Büschemer Persönlichkeiten

Lang, Josef Lang

vor 1850 – nach 1868

Buchdrucker

Der Beleg

1868 · Berufs- und Gewerbegeschichte: Buchdrucker

Von der Aschaffenburger Stiftsfaktorei zur Druckerei Schnaufer: Seit 1862 wohnte in Tauberbischofsheim der aus Bretten stammende Buchdrucker Josef Lang. Zunächst betrieb er seine Druckerei im Haus der Witwe des Thomas Hock, seit 1864 im Haus des Metzgers Lorenz Keller an der südlichen Marktplatzseite. Die Stadtverwaltung hatte seinen Zuzug lebhaft begrüßt, weil Tauberbischofsheim - im Gegensatz zu Städten vergleichbarer Größe wie etwa Wertheim oder Mosbach - damals noch keine Druckerei besaß, und war deswegen bereit, dem sich rasch entwickelnden Druckereibetrieb bessere räumliche Möglichkeiten zu bieten. Im Jahr 1868 konnte Josef Lang von der Stadt das Gebäude des ehemaligen Leiningen'schen Rentamts und das stadtaufwärts angrenzende Haus am Kirchgasseneck für 13.500 Gulden erwerben, und zwar mit der Auflage, die Gebäude nur mit Zustimmung der Stadt weiterzuverkaufen. Im Eckhaus und in dem nach hinten angrenzenden Nebenbau richtete Josef Lang seine modern ausgestattete Druckerei ein. Durch seine umfangreiche Bautätigkeit veränderte sich allerdings das Aussehen der alten Gebäude sehr stark. Auch die einschneidenden Veränderungen am Templer haus - wohl Anfang oder Mitte der 90er Jahre - stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit Baumaßnahmen der Druckerei Lang. Josef Lang war ein außerordentlich rühriger und erfolgreicher Geschäftsmann. Obwohl zunächst nur unzulänglich untergebracht, druckte er schon 1863 das Büchlein des damaligen Stadtpfarrers Dr. Karl Rombach: „Die Klosterkirche der hl. Jungfrau Lioba“. Seit 1863 brachte er die Zeitung „Die Tauber" heraus, die seit 1868 zugleich amtliches Mitteilungsblatt für die Amtsbezirke Tauberbischofsheim, Gerlachsheim, Boxberg und Walldürn war. Auch von weiter entfernt gelegenen Ämtern nahm er Druckaufträge an; so druckte er beispielsweise die „Sammlung ortspolizeilicher Vorschriften im Amtsbezirk Eppingen". Von sehr vielen Stadt- und Gemeindeverwaltungen des Großherzogtums, vor allem natürlich im nordbadischen Raum, wurde „Lang's badischer Geschäfts Kalender mit Geschäftsanweisungen für Staatsund Gemeindebeamte" regelmäßig bezogen. Er verkaufte auch Bücher, Musikalien, Vordrucke und alle Arten von Papier. In seiner politischen Einstellung war Josef Lang ein überzeugter Liberaler. Auch die von ihm herausgegebene Zeitung „Die Tauber" vertrat einen entschiedenen Liberalismus, was ihm besonders in der Kulturkampfzeit, aber auch noch in den 80er und 90er Jahren die Gegnerschaft des Zentrums und gelegentlich auch des katholischen Stadtpfarrers einbrachte. Als Josef Lang im Jahr 1898 unerwartet gestorben war, konnte seine Witwe den Geschäftsbetrieb nicht im bisherigen Umfang aufrechterhalten.

Quelle: Stadtchronik 1997 (Müller & Gehrig)

Weitere Personen namens Lang

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