Bildstock eines Stifters, der binnen 3 Jahren 2 Ehefrauen verlor (1604/1607)
Aufgenommen am 15. November 2013 · Standort 49.58169, 9.48274
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Der Bildstock eines Stifters, der binnen 3 Jahren 2 Ehefrauen verlor (1604/1607, Bretzingen)
Der Bildstock steht am nördlichen Ortsausgang Bretzingens (Richtung Hardheim) bei der Abzweigung des Heuackerwegs (Kapellenweg) an einem Brunnen. Der Bildstock ist in seiner Form typisch für die regionalen Bildstöcke des 16./17. Jahrhunderts. Heute zeigt der Bildstock den kreuztragenden Jesus als flaches Relief auf einer Metallplatte. Darunter dürfte sich das Originalbild als sehr flaches, direkt aus dem Stein gehauenes Relief befinden, vermutlich ein schlichtes Kreuz, wie es auch auf beiden Seitenflächen des Oberteils zu sehen ist. Bekrönt wird der Bildstock von einem Steinkreuz, welches oben auf dem Satteldach steht.
Die Inschrift zieht sich über die gesamte Stammvorderseite hin (Zeichen in eckiger Klammer sind nicht mehr zweifelsfrei zu erkennen):
LORENtZ M[Ü]
LLER ZU BR
EtZIGKEIM
SICH HILT
ZU GOtES
EHR AUFRICHt
DIS BILT
AGNEtA BA
UMENIN SEIN
HAUSFRAUW
WAR DIE
StARB IN DEM
160 UND
VIRtEN IAR
EIN SÖHLEIN
VALENtIN
SIE IHM VERLIS
DER LEBt NOCH
IN GOttES
FRIST
GEREDRAUt
SEIN ANDER
WEIB DIE
HAt BEI IHM
GELEBt EIN
KURtZE ZEIt
UND StARB
IM 1607 IAR
GOt HELF [IM]
ALLEIN [???]
Die letzte oben zitierte Zeile befindet sich bereits zur Hälfte unter der Erdoberfläche, evtl. setzt sich die Inschrift also noch fort. Da der Bildstock nicht allzu hoch ist, wäre es gut möglich, dass sich noch einige Zeilen unter der Oberfläche befinden.
Die Inschrift wurde also in Reimform verfasst, was bei Anpassung der Zeilenumbrüche deutlicher wird:
Lorentz Müller zu Bretzigkeim sich hilt,
zu Gotes Ehr Aufricht dis Bilt.
Agneta Baumenin sein Hausfrauw war,
die starb in dem 160 und virten Iar.
Ein Söhlein Valentin sie ihm verlis,
der lebt noch in Gottes Frist.
Geredraut, sein ander Weib,
die hat bei ihm gelebt ein kurtze Zeit
und starb im 1607 Iar.
Got helf [ihm] allein [???].
.
Unklar bleibt für mich, ob der Stifter Lorenz Müller hieß und in Bretzingen lebte oder ob er Müller in Bretzingen war und Lorentz Baumann hieß.
Auf Grundlage der von den Genealogenfreunden Hardheim und Umgebung zusammengetragenen Personendaten gehe ich eher davon aus, dass der Stifter Lorenz Baumann hieß: Im Gegensatz zu einem Lorenz Müller konnte ich nämlich einen Lorenz Baumann in der _Datenbank der Genealogenfreunde Hardheim finden, bei dem es sich um den Stifter handeln könnte: Jener
Lorenz Baumann wurde demnach um 1580 geboren und starb am 14.10.1664 im Alter von 84 Jahren im benachbarten Waldstetten. Im Alter von 20 Jahren (also ca. 1600) hat er seine in der Datenbank namentlich nicht bekannte Frau geheiratet. Dabei könnte es sich also um Agneta, die erste Ehefrau des Bildstockstifters handeln, die dann (laut Bildstock) vier Jahre später schon wieder verstarb. Demnach wäre davon auszugehen, dass das auf dem Bildstock genannte Söhnlein Valentin zwischen 1600 und 1604 geboren wurde. Laut Datenbank hatte jener Lorenz Baumann auch tatsächlich einen Sohn (das einzige Kind), welcher danach Johann Valentin Baumann hieß (Rufname offenbar Valentin) und später Würzburger Schultheiß (in Waldstetten?) wurde. Johann Valentin Baumann starb vor 1658 im Alter von 48 Jahren in Waldstetten.
(Anmerkung: In jenem Zeitraum wird in der Datenbank noch ein weiterer Valentin Baumann erwähnt, der sogar direkt in Bretzingen geboren wurde (ca. 1593) und dort auch im Alter von 81 Jahren verstarb (28.9.1674). Seine Eltern sind laut Datenbank nicht bekannt. Auch er könnte also theoretisch das auf dem Bildstock zitierte Söhnlein Valentin gewesen sein.) .
Merkwürdig ist, dass der Bildstock nicht bei Köllenberger (
Die Inschriften der Landkreise Mosbach, Buchen und Miltenberg, 1964) gelistet ist, obwohl dieser nahezu alle Bildstöcke der Gegend erfasst hatte, die bis ca Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) errichtet worden waren.
verwendete Quellen:
hardheim.info, Homepage der Genealogenfreunde Hardheim und Umgebung und deren dort verlinkte genealogische Datenbank Erftal
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