Altes Gedenkkreuz (1666) am Hohlwiesengraben
Aufgenommen am 10. Januar 2014 · Standort 49.58997, 9.48797
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Das Gedenkkreuz für Georg Schmitt (1666) am Hohlwiesengraben (Bretzingen)
Das alte Kreuz steht am Fuße der aufgegebenen Hohlwiesenweinberge direkt am Hohlwiesengraben, in welchem ein kräftiges Bächlein fließt. Da der Hang hinter dem Kreuz –der ehem. Weinberg- ein unpassierbares, dorniges Dickicht (und zudem Naturschutzgebiet) ist, ist das Kreuz am besten über die auf der anderen Uferseite liegende Hohlwiese zu erreichen.
Nach Losch (s.u.) gibt es zu dem Kreuz zwei volkstümliche Überlieferungen: Die eine besagt, dass es sich bei dem Kreuz um das letzte Überbleibsel des alten Bretzingens hendele, welches offenbar in dieser Gegend lag und im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden zerstört worden sein soll. Da der Dreißigjährige Krieg aber bereits 18 Jahre vor der Errichtung des Kreuzes endlich vorüber war (1648), kann das Kreuz keinen direkten Bezug zum alten Bretzingen haben, was auch die Inschrift (s.u.) auf dem Kreuz zeigt.
Nach einer anderen Überlieferung soll hier vor langer Zeit jemand beim Schlittenfahren verunglückt sein. Auch dies wird jedoch durch die Inschrift widerlegt.
Das Buntsandsteinkreuz ist ca. 110cm hoch und dafür mit einer Spannweite von 120cm auffallend lange Kreuzarme. Im Kreuzkopf findet sich in einem Reliefring ein Christusmonogram (IHS) mit Kreuzsymbol. Direkt darunter beginnt die Inschrift:
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AO 1666 DEN
4 FEBR IST
GEORG SCHMIDT VON BRETZINGEN SEINES ALDERS
(40) IAHR ALS ER MIT SEINEM TOCHTER MAN GESUND
NACHER KÖNNIGHEIM GEFAHREN WEIN ABZUHOLEN
(UND) SEINEM TOCHTER MAN FORT(ZU)FAHREN
BEFOH(I)LEN
(ER) VBER
EIN WEIL
NACHER
GANGEN
ANDERN
TAGS (VO)M
((SEINEM))
((TOCHTER))
((???????))
((???????))
. Die ersten beiden Zeilen stehen noch auf dem Kopfbalken, Zeilen 3-6 dann auf dem Querbalken und alle nachfolgenden Zeilen schließlich auf dem Kreuzstamm. Obige Angaben in Klammer waren nicht mehr zweifelsfrei zu entziffern, Fragezeichen stehen als Platzhalter für gar nicht mehr zu entziffernde bzw. völlig weggebrochene Zeichen. Die letzten vier Zeilen (s.o.) sind nur noch zu erraten bzw. gar nicht mehr zu erkennen, wobei sich die letzte Zeile bereits halb unter der Erdoberfläche befindet. Die Inschrift dürfte sich hier wohl noch mit weiteren Zeilen fortsetzen.
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Der noch zu entziffernde Teil der Inschrift liefert also erste Informationen, warum das Kreuz hier einst errichtet wurde, die zumindest ausreichen, um die volkstümlichen Überlieferungen (s.o.) ins Reich der Legenden zu verweisen. Das eigentliche Unglück, was dem armen Georg Schmidt also an dieser Stelle konkret zugestoßen ist, bleibt aber leider dennoch im Dunkeln:
Der 40jährige Georg Schmidt aus Bretzingen wollte also offenbar –noch bei voller Gesundheit- mit seinem Schwiegersohn nach Königheim fahren, um dort Wein zu kaufen. Auf dem Weg dorthin muss aber vermutlich schon kurz nach Bretzingen, nämlich hier an der Stelle des Kreuzes, dem Georg Schmidt offenbar etwas, was ihn wohl dazu veranlasst hatte, seinem Schwiegersohn zu befehlen, alleine weiter zu fahren. Georg Schmidt wollte dann anscheinend eine Weile später seinem Schwiegersohn nachfolgen, wurde dann aber, wie ich vermute, einen Tag später irgendwo auf der Strecke von diesem tot aufgefunden.
