Blick zum Bildstock von 1613 an der alten Reuenthaler Straße nach Weilbach
Aufgenommen am 26. Juli 2014 · Standort 49.66131, 9.23292
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Der Bildstock von 1613 an der alten Reuenthaler Straße nach Weilbach
Der Bildstock steht an der alten Reuenthaler Straße nach Weilbach, ca 500m westlich von Reuenthal, ungefähr 200m nach der Abzweigung der alten von der neuen Reuenthaler Straße (Sandäcker).
Der monolithische Bildstock ist mit seinem Satteldach-Nischenaufsatz und den drei einfachen Kreuzreliefs (eines in der ca 3cm tiefen Nische und jeweils eines außen auf den Seitenflächen des Oberteils) typisch für regionalen Bildstöcke des späten 16. bzw. frühen 17. Jahrhunderts. (Über den Kreuzstamm des Nischenkreuzreliefs wurde in jüngster Zeit leider ein buntes Marienrelief zementiert.) Die Nische war einst vergittert, worauf noch zwei Befestigungslöcher ober- und unterhalb der Nische hindeuten.
Eine kleine Besonderheit der Kreuzreliefs ist, dass die Kreuzstämme nach unten immer breiter werden, bis sie ganz unten sogar die Breite des Kreuzquerbalkens erreichen (vgl. Pestkreuz östlich von Reuenthal).
Unter dem Nischen-Oberteil folgt ein wenige Zentimeter hoher Übergang zum vierkantigen Bildstockstamm, auf dessen Vorderseite ganz oben in großen, fetten Ziffern die Jahreszahl 1613 im Relief zu erkennen ist (vgl. Pestkreuz östlich von Reuenthal). Auf der rechten Seitenfläche findet sich dann auf gleicher Höhe, aber erheblich kleiner und dünner der kaum mehr zu entziffernde Stiftername eingehauen: .
MARCUS
NEUBERGER .
Die beiden unteren Drittel des Bildstockstamms, der direkt an einer alten Weinbergsmauer lehnt, sind heute von Efeu umwachsen, weisen aber ohnehin keine weiteren Inschriften oder sonstige Besonderheiten auf.
.
Auch vor dem anderen, östlichen Ortseingang Reuenthals –an der Weggabelung von Monbrunner Steige und den Wegen nach Reichartshausen/ Wenschdorf bzw. Neudorf – wurde im selben Jahr (1613) ein vergleichbarer Bildstock errichtet. .
Jener östliche Bildstock ist in der Gegend als
Pestkreuz bekannt (Quellen: s.u.). Demnach wurde er damals errichtet, um den Schwarzen Tod vom Dorf (Reuenthal?) abzuhalten. Ein solches Vorgehen war damals durchaus üblich und es kam in jener Zeit im Vorfeld des Dreißgjährigen Krieges in der gesamten Region immer wieder zu Pestepidemien, so dass ein solcher Setzungsgrund nicht unrealistisch ist. Davon ausgehend und die Ähnlichkeit dieser beiden auch noch zeitgleich gesetzten Bildstöcke bedenkend, erscheint es plausibel, dass es sich auch bei obigem Bildstock um ein Pestkreuz handeln dürfte, welches die Pest aus westlicher Richtung (von Weilbach bzw. Amorbach/ Schneeberg kommend) vom Ort Reuenthal abhalten sollte. .
Zumindest jedoch dürften diese beide Bildstöcke offensichtlich vom selben Steinmetz gefertigt worden sein – ebenso wie ein dritter, weitestgehend identischer Bildstock, der sich an der alten (von Schneeberg hoch ziehenden) Hambrunner Steige auf halber Höhe mitten im Wald (Abt. Stutz) befindet. Jener Bildstock ist allerdings bereits 12 Jahre älter (1601) als die beiden anderen und hat die Jahreszahl nur sehr klein eingehauen bekommen: An der Stelle, an welcher bei den anderen beiden Bildstöcken unter der Nische in großen fetten Relief-Ziffern die Jahreszahl zu sehen ist, weist der dritte Bildstock eine Pflugschar und eine Sichel im Relief auf. Die Darstellung erinnert in ihrer Form jedoch sehr stark an die dortige Jahreszahl auf den beiden anderen Bildstöcken, ebenso wie der ansonsten ohnehin sehr ähnliche, restliche Bildstockaufbau. Wurde auch jener Bildstock an der Hambrunner Steige als Pestkreuz errichtet und nachdem Hambrunn daraufhin 12 Jahre lang (1601-1613) womöglich von der Pest verschont geblieben war, war man vom Erfolg des Pestkreuzes überzeugt und so beauftragte man den Steinmetz mit der Erstellung der beiden anderen, Reuenthaler Pestkreuze? .
Womöglich ist sogar noch ein vierter Bildstock der Umgebung demselben Steinmetz zuzuordnen: An der
von Amorbach/Schneeberg nach Neudorf hoch ziehenden alten Steige steht der Warzenstein, der arg abgeschabt ist, aber Ähnlichkeiten zu den drei anderen Bildstöcken aufweist, sich jedoch aufgrund seiner umfangreichen Inschrift auch in dieser Hinsicht grundlegend von den anderen unterscheidet.. .
Bei Köllenberger (s.u.) sind all diese Bildstöcke erstaunlicherweise nicht gelistet.
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Der Stiftername
Neuberger kommt heute noch in der Umgebung (Reichartshausen (!), Amorbach, Berndiel, Breitendiel, Schippach, Miltenberg, Weckbach,...) relativ häufig vor. Auch der andere, östlich vom Ort stehende Reuenthaler Bildstock von 1613 wurde von einem Neuberger gestiftet, jedoch von Stefan(us) Neuberger, womöglich dem Bruder des Stifters des obigen Bildstocks.
.
siehe auch:
(1) weilbach.de
(2) amorbach.de
(3) nicht gelistet in: Köllenberger, Heinrich. Die Inschriften der Landkreise Mosbach, Buchen und Miltenberg. Auf Grund der Vorarbeiten von Ernst Cucuel. (Stuttgart: Alfred Druckenmüller Verlag 1964)
Schlagwörter
- Deutschland
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- #Str. - B 469
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- 1613
- #Str. - Reuenthaler Straße
- Brunnwiesen
- * (Amorbacher Meister [Bildhauer])
- # Pestkreuz
- #Str. - Alte Reuenthaler Straße
- * Neuberger - Marcus Neuberger
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