Das Appeleskreuz
Aufgenommen am 9. Oktober 2011 · Standort 49.69550, 9.70130
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Das Appeleskreuz
Inschrift auf dem Kreuz (1475) am Ortsausgang von Wenkheim nach Großrinderfeld:
-
Inri
14^° quto fia 6ta p9festum pu [???]
o [?] [?] marie dus fride ric9 appel tunc tp [?]
[???] leban9 in wen [?]
[?] m armus in pio:7 occubuit
Vervollständigt, korrigiert und die Abkürzungen ausgeschrieben lautet dielateinische Inschrift:
147quinto feria sexta post festum purificationis mariae dominus fridericus appel tunc temporis plebanus in wenkheim armis impiorum occubuit
Auf Deutsch lautet die Inschrift somit:
1475 am Freitag nach Mariä Lichtmeß kam Herr Friedrich Appel, zu jener Zeit Pfarrer in Wenkheim, durch frevlerische Waffengewalt ums Leben.
Datum, an welchem Pfarrer Friedrich Appel hier ermordet wurde:
1475 am Freitag nach Mariä Lichtmeß = Fr., 3. Februar 1475
historischer Hintergrund:
Ein Pfarrer mit Namen Friedrich Appel ist für 1467 in Freudenberg bezeugt. Vermutlich ist er der gleiche wie der in der Inschrift genannte, der für 1469 bereits als Wenkheimer Pfarrer nachgewiesen ist.
Da die von Martin Luther gestartete Reformation erst ca. im Jahre 1517 begann, handelte es sich beim hier ermordeten Wenkheimer Priester folglich um einen katholischen. Heute ist Wenkheim eine überwiegend evangelische Gemeinde aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Grafschaft Löwenstein-Wertheim ab 1625.
Quelle:
Ernst Cucuel & Hermann Eckert Die Inschriften des badischen Main- und Taubergrundes - Wertheim-Tauberbischofsheim, J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung Stuttgart (1942)
Das Kreuz wird in Wenkheim Appeleskreuz genannt und stand ursprünglich am Südostausgang des Dorfes bei der Straße nach Großrinderfeld. (Nach einer Zwischenstation im Garten des ev. Pfarrhauses landete es am jetzigen Standort.)
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Der am ursprünglichen Standort des Kreuzes ermordete Pfarrer Friedrich Appel ist vermutlich der Fredericus Apel, welcher 1455 in Leipzig immatrikuliert war und aus Wertheim stammte.
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Friedrich Appel fertigte im Jahre 1469 eine Beschreibung der Pfarrgefälle an, wobei er bei einigen Wenkheimern unruhig vermerkte. Dies ist einer der ersten Hinweise auf die aufkommende feindselige Stimmung gegen die weltlichen und kirchlichen Obrigkeiten und deren Repressionen, welche nur ein Jahr nach der Ermordung Appels, also 1476, mit dem Pfeifer von Niklashausen (Hans Böhm aus Helmstadt) ein populäres Sprachrohr fand und schließlich 1525 (Bauernkrieg) in die desaströse Niederlage der Bauern bei Königshofen mündete.
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Die Inschrift auf dem Kreuz wurde von Cucuel (s.o.) etwas zu frei übersetzt:armis impiorum occubbuit heißt vielmehr er fiel durch die Waffen der Frevelhaften (Ungläubigen).
Damit erscheint der Mord in einem anderen Bild: Es hat sich hier wohl nicht um einen gewöhnlichen Raubmord gehandelt, sondern vielmehr fiel der Pfarrer wohl eher einem wütenden Bauern-Lynchmob zum Opfer.
Das Kreuz sollte also wohl auch neben seiner Erinnerungsfunktion alsWarnung vor den Ungläubigen dienen.
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(Quelle: Elmar Weiß. Wenkheim. (2009))
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- * Appel - Friedrich Appel
- 1475
- 1475 - 03.02.1475
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