Das Linsenkreuz (Rückseite)
Aufgenommen am 8. Juni 2012 · Standort 49.64955, 9.74224
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Das Linsenkreuz
Die Sage vom Linsenkreuz:
Früher gab es in Großrinderfeld so viele Schafe, dass zwei Schäfer von der Gemeinde beschäftigt wurden. Einmal liesen beide ihre jeweilige Herde zwischen Schellenbaum und Gerchsheimer Grund grasen. Zur Mittagszeit bekamen sie von der Gemeinde einen Topf Linsensuppe geliefert. Sie setzten sich zum Essen ungefähr an den Rand des kleinen Wassergrabens, ungefähr dort, wo heute das Linsenkreuz steht. Dabei gerieten sie über die gerechte Aufteilung der in der Suppe befindlichen Speckbrocken derart in Streit, dass sie sich gegenseitig erschlugen. An ihrer Todesstelle wurde dann das Linsenkreuz errichtet.
Wenn diese Sage der Wahrheit entprechen sollte, würde es sich also um kein Sühnekreuz, sondern eher um ein (von Angehörigen oder der Gemeinde errichtetes) Gedenkkreuzhandeln. Ich bezweifle jedoch, dass an der Geschichte auch nur ein Funken Wahrheit ist: Zum einen ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass sich zwei Streitende wirklich gegenseitig erschlagen, vielmehr sollte doch i.d.R. einer zu Tode kommen und einer überleben. (Dann wäre es plausibel, dass der Mörder das Kreuz errichten musste, es sich also um einSühnekreuz handelt.) Zum anderen ergab eine schnelle Internetrecherche, dass es im deutschsprachigen Raum noch einige andere alte Steinkreuze gibt, die ebenfalls Linsenkreuz genannt werden. Sollen der Errichtung all dieser Kreuze wirklich Linsen-Streitereien vorangegangen sein? Warum gibt es dann nicht auch Kartoffel-, Fleisch-, Brot-, Wein- oder Bierkreuze? Boari.de vermutet vielmehr, dass die Linse sich eher vom Personennamen Linso bzw Linzo ableitet. Evtl. wurde hier also vor vielen Jahren ein Linso ermordet bzw. er musste als Sühne das Kreuz errichten.
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Verwendete Quellen:
Losch, Bernhard. Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg.(Theiss: Stuttgart, 1981)
suehnekreuz.de
Siegel, Hans Werner. Zwischen Tag und Dunkel. Sagen und Geschichten aus dem Taubergrund. (FN-Druck: Tauberbischofsheim, 1982)
Schultheiß, Siegfried. Sagenhafte und wahre Großrinderfelder Geschichten.(Heimat- und Kulturverein Großrinderfeld: Großrinderfeld, 2012)
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