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Auf der Alten Straße

Auf der Alten Straße

Aufgenommen am 29. September 2013 · Standort 49.68386, 9.75068

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Alte Straße östl. von Großrinderfeld - Hier wurde angeblich der Weinhändler Bögner überfallen Hier verlief die alte Straße von Tauberbischofsheim nach Würzburg, die ein Teilabschnitt eines einstmals bedeutenden Fernhandelsweges war. An obiger Stelle soll laut Schultheiß (s.u.) im 17. Jahrhundert der Tauberbischofsheimer Weinhändler Bögner überfallen worden sein. Durch massive Gegenwehr soll es Bögner gelungen sein, den Überfall zu überleben. Heute soll noch das kleine, silberne Kruzifix, welches auf ca. 4m Höhe an einer Kiefer angebracht ist (vgl. obiges Foto), die Stelle des Überfalls markieren. Dieser Zusammenhang erscheint mir jedoch fraglich. Zumindest stammt jenes Kruzifix aus dem 20. Jahrhundert. Nach Schultheiß (s.u.) ließe sich das damit erklären, dass es als Ersatz für einen Bildstock platziert wurde, welcher ursprünglich hier zum Gedenken an den Überfall gestanden haben soll. Dieser Bildstock, Schultheiß nennt ihn das Bögnersbild, steht heute ca. 1km weiter südwestlich am Hachtelweg (Fotos des Bildstocks hier). Bevor der (erneuerte) Bildstock an seinen jetzigen Standort kam, stand er offenbar an der Landstraße zwischen Großrinderfeld und Gerchsheim, wo er jedoch wiederholt von Fahrzeugen beschädigt und deshalb schließlich nach einer grundlegenden Renovierung an seinen jetzigen Standort versetzt wurde. (Es dürfte sich beim heutigen Bildstock sogar um eine Kopie handeln.) Der vorherige Standort an der Landstraße war aber wohl auch nicht sein Originalstandort, welchen Schultheiß eben an obiger Stelle (vgl. Foto) vermutet. . Zwar ist es auch aus meiner Sicht schlüssig, dass ein Bildstock aus dem 17. Jahrhundert ursprünglich nicht an der heutigen Landstraße zwischen Großrinderfeld und Gerchsheim, sondern vielmehr eben an der Alten Straße –also dem alten Fernhandelsweg- gestanden hatte. Einen plausiblen Zusammenhang zwischen diesem Bildstock und dem angeblichen Überfall (mündl. Überlieferung) auf den Weinhändler Bögner kann ich aber indes nicht erkennen: Die Namen auf dem Bildstock – Hans Veit und Catarina Sengel(in)- lauten anders und auch die restliche Inschrift liefert keine Hinweise darauf, dass der Bildstock zum Gedenken an einen glimpflich ausgegangenen Überfall errichtet wurde. Es ist allerdings durchaus möglich, dass die Inschrift des Original-Bildstocks derart verwittert/ zerstört war, dass sie nicht mehr korrekt entziffert und daher bei der Übertragung auf die heute am Wegesrand stehende Bildstockkopie verfälscht angebracht wurde: Die gesamte heutige Inschrift ist äußerst untypisch im Vergleich zu den üblichen Bildstockinschriften jener Zeit (Anno ... hat Gott zu Lob und Ehr (Stiftername) dieses Bild aufrichten lassen. o.ä.) und ergibt zudem wenig Sinn: IESUS CHRISTUS WAR. GOTT UND / MENSCH MEIN ERLÖSER / ANNO 160Z S IAR / HANS VEIT / CATARINA SENGELIN Womöglich hieß es im Original ja gar nicht ERLÖSER, sondern ... BÖGNER... (Auch die Jahreszahl könnte falsch übertragen worden sein, worauf das vermeintliche S zwischen der Zahl und dem Iar hindeutet: Evtl. ist das S eigentlich die letzte Jahresziffer (z.B. eine 5 oder 6) und die 0 bloß ein verzierender Kreis o.