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Das 'Reformationsbild' - Bildstock von 1615 mit Abbildung der Stifterfamilie und zwei Wappen (u.a. Julius Echter)

Das 'Reformationsbild' - Bildstock von 1615 mit Abbildung der Stifterfamilie und zwei Wappen (u.a. Julius Echter)

Aufgenommen am 15. Mai 2012 · Standort 49.74801, 9.32584

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Das 'Reformationsbild' - Bildstock von 1615 mit Abbildung der Stifterfamilie und zwei Wappen (u.a. Julius Echter) Das Reformationsbild - Bildstock von 1615 mit Abbildung der Stifterfamilie: Das Bild ist in drei Teile gegliedert: . Ganz oben befinden sich zwei Wappen: Das linke davon ist das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn. Das rechte Wappen soll laut Mai (zitiert nach Cucuel/ Eckert) auf die Wertheimer Grafen hinweisen, die Freudenberg vorübergehend protestantisch gemacht hatten. (Evtl. stellt das rechte Wappen aber auch einfach nur das Wappen der Stifterfamilie dar.) Entsprechend bezeichnet Mai den Bildstock als Reformationsbild, das daran erinnern soll, dass Freudenberg damals wieder katholisch geworden war, nachdem es zuvor mehr als über 100 Jahre (zwangs-)reformiert war. (Details: siehe unten) . Im zweiten Teil des Bildes ist die Kreuzigungsszene dargestellt._ . Im dritten, untersten Teil sind schließlich die vier bereits erwähnten Stifter, kniend zum gekreuzigten Jesus betend, abgebildet und direkt daüber jeweils benannt (Schrift nur noch teilweise vorhanden, v.l.n.r.): PAULUS KERN - ??? KERN - BARBARA BRUN - ??? STEINERIN - Direkt unter dem dreigeteilten Bild, auf dem oberen Ende der Säule findet sich das Stiftungsjahr: ANNO 1615 . Darunter, leicht vom Jahr abgesetzt, folgt eine relativ umfangreiche Inschrift: O Armudt groß . O menschheit bloß Am Kreützes Stam . O Gottes Lamb Deine Wuntte . Rodt . Kome mir zu gutt Dein leitten und sterbe . mach mich zum . Erben in deinem Reich . dem Engeln gleich. . Wo Gott geit . da hilfft kein neidt wo Gott nicht geit . da hilfft kein Arbeit was Gott thut bescher . kans kein mensch Erwehrn. Historischer Hintergrund: Das Wertheimer Grafenhaus ist 1612 erloschen (also 3 Jahre vor dem Errichten des Bildstocks). Freudenberg war von 1552 bis 1612 (Heimfall an das Hochstift Würzburg) und später dann erneut von 1631 bis 1633 evangelisch, 1615 war es also seit erst drei Jahren wieder katholisch. . Vielleicht (meine Vermutung) ist der Bildstock ja aber auch aus einem ganz anderen, viel existenzielleren Grund von der Stifterfamilie errichtet worden: 1615 hatte Freudenberg große Jahre des Leids hinter sich (ab 1625 folgten weitere): 1601 herrschte im Ort eine große Hungersnot, auch 1607 gab es ein großes Sterbenund von 1611 bis 1612 regierte die Pest in Freudenberg. Die Stifter hatten diese schrecklichen Zeiten offenbar überlebt und womöglich aus Dank den Bildstock gestiftet. Dazu würde auch die auf den ersten Blick merkwürdig zusammen gewürfelte Stifter-Vereinigung passen: Zwei Männer mit Nachnamen Kern, eine Frau Br(a)un und eine Frau Steiner(in). Entweder sind die beiden Damen die Ehefrauen der beiden Herren Kern und auf dem Bildstock mit ihrem Mädchennamen genannt oder die vier Personen (Geschwister und/oder Schwager?) sind die verwitweten Überbleibsel ihrer in den vorangegangenen Notzeiten gestorbenen Familien. 29 Jahre nach Errichtung dieses Bildstocks, nämlich 1644, wurde ein Hans Kern, Sternwirt, unversehens von einem Bürger erschossen. War Hans Kern womöglich der zweite männliche Stifter des Bildstocks, dessen Vorname auf dem Bild nicht mehr erhalten ist? (Zumindest eine Verwandtschaft zu den Stiftern bestand sicherlich.) Quellen: Cucuel, Ernst & Eckert, Hermann Die Inschriften des badischen Main- und Taubergrundes; Wertheim-Tauberbischofsheim. J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung (Stuttgart, 1942) Mai, Eugen. Geschichte der Stadt Freudenberg am Main. Unitas (Bühl, 1908). Lauf, Helmuth. Bildstöcke, Hausmadonnen und Hausheilige in Freudenberg FN-Druck (Tauberbischofsheim, 1982).

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