Denkmalgruppe zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
Aufgenommen am 11. Mai 2012 · Standort 49.70484, 9.34770
Zum Bild
d00966 &
d00967 &
Denkmalgruppe zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
Denkmalgruppe (u.a. mit Steinkreuz und Bildstock) zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg):
Die Kleindenkmale unter den beiden großen Tannen befinden sich im Gewann Drei Billen(drei Bilder), welches sicherlich aufgrund dieser Denkmalgruppe so heißt.
.
Als ich das erste Mal an dieser Denkmalgruppe vorbei kam, war mein spontaner erster Eindruck, dass es sich hier wohl um einen alten Richtplatz handeln muss: Am Ende des Fußwegs der Alten Steige und des Eichenbühler Gemeindegebiets gelegen, hätte ein solcher Richtplatz zum einen eine abschreckende, warnende Funktion für alle daran vorbei Reisenden; zum anderen wäre die Lage nahezu typisch für einen früheren Richtplatz, denn diese wurden gerne oberhalb des Ortes auf einem Hügel oder einer Bergkuppe angelegt (vgl. auch die Lagen der vielen Gemarkungen mit Namen Galgenberg o.ä.): Einerseits wollte sicherlich niemand einen Richtplatz in unmittelbarer Nachbarschaft haben, weshalb alleine diese natürlich schon außerhalb des Ortes bzw. am Ortsrand angelegt wurden. Andererseits sollte der zum Tode Verurteilte aber auch vom Richtplatz aus noch ein letztes Mal den Blick über seine schöne Heimat werfen dürfen - um umso wehmütiger dem Tode entgegenzutreten...
Die Annahme eines Richtplatzes war für mich aber auch zusätzlich aufgrund der vorgefunden Kleindenkmale plausibel: Das Steinkreuz mit Richtschwert als Symbol des Richtplatzes (vgl. Steinkreuz am Tauberbischofsheimer Richtplatz auf dem Sprait), der Bildstock daneben als letzte Möglichkeit für den zum Tode Verurteilten, im Gebet um Vergebung der Sünden zu bitten und der größere der beiden Steine mit Vertiefung auf der Oberseite als Richtblock, auf welchen der Verurteilte seinen Kopf zur Enthauptung zu legen hatte. (Bei genauerer Überlegung war der Richtblock aber wohl eher aus Holz, denn sonst wäre das Richtschwert sehr schnell stumpf geworden...)
Ich konnte jedoch in Literatur und Web keinerlei Hinweise darauf finden, dass es sich hier tatsächlich um den alten (Eichenbühler?) Richtplatz handeln könnte. Dagegen fand ich aber auf suehnekreuz.de drei unterschiedliche Sagen, welche um den Grund der Errichtung des Steinkreuzes konkurrieren (s.u.).
.
Das Steinkreuz zeigt auf der Vorderseite das Relief eines Richtschwerts und stammt laut Bayerischem Landesdenkmalamt aus dem 17. Jahrhundert.
.
Der Nischenbildstock ist ungewöhnlich niedrig (Rest der Säule samt Sockel mit Inschrift unter der Erdoberfläche?) und beinhaltet keine Figur mehr in der Nische.
.
Außerdem befinden sich unter den beiden großen Tannen noch jene zwei bereits erwähnten rätselhaften, rechteckigen Steinblöcke mit Vertiefungen auf der Oberseite. Der eine Block ist ca. 20cm hoch, der andere ca. 50cm. Evtl. sind sie die Sockel/Fundamente von zwei weiteren, nicht mehr vorhandenen Bildstöcken. Der Flurname drei Billen (=drei Bilder) ließe dies vermuten.
Die drei Sagen zur Errichtung des Steinkreuzes:
.
Die Sage von der Richtstätte eines Bauern-Anführers im Bauernkrieg (ca. 1525):
Nach dieser Sage soll im Bauernkrieg (die Kämpfe in der Region waren v.a. im Sommer 1525) an der Stelle des Kreuzes ein Anführer des regionalen Bauernhaufens hingerichtet worden sein. Das Schwert auf dem Kreuz wird folglich als Richtschwert interpretiert.
Auch wenn das Landesdenkmalamt das Kreuz auf das 17. Jahrhundert datiert, schließt dies nicht zwingend aus, dass die Bauernkriegs-Legende auf einer wahren Begebenheit beruht: Evtl. wurde das Kreuz zur Erinnerung ja auch erst später (evtl. exakt 100 Jahre später?) aufgestellt...
.
Die Sage vom ermordeten Frankenthaler Juwelier (1607):
Demnach steht das Kreuz an der Stelle eines Raubmordes und wird konkret mit den Ereignissen in Zusammenhang gebracht, zu welchen sich Aufzeichnungen in den Reichenbacher Chroniken des Pfarrers Martin Walter finden:
Item im Junio dieses Jahrs [1607] ist ein Jubilirer [= Juwelier] von Frankenthal bei Eichenbühl und Neunkirchen zwischen Wertheim und Miltenberg, samt seinem Diener überfallen, spoliert [= ausgeraubt] und ermordet worden.
Da sich über den Mord also in der Reichenberger Chronik von einem Pfarrer berichtet wird, hat dieser sicherlich auch tatsächlich stattgefunden. Auch die dortige Beschreibung des Tatortes würde den hier fotografierten Ort zumindest nicht ausschließen.
Und da das Verbrechen damals also offenbar für großes Aufsehen gesorgt hatte (schließlich erfuhr man ja sogar im fernen Reichenbach in der Grafschaft Erbach davon...) und ein Juwelier sicher vermögende Erben hatte (die sich die Errichtung eines Steinkreuzes als Gedenkkreuz leisten konnten), wäre es auch in dieser Hinsicht zumindest plausibel, dass das Kreuz zur Erinnerung an jene Bluttat hier steht.