ä. (was nicht selten vorkam) in der Mitte der Jahreszahl. Damit würde der Bildstock also womöglich aus dem Zeitraum um 1625 -aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges- stammen.) . Weiter ungewöhnlich an der Inschrift: Die beiden Namen -Hans Veit und Catarina Sengel- stehen in keinem erkennbaren Bezug zueinander. Üblicherweise ist auf einem Bildstock ein Stifter bzw. ein Stifter-Ehepaar (z.B. Hans Veit und Catarina seine Hausfrau) genannt, in seltenen Fällen ein –dann aber meist lediges- Geschwisterpaar oder eine Erbengemeinschaft, die dann aber auch i.d.R. als solche benannt wird. Bei den beiden heute zu lesenden Namen konnte ich keinen Zusammenhang erkennen. Eine Katharina Sengel konnte ich für den fraglichen Zeitraum nur in Seligenstadt (südl. von Frankfurt, ca 90km von Tauberbischofsheim entfernt) finden (Internetquellen, s.u.): Sie war die dritte Frau des Seligenstädter Stadtschreibers und kaiserlichen Notars Johann Kaspar Bensheimer des Älteren (1562-ca.1624) und heiratete nach dessen Tod einen Heinrich Wal(t)z. Einen Hans Veit, konnte ich sogar zweimal in Tauberbischofsheim finden, und zwar im Schatzungsregister des Amtes Bischofsheim aus dem Jahre 1578 (nach Gehrig & Müller, s.u.): Zum einen den Schlosser Hans Vaidt, der allerdings nur einen kleinen Weingarten im Wert von 30 Gulden besaß und sich damit eher nicht die Stiftung eines Bildstocks leisten konnte. Und zum anderen einen Hanns Vaydt, der immerhin eine Behausung im Burkfirtl (80 Gulden), und 3 Garten, einer im Rodla und 6 Weingarten (172 Gulden) sein Eigen nennen konnte. Er könnte also in der Tat der auf dem Bildstock genannte Hans Veit sein. Unklar bleibt aber dennoch der Stiftungsgrund und dabei vor allem, warum ein Bischofsheimer zusammen mit einer Seligenstädterin hier einen Bildstock errichtet haben soll. Waren die beiden evtl. -wie Schultheiß vermutet- doch zufällig auch hier auf dem alten (Fern-)Handelsweg unterwegs, sahen wie der Weinhändler Bögner überfallen wurde und retteten ihn durch ihr energisches Eingreifen, woraufhin dieser zum Dank den Bildstock errichten und auf diesem seine Retter namentlich nennen ließ? . Dagegen spricht allerdings das Stiftungsdatum des Bildstocks (1602): Nach Gehrig & Müller (s.u.) wird der erste Bögner in den alten Bischofsheimer Aufzeichnungen erst im Jahr 1696 genannt – und zwar ein Wilhelm Bögner als reicher Bäckermeister und Besitzer der Badmühle. Ab 1709 fing dieser dann wohl auch so langsam mit dem Weinhandel an (also über 100 Jahre nach der Errichtung des Bildstocks). Erst sein Sohn Johann Georg Bögner verlegte sich dann ganz auf den Weinhandel und erbaute 1744 das Barockpalais am Marktplatz (Bögner-Haus, heute Mackert´sches Haus). Vielleicht ist an der mündlichen Überlieferung ja dennoch etwas dran, es wurde ein vermögender Vorfahre des Weinhändlers Bögner überfallen und nachdem dann die Familie Bögner im 18. Jhd. mit dem Weinhandel bekannt wurde, wurde auch dieser damals überfallene Bögner allmählich immer mehr schon mit dem Weinhandel in Verbindung gebracht. Oder der Weinhändler Bögner wurde irgendwann im 18. Jhd. auf der Alten Straße überfallen und zwar zufällig genau an der Stelle, an der schon seit über 100 Jahren ein Bildstock stand, so dass der Bildstock im Laufe der Zeit schließlich direkt mit dem Überfall in Verbindung gebracht wurde... verwendete Quellen: Schultheiß, Siegfried Sagenhafte und wahre Großrinderfelder Geschichten. (Würzburg: Beckdruck GmbH 2012), S. 54-56 & S.87 (Hrsg.: Heimat- und Kulturverein der Gesamtgemeinde Großrinderfeld e.V.) Gehrig, Franz & Müller, Hermann Tauberbischofsheim. (TBB: FN Druck 1997); S. 189, 190 & 223 (Hrsg.: Verein Tauberfränkische Heimatfreunde e.V.) de.geneanet.org Schopp, Manfred. Heilkunst im 17. Jahrhundert: Wie Dr. Menni die Seligenstädter Mönche kurierte und dabei mit Abt Leonhard I. in Streit geriet. (Grin Verlag 2013); eBook

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