 wurden 130 Kinder in Freudenberg gefirmt, unter ihnen 8 Kinder des Lerm-Clans. 1709 gab es in Freudenberg ein großes Hochwasser, das schlimme Schäden anrichtete. Auf das Hochwasser folgte eine bittere Kältephase, die weitere Not brachte. Quellen der Infos über die 7 Fußfälle: Mai, Eugen. Geschichte der Stadt Freudenberg am Main. Unitas (Bühl, 1908). und Lauf, Helmuth. Bildstöcke, Hausmadonnen und Hausheilige in Freudenberg. FN-Druck (Tauberbischofsheim, 1982)

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