Das sagenumwobene Kreuz (1525) bei der alten Steinachbrücke
Aufgenommen am 8. Januar 2013 · Standort 49.50566, 10.01820
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Das sagenumwobene Kreuz (1525) bei der alten Steinachbrücke:
Das relativ kleine Kreuz hebt sich von den üblichen Sühne- oder Gedenkkreuzen des 16. Jahrhunderts besonders dadurch hervor, dass es auf der Vorderseite ein Wappenschild in flachem Relief trägt und zudem eine Jahreszahl - 1525 - eingeschlagen sein soll(te).
Das Wappenschild ist noch gut zu erkennen, vom Wappen selbst allerdings nicht mehr allzu viel: Von der Mitte nach links oben könnte sich ein dünner Strich gezogen haben.
Die in der Liste der Baudenkmäler in Bieberehren erwähnte Inschrift 1525 konnte ich nicht mehr erkennen.
Die Arme des Querbalkens sind mit ca 10cm sehr kurz.
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Um das Kreuz ranken sich diverse Sagen.
Nach Schüßler (1984) (s.u.) soll das Kreuz an den dortigen Tod des Ritters von Geyernerinnern, der seine leibeigenen Bauern hart unterdrückt hätte und ein ungerechter Mensch gewesen wäre. Als (im Mai/Juni) 1525 der Bauernkrieg in der Region seinen kriegerischen Höhepunkt erreicht hatte und der Bauernhaufen hier Richtung Würzburg vorbei zog, sollen sich die hiesigen Bauern angeschlossen haben, um sogleich endlich dieGeyerburg am Turmberg zu stürmen und plündern. Da die Frau des verhassten Ritters als gerecht und gut galt, gewährte man ihr freien Abzug. Das, was sie in einer Erdbutte (Werkzeug zum Wiederhochtragen der abgeschwemmten Erde in Weinbergen) tragen konnte, durfte sie dabei mitnehmen. Der Burgherrin gelang es angeblich, heimlich ihren Mann und ihr Lieblingshündchen darin zu verbergen und machte sich so schwer beladen auf den steilen Abstieg hinunter zur Tauber, wo sie sich verstecken wollten. Die Bauern suchten noch lange vergeblich auf der Burg nach dem verhassten Ritter, brandschatzten die Burg und stiegen auch wieder ins Tal hinab. Gerade als der Bauernhaufen im Tal an der Steinach ankam, sprang der Hund bellend aus dem Versteck. Der Ritter war gefunden. Die Bauern schlugen ihn hart, erstachen ihn und nagelten seinen Leichnam mit ihren Spießen an eine Weide am Steinachufer. Dann zogen sie weiter.
Als viele Jahre später die Weide gefällt und zersägt wurde, fand man in ihrem Innern angeblich die Rüstung und die Knochen des Ritters.
(Eine leicht abgeänderte Version dieser Geschichte findet sich auch auf suehnekreuz.deunter dem Titel Der Hund als Verräter.)
Diese Geschichte hat jedoch ein paar Ungereimtheiten:
Zwar gab es zu jener Zeit noch in der Region ein fränkisches Adelsgeschlecht namensGeyer von Giebelstadt (auch nur Geyer oder Geyern genannt), aber: 1525 war der einzige männliche, schon erwachsene Geyer ein Ritter namens [Florian Geyer]. (Sein Vater war bereits 1492 verstorben und seine beiden Brüder waren zu dem Zeitpunkt auch schon tot.) Florian Geyer jedoch war keinesfalls ein bei den Bauern verhasster und ungerechter Burgherr, im Gegenteil: Er schlug sich entschieden auf die Seite der Bauern, war als deren Berater tätig und übernahm schließlich sogar mit die Führung des taubertäler Bauernhaufens! Aus seinem Vermögen stellte er sogar eine einige hundert Mann starke Kerntruppe des taubertäler Bauernheers auf, den sogenannten Schwarzen Haufen. Falls hier also tatsächlich ein Ritter vom Bauernmob gelyncht wurde, dann sicher nicht Florian Geyer, sondern ein anderer. (Florian Geyer starb übrigens auch noch 1525, allerdings im Gramschatzer Wald bei Würzburg, wo er am 10. Juni von zwei Knechten seines Schwagers ausgeraubt und erstochen wurde.)