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Es lassen sich sogar weitere Hintergründe recherchieren, die noch etwas mehr Licht ins Dunkel bringen: In der
genealogischen Datenbank Erftal der Genealogenfreunde Hardheim und Umgebung findet sich nämlich ein Georg Schmitt, bei welchem es sich um den auf dem Kreuz genannten Georg Schmidt handeln dürfte: Jener Georg Schmidt wurde demnach am 2.10.1825 in Bretzingen geboren und ist am 6.2.1666, im Alter von 40 Jahren, in/bei Königheim gestorben (bzw. wurde an jenem Tag dort beerdigt). Er hatte zusammen mit seiner Frau Maria Geiger vier Töchter und einen Sohn. Seine älteste Tochter Maria Katharina Schmitt war zum Zeitpunkt des Unglücks 19 Jahre alt und heiratete am 16.2.1666, also nur 10 bzw. 12 Tage nach dem Tod ihres Vaters, einen Bartholomäus Schmitt , der es als Wirt und Küfer in Bretzingen zum Gerichtsmitglied, Feldgeschworenen und Schultheiß brachte. Bei diesem Bartholomäus Schmitt dürfte es sich also um den auf dem Kreuz erwähnten Schwiegersohn handeln, mit dem Georg Schmitt gemeinsam nach Königheim reisen wollte, um dort Wein zu kaufen – vermutlich für die unmittelbar bevorstehende Hochzeit von Georg Schmitts Tochter Maria Katharina mit eben diesem Bartholomäus.
Was danach genau geschehen ist, bleibt aber weiterhin rein spekulativ: Evtl. erlitt Georg Schmitt am Standort des Kreuzes einen von beiden unterschätzten Schwächeanfall, weshalb er sich ausruhen und dann nachkommen wollte. Das erscheint aber wenig sinnvoll, weil auf dem Kreuz davon die Rede ist, dass beide nach Königheim fahren wollten und er dann aber –aus welchen Gründen auch immer- nachgehen wollte. (Bei einer Erkrankung/Verletzung wäre doch eher davon auszugehen, dass man auf dem Ochsen-/ Pferdegespann sitzen bleibt und schont und eben nicht durch Hinterherlaufen weiter schwächt...)
Weiterhin ist anzunehmen, dass Georg Schmitt Königheim schließlich tatsächlich noch erreichte bzw. zumindest bis kurz vor Königheim kam, denn sonst wäre sein Tod ja nicht im Königheimer, sondern im Bretzinger Totenbuch vermerkt (und er wäre in Bretzingenn und nicht u.U. sogar in Königheim beerdigt worden). Vielleicht traf Georg Schmitt ja am Standort des Kreuzes einen Bekannten, mit dem er sich unterhalten wollte und schickte seinen baldigen Schwiegersohn bloss deshalb oder aus einem anderen wenig dramatischen Grund schon voraus, so dass an dieser Stelle das letzte Mal lebendig gesehen wurde, bevor er irgendwo auf dem Weg nach Königheim dann schließlich unerwartet verstarb (Schlaganfall/Herzinfarkt?) und erst tags drauf von seinem Schwiegersohn gefunden wurde.
. Laut der
genealogischen Datenbank Erftal arbeitete Georg Schmidt übrigens wohl als Müller(-gehilfe) in der Bretzinger Mittelmühle und wurde im Ort Müllers Georg genannt.
verwendete Quellen:
Losch, Bernhard. Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg. (Theiss: Stuttgart 1981), S. 165 (Hardheim III, Ortsteil Bretzingen)
suehnekreuz.de
genealogische Datenbank Erftal der Genealogenfreunde Hardheim und Umgebung
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- 1666 - 04.02.1666
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- 1666 - 06.02.1666
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