Büschemer Sprachhinweise

Beobachtungen zu Schreibweise, Grammatik, Autorenprofilen und Textschatz-Spuren

Vorweg

Diese Hinweise sind keine unumstößlichen Wahrheiten. Sie fassen nur zusammen, was im vorhandenen Wörterbuch, in den kuratierten Geschichten, im Textschatz und in bereits bestätigten Redewendungen auffällt. Vieles sind robuste Muster, anderes nur vorsichtige Beobachtungen.

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Schreibweise und Lautung Lange Vokale, Partizipien, Verkleinerungen

Lange Vokale werden oft sichtbar gemacht

Im Material fallen immer wieder doppelte Vokale oder gedehnte Schreibungen auf. Das wirkt oft wie eine kleine Lautspur auf dem Papier.

  • BaumBaam
  • NachtNaacht
  • TrunkTruunk

Partizipien werden stark verkürzt

Besonders bei Partizipien und festen Verbformen wird das hochdeutsche ge- häufig zu einem knappen g'.

  • gesagtg'saacht
  • gefundeng'funne
  • gehörtg'hört

Verniedlichungen springen ins Auge

Vor allem kleine Dinge landen häufig bei Endungen wie -le oder -li. Diese Formen tauchen im Wörterbuch und im Textschatz immer wieder auf.

  • BalkönleinBalgönle
  • HäusleinHaüsli
  • KäuzleinKäunzle
Grammatikalische Beobachtungen Imperfekt, Genitiv, däät

Imperfekt wird oft zu Perfekt

In den Paralleltexten sieht es deutlich so aus, als ob erzähltes Hochdeutsch im Büschemerischen gern ins Perfekt rutscht.

  • Früher sah der Wörth ganz anders aus.
    Früher hat dr Wörth ganz annerst ausgsähe.
  • In alten Zeiten fürchteten sich die Leute.
    In oalde Zeide häwwe siich die Laüt oarch gförcht vor em Hochwasser.

Der Genitiv wirkt ungewohnt

Aus unserem bisherigen Material und aus den eingebauten Regeln ergibt sich der starke Eindruck, dass der Genitiv eher vermieden wird.

  • des Kindesvom Kind
  • eines Kindesvon oam Kind

Der Konjunktiv mit „würde“ wird oft ersetzt

Eine bereits bestätigte Faustregel lautet: Hochdeutsches würde wird häufig mit däät wiedergegeben.

  • Ich würde kommen.Ih däät kumme.
Vermutete Ableitungen aus dem Hochdeutschen Wortfamilien, Kurzformen, Umbauten

Es lohnt sich, nach Wortfamilien zu denken

Wenn ein Grundwort oder eine starke Form schon im Wörterbuch steht, lassen sich davon häufig weitere Büschemer Formen ableiten. Ganz sicher ist das nicht immer, aber oft hilfreich.

  • ackernzagere, also ackertzagerd
  • abgebranntoagebrennd, also abbrenntoabrennd

Kleine Wörter werden gern sehr kurz

Gerade Funktionswörter und häufige Formen verlieren im Büschemerischen Ballast. Das macht sie beim ersten Lesen manchmal schwerer erkennbar.

  • wirmerr
  • sein / seinesej
  • wirdwärd

Die beste Übersetzung ist oft nicht wörtlich

Viele besonders gute Büscheme-Sätze sind kein Wort-für-Wort-Ersatz, sondern ein echter Umbau in Richtung Dialekt.

  • komm nicht allzu spät nach Hause
    bass uff, dass d'r koa Aül uffsitzt
  • Da hast du aber Glück gehabt.
    Doo host oawwer ä Massel kobt.
Textschatz als Goldset echte Paralleltexte statt Kunstbeispiele

Der Textschatz arbeitet nicht nur als Leseseite, sondern inzwischen auch als realistischer Prüfbestand. Besonders die beiden Paralleltexte von Irmgard Wernher-Lippert liefern echte hochdeutsch/büschemerische Satzpaare, die nicht künstlich gebaut, sondern idiomatisch formuliert sind.

  • Die vorhandenen Wörth- und Hochwasser-Texte liefern zusammen 22 echte Satzpaare.
  • Sie prüfen gerade die Fälle, in denen der Übersetzer leicht schwächelt: Imperfekt → Perfekt, lange Satzbögen, lokale Begriffe und idiomatische Umbauten.
  • Damit ist der Textschatz bereits ein ehrlicheres Goldset als bloße Kunstsätze aus Einzelwörtern.

Beispiele: Früher sah der Wörth ganz anders aus.Früher hat dr Wörth ganz annerst ausgsähe.
Der war notwendig geworden ...Der woar notwenni ...

Gemeinsame Redewendungen und Wortkombinationen was bei mehreren Autoren wiederkehrt

Wirklich identische Redewendungen sind eher selten

Der Textschatz zeigt weniger starre, wortgleiche Sprüche über alle Autoren hinweg als vielmehr gemeinsame Orts- und Lebensformeln. Das ist sprachlich interessant: Die Autoren teilen dieselbe Welt, aber nicht immer dieselbe feste Formulierung.

