Alkohol und Straßenverkehr - schon 1649 eine oft tödliche Kombination
Aufgenommen am 8. Februar 2013 · Standort 49.58468, 9.37094
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...ein Faslein Wein zu Kennigheim holen wöllen... - Walldürner Bildstock (1649/1692) mit wunderbar kurioser Inschrift:
Der Bildstock steht in der Walldürner Seestraße, gegenüber der Abzweigung des Breiten Gässchens. Wie der Name Seestraße schon erahnen lässt, befand sich hier -nahe des Marsbaches- früher ein kleines Seelein, in welchen der unglückselige Martin Buller am frühen Morgen des 15. März 1649 irgendwie geraten und ertrunken sein muss. Da er sich laut Bildstockinschrift vor Sonnenaufgang auf den Weg nach Königheim gemacht haben soll, um ein Fäßchen Wein zu besorgen, vermute ich einmal, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits tief ins Glas geschaut hatte und alkoholselig ins trübe Wasser getorkelt ist.
Königheim war damals zwar eine der regionalen Weinmetropolen, liegt aber immerhin ca 20km (ca. 3,5 Std. Fußmarsch) von hier entfernt. Wäre der Verunglückte Wirt gewesen, hätte er wohl gleich mehr als ein Fäßchen Wein aus Königheim mitgebracht. Daher vermute ich, dass sich Martin Buller eben aus einer Weinlaune heraus auf den langen Weg machte, der dann aber früh und jäh im kleinen See endete.
43 Jahre später (1692) wurde ihm zum Gedenken von einer Person mit Initialen M.B. (Ehefrau? Sohn/Tochter?) dieser Bildstock neben der Stelle seines Todes errichtet.
Der Bildstock besteht aus einer runden Säule ohne erkennbaren Sockel, auf der das Oberteil ruht. Dieses besteht aus einem Bildgehäuse mit außergewöhnlich tiefer Nische, Satteldach und Steinkreuz oben drauf . Die Nische ist heute mit zwei Eisenstangen vergittert, in ihr sitzt eine braune, wohl odernere Pieta. Als Köllenberger (vor 1964, s.u.) den Bildstock besichtigte, fand er auf dem Satteldach kein Kreuz, sondern an jener Stelle ein klaffendes Loch (Oberteil mit gespaltenem Satteldach) vor. Das heutige Kreuz dürfte also eine gelungene Rekonstruktion eines Kreuzes sein, welches sich ursprünglich auf dem Satteldach befand.
Auf den Seitenwänden des Bildgehäuses befinden sich außen zudem flache, schlichte Kreuzreliefs.
Die Inschrift verläuft spiralförmig, schief, ungelenk und großteils ohne Worttrennung oben um den runden Stamm herum. Ich lese sie so:
-
DEN 15ten MARTY ANNO 1649 DES MORGENS FRU VOR TAG HAT MERTEN BULLER BURGER ALHIER EIN FASLEIN WEIN ZU KENNIGHEIM HOLEN WÖLLEN DO IST ER IN DISEN SEE GEFALLEN UND DARINNEN ERTRUNCKEN DESSEN SELEN GOT GENEDIG SEIN WOLLE AMEN MB AO 1692
-
Also:
Am 15. März 1649, frühmorgens vor Tagesanbruch, hat Martin Buller, hiesiger Bürger, ein Fäßlein Wein aus Königheim holen wollen. Dabei ist er in diesen See gefallen und darin ertrunken. Gott möge seiner Seele gnädig sein. Amen. M.B. Anno 1692.
--
verwendete Literatur:
Köllenberger, Heinrich. Die Inschriften der Landkreise Mosbach, Buchen und Miltenberg. Auf Grund der Vorarbeiten von Ernst Cucuel. (Stuttgart: Alfred Druckenmüller Verlag 1964), S.210 (Nr.532)
Schlagwörter
- Deutschland
- Baden-Württemberg
- # A- Winter
- # Wegkreuz
- # Stadt-Dorf
- Neckar-Odenwald-Kreis
- #Str. - B 27
- # 1600 - 1699
- Walldürn
- Marsbachtal
- # Todesstelle
- #Str. - B 47
- #Str. - Seestraße
- #Str. - Bettendorfring
- #Str. - Breites Gässchen
- 1649
- * Buller - Martin Buller
- 1649 - 15.03.1649
- 1692
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