.
Die Sage von den drei Handwerksburschen, die sich beim Teilen des Lohns gegenseitig im Streit erschlugen (1625?):
Die dritte Sage, die sich um die Errichtung des Steinkreuzes (und des Bildstocks) rankt, berichtet von drei Handwerksburschen, die beim Teilen des erhaltenen Lohns derart in Streit gerieten, dass sie sich an obiger Stelle schließlich gegenseitig erschlugen.
Für diese Sage würde sprechen, dass laut Flurname drei Billen hier früher drei Bildstöcke (Kreuz + Nischenbildstock + weiterer verschwundener Bildstock oder gar Kreuz + 3 Bildstöcke, von denen zwei (bis auf die Sockel?) verschwunden sind?) gestanden haben müssen - also für jeden hier gestorbenen Handwerksburschen jeweils ein Bildstock. Zumindest ein weiterer und mitterweile (bis auf den Sockel?) verschwundener Bildstock ist dokumentiert. Auf jenem war auf einer Rahmenleiste zu entziffern: (...) WURD PETER RORIG (...) ERBARLICI (...) ALHIE ENTLEIBT IEMERLIC (...).
Auch ein Eintrag im Eichenbühler Rechnungsbuch von 1625 wird in diese Sage einbezogen:
1/2 fl für einen oberländischen Mann, welchen sin mitgesell, alß sie von der Rheinischen Erndt heraufzogen, uff der staigen umbracht, zu begraben.
Jedoch ist es ziemlich zweifelhaft, dass die Gemeinde oder ein Bürger von Eichenbühl einem augenscheinlich mittellosen Saisonarbeiter neben einem Armenbegräbnis auch noch einen Bildstock stiftete. Noch unwahrscheinlicher ist es freilich, dass drei solcher Saisonarbeiter sich gegenseitig umbrachten und alle drei jeweils einen Bildstock erhielten. (Selbst wenn sich die Gemeinde Eichenbühl zur Errichtung eines Denkmals an der Stelle eines -vermutlich Aufsehen erregenden (aber in keiner Chronik erwähnten?)- Dreifachmordes entschlossen hätte, so hätte sie wohl eher einen Bildstock für alle drei zusammen errichten lassen...
.
Quelle:
Alle drei Sagen sind zitiert nach suehnekreuz.de, DER Website zum Thema Steinkreuze.
Die Alte Eichenbühler Steige:
Die Alte Steige (gepflasterter Weg für Fuhrwerke) führte von Eichenbühl vorbei an der Turmklinge hoch auf die Eichenbühlhöhe (nahe der Dürreklinge). Ein Fußweg führte auf direktem Wege direkt parallel zur Turmklinge hoch auf die Eichenbühlhöhe - und damit direkt vorbei an dieser Denkmalgruppe.
Am Anfang der Alten Steige am heutigen Ortsrand von Eichenbühl zeugt der Mautturm (14./15 Jhd.) noch davon, dass die Benutzung dieser wartungsintensiven Steige früher - und zwar noch bis ins Jahr 1818- mautpflichtig war.
Da die Alte Steige ein Teilstück der früher wichtigen (Fern-)Handels- und Heerstraße zwischen Frankfurt und Nürnberg war, waren die Einnahmen sicherlich nicht gerade gering.
Die Alte Steige war von der Gemeinde Eichenbühl vom Erzstift Mainz gepachtet und musste daher von der Gemeinde auf eigene Kosten erhalten werden. Ein Teil der Maut-Einnahmen ging als Steuer nach Mainz, der Rest ging an die Gemeinde. Von den Einnahmen zahlte die Gemeinde auch den Lohn für den Steigenwärter.
Schlagwörter
- Deutschland
- Baden-Württemberg
- Tauberfranken
- Bayern
- # A- Frühling
- # Wegkreuz
- # Naturpark Bergstraße-Odenwald
- # UNESCO Geo-Naturpark
- # Ruine-Denkmal
- Erfatal
- # 1600 - 1699
- Eichenbühl
- # 1500 - 1599
- # Baum
- # Todesstelle
- # Sage-Legende
- Ebenheid
- #Str. - St 507
- Umpfenbach
- #Str. - K 2831
- #Str. - MIL 21
- #Str. - Alte Steige
- Neunkirchen
- Ebenheiderhof
- # Bauernkrieg
- Alte Steige
- Berglein
- Überhag
- Eichenbühlhöhe
- 1525
- Turmklinge
- 1625
- 1607
- Drei Billen
- * Rorig - Peter Rorig
Im Bildarchiv lässt sich dieses Foto in voller Größe ansehen, auf der Karte verorten und mit der Umgebung vergleichen.
Ähnliche Aufnahmen
-
Denkmalgruppe zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
11. Mai 2012
-
Denkmalgruppe zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
11. Mai 2012
-
Denkmalgruppe zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
11. Mai 2012
-
Denkmalgruppe zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
11. Mai 2012
-
Steinkreuz mit Richtschwert (17. Jhd.) zwischen zwei großen Tannen oberhalb der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
11. Mai 2012
-
Denkmalgruppe zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
11. Mai 2012
-
Denkmalgruppe zwischen zwei großen Tannen oberhalb des Fußwegs der alten Eichenbühler Steige (Alte Handelsstraße Frankfurt - Nürnberg)
11. Mai 2012
-
Blick zur Denkmalgruppe zwischen den zwei großen Tannen mit heftigem Unwetter am Horizont
11. Mai 2012