Auffällige gemeinsame Wortkombinationen

  • alde / oalde Boach: bei Hugo Pahl und Irmgard Wernher-Lippert; dieselbe Ortswirklichkeit, aber mit leicht anderer Schreibung des Anfangsvokals.
  • Bischeme / BISCHEME / Büscheme: bei Hugo Pahl, Josef Dürr, Eberhard Bärthel und jetzt auch bei Jürgen Wohlfarth als Ortsnennung oder Identitätswort.
  • als solcher / an sich: bei Jürgen Wohlfarth leitmotivisch, bei den anderen eher nicht; gerade das macht seine Satireform sofort erkennbar.
  • Hoam- / hoam--Formen: in mehreren Blöcken wiederkehrend, etwa bei Heimkehr, Hoamfahrt, Hoammberch oder hoamkumme; das zeigt eine starke gemeinsame Heimatsemantik.

Unterschiede in der Schreibweise

Gemeinsame Formeln werden nicht immer gleich geschrieben. Gerade am Wortanfang und bei langen Vokalen schwanken die Autoren leicht.

  • alde vs. oalde
  • Bischeme vs. Büscheme vs. BISCHEME
Wörter bei mehreren Autoren gemeinsamer Wortschatz und Varianten

Wörter, die in mehreren Autorenblöcken auffallen

  • Bischeme / Büscheme: Ortsname und Identitätswort bei Hugo Pahl, Eberhard Bärthel, Jürgen Wohlfarth und im Josef-Dürr-Material.
  • Boach: bei Hugo Pahl und Irmgard Wernher-Lippert klar belegt.
  • Dörgei: stark bei Hugo Pahl, aber auch im weiteren Material als fester Ortsbegriff sichtbar.
  • Drääg / Drääg degeeche: als Wort und als Denkfigur jetzt bei Redewendungen, im Wörterbuch und sehr markant bei Jürgen Wohlfarth.
  • Jösses: als Ausruf in mehreren Textwelten plausibel, allerdings nicht immer in identischer Häufung.

Welche Schreibweisen schwanken?

  • Bischeme / Büscheme / BISCHEME
  • alde / oalde
  • hoam- / Hoam- in Zusammensetzungen und Verben

Was diese Schwankungen bedeuten

Sie zeigen nicht automatisch Widersprüche, sondern oft nur verschiedene Schreibentscheidungen. Gerade bei Mundarttexten ist das fast normal: dieselbe Lautung kann je nach Autor etwas anders auf dem Papier landen.

Typische Autorenprofile welche Wörter und Wendungen auf wen hindeuten

Hugo Pahl

  • Dörnersduure, Käärcheduure, Spraad, Hoammberch, Dörgei
  • Typisch sind außerdem kulinarische Ketten und Listen: Quätschichploatz, Klumbeploatz, Bibbeliskääs.
  • Pahl klingt oft sofort nach Ortsblick, Geruch, Essen, Straße und dörfischer Bewegung.

Eberhard Bärthel

  • Typisch sind moderne oder rückblickende Marker wie TEENAGER, PATCHWORK-Familje, COMPUTER, LAST MINUTE, HANDY.
  • Bärthel wirkt oft generationell und kommentierend: Was früher war, wird mit dem Heute kontrastiert.

Josef Dürr

  • Bei Dürr springen Markt-, Volks- und Erzählwörter ins Auge: roode Jakob, Weltwunner, Mark(t), Schimmel(is)reiter.
  • Sein Material wirkt oft bühnischer, erzählerischer und titelstärker als die späteren Erinnerungstexte.

Jürgen Wohlfarth

  • Typisch sind lange satirische Schleifen wie der Büschemer als solcher, an sich, ir Studentli, ir vreckdi.
  • Er liebt metasprachliche und halbwissenschaftliche Masken: wissnschafdliche Abhandlung, Glassifizierungje, Kernkoambedänz.
  • Wohlfarth wirkt sofort erkennbar, sobald Ortsstolz, Schimpfen und Dorfphilosophie in langen satirischen Girlanden zusammenlaufen.

Irmgard Wernher-Lippert

  • Typisch sind lokale Sach- und Geschichtswörter: Hochwasserschutz, Wiesegräwe, Dauwerbegroadichung, Kaimauer, Leonhardskabelle.
  • Ihre Sprache ist erzählerisch, aber oft zugleich erklärend und ortsgeschichtlich dicht.
Grenzen und Vorsicht warum nicht jede Vermutung automatisch stimmt

Das vorhandene Material ist stark, aber nicht vollkommen einheitlich. Ein Teil stammt aus direkt bestätigtem Büscheme, ein Teil aus Erzähltexten, ein Teil aus Josef Dürrs Mundartmaterial, das selbst nicht in jedem Punkt identisch mit heutigem Büscheme sein muss.

  • Einige Regeln sind sehr robust, andere nur Tendenzen.
  • Ein einzelnes Wort im Wörterbuch bedeutet noch nicht automatisch, dass jede Beugung schon gesichert ist.
  • Gerade Autorenvergleiche zeigen oft eher Schreibvarianten und Tonlagen als harte Normen.
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Hinweise: Textschatz-Ausbau