Beim Franziskus-Bildstock von 1674 am Wertheimer Weg
Aufgenommen am 23. Juni 2013 · Standort 49.78618, 9.58623
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Hl. Franziskus-Bildstock von 1674 am Wertheimer Weg:
Der vierkantige, im unteren Viertel leicht breitere Stamm ruht auf einem vermeintlich sehr flachen Sockel, dessen Großteil heute allerdings einfach unter der Erdoberfläche liegt. Im oberen Stammviertel ist auf dessen Vorderseite ein
Wappenschild mit gekreuztem Winkel und Zimmererbeil, dem Zunftzeichen der Zimmermänner, und den Initialen MB zu sehen. Unter dem Wappenschild findet sich die Jahreszahl 1674.
Das schon arg verwitterte Relief-Bild zeigt den auf ein Knie gesunkenen, zum Himmel aufschauenden Heiligen Franziskus (Franz von Assisi), der die Arme in beide Richtungen wegstreckt, als wolle er Gott fragen, was das Ganze den solle. Das Bild soll ihn wohl im Moment seiner Stigmatisierung darstellen. Rechts von ihm ein knieneder, mit Rosenkranz in gefalteten Händen betender Mann, vermutlich der Stifter. Links von ihm eine weiterere Person, zum Betrachter hin gewandt und vermutlich auch betend, wohl die Stifterin. Der Stifter (rechts) scheint vor einem Baum zu knien. Hinter der linken Person erkennt man als Flachrelief eine zweitürmige Kirche.
Über dem Hl. Franzsikus scheint sich in einer Wolke der Heilige Geist (als Taube?) zu zeigen, was allerdings nur noch zu erahnen ist. Über allem, als Abschluss des Bildteils nach oben, ein beflügelter Engelskopf, links und rechts von ihm Schneckenornamentik.
An den schmalen Seitenflächen des Oberteils stehen -auf jeder Seite jeweils eine- zwei weitere Personen als Halbrelief, jeweils auf eigenen, kleinen Sockeln:
Links steht ein Mann mit etwas Größerem auf dem Arm, laut Müller & Kuhn (1990, s.u.) soll dies Josef sein. Die rechte Figur soll entsprechend Maria (mit dem Jesuskind auf dem Arm) darstellen, welche aber kaum mehr zu erkennen ist.
Der Bildstock vereint somit also das relativ seltene Motiv der Stigmatisierung des Franz von Assisi mit dem ziemlich häufig vorkommenden derHeiligen Familie.
Im unteren Viertel verjüngt sich das Oberteil mit Schneckenornamentik zum Stamm hin. Zwischen den beiden Schnecken findet sich ein Inschriftenmedaillon mit der nachgezeichneten Inschrift:
M. Breitenstein hatt Gott
dem Allmechtigen u. St.
Francisco zu ehren diesen
Bildstock aufrichten lassen
.
Über die gesamte Rückseite des Oberteils zieht sich in großen Buchstaben eine weitere Inschrift:
MRAI IHS IPH
ANNO 1674 HAtt der
ersame Martin Breiten-
stein Bürger und Zimeran
alhir und Vursula sein ehli
ge hausfrauw Gott dem
Allmechtigen und S. Fran
cisco zu ehren diesen Bil
[st]ock auffrichten lasen
Die erste Zeile ist die ASbkürzung für die heilige Familie:
Maria Jesus Joseph
-
Müller & Kuhn (1990, s.u.) haben einiges zu diesem ältesten noch existierenden Bildstock Trennfelds herausgefunden:
Der Stifter Martin Breitenstein stammte aus Luzern in der Schweiz. 1656 heiratete er die Trennfelderin Ursula Eirich, geb. Füller, die die Witwe des Zimmermanns Johann Eirich war. Martin Breitenstein übernahm nach der Heirat die Zimmerei und wurde dann wohl in relativ kurzer Zeit ein sehr angesehender und einigermaßen wohlhabender Bürger Trennfelds. So konnte er z.B. als Patin für seine erste Tochter Gertrud (* 1657) die Adlige
Gertrud von Stettenberg gewinnen und auch die übrigen fünf Kinder erhielten prominente Paten.
Im Jahr der Bildstockstiftung, 1674, starb die jüngste Tochter der Breitensteins, Ursula.
Der mündlichen Überlieferung nach hatte vor allem die Mutter der Verstorbenen deren Tod lange nicht verschmerzen können, weshalb sie unaufhörlich geweint hätte. Eines Nachts soll sie dann im Traum zunächst eine Schar weiß gekleideter Kinder gesehen haben, denen nach einer Weile alleine die verstorbene Tochter folgte. Diese hatte ein durchnäßtes Kleid an und trug einen Wasserkrug. Die Mutter hätte sie im Traum gefragt, warum sie nicht bei der Schar geblieben wäre, woraufhin das Kind geantwortet hätte, dass es den anderen aufgrund der immer größer werdenden Last des Kruges nicht mehr folgen könne: In diesem schon überlaufenden Krug sammelten sich nämlich die Tränen der Mutter. Die Mutter soll daraufhin endlich nicht mehr geweint haben. Den Bildstock ließ die Familie daraufhin zum Gedächtnis errichten.8/
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Das Hauptmotiv des Bildstocks -die Stigmatisierung des Franz von Assisi- gleicht auffällig stark dem eines nur ein Jahr älteren Bildstocks (1673), der am Ortsausgang (Richtung Lengfurt) des benachbarten Homburgs steht. Außerdem steht nur ca 2,5km entfernt, am Straßenrand der MSP36 im Eichwald, ein weiterer, ähnlich alter Bildstock, mit stilistisch ähnlichem Hauptmotiv: Bei jenem Bildstock sind zwar der auf Knien betende Jesus am Ölberg und die schlafenden Jünger zu sehen, die Anordnung der Figuren und die Gesamtkomposition des Oberteils lassen aber vermuten, dass auch dieser Bildstock vom selben Steinmetz geschaffen worden sein muss.
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verwendete Literatur:
Müller, Edith & Kuhn, Burkard (Hrsg.: Markt Triefenstein). Trennfeld am Main - Ein fränkisches Dorf im Wandel der Zeiten. (1990, Gemeinde Markt Triefenstein/ Echter Verlag, Würzburg)
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- * -Heiliger Josef
- * -Heiliger Franziskus (Franz von Assisi)
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- 1674
- * Breitenstein - Martin Breitenstein
- * Breitenstein - Ursula Breitenstein
- * Eirich - Ursula Breitenstein verw. Eirich geb. Füller
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