Jacob, Johannes Gallus Jacob
vor 1645 – nach 1670
Hofkammerdirektor
Der Beleg
1670 · Amtsträger: Hofkammerdirektor; Würzburg
Klostergasse 10 (Seilerhaus): Das Schicksal von Johannes Gallus Jacob zählt zu den ungewöhnlichsten, die aus dieser Zeit bekannt sind. Aufstieg und Fall dieses Mannes hat W. Ogiermann44 nachgezeichnet.Geboren im Jahr 1670 in der Bischofsheimer Spitalgasse, studierte Johannes Gallus Jacob 1689 an der Universität Würzburg Logik. Er machte schon in jungen Jahren Karriere und stieg in Diensten des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau (1699-1719) zu den höchsten Ämtern auf. Als Hofkammerdirektor war er schließlich Leiter der gesamten Finanzverwaltung. Der Kaiser erhob ihn 1717 als „de Jacob von Hollach“ in den Adelsstand, womit die Aufnahme in die fränkische Ritterschaft verbunden war. Sein Wappen war ein blauer geteilter Schild, oben – seinem Namen entsprechend - die silberne Jakobsmuschel, unten drei goldene, schräg nach links verlaufende Balken. Unter dem neuen Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn (1719-1724), dem ersten Bauherrn der Residenz, kam der jähe Umschwung für Johannes Gallus de Jacob; er wurde abgesetzt, angeklagt und vor Gericht gestellt. Die Hintergründe der Absetzung und des Prozesses sind nie ganz aufgeklärt worden; die im Würzburger Staatsarchiv liegenden Untersuchungs- und Prozessakten sind beim Bombenangriff im Februar 1945 verbrannt. Nach allem, was bekannt geworden ist, hat sich Johannes Gallus de Jacob der Veruntreuung von Geldern und der persönlichen Bereicherung schuldig gemacht. So soll er sich beispielsweise durch die Abstellung von Soldaten aus dem Fürstbistum Würzburg für die Kriege Karls VI. erhebliche Nebeneinnahmen verschafft haben. Als Schadensersatz musste er die für die damalige Zeit ungeheure Summe von 600.000 Gulden zahlen, die für den Bau der neuen Residenz verwendet wurde. Vermutlich hat er diese Summe bis zu seinem Tod (1736 oder 1737) nicht ganz aufbringen können. Auf dem Hochaltar der Tauberbischofsheimer Martinskirche stehen sechs silberne Leuchter, die Johannes Gallus de Jacob gestiftet hat. Sie enthalten das Wappen des Stifters und folgende Inschrift: In Honorem Passionis Domini obtulit Sex Candelabra argentea Huic altari Johannes Gallus de Jacob, Senator Caesareus, Consiliarius Maiar in militaribus et Camerae Aulicae Consiliarius Actualis, Reverendissimi et Celsissimi Principis Herbipolensis Franciae Orientalis Ducis Consiliarius Intimus, Camerae Director et Consiliarius in Bellicis. Übersetzung: Zum ehrenden Andenken an das Leiden unseres Herrn stiftete sechs silberne Leuchter für diesen Altar Johannes Gallus von Jacob, Kaiserlicher Rat, Oberkriegsrat und Wirklicher Rat der Hofkammer, des hochwürdigsten und erhabensten Fürsten von Würzburg, des Herzogs von Ostfranken, Geheimer Rat, Kammerdirektor und Kriegsrat. Wann und aus welchem Anlass erfolgte die Stiftung? Auf den Leuchtern ist keine Jahreszahl angegeben, und auch eine Stiftungsurkunde, die uns näheren Aufschluss geben könnte, existiert nicht, so dass wir auf Vermutungen angewiesen sind. Nach Meinung von W. Ogiermann sind die Leuchter von Johannes Gallus de Jacob nach seinem Sturz (1719/20) gestiftet worden; sie„ verkünden seinen guten Willen zur Sühne für etwaige Vergehen seines Lebens". 45 Für diese Annahme gibt es gute Gründe. Folgt man ihr, gibt allerdings der Stil der Inschrift - die stolze Aufzählung aller Ämter und Ränge in der fürstbischöflichen Verwaltung ohne jeden Hinweis darauf, dass dies alles vergangen, verloren ist - einige Rätsel auf. Von Reue, Bereitschaft zur Sühne ist eigentlich nichts zu spüren. Auch in der Eingangsformel („Zum ehrenden Andenken an das Leiden unseres Herrn ...“) ist nichts von Einsicht in persönliche Schuld erkennbar; er schreibt beispielsweise nicht: „In demütiger Bitte um Vergebung seiner Sünden ...“. Nicht auszuschließen ist jedenfalls die Möglichkeit, dass Johannes Gallus de Jacob die Leuchter schon vor seinem Sturz gestiftet hat, in seiner Glanzzeit, als er auch noch die finanziellen Mittel für diese kostbare Stiftung besaß. Wie lange in dem kleinen Haus in der Klostergasse, dem Geburtshaus des Johannes Gallus de Jacob, das Seilerhandwerk ausgeübt wurde, ist nicht bekannt.
Quelle: Stadtchronik 1997 (Müller & Gehrig)
Weitere Personen namens Jacob
- Jacob, Caspar & Magdalena 1578
- Jacob, Caspar Jacob 1554
- Jacob, Gallus Jacob 1689
- Jacob, Hans Stephan Jacob 1661
- Jacob, Joh. Adam Jacob 1681
- Jacob, Joh. Gallus Ignaz Jacob 1718
- Jacob, Valentin Jacob 1726
- Jacob, Wolff Jacob 1619
Im Personen-Index lässt sich dieser Eintrag im Zusammenhang durchsuchen, mit unscharfer Namenssuche, Registern und Zeitstrahl.