Auf der dem Steinkreuz gegenüber liegenden Uferseite der Steinach wird das Tal wirklich vom in der Geschichte erwähnten Turmberg begrenzt. Jedoch stand auf diesem Berg vermutlich nie eine Burg, sondern eben nur ein Turm. (Wartturm, ca. 15. Jhd.).
Das Wappen auf dem Steinkreuz ist heute nicht mehr gut zu erkennen. Die noch erkennbaren Teile weisen aber keinerlei Ähnlichkeit mit dem Wappen der Geyer auf.
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Kistner (1971) gibt die Geschichte dann auch ein wenig anders weiter und verbindet das Kreuz mit der Burg Klingenstein. (Auf der (heute großteils bewaldeten) Felsnase direkt oberhalb der kleinen Ortschaft Klingen stand einst eine Burg - Burg Klingenstein, von der heute immerhin noch der Burgstall zu sehen ist.)
Die edlen Ritter hier zu Klingenstein
-so nannte sich ein Zweig des Stammes Ehenheim-
verteidigten mit großem Mut ihre einst so stolze Burg,
als sie Händel hatten mit der Reichsstadt Rothenburg.
Conz, der Ältere von Ebenheim
flüchtete an der Tauber in einen Baum hinein.
Dort hat man ihn mit einem Spieß erstochen,
später fand man nur noch seine Rüstung und die Knochen.
(...)
Laut Kistner (1971) wusste ein Alt-Bürgermeister noch zu ergänzen, dass der Ritter sich zusammen mit seinem Hündchen in dem hohlen Baum versteckt hatte und das Hündchen den Ritter schließlich durch Bellen den Bauern verriet.
Doch damit war die Sache noch nicht beendet:
Das war das jähe Ende uns´rer Ritterschaft;
uns´ren Klingern hat dies nicht gepaßt.
Denn nun erschienen deren Geister jenen Leuten,
die sich dieses Schicksals noch erfreuten.
In ihrem Herrenhof, genannt dem Rumplershof,
war fortan der Teufel los.
Hier erschienen Ritter ohne Haupt
und Pferde mit geflochtenen Schwänzen tobten laut.
Dies war im Hofe nicht mehr auszuhalten,
deshalb haben sie den Pfarrer eingeschalten.
Er hat im gebet die Geister angesprochen
und ihnen so die Macht genommen.
Der Geistliche, er handelte ganz klug
und verbannte sie in einen Krug.
Den Krug vergrub man so nach sich´rer Weise
in die Wurzeln einer alten Eiche.
Jetzt kehrte in dem Rumplershofe Ruhe ein-
der Eiche wünschte man ein gut´ Gedeihn.
(...)
.
Auffallend ist, dass beide Varianten der sich um das Kreuz rankenden Sage einen Hund und einen Baum thematisieren.
Auch die Tatsache, dass sich ein Wappen auf dem Kreuz befindet, spricht stark dafür, dass es sich nicht um ein übliches Sühnekreuz, sondern eher um ein Gedenkkreuz (für einen Adligen) handelt. (Evtl. ist dieser aber auch bloss hier in der Steinach ertrunken...)
Und die eingehauene Jahreszahl 1525 -die ich aber nicht mehr finden konnte- drängt natürlich nahezu den Verdacht auf, dass das Kreuz wegen eines Unglücks errichtet wurde, welches in unmittelbarem Zusammenhang mit dem in jenem Jahr hier wütenden Bauernkrieg gestanden haben sollte.
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verwendete Quellen:
Kistner, Hugo. Klingen (Niederstetten: Druckerei Knenlein, 1971).
Schüßler, Herbert. Erlebtes Tauberland. Band 1 (Bergatreute: Verlag Wilfried Eppe, 1984).
[Liste der Baudenkmäler in Bieberehren](http://de.wikipedia.org/wiki/ListederBaudenkm%C3%A4lerinBieberehren
Wikipedia.org: Artikel über Florian Geyer, Geyer von Giebelstadt und Reinsbronn
suehnekreuz.de
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- * Ebenheim - Conz der ältere von Ebenheim
- * Geyer - Geyer von Giebelstadt
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